Brandenburg: Rechtsrock-Szene in Bewegung

Quelle: MAZ

Zum Riesen-Neonazi-Konzert mit 6000 Teilnehmern im thüringischen Themar reisten auch mindestens 40 polizeibekannte Neonazis aus Brandenburg an – sie dienten offenbar als Ordner. Auch in Brandenburg gab es illegale Konzerte. Experten sind beunruhigt. In Frankfurt (Oder) ermittelt jetzt der Staatsschutz.

Potsdam. Im Fall eines von der Polizei aufgelösten Rechtsrock-Konzerts in Frankfurt (Oder) hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen, wie die Direktion West bestätigte. Die auf politischen Extremismus spezialisierten Polizeibeamten prüfen, was genau sich in dem Bunker in der Innenstadt am Samstagabend abgespielt hat – wie berichtet hatten 70 Polizisten die Veranstaltung aufgelöst. Bei der Band soll es sich um die vor Ort bekannte Kombo „Kommando Wehrwolf“ gehandelt haben.
Rechter Rand kann nicht auf Anti-Asyl-Schiene mitschwimmen
Die Beamten sind besonders hellhörig, denn der rechte Rand ist in Bewegung. „Es gibt wieder mehr Aufmärsche und wir registrieren Flugblattaktionen“, sagt Markus Klein, Geschäftsführer des Demos-Instituts für Gemeinwesenberatung, das Kommunen beim Umgang mit rechten Umtrieben unterstützt und vom Land finanziert wird. „Die Szene entwickelt alte Aktionsformen wieder neu“, sagt Klein. Der Grund: „Es ist der extremistischen Rechten nicht gelungen, auf der Anti-Asyl-Welle mitzuschwimmen – die Veranstalter haben sich in etlichen Fällen distanziert, weil weniger Teilnehmer kamen, wenn Extremisten mitliefen“, so Klein. Nun besinnen sich die märkischen Rechten offenbar auf ihre starke Seite – und dazu gehört die Musikschiene.

Weiterlesen

„Konzerte sind der Kitt der Szene und sie sind gerade für noch nicht so gefestigte junge Leute die Eintrittskarte in solche Kreise“, sagt Parlamentarierin Johlige. Die märkische Musikszene ist nach Einschätzung der Landesregierung „aufgrund der Aktivität und der Vielzahl der Bands von hoher Bedeutung“, wie es in der parlamentarischen Antwort heißt. Als aktiv gelten 22 Rockgruppen, von denen eine – „Uwocaust“ aus Potsdam – auf dem Festival in Themar auftrat. Kopf der Kombo ist Uwe M., der wegen seiner guten Kontakte und langjährigen Zugehörigkeit zu Neonazi-Gruppierungen als Kopf der extremen Rechten in Potsdam gilt. Andere Bands heißen „Tätervolk“ (Märkisch Oderland), „Handstreich“ (vormals Glaskammer) aus Potsdam oder „Jungvolk“ aus der Uckermark. Laut Verfassungsschutz sind daneben 14 völkische Liedermacher im Märkischen aktiv. Musiklabel und Ladengeschäfte in Eberswalde (Barnim), Strausberg (Märkisch Oderland), Cottbus und Chorin (Barnim) sind den Behörden bekannt.
In Themar waren volksverhetzende Texte gesungen und der „deutsche Gruß“ gezeigt worden – ob von Brandenburgern, ist unklar.

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Google Bookmarks
  • Identi.ca
  • RSS
  • MySpace
  • PDF