Bataillon 500 – zurück aus dem Untergrund

Quelle: Don‘t call it music

“Nachdem man letztes Jahr schon mit der ‚Heldenopfer‘ für Aufsehen sorgte, folgt nun hier mit ‚Standhaft und Treu‘ das neue Bekenntnis zu Volk, Heimat & Reich!” So rezensierte “PC Records” aus Chemnitz, eines der führenden Rechtsrock-Labels Europas, die neueste, im Jahr 2017 bei “Front Records” erschienene Produktion der Rostocker Naziband “Bataillon 500”.

Obwohl die vier Rechtsrocker fast jährlich auf eine CD-Veröffentlichung blicken können, hat “Bataillon 500” in den letzten Jahren nicht am Konzertgeschehen der Neonazi-Szene teilgenommen. Für 2018 taucht die Naziband jedoch im angekündigten musikalischen Rahmenprogramm des zweitägigen Rechtsrock-Spektakels “Schild und Schwert” auf. Als Koordinator des Neonazi-Festivals tritt Thorsten Heise aus Northeim auf, der maßgeblich bei der “Kameradschaft Northeim” mitwirkt, Führungsperson der Nazi-Bruderschaft “Arische Bruderschaft” ist und darüber hinaus an das internationale “Blood & Honour”-Netzwerk samt deren bewaffnetem Arm “Combat 18” angebunden ist. Auch die Bandauswahl des Festivals, welches nach bisherigem Stand am 20. und 21. April 2018 auf dem Gelände des Hotels “Neißeblick” in Ostritz (Landkreis Görlitz, Sachsen) stattfinden wird, deutet auf das “Blood & Honour”-Milieu. “Oidoxie” aus Dortmund, “Die Liebenfels Kapelle” und die Schweizer Naziband “Amok” sind seit den Neunziger Jahren als “Blood & Honour”-Bands bekannt.

Grund genug, uns die um 1999 gegründete Band “Bataillon 500” einmal näher anzuschauen, denn auch sie entstammt personell “Blood & Honour”. Allen voran ihr Sänger Ronny Z., zu dessen engstem Umfeld führende Personen aus der “Blood & Honour Sektion Mecklenburg” gehören. Vor allem Anke “Zappi” Z. und Musiker der Rostocker Naziband “Nordmacht” galten als Aushängeschilder dieser Sektion. Bundesweit war der “B&H”-Ableger neben der sächsischen Sektion führend beim Organisieren großer Rechtsrock-Konzerte. Gemeinsam mit “Nordmacht” veröffentlichte “Bataillon 500” eine konspirativ produzierte CD, die aus Live-Mitschnitten eines gemeinsamen Konzerts der beiden Nazibands besteht. Während “Nordmacht” vorrangig Lieder der als kriminellen Vereinigung verbotenen Naziband “Landser” coverte, finden sich im Repertoire von “Bataillon 500” Titel wie “Blut und Ehre”, “Der Führer” und “Hißt die Alten Fahnen”. Solch klar neonazistischen Lieder verwundern nicht, schließlich bezieht sich der Name “Bataillon 500” auf das SS-Fallschirmjäger-Bataillon 500. Diese Sonderheit der SS wurde vorrangig für die Zerschlagung des bewaffneten Widerstands gegen das NS-Regime eingesetzt, u.a. in Jugoslawien.

In den letzten Jahren nahm Ronny Z. immer wieder an Nazi-Aufmärschen teil, so etwa 2015 bei MVGIDA, dem Mecklenburger PEGIDA-Ableger. Auf der 2012 bei “Front Records” erschienenen “Nordmacht”-CD “Erwacht” wirkte Z. als Gastsänger mit.

Auch der 1980 geborene, in Rostock wohnhafte und als Zimmermann arbeitende Marten G. ist Teil von “Bataillon 500”. Wie Sänger Z. war G. in den Neunzigern im “Blood & Honour”-Netzwerk aktiv und soll auch bei der Naziband “Nordmacht” gespielt haben. Auch auf Naziaufmärschen war G. schon Mitte der Neunziger anzutreffen, etwa 1995 beim “Hess-Gedenkmarsch” im dänischen Roskilde.

Des weiteren wirkt der 1978 geborene Rostocker Ronny L. bei “Bataillon 500” mit, zudem der ebenfalls in Rostock wohnhafte Maik B., Jahrgang 1981.

“Bataillon 500” ist in den vergangenen Jahren zwar nicht durch Auftritte aufgefallen, doch ihr Status in der rechten Szene, vor allem bei in den Neunzigern sozialisierten Neonazis, ist ungebrochen. Sie gelten als authentische “Untergrundband”, sind international bekannt und werden auch aufgrund ihrer persönlichen Anbindung an das im Jahr 2000 in Deutschland verbotene “Blood & Honour”-Netzwerk auf dem “Schild und Schwert Festival” 2018 Grund für eine hohe Zuschauerzahl sein.

Aufgrund der bereits mehrfach erwähnten Öde im rechten Konzertgeschehen bleibt allerdings abzuwarten, in welcher personellen Zusammensetzung die Naziband dort auftreten wird. Fakt ist, dass “Bataillon 500” ohne ihren Sänger Ronny Z. an Anziehungskraft verlieren würde. Wie bei vielen anderen Nazibands ist das übrige Line-Up austauschbar, weshalb nur Z.s Anwesenheit auf dem kommenden Konzert in Ostsachsen sicher ist.

Ein unvollständiger Abriss des Konzertgeschehens, an dem die oben genannten Musiker mitwirkten:

14. Februar 1998 Auftritt von “Nordmacht” am “Tag der Ehre” in Budapest, u.a. mit “Archivum” (Ungarn) und “Nimrod” (Ungarn). An dem Konzert nahmen rund 120 deutsche Neonazis teil, die zum Teil mit Reisebussen aus Thüringen und Berlin angereist waren. Auch der Chemnitzer Neonazi Max Florian B. war gemeinsam mit anderen Neonazis aus der sächsischen B&H-Sektion vor Ort. Nur zwei Wochen zuvor hatte B. den NSU-Kernmitgliedern Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe seine Wohnung im Chemnitzer Heckert-Gebiet zur Verfügung gestellt. Dort, in der Friedrich-Viertel-Straße 85, hatten die drei bis zu einem halben Jahr gewohnt. Dies wurde später im Münchner NSU-Prozess bekannt.

31. Juli 1999 Auftritt von “Nordmacht” im Raum Merseburg (Sachsen-Anhalt), u.a. mit “Auf eigene Gefahr” (“AEG”, Chemnitz) und “Oigenik” (Gera), organisiert von der “Blood & Honour”-Jugendorganisation “White Youth”

26. Februar 2000 Auftritt von “Nordmacht” in Bad Segeberg (Schleswig-Holstein), u.a. mit “Might of Rage” (Chemnitz) und “Stahlgewitter” (Nordrhein-Westfalen)

3. Februar 2001 Auftritt von “Nordmacht” in Hamburg-Rothenburgort, u.a. mit “Noie Werte” (Stuttgart). Die Polizei löste das Konzert auf, worauf die anwesenden 400-500 Neonazis mit Flaschen warfen.

Quelle und Bilder hier.

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