Archiv für Juni 2016

Rechtsterrorismus in Frankreich?

Das „Antifa Infoblatt“ schreibt:

Seit dem 10. Juni 2016 findet in Frankreich die Fußball-EM 2016 statt. Überschattet von den massiven Streik- und Protestbewegungen und Arbeitskämpfen im Land hat ein Teil der Öffentlichkeit allerdings buchstäblich Besseres zu tun hat, als sich um den Ballsport am Bildschirm zu kümmern.

In diese Situation hinein platzte Anfang Juni ebenso eine Nachricht über die Festnahme eines 25jährigen Franzosen, Grégoire Moutaux, an der polnisch-ukrainischen Grenze. Ihn hatten ukrainische Sicherheitskräfte bereits am 21. Mai dieses Jahres am Grenzübergang Yagodyn – zwischen dem ukrainischen Lutsk und der polnischen Stadt Lublin – festgenommen, die Öffentlichkeit erfuhr dies allerdings erst am 6. Juni 2016. Vassyl Hrytsak, Chef des ukrainischen Inlandsgeheimdiensts Sluschba bespeky Ukrajiny (SBU), gab an dem Tag eine Erklärung zu der Festnahme und ihren Hintergründen ab.
Ihm zufolge wurde der Franzose mit einem Waffenarsenal in seinem Kleinbus aufgegriffen. Die Rede ist von drei Granatwerfern, sechs Kalaschnikow-Gewehren, einem „großen Munitionsvorrat“, circa 125 Kilogramm Sprengstoff der Marke TNT und rund einhundert Zündern.

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Deutsche Skin-Band bei „Streetkids-Party“

Via der „Blick nach Rechts“:

Trommelfoier“, ein Trio aus Bremen und Osnabrück, tritt am Samstag bei ihrem ersten Auslandsauftritt im tschechischen Brno auf.

Bands aus verschiedenen Ländern bei der „Streetkids-Party“ am Samstag in Brno (Screenshot)
Die rechtsgerichtete Skinhead-Band reiht sich dort mit anderen Festivalteilnehmern bei der 15. Auflage der „Streetkids-Party“ ein. Neben einheimischen Bands sind am 18. Juni auch die Combo „The Trolls“ aus Polen sowie Solomusiker Frank Marshall, Sänger von „Franky Flame“ aus Großbritannien, angekündigt. Marshall fiel bereits wiederholt mit fremdenfeindlichen Äußerungen auf.

„Trommelfoier“ bezeichnet sich selbst als unpolitisch aber patriotisch. Ein erster Mini-Tonträger wurde über „Aggressive Zone Records“ veröffentlicht, dem Label von Thüringens NPD-Landesvorstandsmitglied Patrick Weber aus Sondershausen. In einem Interview mit dem „Nachtwächter Fanzine“ auf Politik angesprochen, spricht der Bassist der norddeutschen Band von der „internationalen Hochfinanz“, die von Rechtsextremisten verwendete gebräuchliche antisemitische Beschreibung, wenn diese gegen die angeblich die Welt mit ihrem Geld regierenden Juden wettern. (hf)

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Rechtsrock-Events am Wochenende

Der „Blick nach Rechts“ schreibt:

21.06.2016 – Für einen Auftritt am kommenden Samstag „live in Ostsachsen“ bewirbt unter anderem auch die international agierende „Blood&Honour“-Bewegung vier ostdeutsche Bands.

Hassmusik am Samstag in Ostsachsen; (Screenshot)
Der genaue Veranstaltungsort für den 25. Juni wird nicht genannt. Angekündigt werden dafür „Selbststeller“ aus Riesa, „Barricades“ aus Sachsen-Anhalt, „Endless Struggle“ mit Bandmitgliedern verschiedener östlicher Bundesländer sowie „Sista Bataljen“. Das letzte bekannt gewordene Rechtsrock-Konzert in Ostsachsen fand im vergangenen Dezember in der Kleinstadt Niesky statt. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von Abgeordneten der Linken hervor.

Ebenfalls für den 25. Juni wird „Naziradau im Bratwurst-Gau“ beworben. Eine genaue Örtlichkeit fehlt, doch der Hinweis auf die Bratwurst weist den Weg nach Thüringen. Dort sollen „Ex Umbra In Solem“, die erst einen kleinen Demo-Tonträger veröffentlicht haben, die 1997 in Berlin gegründete Combo „Legion of Thor“ (L.O.T.), die aus dem Raum Zürich kommende Band „Amok“ um den verurteilten Sänger Kevin Gutmann, die dem B&H-Netzwerk zugerechnet werden kann, sowie die mit Legion of Thor befreundeten „D.S.T.“, das Kürzel für die Berliner Band „Deutsch, Stolz, Treue“ um Peter Marko Brammann, auftreten. (hf)

Quelle

Sommerspektakel der Sachsen-NPD

Der „Blick nach Rechts“ berichtet:

22.06.2016 – Riesa – Die NPD Sachsen lädt am Samstag zu einem Sommerfest auf das Gelände von Haus Wieland in Riesa ein.

Dort residiert seit vielen Jahren der parteieigene Deutsche Stimme-Verlag, der die gleichnamige Parteizeitung herausgibt. Damit wird auf ein Veranstaltungsformat zurückgegriffen, dass bereits im Vorjahr angeboten wurde. Als Redner für das diesjährige Sommerfest sind der NPD-Chef Frank Franz, der sächsische Kopf der Partei, Jens Baur, sowie Jürgen Werner Gansel, Pressesprecher und Landesvorstandsmitglied der Sachsen-NPD, Stadtrat in Riesa sowie Kreisrat in Meißen, angekündigt.

Bei der Veranstaltung am 25. Juni wird zwar auf Rechtsrock-Klänge verzichtet, man will aber auch nicht ganz ohne musikalische Begleitung auskommen. Zum wiederholten Mal Gast bei der NPD ist Liedermacher „FreilichFrei“ alias Maik K. aus Zwickau, der auf Vorhaltungen mit dem Hinweis reagiert, er trete nicht aus besonderer Vorliebe für einzelne Parteien auf, sondern seine Partei sei Deutschland. Wegen des Verdachts, mit einem Lied den NSU-Terror zu verherrlichen, gab es im vergangenen Jahr eine Razzia bei dem braunen Barden, bei der auch dessen CD beschlagnahmt wurde. (hf)

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Nazi-Konzert kurzfristig genehmigt

Via „MOZ“:

Finowfurt (MOZ) Die fürs vergangene Wochenende geplante Konzertveranstaltung mit rechtsextremen Bands auf dem Grundstück der Familie Mann wurde kurzfristig genehmigt. Das bestätigt Uwe Schoknecht, Bürgermeister der Gemeinde Schorfheide, auf Anfrage der MOZ. Seine Behörde hatte dem Veranstalter, Medienberichten zufolge der NPD-Politiker Robert Wolinski, die Genehmigung versagt, dieser daraufhin rechtliche Schritte eingeleitet. „Das Verwaltungsgericht Frankfurt Oder hat einem Eilantrag des Veranstalters kurz vorher stattgegeben“, so Schoknecht. Offenbar zu kurzfristig für die Organisatoren. Es fanden keine Konzerte statt. Stattdessen sei die Szene auf den Standort Stralsund ausgewichen.
Für die Gemeinde Schorfheide ist die unerwartete Genehmigung trotzdem ein Rückschlag, nach dem sie in diesem Jahr bereits fünf Veranstaltungen im Vorfeld verhindern konnte. „Wir sind damit raus“, sagt Uwe Schoknecht. Seine Behörde will sich künftig aus der Sache zurückziehen und fordert den Landkreis Barnim sowie das Land Brandenburg auf, ihrer Verantwortung nachzukommen.

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Siehe auch: Verwirrspiel um rechtes Konzert
Nazi-Konzertveranstalter hat sich verzockt

Das Spektrum der neonazistischen Bruderschaften

Das „Antifa Infoblatt“ schreibt:

Derzeit aktive neonazistische Bruderschaften tragen Namen wie „Brigade 8“, „Blood Brother Nation“, „Midgards Wächter“, „Sons of Asgard“, „Wodan Bruderschaft“, „Bru­derschaft H8“, „Road Crew“ oder „Sturm­gruppe 44“. Manche bestehen aus einem halben Dutzend Personen, andere haben Hunderte Mitglieder und Supporter. Manche werden so schnell von der Bildfläche verschwinden, wie sie erschienen sind, andere gibt es seit über 20 Jahren. Nachfolgend betrachten wir unterschiedliche Facetten des Modells Bruderschaft und stellen Gruppen vor, die dafür exemplarisch stehen.

Die bedeutendste Gruppe in diesem Spektrum sind zweifellos die Hammerskins, die sich als Skinhead-Bruderschaft und Elite der gesamten Neonaziszene verstehen. Das AIB hat in den vergangenen Ausgaben wiederholt ausführlich über Hammerskins berichtet.1

Rechtsrock und Terror seit über 20 Jahren — Die Vandalen

Die älteste rockerähnliche Neonazi-Bruderschaft, die Wert darauf legt, kein MC zu sein, sind die Berliner „Vandalen — Ariogermanische Kampfgemeinschaft“.
Gegründet 1982 in Ostberlin treten sie seit jeher in Kutten auf. Der Kreis aktiver Mitglieder dürfte derzeit nicht mehr als 20 Personen betragen und dennoch sind die Vandalen im neonazistischen Spektrum hochgeachtet und enorm einflussreich. Seit über 20 Jahren betreiben sie das Geschäft mit neonazistischer Musik und die Vermarktung von Bands wie „Landser“, „Tätervolk“, oder „Die Lunikoff Verschwörung“ — Bands, in denen jeweils mindestens ein Vandale mitwirkt.

„Landser“ existierte von 1992 bis 2001 als Untergrund- und Kultband der Szene und gab sich das Image der „Terroristen mit E-Gitarre“. Bandleader war der Vandalen-Gründer Michael „Lunikoff“ Regener, der heute mit der Band „Die Lunikoff Verschwörung“ auftritt. Zusammen mit „Blood & Honour“-Aktiven bildeten die Vandalen bis in die 2000er Jahre eine klandestine und kriminelle Struktur zur Herstellung und Verbreitung illegaler Neonazimusik, die im Rechtsrock-Business einmalig gewesen sein dürfte: Aufnahmen der CDs in Tonstudios in Kanada oder Skandinavien, Verschiffung tausender CDs beispielsweise nach Holland, deren Schmuggel nach Deutschland und die flächendeckende Verbreitung über regionale Gewährsleute. 2001 wurde das System von der Polizei ausgehoben, 2003 wurden die Bandmitglieder von Landser verurteilt, eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben.

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Neonazis im Hamburger Rotlichtmilieu

Via „Antifa Infoblatt“:

Seit jeher berichtet das Antifaschistische Infoblatt (AIB) über Personen aus der Neonaziszene, die im Kontext krimineller Milieus, allen voran dem Rotlichtmilieu auftauchen. Immer wieder wurde auf die diversen Gefahren dieser Mischszene hingewiesen, etwa den Zugang zu Waffen, die Nutzung finanzstarker klandestiner Infrastruktur sowie den Schutz durch und den Zugriff auf ein äußerst gewaltbereites Personenpotential.

Rocker haben ihren Platz in den neonazistischen Lebenswelten gefunden und stehen seit Jahren Pate für nach außen informell wirkende Organisierungsmodelle der Szene. Wie wenig persönliche Brüche ein Wechsel vom Neonazi-Aktivisten zum Mitglied krimineller Organisationen erfordert, haben wir mehrfach skizziert. Trotzdem sollen grundlegende Gemeinsamkeiten dieser scheinbar gegensätzlichen Welten an dieser Stelle genannt werden.

Neonazis fordern Gesetzesverschärfungen und einen starken Staat gegen organisiertes Verbrechen, oft jedoch nur im Zusammenhang mit Tätern nicht-deutscher Herkunft. Dass Delikte wie Drogenhandel, Menschenschmuggel, Schutzgelderpressung, Vergewaltigung und Förderung der Prostitution zum Kerngeschäft deutscher Motorradclubs (MC) zählen, wird ignoriert. Die Wertevorstellungen sind in vielen Punkten nahezu identisch: Patriarchale Rollenbilder, die Gültigkeit des Rechts des Stärkeren, das hierarchische Prinzip von Befehl und blindem Gehorsam — welches zu Loyalität verklärt wird — und eine Gewaltaffinität einen die Milieus mehr, als diese je öffentlich eingestehen würden. Die „Outlaw“-Gebärde krimineller MCs lässt sich in der Praxis unkompliziert mit der Ablehnung des als illegitim angesehenen Staates seitens der Neonazis vereinbaren. Das Verschmelzen geschäftlicher und subkultureller Interessen macht die Welt der MCs zur Mischszene. Dazu kommen Verflechtungen in die Hooligan- und die Kampfsportszene. Szenen, in denen ähnliche Werte und Codes existieren, wodurch Überschneidungen mit Neonazis zwar nicht zwangsläufig hervorgerufen, aber begünstigt werden.

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Rechtsextreme Bruderschaften

Die „Stuttgarter Zeitung“ berichtet:

Ein NPD-Funktionär aus dem Rems-Murr-Kreis ist auch in der militanten Nazi-Szene aktiv.

Stuttgart – Im März klingelte es bei 16 Neonazis in zehn Bundesländern gleichzeitig an der Haustür. Die Beamten durchsuchten deren Wohnungen und beschlagnahmten Propagandamaterial und Waffen. Es war eine Aktion gegen die rechtsextreme Szene. Im Visier der Staatsdiener: die „Weisse Wölfe Terrorcrew“ (WWT), zu der sich 2008 Anhänger der Neonazi-Band „Weisse Wölfe“ zusammengeschlossen hatten. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte die Gruppe am Tag der Razzien auf Grundlage des Vereinsgesetzes verboten. Die Vereinigung agiere „offen und aggressiv gegen unseren Staat und unsere Gesellschaft, gegen Migranten und Andersdenkende“, erklärte der Minister.

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11.06.2016: Wiedermal Rechtsrock in Schleswig-Holstein

„Recherche Nord“ schreibt:

Am Samstag, den 11. Juni 2016 fand in Schleswig-Holstein ein Konzert der Rechtsrockband „Kategorie C“ statt. Etwa 50 bis 60 Anhänger*Innen der Neonaziszene versammelten sich zu diesem Zweck in der Gemeinde Koberg. Nahezu ungestört konnte die Veranstaltung durchgeführt werden.

Zahlreichen Anhänger*Innen der parteifreien Neonaziszene waren am vergangenen Samstag in Koberg zugegen. Über einen Schleusungspunkt an der Raststätte Gudow wurden diese zu dem etwa 25 Kilometer entfernten Veranstaltungsort im Kreis Herzogtum Lauenburg geleitet. Darunter auch der Hamburger Neonazifunktionär Torben Klebe, welcher in der norddeutschen Neonaziszene beileibe kein Unbekannter ist. Bekleidete er doch bis zum Jahr 2014 den Landesvorsitz der NPD-Hamburg. Der 1976 geborene Klebe gehörte ferner bis zum Jahr 2000 zu den Führungskräften der im Jahr 2000 verbotenen Kameradschaftsgruppe „Hamburger Sturm“ sowie des im gleichen Jahr verbotenen Neonazi-Netzwerks „Blood & Honour“ (B&H). Dieses, in mehreren europäischen Ländern legal fortbestehende Netzwerk, verfolgt das Ziel neonazistische Ideologie mittels Musik und Konzertveranstaltungen gezielt zu verbreiten.

Neben Neonazifunktionären wie Torben Klebe dürfte auch die Anwesenheit weiterer Szenegrößen eine gewisse Anziehungskraft auf die anreisenden Neonazis ausgeübt haben. Zu diesen dürften die Bandmitgliedern der Rechtsrockgruppe „Nahkampf“ gezählt werden. Deren Bandmitglieder sind mit denen der Rechtsrock- und Hooligan-Band „Kategorie C“ zum Teil deckungsgleich. So tritt der Bremer Neonazi Hannes Ostendorf als Sänger beider Formationen zumeist lautstark in Erscheinung, zuletzt im Mai 2016 auf dem sogenannten „Eichsfeldtag“, einer regelmäßig stattfindenden Neonaziveranstaltung im nördlichen Thüringen.

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Unschuldig?

Das „Lotta-Magazin“ berichtet:

Neonazi-Musiker gründen Deutschrock-Band

„Schuldig“ ist nicht etwa eine weitere „unpolitische“ Band auf dem boomenden Deutschrock-Markt, sondern ein von Mitgliedern der Rechtsrock-Bands „Extressiv“ und „Strafmass“ gegründetes Projekt. Ein „Schuldig“-Auftritt bei der „1. Lüner Deutschrock Nacht“ wurde deshalb kürzlich wieder abgesagt.
„Sänger mit Neonazi-Vergangenheit“, titelten die „Ruhrnachrichten“, nachdem das linke Journalismus-Projekt „Sechel“ erstmals über die politischen Hintergründe der „Schuldig“-Musiker berichtet hatte. Neben dieser Band sollten am 22. Februar im städtischen Kulturzentrum „Lükaz“ in Lünen (Kreis Unna/NRW) noch eine „Böhse Onkelz“-Coverband und ein „Special Guest“ auftreten. Da „Schuldig“ nach eigenen Angaben auch Veranstalter des Konzertes war, wurde die gesamte Veranstaltung abgesagt. Seitdem präsentiert sich die Band als den „Lügen“ von Antifa und Lokalpresse ausgesetztes Opfer.
Besondere Mühe, ihre Gesinnung zu verbergen, hat sich die erst Mitte 2015 gegründete Band nicht gegeben. So posierte Schlagzeuger Falk Harry Pirnke auf einem Bandfoto ganz offen in einem T-Shirt der Neonazi-Marke „Ansgar Aryan“ mit dem Aufdruck „Volksgemeinschaft statt New World Order“. Umso mehr verwundern die zwischen Trotz und Weinerlichkeit chargierenden Statements der Band nach der Konzertabsage. „Wir hätten uns den falschen Sänger ausgesucht […] Falsch! Wir haben uns den richtigen Sänger ausgesucht“, betonte sie nach der Absage auf ihrer Facebook-Seite. Ihr Sänger habe „mehr Mut und Rückgrat bewiesen als diese kleinen Politikermitläufer oder ‚Journalisten‘ (…) indem er sich offen zu seiner VERGANGENHEIT (…) geäußert“ habe. „Schuldig“-Sänger Denis Zadow (27) aus Herne erklärte seinerseits, ausgestiegen zu sein: „Jedem, der ein wenig Griebs [sic!] im Kopf hat, sollte aufgefallen sein, dass ich nicht mehr in der rechten Szene aktiv bin.“

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München: Neonazi-Keller aufgeflogen

Via „AIDA München“:

Münchner Neonazis haben in den letzten Jahren regelmäßig versucht, eigene Räumlichkeiten anzumieten. Bei der Objektwahl waren sie dabei durchaus dreist, z. B. als sie im Jahr 2010 ihr „Kulturzentrum“ in einem Gebäudeensemble einrichteten, in dem auch eine Polizeiinspektion untergebracht ist. Jetzt ist wieder eine Anmietung aufgeflogen: unter einem Wohnhaus im Westend.

Seit März 2016 stand Münchner Neonazis aus den Kreisen von „Freies Netz Süd“ und „Dritter Weg“ ein Trefflokal im Westend zur Verfügung. Ein junger Elektriker hatte hier in einem Wohnhaus der Westendstr. 49 einen Kellerraum angemietet und, als er den Lagerraum nicht mehr benötigte, über einen weiteren Bekannten schlussendlich an den Münchner Neonazikader Thomas Sch. untervermietet. Als „Hobbyraum“ wolle er ihn nutzen, habe dieser behauptet. Der nach eigenen Angaben getäuschte Elektriker will nichts vom Hintergrund seines Untermieters gewusst haben und auch keinerlei Verdacht geschöpft haben.

Thomas Sch. und die Münchner Neonazis hatten offenbar eine andere Nutzung im Sinn. Auch wenn ihnen zunächst wohl kaum mehr als 15 Quadratmeter zur Verfügung standen, wurde im Keller eine Art Kneipe eingerichtet, mit alkoholischen Getränken und einer Musikanlage. Ein Wehrmachtsstahlhelm soll als Dekoration gedient haben.

Neonazi-Treffen

Nach a.i.d.a.-Informationen haben sich zumindest ab April diesen Jahres mehrfach bis zu einem Dutzend Neonazis und Sympathisant_innen im Keller getroffen – vor allem am späten Abend unter der Woche oder an Sonntagen, wenn die im Erdgeschoss befindlichen Ladengeschäfte geschlossen hatten. Die Hausbewohner_innen wollen von all dem nichts mitbekommen haben. Lediglich an „laute Musik“ aus dem Keller oder „so schwarz gekleidete Security-Typen“ vor dem Haus erinnern sich einige im Nachhinein.

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Die Brandstifter aus der Nachbarschaft

Das „Antifa Infoblatt“ schreibt:

Eine Welle rassistisch motivierter Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte überzieht seit Monaten die Bundesrepublik. Die Initiative „Rechtes Land“ verzeichnet für das Jahr 2015 158 Brandanschläge und Sprengstoffdelikte, die sich gegen Geflüchtete richteten, das Bundeskriminalamt (BKA) spricht von 95 Brandstiftungen. Das es bisher nicht zu Toten kam ist reiner Zufall. Die TäterInnen konnten nur in Einzelfällen von der Polizei ermittelt werden. Das Spektrum reicht hierbei von rassistischen „Wutbürgern“ aus dem bürgerlichen Milieu1 bis hin zu organisierten Neonazis. Dazwischen befinden sich die vielen AnhängerInnen einer rechten Lebenswelt, welche als potentielle TäterInnen in Betracht kommen. Wir wollen hier auf zwei der wenigen aufgeklärten rassistische Brandanschläge konkreter eingehen, um darzustellen, welche TäterInnen, welches Umfeld und welche Dynamiken hinter solchen Anschlägen stehen können.

Salzhemmendorf (Niedersachsen)

In den frühen Morgenstunden des 28. August 2015 wurde ein brennender Molotow-Cocktail durch das Erdgeschossfenster einer Flüchtlingsunterkunft in Salzhemmendorf bei Hameln geworfen. In der Wohnung lebte eine Frau mit ihren drei Kindern (4, 8 und 11 Jahre). Betroffen von dem Angriff war das Kinderzimmer des 11-jährigen Kin­des, das zum Glück in dieser Nacht in einem Nebenraum schlief. Durch Zeugenaussagen konnten die TäterInnen schnell ermittelt werden. Der 25-jährige Sascha Dohme aus Salzhemmendorf befindet sich seit Ende August 2015 wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft. Ebenso die 24-jährige Saskia Börger aus Springe und der 31-jährige Dennis Lemke aus Lauenstein.

In der Garage von Dennis Lemke hatten die Drei RechtsRock der Bands „Kategorie C“, „Sturm­wehr“ und „Nordfront“ gehört und sich über die massiven rassistischen Angriffe auf die Flüchtlingsunterkunft in Heidenau (Sachsen) unterhalten. Im Laufe des Abends begannen Lemke und Dohme den für den Brandanschlag verwendeten Molotow-Cocktail herzustellten. Anschließend fuhr Saskia Börger mit Sascha Dohme und Dennis Lemke in die Nähe der Flüchtlingsunterkunft, wo Lemke die Brandflasche durch das Kinderzimmer-Fenster warf. Nach der Tat holte Sascha Dohme noch seine Feuerwehr-Ausrüstung ab, um bei der Löschung des gelegten Brandes mithelfen zu können.

Dennis Lemke wurde von seinen Freunden und Bekannten als „nicht rechts“ beschrieben. Doch in „Whats App“-Chats mit seinen Freunden wurde das Gegenteil deutlich. Der 16-jährige Florian R. beschwerte sich im Chat über ein angebliches „Asylantenheim“ und herumlaufende „paselacken“. Lemke riet ihm daraufhin „Schmeiss mit Pflastersteine!“. Das reichte Florian R. offenbar als Handlungsoption nicht aus. Denn er fuhr mit den Worten fort: „Die grundschule wird n asyl heim (…) Ich bete drum das sie abgefackelt wird.“ Zur Bekräftigung schickte er noch ein Bild einer Figur mit Hitlergruß und Hakenkreuz hinterher.

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Neofolk und Darkwave auf rechtslastiger Spur

Via der „Blick nach Rechts“:

09.06.2016 – Zum wiederholten Mal ist Leipzig am 25. Juni Schauplatz für ein Konzertereignis aus der Neofolk- und Dark Wave-Szene. Die lockt bekanntlich auch immer wieder ein rechts-esoterisch eingestelltes Publikum an.

Unter dem Titel „Fire & Sun“ wird auf das Gelände vom Schloss Knauthain geladen – ohne Abendkasse und nur mit Internetvorbestellung. Im dortigen Schlosspark gab es bereits am 20. Juni des Vorjahres ein entsprechendes Happening. Die im Leipziger Line-Up aufgelistete Band „Of The Wand And The Moon“ (Dänemark) machte zuletzt Schlagzeilen in den USA. Ende März und Anfang April war sie auf Nordamerika-Tour unterwegs zusammen mit „Die Weiße Rose“ (Dänemark), dem dänischen Bandmix-Projekt „Vril Jäger“, das aus den beiden erstgenannten Combos besteht und offenbar namentlich angelehnt ist an das angeblich von der Wehrmacht betriebene geheime NS-Flugscheibenentwicklungsprogramm, sowie den US-Gruppen „Blood & Sun“ und „Kama Rupa“, einem Nebenprojekt der NS-Blackmetal Band „Grafvolluth“. Unterstützt wurden sie vom rechtsorientierten Musikblog „Heathen Harvest“. Die Tour lief unter dem Motto „Operation Equinox“, wobei auffälligerweise der Leipziger Veranstalter unter „Equinoxe Organization“ firmiert.

Die Dänen von „Of The Wand And The Moon“ um Kim Larsen kennen sich in Leipzig bestens aus, gastierten sie dort doch erst am 15. Mai zum wiederholten Male beim Wave-Gotik-Treffen. 2011 begleitete Larsen die britischen Pioniere des völkischen Neofolks „Death In June“ um Douglas Pearce, von denen mehrere Tonträger indiziert wurden. Keine kritische Reflektion zu Vorhaltungen bezüglich rechter Nähe, ja eine nicht stattfindende Abgrenzung sowie mitunter eine zwielichtige Ästhetik auf der Bühne haben in den vergangenen Jahren immer wieder zu Protesten im Vorwege von Konzerten der Dänen und zu Absagen geführt, auch wenn sich Larsen und Co. zumindest textlich und musikalisch an die nordische Mythologie anlehnen und sich damit eher unangreifbar machen.

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Nazis, Rocker, Hammerskins

Der „Störungsmelder“ berichtet:

Zuletzt wurden Konzerte im Neonazitreffpunkt „Thinghaus“ in Grevesmühlen noch untersagt. Jetzt scheinen die Behörden Rechtsrock-Veranstaltungen wieder zu genehmigen. Am Samstag den 04.06.2016 fand dort ein Konzert mit mehreren Nazi-bands statt. Unter dem Motto „Thingtanz“ spielten die Gruppen „Hausmannskost“ und „Exzess“ aus Brandeburg, sowie „Timebomb“ aus Schleswig-Holstein vor rund 100 Rechtsextremen.

Der mehrfach vorbestrafte Neonazi Sven Krüger organisierte die Veranstaltung und gab sich Mühe alles nach Vorschrift durchzuführen. Gegen 15 Uhr kontrollierte die Polizei gemeinsam mit dem Organisator das Gebäude um sicherzustellen, dass alle notwendigen Auflagen erfüllt sind. Ebenfalls zu der Zeit anwesend waren vier Mitglieder des Rockerclubs „MC Gremium Schwerin“. Nach der gemeinsamen Begehung des Gebäudes setzten sich diese auf ihre Motorräder und fuhren davon.

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„Day of Glory“ in dritter Auflage

Via der „Blick nach Rechts“:

Division lädt am Samstag zu einem Rechtsrock-Meeting mit internationalen Bands.

Das international aufgestellte „Blood&Honour“-Netzwerk schmiedet weiter grenzüberschreitend an Rechtsrock-Veranstaltungen. Kann die rechte Szene mit einer Verbindung von Kampfsport und einer Tattoo-Messe darüber hinaus geschäftstüchtig agieren, dann kombiniert sie auch schon einmal die jeweilige Event-Ausrichtung. Praktiziert wird genau dies am 11. Juni in Frankreich, wenn die rege B&H-Division „Hexagone“ an nicht genau bezeichnetem Ort zum selbst ausgerufenen „Day of Glory“ einlädt – mit deutscher musikalischer Beteiligung.

In Deutschland seit dem Jahr 2000 verboten, konnte B&H in Frankreich bisher vergleichsweise freizügig Neonazis eine Organisationsmöglichkeit mit Aktivitäten für eine eigene Erlebniswelt bieten. Nun aber hat es Ende März eine größere Razzia gegen die B&H-Zusammenhänge gegeben. Gleich in acht Regionen gab es Hausdurchsuchungen. Dabei wurden elf Gewehre sowie mehrere Hieb- und Stichwaffen entdeckt und beschlagnahmt. Diverse Festnahmen waren die Folge. Das dürfte für etliche B&H-Aktivisten zu Anklagen führen.

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So wichtig ist braune Musik für die rechte Szene

Die „BZ“ schreibt:

In der B.Z. analysiert Simone Rafael, die Chefredakteurin von Netz-gegen-Nazis.de, den Einfluss der rechten Musikszene.

Die NPD hat den Spruch aufgebracht. Und nun hat ihn der AfD-Vizevorsitzende Alexander Gauland übernommen. Bei einer Rede in Elsterwerda las er „Heute sind wir tolerant und morgen fremd im eigenen Land“ von einem hochgehaltenen Plakat ab und baute ihn in seine Rede gegen die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein.

Gauland übernahm so den Refrain des Liedes „Tolerant und geisteskrank“ von der rechtsradikalen Band Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten. Denn sie machte den Spruch in rechten Kreisen zum geflügelten Wort, als sie das Lied „Tolerant und geisteskrank“ 2010 auf ihrer CD „Adolf Hitler lebt!“ veröffentlicht hatte. B.Z. hat mit Simone Rafael (42), der Chefredakteurin von Netz-gegen-Nazis.de, über den Einfluss der Nazi-Musikszene gesprochen.

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Pressefreiheit in Thüringen: Die Polizei, Helfer der Rechten?

Die „taz“ berichtet:

Journalisten wollten über ein Rechtsrockkonzert berichten – und kassierten Platzverweise. Jetzt klagen sie gegen die Einschränkung der Pressefreiheit.

BERLIN taz | Mit weißen Bannern hatten NPD-Kader die Zäune ihres Veranstaltungsgeländes blickdicht verhüllt. Dahinter veranstalteten sie Ende Mai auf einem öffentlichen Sportplatz im thüringischen Leinefelde-Worbis ihren jährlichen „Eichsfeldtag“, ein Rechtsrockkonzert und Kinderfest. Die Botschaft der Neonazis: Wir bleiben unter uns, ­Öffentlichkeit ist unerwünscht.
Die Journalistin und Rechtsextremismusexpertin Andrea Röpke wollte sich damit nicht abfinden. Feste wie diese seien Teil einer „rechtsextremen Erlebniswelt“. „Es ist unsere journalistische Aufgabe, hinter die Kulissen zu schauen und zu zeigen, was sich hinter solchen Festen verbirgt und was diese gerade für die Kinder bedeuten.“ Zusammen mit drei Kollegen, auch sie Experten in diesem Feld, versuchte Röpke über das Neonazi-Fest zu berichten. Was folgte, war eine Polizeiposse – die in Platzverweisen für die Journalisten gipfelte.
Nun tobt ein Streit: Die Journalisten reichten Klage gegen das Land Thüringen ein, wegen Einschränkung der Pressefreiheit. Die Deutsche Journalisten-Union spricht von einer „massiven“ Behinderung: „Pressefreiheit gilt immer und an allen Orten.“

Ein weiteres Mal steht die Frage im Raum: Wie sensibel und kundig geht die Polizei mit Berichterstattung über Rechtsextreme um? Röpke kennt die Probleme. Seit Jahren berichtet die Journalistin über rechtsextreme Veranstaltungen. Sie hat mehrere Bücher geschrieben, im März sprach sie als Sachverständige vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe bei der NPD-Verbotsverhandlung.

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Bekannte Masche: Rechte Musik und Reden

Via der „Blick nach Rechts“:

10.06.2016 – Kloster Veßra – Am 18. Juni soll auf dem Gelände des Gasthofs „Goldener Löwe“ eine „Politische Kundgebung“ mit braunen Bands stattfinden.

Der Gastwirt Tommy Frenck aus Kloster Veßra (Landkreis Hildburghausen) hat bereits nach dem großen neonazistischen Rechtsrock-Meeting „Rock für Identität“ am 7. Mai in Hildburghausen mit rund 3500 Besuchern einen nächsten Szenetermin verkündet: Auf dem Außengrundstück seines Gasthofs „Goldener Löwe“ sollen am 18. Juni „Nahkampf“ aus Bremen sowie „Zeitnah“ aus Gotha auftreten. Hat die Rechtsrock-Combo von der Weser, die teilweise personell identisch ist mit der rechten Hooliganband „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ eine lange Anfahrt, fällt die Anreise des Thüringer Liedermacher-Duos kürzer aus. „Kategorie C“ traten bereits bei Frenck auf – man kennt und schätzt sich also.

Die Masche der Freiluft-Auftritte ist dabei stets gleich: Als politische Kundgebung angemeldet, werden auch Reden gehalten, so dass für die eigentlich anziehende Live-Musik quasi ein passender Verbotsschutz geschaffen wird. Frenck ist Kreistagsmitglied für die NPD-nahe Wählervereinigung „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ (BZH). „Nahkampf“ hat nach längerer Pause gerade einen neuen Tonträger veröffentlicht, der ausgiebig in der rechten Szene beworben wird. Bereits Ende August des vergangenen Jahres war ein Auftritt der Bremer bei Frenck fest eingeplant, doch die Musiker blieben im Stau stecken, so dass das Konzert ausfallen musste. (hf)

Quelle

2.-4.6.2016 AJZ Neubrandenburg: Punx Picnic

Eine weitere subkulturelle Empfehlung unsererseits – cooles Festival mit klarer Ansage gegen rechtsoffene Bands und einem Workshop zum Thema Grauzone:

Mehr Infos hier und hier.

3./4.6.2016 Paris: Antifagedenkkonzert für Clément Meric

Unsere Empfehlung fürs Wochenende:

Mehr Infos zur Gedenkdemo und den Hintergründen gibt es hier.