Exzess – umtriebige Neonazis aus einem rockerähnlichen Milieu

Quelle: Don‘t call it music

2010 in Strausberg bei Berlin ins Leben gerufen, ist “Exzess” aus der Rechtsrock-Szene heute nicht mehr wegzudenken. Dies mag nicht nur an ihren relativ professionellen Musikproduktionen liegen, sondern vor allem an ihrer Verbindung zu Neonazi-“Bruderschaften” wie den Berliner “Vandalen”, der “H8” aus Thüringen und Brandenburg sowie deren Nachfolger “Turonen/Garde 20”.

Sänger und Bassist von “Exzess” ist Tobias V., der in Strausberg das bandeigene Label “Exzess-Records” und die Autowerkstatt “Carofol” betreibt und in seiner Freizeit Kampfsport macht. Patrick A., Schlagzeuger bei “Exzess”, kandidierte bei den Kommunalwahlen 2008 für die rechten Partei “Deutsche Volksunion” (DVU).

An der Gitarre steht Daniel K. aus Fredersdorf-Vogelsdorf. Er ist Mitglied des Brandenburger Ablegers der 2006 in Thüringen gegründeten “Bruderschaft” “H8”. Ähnlich wie das in Deutschland verbotene “Blood & Honour”-Netzwerk und die “Hammerskins” tut sich die “H8” durch die Organisation von Nazikonzerten und die Vermarktung rechter Bands hervor. Die elitäre und martialische Selbstdarstellung dieser “Bruderschaften” übte in den vergangenen Jahren eine hohe Anziehungskraft innerhalb der Neonazi-Szene aus. Dadurch gewann man auch im Rechtsrock-Geschäft an Bedeutung – und Musiker, Produzenten und Händler als Mitglieder.

Die 2015 gegründete “Bruderschaft Turonen/Garde 20” gilt als Nachfolger der “H8”. Ihr führender Kopf ist der Neonazi Steffen R. aus Saalfeld (Thüringen), der bereits Mitglied der “H8” war. Die “Turonen” waren maßgeblich an der Organisation des von rund 5000 Neonazis besuchten “Rocktoberfest” im Oktober 2016 in der Gemeinde Unterwasser (Schweiz) beteiligt. Sie initiierten auch die Konzertreihe “Rock gegen Überfremdung” in Thüringen, deren zweite Auflage im Juli 2017 in Themar (Thüringen) rund 6000 Neonazis aus ganz Europa anzog. Während “Exzess” beim “Rocktoberfest” auf der Bühne standen, war Gitarrist Daniel K. beim “Rock gegen Überfremdung 2” an der Ordnerstruktur und dem Aufbau der Infrastruktur beteiligt – neben Mitgliedern der “Bruderschaften” “Barnimer Freundschaft”, “Hammerskins” und “Vandalen”.

Tobias V. stand in Themar währenddessen als Bassist der Berliner Neonazi-Band “Die Lunikoff Verschwörung” auf der Bühne. “Die Lunikoff Verschwörung” besitzt in der Szene Kultstatus, was vorrangig an ihrem Sänger Michael “Lunikoff” Regener liegen dürfte. Regener gilt als Kopf der Berliner “Bruderschaft” “Vandalen – Ariogermanische Kampfgemeinschaft”. Seine Band ist das Folgeprojekt der als kriminelle Vereinigung verbotenen Band “Landser”. Regeners angeblich in Haft entwickelte Kleidungsmarke “Hermannsland” ist an den “Hermannsland-Versand” angebunden, über den CDs und Merchandise von “Die Lunikoff Verschwörung” vertrieben werden. Als Betreiber des Versands fungiert der Leipziger Neonazi und Hooligan Nils L..

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

1. April 2005 Auftritt von “Die Lunikoff Verschwörung” in Pößneck (Thüringen). Er gilt als Abschiedskonzert der Band, bevor Sänger Michael Regener seine Haftstrafe antritt. Organisiert wird das Konzert von der NPD Thüringen.

6. März 2010 Auftritt von “Die Lunikoff Verschwörung” in Budapest, u.a. mit “Stahlgewitter”, organisiert von “NS Front”

2. April 2011 Auftritt von “Exzess” in Riesa (Sachsen), u.a. mit “Wiege des Schicksals” (Anklam) und “Marci & Kapelle” (alias “Tätervolk”, Berlin). Organisiert wurde das Konzert vom “Deutsche-Stimme”-Verlag der NPD.

8. November 2014 Auftritt von “Die Lunikoff Verschwörung” in Zobes (Sachsen), u.a. mit “Nahkampf” (Bremen), organisiert von Nils L. und der Partei “Die Rechte”

27. Dezember 2014 Auftritt von “Exzess” in Kirchheim (Thüringen), u.a. mit “Tätervolk” (Berlin/Brandeburg) und “Treueorden” (Thüringen)

4. Juni 2016 Auftritt von “Exzess” im “Thinghaus” in Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern), u.a. mit “Hausmannskost” (Cottbus)

15. Oktober 2016 Auftritt von “Exzess” beim Nazikonzert “Rocktoberfest” in Unterwasser (Schweiz), mit “Amok” (Schweiz), “Confident of Victory”, “Frontalkraft” (Cottbus), “Makss Damage” und “Stahlgewitter”

30. April 2017 Auftritt von “Die Lunikoff Verschwörung” in der Ukraine, u.a. mit “Sokyra Peruna” und “Moloth” (beide Ukraine)

2. Dezember 2017 Auftritt von “Exzess” in der Nähe von Hamm (Nordrhein-Westfalen), u.a. mit “Blitzkrieg” (Chemnitz)

Quelle und Bilder

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