Archiv für November 2017

Die im Dunkeln sieht man nicht – Eine Geschichte über den Rechtsextremismus in Dortmund seit 1982

Quelle: Ruhrnachrichten

Karfreitag 1982. Der Tag wurde ausgewählt, weil Karfreitag „der Hund begraben ist“. Es soll sich ein „Eliteclub“ gründen.
„Elite“ steht extra fett ganz oben auf der Einladung. So, dass auch wirklich jeder versteht, um was es geht. Der geplante Club soll keine Satzung haben, es gilt nur ein Satz: „Stehenbleiben und draufhauen.“ Prügelelite.
Es wird offenbar höchste Zeit für eine solche Gründung. „Damit die Schalker und die Rheinlandschweine endlich einen vor die Fresse bekommen. DIE REDEN BALD NICHT MEHR VON DEN DORTMUNDER FEIGEN KINDERN UND LÄUFERN. UNSER RUF MUSS ENDLICH WIEDER AUFPOLIERT WERDEN!“ Die 29 Ausrufezeichen, die hier im Original den Großbuchstaben folgen, lesen sich wie ein Kommentar eines Wutbürgers im Internet. Aber es ist das Jahr 1982, das Internet braucht noch nicht einmal Windeln, so klein ist es damals. Man schreibt noch Briefe. Und diesen hier, damit man endlich wieder mit Stolz durch die Straßen ziehen kann.

Damit alle wieder wissen, wer die Herren sind im Land, wird für den Karfreitag 1982 um „17 Uhr MEZ“ in die Kneipe Kronenquelle in der Dortmunder Nordstadt geladen. In mangelhaftem Deutsch und mit kindlichen Oberarmzeichnungen. Die Auflage von 30 Exemplaren geht an ausgewählte Personen. Zwei (Marko und Uwe) sind entschuldigt. Einer (Uwe) ist in England, der andere (Marko) ist im Knast. Aber für alle anderen ist das hier, steht da auf dem Zettel, „der letzte Versuch, ENTGÜLTIG!“.

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Der NSU lebt weiter

Quelle: Krautreporter

Sechs Jahre nach der Selbstenttarnung der „Zwickauer Terrorzelle“ ist die rechtsextreme Szene in meiner Heimatstadt und in Sachsen größer geworden – und besser organisiert als je zuvor.
Ich war zufällig in Zwickau, Anfang November 2011, ein paar Tage, nachdem die beiden Uwes sich in Eisenach in einem Wohnmobil erschossen hatten und Beate Zschäpe daraufhin die gemeinsame Wohnung in Brand steckte, die wohl eher aus Versehen explodierte. Eine Verpuffung ließ die Inneneinrichtung des Hauses, Fetzen von Teppichboden, angeschmolzene Waffen, Ziegelsteine, Klamotten, Rechner auf die Straße, die schöne Frühlingsstraße regnen. Der „Nationalsozialistische Untergrund”. Zehn Morde, drei Bombenanschläge, 15 Banküberfälle. Terroristen lebten in meiner Heimatstadt. Gleich gegenüber von meinem Lieblingsbäcker.

Ich fuhr an einem verregneten Sonntagabend auf dem Weg zu meinen Eltern einen kleinen Umweg, um mir das Haus, oder die Reste davon, anzuschauen, so, wie man sich die Schäden eines Erdbebens anschaut. Etwas Großes und Schreckliches war in dieser Stadt passiert, die mir ein wenig fremd geworden war. Nach dem Abitur bin ich weggezogen. Nach Jena. Ich zog in das Plattenbaugebiet Winzerla. Dort, wo das spätere NSU-Trio in den 90er-Jahren „Zecken” jagte. Danach lebte ich in Chemnitz. Nicht weit von der ersten Wohnung, in der sich das nun bald „Nationalsozialistischer Untergrund” nennende Trio vor der Polizei versteckte.

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Nazi-Hipster im Anflug

Quelle: Jungle World

Die rechtsextreme »Identitäre Bewegung« versucht, auch im Vereinigten Königreich und in Irland Fuß zu fassen. Doch die Konkurrenz im rechten Milieu ist groß.

Neben Paris und Berlin gilt London gemeinhin als Hauptstadt des europäischen Hipstertums. Der sogenannte Nazi-Hipster allerdings konnte dort anders als in Frankreich und Deutschland bisher nicht Fuß fassen. Die Rede ist von Mitgliedern der »Identitären Bewegung« (IB), jener sich reichlich jugendkultureller Anleihen bedienenden neurechten bis völkischen Gruppe, die 2012 von Frankreich aus in den deutschsprachigen Raum schwappte. Im Vereinigten Königreich und in Irland bisher lediglich mit mutmaßlich von Einzelpersonen betriebenen Profilen in den sozialen Medien präsent, scheint sich die IB mittlerweile auch dort etablieren zu wollen.

Im Stile der Vorbildorganisationen auf dem Festland – insbesondere in Deutschland und Österreich – trat der britische Abkömmling Ende vergangenen Monats mit einer medienwirksamen Inszenierung erstmals öffentlich in Erscheinung. Am 23. Oktober entrollte ein knappes Dutzend »Identitärer« auf der Westminster Bridge im Zentrum Londons ein Großtransparent mit der Aufschrift »Defend London, stop Islamisation«, dem englischen Namen der Gruppe, »Generation Identity«, und ihrem Symbol, dem schwarz-gelb gedruckten griechischen Buchstaben Lambda. Dazu lieferte die Truppe eine online verschickte Mitteilung: Quelle der Islamisierung sei die Masseneinwanderung, die es aufzuhalten gelte. Der Ort des Auftritts hätte kaum symbolträchtiger gewählt werden können: Die Westminster Bridge liegt nicht nur in Sichtweite des britischen Parlaments, im März war sie zudem Schauplatz eines islamistischen Attentats.

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„Identitäre“ in Halle – Gewalt, Einschüchterung und Verharmlosung

Quelle: Störungsmelder

Vor einer Woche griffen „Identitäre“ aus ihrem Hausprojekt heraus in Halle zwei Zivilpolizisten mit Waffen an. Nur einen Tag später wurde ein Verfahren wegen Nötigung und Körperverletzung gegen einen weiteren „Neurechten“ eingestellt. Die Gewalt eskaliert, die Anwohner fühlen sich bedroht.

Als der Prozess gegen Andreas K. am 21. November beginnt, ist der Angriff seiner Gesinnungsgenossen auf zwei Polizeibeamte nur wenige Stunden her. Schon um 9Uhr haben sich 15 „Identitäre“ im Justizzentrum Halle versammelt. Vor dem Amtsgericht wird gegen ihr Mitglied Andreas K. verhandelt. Der Vorwurf: Nötigung und Körperverletzung. Zum dritten Mal muss K. hier erscheinen. Der Prozess scheiterte nach zwei Terminen im Juli 2017 an einer missachteten Frist und wird neu aufgerollt.

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Erste juristische Konsequenzen nach antisemitischem Angriff 2015 in Zürich

Quelle: Störungsmelder

Nach einem antisemitischen Angriff in Zürich 2015 wurde nun ein Neonazi verurteilt. Andere konnten nicht belangt werden. Der Haupttäter, der Sänger der Neonazi-Band „Amok“, muss sich Anfang 2018 für den Übergriff verantworten. Er ist auch in Deutschland aktiv.

Die rassistische Attacke schockierte die Schweiz: Im Juli 2015 griff ein Mob von 20 Neonazis einen orthodoxen Juden in Zürich Wiedikon an. Während eines Polterabends bespuckten die Männer den Gläubigen, bedrohten und beleidigten ihn. Es war der massivste Übergriff von Rechtsextremen in der Schweiz seit Jahren. Mehr als zwei Jahre nach dem antisemitischen Vorfall hat die Staatsanwaltschaft Zürich ihre Ermittlungen nun abgeschlossen. Einer der Angreifer, Peter S., Maurer aus dem Kanton St. Gallen, wurde per Strafbefehl zu einer happigen Geldbuße verurteilt. Haupttäter Kevin Gutmann, Sänger der Neonazi-Band Amok, muss Anfang 2018 vor Gericht erscheinen – ihm drohen zweieinhalb Jahre Gefängnis. Gegen die restlichen Beteiligten konnte die Justiz offenbar nicht genügend Beweise sammeln.

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„White Rex“-Kampfsporttraining mit russischem Neonazi

Quelle: Störungsmelder

Der russische Neonazi-Hooligan Denis Nikitin gilt nicht nur in Russland als eine der wichtigsten Szene-Größen. Regelmäßig ist er auch in Deutschland aktiv und unterstützt hier mit seiner Marke „White Rex“ Veranstaltungen. Am vergangenen Samstag trainierte er die Partei-Jugend der NPD-Niedersachsen. Darunter auch bekannte Gewalttäter.

Am vergangenen Samstag fand laut der NPD-Jugendorganisation „JN Niedersachsen“ angeblich „in Braunschweig“ ein konspirativ organisiertes „Kampfsportseminar“ statt. Tatsächlich fand das Seminar allerdings in der Sporthalle der Gemeinde Cremlingen (Landkreis Wolfenbüttel) statt, die vom JN-Aktivist Felix Hauschild angemietet wurde. Auf einem im Internet veröffentlichten Gruppenfoto der Veranstaltung posieren knapp 30 Personen – bis auf eine Frau sind es überwiegend junge Männer. Mittendrin steht Denis Nikitin – „Neonazi, Hooligan und Geschäftsmann“ (VICE Magazin) aus Moskau. Mit der Kampfsportmarke „White Rex“ hat sich Nikitin, der fließend deutsch spricht, in Russland ein kleines Imperium aufgebaut.

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Wie ein Ort von Rechtsextremen unterwandert wird

Quelle: rbb u.a.

Lindenau ist eine beschauliche Gemeinde im Süden Brandenburgs. Die hat sich der Neonazi Sebastian Raack ausgesucht, um sich mit seinem Online Musik- und Kleidervertrieb niederzulassen. Der Verfassungsschutz zeigt sich alarmiert. Von Peter Huth

Lindenau ist eine beschauliche Gemeinde im Süden Brandenburgs, 750 Menschen wohnen hier. Ein Neonazi ist mit seinem Musik- und Kleider-Vertrieb „OPOS“ aus Dresden in den Ort gezogen. Für den Verfassungsschutz ist das ein Alarmsignal.

„OPOS Records ist sicherlich einer der Big Player in der rechtsextremistischen Vertriebsszene“, sagt Michael Hüllen vom Verfassungsschutz Brandenburg. „Die beiden größten Vertriebe OPOS Records und PC Records in Deutschland kommen auf einen Umsatz von mehreren hundertausend Euro.“

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Siehe auch:
Der Neonazi von nebenan
Wie ein Dorf in Brandenburg gegen einen Neonazi kämpft
Greifvogel Wear – Radical Warrior Clothing Brand

Braunes Weihnachtskonzert

Quelle: Blick nach Rechts

Am 9. Dezember soll unter dem Motto „White Xmas“ ein Rechtsrock-Konzert stattfinden. Der genaue Veranstaltungsort wird verschwiegen, gelistet sind dafür aber ausschließlich deutsche Bands.

Die rechte Szene kennt die „White Christmas“-Konzerte seit Jahren, wobei dabei die rassistische Sichtweise der überlegenen weißen Hautfarbe gemeint ist. Ein solches Rechtsrock-Meeting unter dem Motto „White Xmas“ am 9. Dezember wird unter anderem durch das internationale „Blood&Honour“-Netzwerk beworben. Der genaue Ort wird allerdings wie so häufig nicht genannt, es ist lediglich von Western Europe die Rede. Da allerdings ausschließlich neben einem „Special guest“ deutsche Bands aufgelistet werden, die aufspielen sollen, dürfte sich der Konzertort in Deutschland befinden. Zumindest richtet sich damit die Veranstaltung gezielt an Neonazis hierzulande.

Das Line-Up dafür lautet: „Blutzeugen“ (Sachsen), „Division Germania“ (Mönchengladbach), „Confident of Victory“ (Senftenberg) sowie „D.S.T“ (Berlin). Bei „Division Germania“ handelt es sich seit 2000 um das Ein-Mann-Projekt von Andreas Koroschetz aus Mönchengladbach, der sich für Liveauftritte gerne mit anderen Rechtsrock-Musikern verstärkt. 2005 bewarb er sich als NPD-Kandidat für den Bundestag. Ein Zusammentreffen mit „Confident of Victory“ gab es dieses Jahr bereits bei „Rock für Deutschland“ am 1. Juli in Gera. Die Brandenburger traten zuletzt am 28. Oktober beim „Rock gegen Links“-Festival im thüringischen Themar auf.

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Braune Pionierprojekte des Hasses

Quelle: Blick nach Rechts

Das Landgericht verwechselt Tätergruppe bei den „Thiazi“-Prozessen – gegen den „Thiazi“-Angeklagten Priem wird Haftbefehl erlassen.

Versehentlich verschickte die Pressestelle des Landgerichts Rostock falsche Namen der Beschuldigten im am heutigen Mittwoch beginnenden neuen „Thiazi“-Verfahren.* Die Angeklagten Mario-Aldo E., Ronny H. und Nicolai Wolfgang B. müssen sich demnach erst ab Februar 2018 vor Gericht verantworten. Zur Zeit geht es dagegen um eine andere Tätergruppe im Zusammenhang mit dem neonazistischen „Thiazi“-Portal, dazu gehören der Berliner Neonazi-Rocker Arnulf-Winfried Priem sowie der 42-jährige Alexander Reiner A. aus Ostvorpommern und der 41-jährige Arno W. Da Priem nicht vor Gericht erschienen war, wurde Haftbefehl gegen den Neonazi erlassen. Nächste Woche soll die Anklageschrift verlesen werden.

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Von Blood & Honour zum Polizeichef?

Quelle: Antifa Infoblatt

Der US-Amerikaner Bart Alsbrook wurde kürzlich zum kommissarischen Polizeichef des nahe der texanischen Grenze gelegenen Örtchens Colbert im Bundesstaat Oklahoma ernannt. Seine Karriere geriet allerdings kurz darauf wieder ins Wanken, nachdem die Reporterin Rachel Knapp vom TV-Sender KXII Fox Channel 12 News begonnen hatte, Fragen zu stellen. Etwa die, ob es sich bei dem neuen Chief um den gleichen Bart Alsbrook handelt, der eine Neonazi-Musik-Webseite betreut.

Bart Alsbrook distanzierte sich von den Vorwürfen und stritt Verbindungen zur „White Supremacy“-Szene ab. Er behauptete, eine Gruppe von Skinheads habe in den 1990er Jahren seine Brieftasche gestohlen und seitdem immer wieder seine Daten zur Anmeldung von Neonazi-Webseiten missbraucht.

Es ist bekannt, dass Identitätsdiebstahl Leben zerstören kann. 16 Milliarden Dollar Schaden von über 15 Millionen Opfern allein im Jahr 2016 – das ist laut einer Studie das Ausmaß des Phänomens Identitätsdiebstahl in den Vereinigten Staaten.

Während die Umstände jenes Diebstahls bei Bart Alsbrook nebulös bleiben, ist seine Geschichte in der organisierten Neonazibewegung recht gut dokumentiert:

Gruppenfoto mit der B&H-Spitze

Auf einem Foto – veröffentlicht in dem Neonazi-Strategiepapier mit dem Titel „Blood & Honour: The Way Forward“ – posiert Alsbrook (in der Bildunterschrift „Bart USA“ genannt) vor einem großen „Blood & Honour“ (B&H)-­Wandbild, flankiert von drei Aktivisten des neonazistischen Netzwerks: Marko „Jäsä“ Järvinen aus Finnland, Erik Blücher aus Norwegen und der 2001 verstorbene Marcel Schilf (Dänemark).

Die drei waren maßgeblich verantwortlich für Produktion bzw. Vertrieb der Ende der 1990er Jahre unter Neonazis sehr populären Videoreihe „Kriegs­berichter“, in der neben RechtsRock-Interviews und Konzertausschnitten Hinrichtungen von Afroamerikanern und politischen Gegnern gezeigt wurden. Sie waren zentrale Figuren des internationalen RechtsRock-Business und der zugehörigen Subkultur, die als Rekrutierungsfeld für die Fußsoldaten des kommenden Rassenkrieges galt. Jeder von ihnen war über Jahrzehnte wichtig für den Geldfluss in diese Szene und in eine ihrer gefährlichsten Netzwerke – „Combat 18″ (C18).

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Grauzone erkennen – Neonazis entlarven

Via „antifascism101″:

Die erste Informationsveranstaltung aus der Reihe antifascism101 zum Nachhören:

Zwischen Krawallbrüdern, linker Politik und deutschsprachigem Punk hat sich seit Jahren etwas gebildet, was sich immer offener Bahn bricht. Eine Grauzone rechtsoffener Bands, die sich in der Punk- und Skinhead-Szene breit macht, sich offiziell nach links und rechts „abgrenzt“, aber Verbindungen ins (terroristische) Neonazi-Milieu pflegt. Relativ unbeobachtet von linken Aktivist*innen okkupieren Neonazis nach und nach vermeintlich alternative Subkulturen und verwässern so die Grenzen emanzipatorischer Politik.

Dieser Vortrag soll ein Einblick in Strukturen und Verbindungen geben. „The Kids will never be united!“

Aufgenommen am 22. November 2017 im W23: https://antifascism101.info/text-ton/#01

„Oldschool Records“ produziert weiter

Quelle: Blick nach Rechts

Im Berufungsverfahren vor dem Landgericht Memmingen gegen den Betreiber des braunen Musiklabels wird voraussichtlich erst im nächsten Jahr ein Verhandlungstermin angesetzt.

Das Verfahren wegen der Verbreitung von Neonazi-Propaganda durch das Label „Oldschool Records“ kommt nach über fünf Jahren und einem äußerst milden vorläufigen Urteil noch immer nicht zu einem Ende. Ein Termin zur Neuverhandlung auf Grund der eingelegten Berufung wird nicht vor Anfang des nächsten Jahres festgelegt werden.

Das habe laut „Allgäu rechtsaußen“ ein Sprecher am Landgericht Memmingen auf Anfrage mitgeteilt. Für den Verkauf von Tonträgern mit gewaltverherrlichendem, neonazistischem Inhalt musste sich Benjamin Einsiedler bereits Ende letzten Jahres als Betreiber des braunen Unternehmens vor dem Amtsgericht Memmingen verantworten. (bnr.de berichtete)

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Siehe auch ausführlich: HARTE KLÄNGE, MILDES URTEIL – UND DOCH KEIN ENDE

Musikalisches Skinhead-Event

Quelle: Blick nach Rechts

Für irgendwo in „Mitteldeutschland“ wird ohne genauere Ortsbezeichnung am 2. Dezember ein Konzertabend mit mehreren Bands aus der rechtsgerichteten „Oi!-Skin“-Szene angekündigt, die sich selbst gern immer als „unpolitisch“ bezeichnet.

Die Location für das seit dem Sommer beworbene Event dürfte allerdings nicht sehr groß sein, weil lediglich 100 Tickets angeboten werden. Als Motto für den Samstag wird „German Skins stick together“ ausgegeben. Fünf Combos sind benannt, drei davon sollen ein neues gemeinsames Split-Album vorstellen.

Hinter dem neuen Tonträger von „Smart Violence“, „MPU“ und „Overdressed“ steht mit „Oldschool Records“ ein von Benjamin Einsiedler betriebenes einschlägiges Label aus Wolfertschwenden im Allgäu, das sich insbesondere die RAC-Musikrichtung, „Rock Against Communism“, auf seine Fahnen geschrieben hat.

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Rechts­rock­kon­zert in Cott­bus

Quelle: Cottbus schaut hin!

Am Sams­tag den 21.10.17 kam es im Merz­dor­fer Weg 32 in Cott­bus, dem in­of­fi­zi­el­len Haupt­quar­tier der Cott­bus­ser Hoo­li­gan-Grup­pie­rung „Colec­tivo Bi­anco Rosso“ zu ei­nem Rechts­rock­kon­zert an­läss­lich ih­res 15. Ju­bi­lä­ums. Ein Auf­tritt zweier Mit­glie­der der Rechts­rock­band „Fron­tal­kraft“ lockte über hun­dert Per­so­nen aus dem ge­sam­ten Bun­des­ge­biet.

Bis­her von der Cott­bu­ser Öffent­lich­keit weit­ge­hend un­be­merkt, or­ga­ni­sierte die Ul­tra-Grup­pie­rung „Collec­tivo Bi­anco Rosso“ (CBR) zum 15. Jah­res­tag ih­rer Grün­dung ein Kon­zert in ih­rem Stamm­sitz; mit da­bei: Gi­tar­rist und Sän­ger von „Fron­tal­kraft“. Wie aus dem Um­feld von CBR mit­ge­teilt wurde, ka­men etwa 150 „Freunde“ der Ul­tra-Grup­pie­rung nach Merz­dorf – un­ter an­de­rem aus Stutt­gart und Nürn­berg.

Fron­tal­kraft ist die älteste noch ak­tive Neo­nazi-Band und hat auch in­ter­na­tio­nal ei­nen ho­hen Be­kannt­heits­grad er­reicht. So trat die Band auch bei „Rock ge­gen Über­frem­dung“ im thü­rin­gi­schen The­mar im Juli 2017 auf, dem bis heute größ­ten Rechts­ex­tre­men­kon­zert der Nach­kriegs­ge­schichte. Ihre Texte ent­hal­ten un­ver­hüllte na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sches Ge­dan­ken­gut wie z.B. in fol­gen­den Zei­len: „Dein Glied der Ah­nen­kette, weißt Du, wann sie be­gann? Sei Hit­ler stets ge­hor­sam, und Du hast recht ge­tan! Sei Hit­ler stets ge­hor­sam, und Du hast recht ge­tan!“ (Fron­tal­kraft: Go­den-Hymne)

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01./02. Dezember: Oi! The Massacre Vol. II

Quelle: RASH Leipzig

Der Code für den Thumbnail lautet:

Oi! The Massacre Vol. II – Worum es uns nach wie vor geht
Nach der überaus positiven Resonanz des vorangegangenen Jahres stand für uns die Weiterführung dieser Veranstaltungsreihe außer Frage. Dass der Versuch Oi! fernab jedweder schwammiger Kompromisse antifaschistisch zu besetzen unverändert seine Relevanz hat, bekräftigen zwei just am selben Tag in Leipzig bzw. dessen näherer Umgebung stattfindende Konzerte, die sich – im weitesten Sinne – ebenfalls „Oi“ auf die Fahnen geschrieben haben: Zum einen gastiert die Londoner Band „Booze & Glory“ im für seine indifferente Konzertpolitik bestens bekannten Conne Island im Leipziger Süden. War die Band bereits 2010 unter der sonderlich geistreichen Devise „No left, no right, no bullshit!“ u.a. in Leipzig zugegen, so bezeugt exemplarisch deren diesjähriger Auftritt auf dem „Frühlingsfest der Oi! Musik“ gemeinsam mit allerhand rechtsoffenem Kroppzeug, dass Berührungsängste zur politischen Rechten in ungebrochener Kontinuität marginal sein dürften (sofern überhaupt vorhanden). Vielmehr wird der Eindruck genährt, dass in erster Linie die Kohle stimmen müsse.

Zum anderen wäre das in obligatorischer Fascho-Manier für den Raum „Mitteldeutschland“ angekündigte Konzert der Weißenfelser Band „Schusterjungs“ gepaart mit mehreren lupenreinen RAC-Combos. Dem kann durchaus Symbolcharakter attestiert werden, versinnbildlicht es doch den seit nunmehr einigen Jahren anhaltenden gesamtgesellschaftlichen Rechtsruck, welcher eben auch nicht spurlos an einer sich selbst als vermeintlich unpolitisch verortenden Skinheadszene, als deren Teil sich die Schusterjungs jahrelang begriffen, vorbeigegangen ist.

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Morrissey ist jetzt ein alter, ideenloser Verschwörungstheoretiker

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Sein neues Album „Low in High School“ zeigt, wie aus dem coolen Arbeiterjungen aus Manchester, der gegen das Establishment aufbegehrte, ein Apologet des Rechtspopulismus werden konnte.

Steven Patrick Morrissey hatte einen Traum. Er träumte davon, eines Tages neben der Flagge Großbritanniens stehen zu können und sich nicht schämen, sich nicht wie ein Rassist fühlen zu müssen. Er träumte davon, dass seine Landsleute eines Tages die Schnauze voll haben würden von Labour und von den Tories, den großen Volksparteien.

Das war 2004, die Solokarriere des ehemaligen Smiths-Sängers lag da schon ein paar Jahre lang brach. „Irish Blood, English Heart“, der Song zum Traum, war Morrisseys großer Comeback-Hit. Weiter problematisch fand man das damals nicht. War ja immer noch derselbe Morrissey, der Margaret Thatcher einst den Tod auf der Guillotine gewünscht hatte, der Retter der verlorenen Teenager der Achtzigerjahre, der Arbeiterjunge aus Manchester, der gegen das Establishment aufbegehrte – was bis vor nicht allzu langer Zeit ja noch ein linker Kampf war.

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„Flak“ und „Rommel“ bei B&H-Ritual in Bulgarien

Quelle: Blick nach Rechts

13.11.2017 – Ende November veranstaltet die bulgarische „Blood&Honour“-Sektion in Plovdiv einen Fackelmarsch sowie zwei Rechtsrock-Konzerte an zwei aufeinander folgenden Tagen an – gelistet dafür sind auch deutsche Musiker.

„Flak“ bei „Blood&Honour“ in Bulgarien; (Screenshot)
Es gibt in der bulgarischen Neonazi-Szene zwei seit vielen Jahren regelmäßig zelebrierte Ritualtermine: Zum einen den seit 2003 stattfindenden so genannten Lukov-Marsch im Februar in Sofia, der den früheren Nationalistenführer und mit Hitler kollaborierenden Hristo Lukov (1887-1943) huldigt, zum anderen einen Fackelmarsch in Plovdiv „gegen das Diktat von Neuilly“ (Friedensvertrag nach dem Ersten Weltkrieg 1919). In Plovdiv ist die „Blood&Honour“-Sektion Bulgarien für die Veranstaltung verantwortlich und verknüpft die Zusammenkunft stets mit einem Musikevent. So wird es dieses Jahr gleich zwei Konzerte geben, zunächst am 24. November und dann nach besagtem Marsch am 25. November.

Zunächst wird ein Konzert von Flak-Solist Philipp „Phil“ Neumann (Bonn) sowie dem sächsischen Liedermacher „Rommel“ angekündigt. Am Folgetag sollen dann vier Bands aufspielen, darunter „Flak“. Außerdem werden die seit 20 Jahren aktiven „Whitelaw“ aus dem britischen Nottingham, „Copy Rinka“ aus Bulgarien und die bislang noch nicht in Erscheinung getretene Combo „Weiße Revolutionäre“ beworben.

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Neonazi-Musikszene im Allgäu im Aufwind

Quelle: Störungsmelder

Die RechtsRock-Szene im Allgäu ist weiter im Aufwind, die Zahl der Konzerte steigt. Ein Grund ist der Erwerb eigener Immobilien, die der Szene neuen Freiraum verschaffen.

Bereits in den 1980er-Jahren erkannte der britische Neonazi-Musiker Ian Stuard Donaldson die Bedeutung einer rechten Erlebniswelt und Subkultur für Rekrutierung, Bindung und Ideologisierung der Neonaziszene und gründete Blood&Honour in Großbritannien. Inzwischen ist aus dem in Deutschland zwar seit dem Jahr 2000 verbotenen aber weiter aktiven Zusammenschluss ein international aktives Netzwerk geworden, das mit jahrzehntelanger Erfahrung ein Millionengeschäft mit teils konspirativ organisierten Neonazikonzerten betreibt. Das Netzwerk ist in der Lage auch illegale Tonträger sowie Aufrufe und Anleitungen für eine terroristische Durchsetzung neonazistischer Ideologie zu verbreiten. Der NSU wurde aus Blood&Honour-Strukturen heraus unterstützt und ging aus dieser Szene hervor.

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Neonazis planen erneut „Gedenkmarsch“ in Remagen

Quelle: Störungsmelder

Am Samstag planen Neonazis einen „Gedenkmarsch“ in Remagen. Weil dort zum Ende des Zweiten Weltkriegs ein Gefangenenlager der Alliierten existierte, treffen sich einmal im Jahr Rechtsextreme in dem Ort in Rheinland-Pfalz. Zahlreiche Organisationen rufen auch in diesem Jahr zu Protesten gegen die Veranstaltung auf. Am Abend soll es offenbar zudem ein Rechtsrockkonzert in Westdeutschland geben.

Bereits zum neunten Mal treffen sich Neonazis in diesem Jahr zu ihrem geschichtsrevisionistischen Aufmarsch in Remagen. In der Vergangenheit wurde dieser von Gruppierungen aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen organisiert. Auch Neonazis des ehemaligen „Aktionsbüro Mittelrhein“ beteiligten sich an der Organisation. Die Gruppe stand bis vor kurzem in Koblenz vor Gericht. Ihnen war die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Körperverletzung und Sachbeschädigung vorgeworfen worden. Im Sommer platzte der Prozess nach mehr als 300 Verhandlungstagen wegen der „überlangen Verfahrensdauer“. Wie es weiter geht, ist noch unklar.

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Rechtsrockkonzert angekündigt
Für den Abend bewerben Neonazis zudem ein Rechtsrockkonzert in Westdeutschland. Auftreten sollen die Bands „Germanium“, „Blitzkrieg“, „Exzess“ und „Barbarossa“. Wo das Konzert stattfinden soll, ist unklar. Wie für die Szene üblich, bewerben die Bands das Konzert, ohne den genauen Veranstaltungsort anzugeben. Die Veranstaltung scheint jedoch in der Nähe von Remagen geplant zu sein. So ruft die Band „Germanium“ dazu auf, „zuerst zum Gedenkmarsch nach Remagen, dann zum Konzert“ zu fahren. Ob die Veranstalter des Gedenkmarsches auch das Konzert organisieren, ist ebenfalls unklar. Das erscheint jedoch unwahrscheinlich, denn die Organisatoren des „Gedenkmarsches“ legten in der Vergangenheit viel Wert auf „Disziplin“ und den elitären Charakter der Versammlung. Im Anschluss auf einem Konzert zu feiern, passt eigentlich nicht zu diesem Selbstverständnis.

Auch die Behörden kennen den genauen Vertanstaltungsort des Neonazi-Konzertes wohl nicht. Die zuständige Polizeidirektion in Mayen teilte auf Anfrage des ZEIT ONLINE Störungsmelders mit, sie wisse von der Ankündigung, könne aber derzeit noch keine näheren Auskünfte geben. Zuerst hatte der Blick nach Rechts über das geplante Konzert berichtet.

ERMITTLUNGEN NACH FRANKREICH AUSGEWEITET

Quelle: Allgäu rechtaußen

Nach mehr als sechs Monaten ohne heiße Spur zu den Tätern setzt die Staatsanwaltschaft in Sachen Brandanschlag auf ein Neonazi-Clubhaus bei Memmingen jetzt auf Hilfe aus Frankreich. Das teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Memmingen auf Anfrage mit.

Zur Täterermittlung ist die Strafverfolgungsbehörde auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen. Wenige Stunden nach dem Anschlag auf die ehemalige Gartenschänke in Buxach-Hart tauchte im Internet ein Schreiben auf. Dort hieß es, man habe in der fraglichen Nacht einen Brandsatz im Clubhaus der Neonazi-Kameradschaft Voice of Anger gelegt.

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