Der NSU lebt weiter

Quelle: Krautreporter

Sechs Jahre nach der Selbstenttarnung der „Zwickauer Terrorzelle“ ist die rechtsextreme Szene in meiner Heimatstadt und in Sachsen größer geworden – und besser organisiert als je zuvor.
Ich war zufällig in Zwickau, Anfang November 2011, ein paar Tage, nachdem die beiden Uwes sich in Eisenach in einem Wohnmobil erschossen hatten und Beate Zschäpe daraufhin die gemeinsame Wohnung in Brand steckte, die wohl eher aus Versehen explodierte. Eine Verpuffung ließ die Inneneinrichtung des Hauses, Fetzen von Teppichboden, angeschmolzene Waffen, Ziegelsteine, Klamotten, Rechner auf die Straße, die schöne Frühlingsstraße regnen. Der „Nationalsozialistische Untergrund”. Zehn Morde, drei Bombenanschläge, 15 Banküberfälle. Terroristen lebten in meiner Heimatstadt. Gleich gegenüber von meinem Lieblingsbäcker.

Ich fuhr an einem verregneten Sonntagabend auf dem Weg zu meinen Eltern einen kleinen Umweg, um mir das Haus, oder die Reste davon, anzuschauen, so, wie man sich die Schäden eines Erdbebens anschaut. Etwas Großes und Schreckliches war in dieser Stadt passiert, die mir ein wenig fremd geworden war. Nach dem Abitur bin ich weggezogen. Nach Jena. Ich zog in das Plattenbaugebiet Winzerla. Dort, wo das spätere NSU-Trio in den 90er-Jahren „Zecken” jagte. Danach lebte ich in Chemnitz. Nicht weit von der ersten Wohnung, in der sich das nun bald „Nationalsozialistischer Untergrund” nennende Trio vor der Polizei versteckte.

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