Archiv für Dezember 2017

Neonazis als Liedermacher – gewollt, aber nicht gekonnt

Quelle: Don‘t call it music

Mit weniger Aufwand als Rechtsrockkonzerte, aber ebenso starker Propagandawirkung gehören neonazistische Liedermacher-Abende zum festen Bestandteil der rechten Erlebniswelt. Ob als “Einheizer” im Vorprogramm eines Konzerts, als Ausklang einer Redner- oder Vortragsveranstaltung oder als musikalische Darbietung auf einem Kameradschaftsabend: Neonazis als Liedermacher sind kein Relikt aus den Neunzigern, sondern stellen auch heute noch ein wichtiges Genre innerhalb der rechten Musikszene dar. Ihre Musik wirkt oft melancholisch und romantisch und kann dadurch weitaus mehr Menschen erreichen als es klassischer Rechtsrock vermag. Die meisten Texte unterscheiden sich allerdings kaum von denen herkömmlichen Rechtsrock-Bands, in Teilen sind sie gar unmissverständlicher. Und meist auch einprägsamer – ein gemeinschaftliches Gefühl kann so schneller entstehen als auf einem Rechtsrock-Konzert, wo man die Songs der Bands vorher mehrmals gehört haben muss, um mitgrölen zu können.

Im Folgenden stellen wir vier rechte Liedermacher vor, die exemplarisch für diesen Teil der rechten Musikwelt stehen.

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Nur „rechts, nicht radikal“

Quelle: Telepolis

Hamburg: Nach der Explosion eines Sprengsatzes an einer S-Bahn-Station wurde ein in den 1990ern als Totschläger verurteilter Neonazi als Tatverdächtiger festgenommen

Am vergangenen Sonntag kam es an der S-Bahnstation Veddel im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg zu einer Explosion. Dabei ging die Scheibe des Wartehäuschens zu Bruch und unterdessen meldete sich ein Mann bei der Polizei, der eine Verletzung erlitt. Laut Spiegel Online wurde der vermutliche Täter inzwischen verhaftet. Dabei soll es sich um einen 1992 als Totschläger verurteilten Neonazi handeln.

Die Beschreibung des damaligen Opfers weist auf den Fall Gustav Schneeclaus hin: Der Kapitän wurde am 18. März 1992 von zwei Neonazis, mit denen er getrunken hatte und in Streit geraten war, so sehr misshandelt, dass er den Verletzungen erlag. Als Täter wurden seinerzeit der Tostedter Stefan S. und der Hamburger Stephan K. ermittelt. Während Stefan S. nach der Haft in der Neonazi-Szene aktiv war, blieb Stephan K. laut Polizeiangaben nur dem Alkohol treu – bis er am vergangenen Sonntag in einem Stadtteil mit einem Migrantenanteil von mehr als 70% einen Sprengsatz detonieren ließ. Zumindest wird er dieser Tat verdächtigt.

Um was es sich konkret bei dem Sprengsatz handelt, ist nicht bekannt. Die Rede war von einem „Polenböller“. Diese sollen für gewöhnlich 2 – 3 g Schwarzpulver enthalten, der am Sonntag explodierte enthielt jedoch 50 g. Augenzeugen sprachen auch von Nägeln, die auf dem Boden am Explosionsort gefunden worden seien.

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Killuminati – Nazis auf der Suche nach dem wahren Übel

Quelle: Don‘t call it music

“Wir sind Sklaven dieser geheimen Macht und der Volkstod, er kommt schleichend über Nacht. Wir sind Sklaven dieser Machenschaft. Illuminaten, Weltbrandstifter, einfach ekelhaft.” – wer den Namen dieser Naziband für einen Zufall hielt, wird mit diesen Textzeilen eines besseren belehrt. Der Hass auf Juden, die Rede vom “Weltvergifter”, “wahren Übel” und “Völkerfeind”, der “die Fäden zieht”, ist bei “Killuminati” Programm. In einem Interview fügt der Sänger hinzu, dass “das Finanzsystem den wahren Feind” darstelle “und eben nicht ein paar wildgewordene Salafisten und Glaubenskrieger in diesem Land”. PEGIDA und andere rassistische Bewegungen würden lediglich “den Sprössling einer Unkrautpflanze” abschneiden, die Musiker hingegen wollen die eingebildete jüdische Weltverschwörung an der Wurzel packen.

Das “Jetzt sind wir da” betitelte Erstlingswerk der Rechtsrock-Band erschien im Jahr 2014 beim Nazilabel “OPOS Records”, ein Jahr später folgte der erste Liveauftritt. Die Mitglieder der Gruppe sind jedoch schon seit Jahren in der neonazistischen Musikszene aktiv. Die Texte von “Killuminati” singt Steven A. aus Eisenach. A. ist auch Sänger und Gitarrist der Thüringer Naziband “Hermunduren” und zählt zur “Crew 38”, einer Vorfeldorganisation des weltweiten Neonazi-Netzwerks “Hammerskins”.

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Wie Klaus Farin zum Böhsen Onkel wurde

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Der korrekte Kampf gegen rechts und sein tollstes Opfer: Wie Klaus Farin, linker und langhaariger Experte für Pop- und Jugendkultur, plötzlich „problematisch“ wurde.

Skinheads, die Älteren werden sich erinnern: Das waren Jugendliche, die freiwillig Glatze trugen. Überwiegend Jungs. Wenn Mädchen dabei waren, hatten sie ihre Haare so wie heute nur noch der Sänger Paul Weller, oben Igel und an den Schläfen lang, was vielen von ihnen aber immer noch besser stand als Weller.

Das letzte Mal Schlagzeilen gemacht haben Skinheads vor ein paar Jahren, als einige in Berlin-Friedrichshain der Antifa in die Hände gerieten, irrtümlich: Es hatte sich bei den Skins um homosexuelle Männer gehandelt, die auf dem Weg zu einer Fetisch-Party waren und mit der Art von Skins, um die es den antifaschistischen Kampfgruppen ging, so viel zu tun hatten wie die Mitglieder der Village People mit Cowboys und Indianern. Aber das harte Image hatte Gründe. Skinheads standen im Ruf, gewaltfreudig und rechts zu sein, was viele von ihnen auch waren. Jedenfalls diejenigen, die nicht gewaltfreudig und links waren. Oder nur gewaltfreudig. Oder nicht mal das.

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VorlesenInnenministeriumThüringen rechnet 2018 mit mehr Neonazi-Großveranstaltungen

Quelle: MDR

Thüringen war im Jahr 2017 das beliebteste Reiseziel von Neonazis. Mit 6.200 Rechtsextremen war die Stadt Themar im Sommer Schauplatz eines beispiellosen Rechtsrock-Events. Über 200.000 Euro haben die Veranstalter damit eingenommen. Das lockt Nachahmer an, und so wird Thüringen wohl auch im kommenden Sommer wieder mit seinem Ruf als Neonazi-Mekka zu kämpfen haben.

Dutzendweise Hitlergrüße, dazu grölende Männerkehlen: „Heil! Heil! Heil!“ – das war das prägende Bild des großen Neonazi-Events in Themar. Von diesem Treffen im Juli ist aber weit mehr geblieben, meint Thüringens Innenminister Georg Maier: „Weil die Szene sich noch mal besser vernetzt, Strukturen geschaffen und auch wirtschaftlich offensichtlich ganz erfolgreich agiert hat. Insofern könnte ich mir vorstellen, dass es im nächsten Jahr noch mal richtig bitter wird, was die Rechtsrock-Szene anbelangt.“

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„A3stus“: Ein Jahr auf Bewährung für Nazi-Rapper

Quelle: Berliner Kurier

Berlin – Der 37-Jährige Patrick K., der mit Bandkollegen eine CD mit volksverhetzenden Liedern produziert und im Internet angeboten hatte, ist zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sprach den geständigen Angeklagten am Mittwoch der Volksverhetzung sowie des Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz schuldig. Ein Betrag von 11.350 Euro, der durch den Verkauf der CD zusammenkam, sei einzuziehen, ordneten die Richter außerdem an.
Die Hetzlieder waren 2015 in der Liste der jugendgefährdenden Medien eingetragen worden. Die Polizei hatte im Mai 2015 Wohnungen von drei Mitgliedern der Band in den Stadtteilen Hohenschönhausen, Prenzlauer Berg sowie im brandenburgischen Bernau (Barnim) durchsucht.

Der Angeklagte habe „die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten“, heißt es in dem Urteil weiter. Der derzeit arbeitslose Mann hatte zuvor erklärt, er werde sich künftig von politischen Liedtexten fernhalten. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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Bataillon 500 – zurück aus dem Untergrund

Quelle: Don‘t call it music

“Nachdem man letztes Jahr schon mit der ‚Heldenopfer‘ für Aufsehen sorgte, folgt nun hier mit ‚Standhaft und Treu‘ das neue Bekenntnis zu Volk, Heimat & Reich!” So rezensierte “PC Records” aus Chemnitz, eines der führenden Rechtsrock-Labels Europas, die neueste, im Jahr 2017 bei “Front Records” erschienene Produktion der Rostocker Naziband “Bataillon 500”.

Obwohl die vier Rechtsrocker fast jährlich auf eine CD-Veröffentlichung blicken können, hat “Bataillon 500” in den letzten Jahren nicht am Konzertgeschehen der Neonazi-Szene teilgenommen. Für 2018 taucht die Naziband jedoch im angekündigten musikalischen Rahmenprogramm des zweitägigen Rechtsrock-Spektakels “Schild und Schwert” auf. Als Koordinator des Neonazi-Festivals tritt Thorsten Heise aus Northeim auf, der maßgeblich bei der “Kameradschaft Northeim” mitwirkt, Führungsperson der Nazi-Bruderschaft “Arische Bruderschaft” ist und darüber hinaus an das internationale “Blood & Honour”-Netzwerk samt deren bewaffnetem Arm “Combat 18” angebunden ist. Auch die Bandauswahl des Festivals, welches nach bisherigem Stand am 20. und 21. April 2018 auf dem Gelände des Hotels “Neißeblick” in Ostritz (Landkreis Görlitz, Sachsen) stattfinden wird, deutet auf das “Blood & Honour”-Milieu. “Oidoxie” aus Dortmund, “Die Liebenfels Kapelle” und die Schweizer Naziband “Amok” sind seit den Neunziger Jahren als “Blood & Honour”-Bands bekannt.

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Mehrtägiges Neonazi-Musikfestival in Sachsen angemeldet

Quelle: Störungsmelder

Das neonazistische Musik- und Kampfsportfestival „Schild und Schwert“ soll am 20. und 21. April im ostsächsischen Ostritz an der polnischen Grenze stattfinden. Das geht laut MDR aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Martina Renner hervor. Die Veranstaltung dürfte hunderte Neonazis aus ganz Europa anziehen.

Mehrfach vorbestraft: Thorsten Heise, Foto: Kai Budler
Neonazi-Multifunktionär Thorsten Heise © Kai Budler
Bereits am 20. November 2017 hatten die Neonazis das Festival beim Landratsamt in Görlitz angemeldet. Dass bereits einen Tag später eine eigene Homepage zur Bewerbung zur Verfügung stand, deutet auf eine längere Vorbereitung hin. Im Impressum der Homepage wird der „W+B-Versand“ des Neonazis Thorsten Heise in Fretterode angegeben, als Jugendschutzbeauftragter fungiert NPD-Anwalt Peter Richter. Das Festival ist vom 20. bis 22. April im ostsächsischen Ostritz als politische Kundgebung angemeldet. Das zweitägige Event folgt dem Trend zu immer größeren und professionelleren Veranstaltungen dieser Art, die über die klassische Kundgebung im öffentlichen Raum mit ein paar Rechtsrock-Acts hinausgehen. Neben NS-Barden und -Bands, Infoständen und Reden bundesweiter Nazikader wird die Neonazi-Kampfsportveranstaltung „Kampf der Nibelungen“ ein Turnier ausrichten. Das letzte Turnier fand im Oktober im sauerländischen Kirchhundem statt. Heise bewirbt außerdem eine „Tätowierkunst Convention“ und eine Volkstanz-Darbietung. Mit den Bands „Die Lunikoff-Verschwörung“ um den ehemaligen Landser-Sänger Michael Regener, die rechte Hooligan-Band „Kategorie C“, „Amok“ aus der Schweiz und „Oidoxie“ aus Dortmund kündigen die Veranstalter einige Hochkaräter der deutschen Rechtsrock-Szene für das Event in der 2400-Einwohner-Gemeinde an. Des Weiteren spielen der Sänger der kanadischen Band „Stonehammer“, der unter dem Namen „Griffin“ auftritt, sowie weitere Bands und Barden. Auffällig ist, dass fast alle Acts dem „Blood and Honour“-Netzwerk nahestehen.

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Rechtes Black-Metal Konzert kleingeredet

Quelle: Antifainfoblatt

Am 3. September 2016 spielte die extrem rechte Black-Metal-Band „Permafrost“ im Rahmen des „Torn Your Ties“-Festivals im baden-württembergischen Bobstadt (Main-Tauber-Kreis). Pikant: Der Veranstalter war der stellvertretende Ortsvorsteher des kleinen Dorfes, Heiko G..

„Permafrost hat mit Politik nichts zu tun“

„Permafrost“, gegründet 2003 in Zeitz (Sachsen-Anhalt) wird dem „National Socialist Black Metal“1 zugeordnet und tritt bundes- und europaweit im Rahmen konspirativer Konzerte auf. Die Band hingegen betont: „Permafrost hat mit Politik nichts zu tun und dient einzig und allein der Verehrung Satans.“ Vor dem „Torn Your Ties“-Festival stellte die Band erneut fest, sie sei „keine Band welche politische Inhalte transportiert“.

Allerdings sprechen die Liedtexte und das Umfeld der Band eine andere Sprache: 2007 veröffentlichte die Band das Album „Live in Zeitz“ und coverte darin mehrere antisemitische Lieder extrem rechter Bands. Etwa das „Blutlied“ – bekannt auch als „Blut muss fließen“ von „Tonstörung“.2 „Permafrost“ selbst verteidigte das Cover: „Das Lied BMF ist eine Aneinanderreihung von 3 Akkorden welche scherzhaft von uns als ‚Tonstörung Cover‘ bezeichnet wurden. Das ‚Lied‘ ist instrumental und wurde von uns ohne Gesang vorgetragen.“ Die Version der verbreiteten DVD aus dem Jahr 2006 zeigt zwar, dass das Lied ohne Gesang gespielt wurde, doch der Sänger forderte eindeutig zum Mitsingen des Textes auf. Das Publikum und Teile der Band schrien den antisemitischen Liedtext mit – allerdings aus rechtlichen Gründen nicht in das Mikrofon.

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Sachsenblut und Sachsonia – Can juh hier mei vois? We are se fucking bootbois!

Quelle: Don‘t call it music

So oder so ähnlich klingt die Darbietung englischsprachiger Texte der sächsischen Naziband “Sachsenblut”. Dazu rumpelige, eingängige Oi-Musik, vorgetragen von schwerst tätowierten Neonazis, die auf eine jahrelange Anbindung in die rechte Szene rund um Dresden blicken können. Die erste Gitarre bei der 2010 gegründeten Naziband spielt der in Freital (Sachsen) wohnhafte Sascha N.. Er ist auch Tätowierer im Freitaler Tattoo- und Piercingstudio “Schlachthaus”, welches als Anlaufpunkt für die lokale Neonazi-Szene dient.

Aufgrund entsprechender Embleme und Symbole auf der Kleidung ist N. dem Motorradclub “Gremium MC” zu zuordnen. Vor allem im Raum Dresden fiel der Club bereits kurz nach seiner Niederlassung in Sachsen 1999 durch brutale Überfälle auf. Beispielsweise im Jahr 2000, als zwölf Mitglieder des Dresdner “Gremium MC”-Ablegers in die Kleinstadt Döbeln einfielen, um das Clubheim des dort ansässigen “Highway Wolves MC” zu überfallen. Bei dem Angriff erschoss der Präsident des Dresdner “Gremium MC” den Chef des “Highway Wolves MC” mit einer abgesägten Schrotflinte. Wie in vielen anderen Fällen in Sachsen ist auch der Döbelner “Highway Wolves MC” kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um Verbindungen in die Neonazi-Szene geht. In den Neunzigern konnten in seinem Clubhaus in Döbeln mehrfach Rechtsrock-Konzerte stattfinden, etwa im November 1999, als dort das Abschiedskonzert der Naziband “Die weissen Riesen” aus Riesa abgehalten werden konnte.

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Brainwash und Moshpit – Seit wann liegt Dresden in Thüringen?

Quelle: Don‘t call it music

Die Bands “Brainwash” und “Moshpit” gelten als Aushängeschilder des Dresdner Nazilabels “OPOS Records”. Beide beziehen sich bis heute auf ihre Wurzeln in der Stadt Altenburg (Thüringen), ihre Mitglieder wohnen jedoch seit Jahren überwiegend im Raum Dresden. Der Ruf Altenburgs als Rechtsrock-Hochburg geht bis zur 1996 gegründeten NS-Metal-Band “Kreuzfeuer” zurück, deren Sänger Jens R. im Jahr 2000 Suizid beging. Dass im Jahr 2011 ein Sampler “Altenburg rockt das Reich” mit Beiträgen acht verschiedener Nazibands erschien, illustriert die Zustände in der 33.000-Einwohner-Stadt treffend. Eine von “Thüringen Rechtsaußen” im Jahr 2014 zusammengestellte Liste nennt gar 15 Nazibands mit Schwerpunkt Altenburg.

Frontmann und Sänger der 2001 gegründeten NS-Hardcore-Band “Brainwash” ist René W.. Der 1976 geborene Neonazi produziert und vertreibt außerdem die Kleidungsmarke “Dryve by Suizhyde”. Unter dem Künstlernamen “Mudhater Design” ist er einer der Haus-und-Hof-Grafiker für “OPOS Records”. W. gehört auch der Naziband “Endless Struggle” an und wirkte bei den Bands “Forbidden” und “Sharon Tate” mit. René W. kommt aus Altenburg, wohnt aber seit einigen Jahren in Dresden.

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Nazipunk in Sachsen – zwischen Subkultur, Kameradschaftsszene und NSU

Quelle: Don‘t call it music

1994 in Riesa gegründet, ist “Selbststeller” eine der dienstältesten Nazibands in Sachsen. Ähnlich wie die ebenfalls aus Riesa stammenden Nazibands “Die Weissen Riesen” und “Bürgerwehr” kann man die Rechtsrocker von “Selbststeller” dem internationalen “Blood & Honour”-Netzwerk zuordnen. Regional ist die Band an die Kameradschaft “Bootboys Riesa” angebunden, die ebenfalls seit den Neunziger Jahren besteht. Deren Kürzel “22” (“BB”) findet man auf Kleidung und CDs der Band, die ihre Musik selbst als “Zankrock” bezeichnet.

Sänger der Naziband “Selbststeller” ist der langjährig aktive Neonazi Axel T. aus Riesa. Die erste Gitarre spielt der ebenfalls aus Riesa stammende Berufssoldat Nico H., am Schlagzeug sitzt Volker H.. Den Bass spielt seit einigen Jahren Teresa R. (geborene T.) aus dem ostsächsischen Wilthen. Ihr Ehemann Morris “Miesl” R. war bis Anfang 2017 zweiter Gitarrist. Er wurde im Frühjahr 2017 durch den Neonazi Tom H. aus Riesa ersetzt.

“Selbststeller” sehen sich selbst zwar selbst als Punkrock-Band und sind dadurch auch innerhalb der oft als “Graunzone” bezeichneten rechtsoffenen Szene beliebt, ihre Texte sprechen allerdings eine klare Sprache. Auf ihrem im Jahr 2010 beim Nazilabel “OPOS Records” erschienenen Album “Bumm Bumm Rattatta Klick Klack Peng” heißt es etwa in dem gleichnamigen Lied, das sich drohend gegen Geflüchtete richtet: “Wir treten euch entgegen mit Wort und Ton, doch es bleibt nicht bei Gitarre, Schlagzeug, Bass, Mikrofon, denn wir befreien die Nation aus euren Fängen mit Bumm Bumm Rattatta Klick Klack Peng.”

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Hamburg-Veddel: Nazi und Totschläger für Explosion verantwortlich!

Quelle: Antifa Pinneberg

In Hamburg und im Hamburger Umland gibt es eine lange Tradition von Nazi-Terror und rechter Gewalt. Im August 1980 verübten Mitglieder der terroristischen Nazigruppe „Deutsche Aktionsgruppen“ einen Brandanschlag auf eine Flüchtlingsheim. Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân hatten keine Chance zu entkommen und starben an den Brandverletzungen. In Norderstedt wurde der 26-jährige Tevfik Gürel am 22. Juni 1982 von Nazis erschlagen. Am 17.10. 1982 verstarb der Werder-Bremen-Fan Adrian Maleika nachdem er auf dem Weg zu einem Pokalspiel von rechten Mitgliedern des HSV-Fanclubs „Die Löwen“ angegriffen wurde. Am 24. Juli 1985 wurde Mehmet Kaymakcı auf offener Straße von Neonazis in Langenhorn beim Kiwittsmoor erschlagen. Am 21.12.1985 wurde Ramazan Avci zusammen mit seinem Bruder und einem Freund am S-Bahnhof Landwehr angegriffen. Der Bruder und der Freund konnten gerade noch fliehen, Ramazan Avci wurde auf die Straße gehetzt wo ihn ein Auto erfasste und er anschließend mit Fußtritten, Axtknüppeln und Basballschlägern malträtiert wurde so das er am 24.12.1985 im Krankenhaus verstarb . Am 18. März 1992 wurde der Kapitän Gustav Schneeclaus am Buxtehuder Busbahnhof von Stefan Silar und Stephan Kronbügel erschlagen. In der Nacht auf den 23. November 1992 wurden die 10-jährige Yeliz Arslan, die 14-jährige Ayşe Yilmaz und die 51-jährige Bahide Arslan bei einem Brandanschlag von Nazis in Mölln ermordet. Am 07.12.1993 wurde der 19-jährige Kolong Jamba alias Bakary Singateh im Zug von Hamburg nach Buchholz erstochen. In der Nacht zum 18. Januar 1996 starben zehn Menschen, 70 Kilometer von Hamburg durch einen Brandanschlag auf ein Haus in der Hafenstraße in Lübeck – Bis heute sind die Täter noch immer nicht verurteilt. Am 27. Juni 2001 wird Süleyman Taşköprü vom NSU-Netzwerk in der Schützenstraße ermordet.

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TreueOrden – Seit wann liegt Thüringen in der Schweiz?

Quelle: Don‘t call it music

Im Jahr 2011 veröffentlichte die aus dem Raum Gotha (Thüringen) stammende Nazi-Band “TreueOrden” ihre erste CD mit dem Titel “SA Voran” – und dem Deutschland verbotenen Symbol der historischen NS-Organisation “Sturmabteilung” (SA) auf der Hülle. Die Band kann als Nachfolge- bzw. Nebenprojekt der 2005 ins Leben gerufenen Gothaer Band “Sonderkommando Dirlewanger” (SKD) gesehen werden.

Sowohl bei SKD als auch bei “TreueOrden” sitzt der umtriebige Thüringer Neonazi Thomas W. am Schlagzeug. Den Bass bei “TreueOrden” übernimmt Rocco B, die Gitarre spielt Mario “Kelle” K.. Für den Gesang ist Sebastian “Basti” F. verantwortlich.

Über die Aktivitäten der Bandmitglieder könnte ein Buch geschrieben werden. Thomas W. erlangte bereits 1997 Bekanntheit, als er beim “Spielen” mit einer Pumpgun versehentlich einem Kameraden, dem Gothaer Neonazi-Kader Marco Z., ins Bein schoss. Nur wenige Monate zuvor war W. maßgeblich in die Durchführung eines Wehrsportlagers am Gothaer Stadtrand involviert. Als die Polizei dieses Lager auflöste, fand sie neben unzähligen NS-Devotionalien auch Luftgewehre und teilweise gestohlene Camping-Utensilien. Der Bezug ins kriminelle Milieu zieht sich wie ein roter Faden durch Thomas W.s Vita. Die Pumpgun, mit der er Zint anschoss, besorgte er sich damals aus Angst vor “angeheuerten Türken”. Deren Rache hatte er erwartet, nachdem Z. und er einen Spielautomaten in einer Diskothek aufgebrochen und Bargeld entwendet hatten.

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White Resistance – Schneeberg at it’s best

Quelle: Don‘t call it music

Die sächsische Stadt Schneeberg machte im Jahr 2013 Schlagzeilen, als bis zu 1800 Personen mit Fackeln gegen eine geplante Unterkunft für Geflüchtete demonstrierten. Diese Aufmärsche können als Auftakt einer bundesweiten rassistischen Wutbürgerbewegung gesehen werden.

Aus Schneeberg kommt auch die Naziband “White Resistance”. Kurz nach der Jahrtausendwende gegründet, brachte die Gruppe im Jahr 2002 eine Demo-CD sowie 2005 bei “PC Records” das Album “We Defend” heraus. Ungefähr zur gleichen Zeit geriet “White Resistance” wegen des Verdachts, das verbotene Neonazi-Netzwerk “Blood & Honour” weiterzuführen, ins Visier der Ermittler. Die Ausrichtung der Band unterstreichen Textzeilen wie “Let’s go independent to fight for honour and pride, a holy fight for our country’s freedom and a future of our folk”, die es schaffen, in einem einzigen Satz auf “Blood & Honour” (“for honour and pride”), einen “Racial Holy War” (“a holy fight”) und das rassistische Bekenntnis “Fourteen Words” (“a future for our folk”) zu verweisen.

Die bislang letzte Veröffentlichung von “White Resistance” war das Album “White Rock’n’Roll Outlaws” im Jahr 2008, erschienen beim Nazilabel “Gjallarhorn Klangschmiede”. Dass die Band dennoch unverändert aktiv ist und zahlreiche Auftritte absolviert, dürfte weniger an ihrem stumpfen Rechtsrock liegen, sondern vielmehr an den Mitgliedern.

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Ungebetene Gäste und Painful Awakening – Hooliganism meets NSHC

Quelle: Don‘t call it music

Die 2010 gegründete Naziband “Ungebetene Gäste” besteht aus mittlerweile altbekannten Neonazis aus Mecklenburg-Vorpommern. Sänger und Gründungsmitglied ist der heute in Rostock lebende Marcel “Zabel” Z.. Er war in den letzten Jahren auf zahlreichen Punk- und Rockabilly-Konzerten anzutreffen. Gemeinsam mit sechs Freunden aus Güstrow und Bützow gründete er im Jahr 2007 die “Hoolsnation”, eine Clique von Neonazis, die sich gern als Hooligans darstellten und vorrangig Partys und Saufgelage in einer Garage veranstalteten. Ab 2010 veröffentlichte Z. unter dem Namen “UnGebetene Gäste” einige Videos mit Akustik-Liedern. Im gleichen Jahr entstand auch das erste Album “Musik für euch”, das noch sehr holprig daherkam.

Im Jahr 2012 veröffentlichte die selbsternannte “Streetrock”-Band ihr erstes professionell produziertes Album namens “Anstoß”. Passend zur Europameisterschaft im gleichen Jahr versucht die Band sich auf der CD als unpolitische, “nur” patriotische Fußballrock-Band darzustellen. Dieses Image hatte sich bereits Jahre zuvor die Rechtsrock-Band “Kategorie C” auf die Fahnen geschrieben. So verwundert es nicht, dass “Ungebetene Gäste” ein Jahr später als Vorband von “Kategorie C” bei einem Auftritt in Wolfsburg beworben wurden.

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Abtrimo und Likedeelers – “Norddeutscher Untergrund” auf dem Präsentierteller

Quelle: Don‘t call it music

Im Dezember 2010 wurde in Hamburg die Band “Abtrimo” gegründet. Ihre Mitglieder sind die Neonazis Christian “Oesinger” O. (Gitarre), Carsten S.(Bass), Alexander Peter T. (Gitarre), Marcel “Marci” K. (Gesang) und Fabian “Prof. Das Tier” W. (Schlagzeug). Marcel Sch., Gitarrist der Band “Alte Schule”, unterstützt die Band manchmal bei Auftritten. Der Bauer Christian O., auf dessen Hof am Rande Hamburgs nicht nur Proben stattfinden, sondern auch auswärtige Gäste im Rahmen von Konzerten und Partys untergebracht werden, gilt als Kopf von “Abtrimo”. Engen Kontakt pflegt die Band beispielsweise zu dem “Hammerskin” Jörn K. aus Iserlohn und den rechten Oi-Bands “Brassic” (USA) und “Bronco Army”. “Abtrimo”-Sänger Marcel K. ist neben seiner musikalischen Betätigung bei den “Skinheads Uelzen” organisiert, einer Gruppe von Neonazis, die regelmäßig konspirative Konzerte im norddeutschen Raum veranstaltet.

Im Mai 2016 traten “Abtrimo” mit den befreundeten Bands “Faustrecht” (Allgäu) und “Uwocaust” (Potsdam) sowie der slowakischen Band “Krátky Proces” unter dem Motto “Germany & Slovakia – Rocking Europe” im sächsichen Staupitz bei Torgau auf. Die Slowaken sind vor allem für ihren Tonträger “Arbeit macht frei” und Aufrufen zur systematischen Tötung von Menschen in Konzentrationslagern bekannt. Mit dem Potsdamer Rechtsrock-Musiker Uwe Menzel (“Uwocaust”) hat “Abtrimo” das Lied “Gewalt regiert uns alle” veröffentlicht.

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Blitzkrieg – im engsten Umfeld des NSU

Quelle: Don‘t call it music

Die 1999 in Chemnitz (Sachsen) formierte Rechtsrock-Band “Blitzkrieg” genießt in der Nazi-Szene vor allem durch ihr langjähriges konspiratives Auftreten einen Ruf als “authentische” Band. Sie ist eine der Gruppen, die in den vergangenen Jahren nicht viel zur Weiterentwicklung der rechten Musikszene beigetragen haben und auch nicht Hit auf Hit produzieren. Und doch treten die Mitglieder so selbstsicher und selbstgefällig auf, dass sie aus der neonazistischen Musiklandschaft heute kaum wegzudenken sind. Das hat natürlich auch viel mit den Personen hinter dem Projekt und ihrem Engagement für die “nationale Sache” zu tun.

Sänger Jörg “Kicke” R. und sein Bruder Kay “Kacke” R., der bei “Blitzkrieg” am Schlagzeug sitzt, waren schon Ende der Neunziger Jahre fest in sächsischen “Blood & Honour”-Strukturen verankert. Innerhalb der im Jahr 2000 in Deutschland verbotenen Organisation waren sie europaweit für den Saalschutz bei Rechtsrock-Konzerten zuständig.

Das kam nicht von ungefähr, gehören die Richter-Brüder doch zur alten Riege der Chemnitzer Fußballschläger “HooNaRa” (“Hooligans Nazis Rassisten”), die selbst in der Hooligan-Szene lange gefürchtet waren. Chef der “HooNaRa” war Anfang der Zweitausender Jahre der mittlerweile verstorbene Gerüstbauer Rico M.. Gemeinsam mit den R.-Brüdern und anderen Hooligans des Chemnitzer FC war M. einer der neonazistischen Vorreiter in Sachen Kampfsport und trat etwa im “Fight Club Karl-Marx-Stadt” an. Die “HooNaRa” waren auch am massiven, organisierten Angriff auf eine antifaschistische Demonstration in Chemnitz im Jahr 2004 beteiligt.

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Confident of Victory – “Pornoskins” aus der Lausitz

Quelle: Don‘t call it music

Neben den Neonazi-Bands “Division Germania”, “Blutzeugen” und “Deutsch Stolz Treue” steht zur Stunde die Gruppe “Confident of Victory” beim Rechtsrock-Konzert “White Xmas” auf der Bühne. Im Jahr 1998 eigentlich nur als Nebenprojekt der Naziband “Sturm und Drang” gegründet, zählt “Confident of Victory” aus Senftenberg (Brandenburg) heute zu den bedeutendsten Rechtsrock-Bands des Landes.

Als Sänger der Bands “Sturm und Drang” und “Confident of Victory” fungiert der Neonazi Rico H. aus Senftenberg. Hauptberuflich ist H. Inhaber der “Hotel-Pension Hafemann” im Senftenberger Ortsteil Niemtsch. Dem Brandenburger Landesamt für Verfassungsschutz gilt H. als derart bedeutender Neonazi, dass man ihn im Verfassungsschutzbericht 2009 mit vollem Namen nannte – als einen von zwei Hauptakteuren der neonazistischen Musikszene im Bundesland. Zusammen mit Mitgliedern der mittlerweile aufgelösten sächsischen NSBM-Band “Magog” bildete H. zudem die NS-Death-Metal-Band “Obskur”.

Auch der Bassist von “Confident of Victory”, Thomas Tsch., gehört seit den Anfangstagen zur Gruppe. Er war somit auch von den Hausdurchsuchungen betroffen, die im Januar 2006 bei den Bandmitgliedern durchgeführt wurden. Anlass war ein Auftritt in Mannheim im März 2005, bei dem die Band volksverhetzende Titel gespielt und ihr Publikum zum Zeigen des Hitlergrußes sowie zu “Sieg Heil”-Rufen animiert haben soll. Bei den Durchsuchungen wurde auch der Zünder einer Übungshandgranate beschlagnahmt. Gleichzeitig wurde das Album “F.N.A.B.” (“Freedom, Nation and Blood”) und die Demo-CD “Pornoskins” nach Liste A indiziert. Die Demo-CD enthält Zeilen wie “Nigger scum, nigger nigger nigger nigger scum”. Auf “F.N.A.B.” sind Forderungen wie “War, war, war – the final solution!” zu hören.

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Stahlgewitter und Division Germania – Rechtsrock-Superstars in Personalnot?

Quelle: Don‘t call it music

Unter dem zweideutigen Namen “White Xmas” wird seit Monaten die Werbetrommel für ein Rechtsrock-Konzert am heutigen 9. Dezember 2017 gerührt. Neben “Deutsch Stolz Treue” (Berlin), “Blutzeugen” (Raum Dresden) und “Confident of Victory” (Senftenberg) wird auch die Band “Division Germania” angekündigt. Der letzten Band werden wir uns auch aus diesem Anlass heute annehmen.

Ursprünglich als Soloprojekt angedacht, wurde “Division Germania” von dem 1983 geborenen Andreas K. aus Mönchengladbach um das Jahr 2000 herum ins Leben gerufen. Dieser ist Vollmitglied der Neonazi-Bruderschaft der “Hammerskins” und trat zur Bundestagswahl 2005 in seiner nordrhein-westfälischen Heimatstadt für die NPD an.

Am Schlagzeug bei “DG” sitzt der aus Hamm stammende Patrick G., während Matthias W. aus dem Rhein-Kreis Neuss den Bass spielt. Mit beiden war K. schon bei der Nazipunk-Band “Rotte Charlotte” aktiv. G. gehört außerdem seit geraumer Zeit den Rechtsrock-Band “Smart Violence” und “Sturmwehr” an.

Seit mindestens zwei Jahren spielt Philipp “Phil” N. als Gitarrist bei “Division Germania”. N. ist auch Sänger und Gitarrist der Naziband “Flak”. Die Besetzung der zweiten Gitarre hingegen ändert sich ständig. Auf dem “Hammerfest 2015” der italienischen “Hammerskins”-Sektion wurde die Stelle von Mirko Sz. alias “Liedermacher Barny” besetzt, während beim “Rock gegen Überfremdung” im Juli 2017 Martin B. aus Hamm auf der Bühne stand.

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