Anschläge der „Anti-Antifa“

von Jonas Miller
Magazin „der rechte rand“ Ausgabe 166 – Mai 2017

Die Nürnberger Neonazi-Szene baute über Jahre eine professionelle, konspirative Anti-Antifa-Gruppe auf. In den letzten zehn Jahren kam es zu Übergriffen, Bedrohungen und Brandanschlägen.

Anti-Antifa-Arbeit hat in Franken, besonders in Nürnberg, eine lange Tradition. Schon 1993 wurde bei einem Treffen des »Deutschen Freundeskreises Franken« die Gründung einer Anti-Antifa-Gruppe beschlossen. In dieser Zeit wurde auch die Zeitung »Junges Franken« herausgegeben, in der etliche KommunalpolitikerInnen, AntifaschistInnen und RechtsanwältInnen unter der Rubrik »Ausländerfreundlichster Mitbürger Frankens« mit detaillierten Angaben über politisches und privates Umfeld, diffamiert wurden. Zu dieser Zeit versuchte sich auch eine Aktivistin des »Nationalen Blocks« in das »Antifaschistische Bildungs-, Informations- und Dokumentationszentrum« (Abidoz) in Nürnberg einzuschleichen. Interessiert hat sie sich fast ausschließlich für die Herkunft des Archivmaterials. Als ihr rechter Hintergrund aufflog, trat sie den Rückzug an.
Um die Jahrtausendwende gründete sich die »Fränkische Aktionsfront« (FAF) unter der Leitung von Matthias Fischer und gab das Fanzine »Der Landser« heraus. In beinahe jeder Ausgabe des Blattes gab es eine »Anti-Antifa«-Rubrik, in der Berichte über »Rote Zonen in Nürnberg«, Informationen über linke Infoläden und Treffpunkte oder detaillierte Beschreibungen von aktiven AntifaschistInnen veröffentlicht wurden. Ein Bericht thematisierte eine länger andauernde politische Auseinandersetzung zwischen antirassistischen und neonazistischen Jugendlichen an einem Nürnberger Gymnasium. Im Zuge dessen wurden auch Name und Bild einer engagierten Lehrerin im »Landser« veröffentlicht. Im Vorfeld zu diesem Bericht tauchte ein jugendlicher Neonazi in einem offenen Café der Nürnberger »Jugendantifa« auf, der sich als Mitarbeiter einer Schülerzeitung ausgab und Informationen sammelte. Auch er wurde enttarnt und gab an, nicht auf eigene Faust gehandelt zu haben, vielmehr sei er von der Anti-Antifa geschickt worden.

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