Rechtes Black-Metal Konzert kleingeredet

Quelle: Antifainfoblatt

Am 3. September 2016 spielte die extrem rechte Black-Metal-Band „Permafrost“ im Rahmen des „Torn Your Ties“-Festivals im baden-württembergischen Bobstadt (Main-Tauber-Kreis). Pikant: Der Veranstalter war der stellvertretende Ortsvorsteher des kleinen Dorfes, Heiko G..

„Permafrost hat mit Politik nichts zu tun“

„Permafrost“, gegründet 2003 in Zeitz (Sachsen-Anhalt) wird dem „National Socialist Black Metal“1 zugeordnet und tritt bundes- und europaweit im Rahmen konspirativer Konzerte auf. Die Band hingegen betont: „Permafrost hat mit Politik nichts zu tun und dient einzig und allein der Verehrung Satans.“ Vor dem „Torn Your Ties“-Festival stellte die Band erneut fest, sie sei „keine Band welche politische Inhalte transportiert“.

Allerdings sprechen die Liedtexte und das Umfeld der Band eine andere Sprache: 2007 veröffentlichte die Band das Album „Live in Zeitz“ und coverte darin mehrere antisemitische Lieder extrem rechter Bands. Etwa das „Blutlied“ – bekannt auch als „Blut muss fließen“ von „Tonstörung“.2 „Permafrost“ selbst verteidigte das Cover: „Das Lied BMF ist eine Aneinanderreihung von 3 Akkorden welche scherzhaft von uns als ‚Tonstörung Cover‘ bezeichnet wurden. Das ‚Lied‘ ist instrumental und wurde von uns ohne Gesang vorgetragen.“ Die Version der verbreiteten DVD aus dem Jahr 2006 zeigt zwar, dass das Lied ohne Gesang gespielt wurde, doch der Sänger forderte eindeutig zum Mitsingen des Textes auf. Das Publikum und Teile der Band schrien den antisemitischen Liedtext mit – allerdings aus rechtlichen Gründen nicht in das Mikrofon.

In extrem rechten Gefilden

Die extrem rechten Zusammenhänge liegen im Fall „Permafrost“ auf der Hand: Sänger Benjamin Sch., alias „Porcus“, singt zugleich in der RechtsRock-Band „Heiliges Reich“ und ist in mehrere rechte Black Metal-Projekte involviert. Zudem betreibt er das Label „SFH-Records“, das überwiegend Black Metal, „National Socialist Black Metal“ (NSBM) und RechtsRock produziert und verkauft. Der ehemalige „Permafrost“-Schlagzeuger Ron Robert P. ist ebenfalls bei „Heiliges Reich“, wie auch bei den RechtsRock-Bands „Endless Struggle“ und „Killuminati“ aktiv. Sch. und P. spielen seit 2013 zusätzlich in einer der bekanntesten deutschen RechtsRock-Bands: „Kraftschlag“. Neben den einzelnen Mitgliedern bewegt sich „Permafrost“ selbst eindeutig im extrem rechten Spektrum: ihre Alben wurden immer wieder auf NSBM-Labels veröffentlicht, wie „Darker Than Black Records“ – das Label von dem sog. „Satansmörder“ Hendrik M.3.

Veranstalter rechtsaußen

Der Veranstalter des „Torn Your Ties“- Festivals ist nicht nur mit einigen bedeutenden Akteuren des NSBM in den sozialen Netzwerken vernetzt, sondern äußerte sich auch in der Vergangenheit öffentlich rassistisch: Auf die Frage einer Frau, die einen Beitrag von ihm zur Kölner Silvesternacht kommentierte, wann sie sich aufgrund der vermeintlichen Bedrohungslage mit allen Mitteln zur Wehr setzen dürfe („bis hin zum Totschlag“), pflichtete ihr G. bei: „Richtig. Zur Wehr setzen (…) Da wird kein Gesetzt angepasst, das müssen wir regeln. Ich bin wachsam. In machen Situationen z.b neulich in Heilbronn habe ich 2 dieser Rasse beobachtet. Hätten die sich was geleistet, die hätten mich kennengelernt(…)“ [alle Fehler im Original]

Lügen, Ausreden & Kleinhalten

Am 17. August 2016 lud das lokale Protest-Bündnis zu einer Info-Veranstaltung unter dem Motto „Kein Raum für rechte Töne! Friert Permafrost ein!“ ein. Im Vorfeld wurde im extrem rechten „New Black Order“-Forum laut darüber nachgedacht, die Veranstaltung anzugreifen. Würde man sie besuchen, „dann macht nur eine so massive Provokation, mit der diese Veranstaltung gesprengt wird, wirklich Sinn“. Das Resümee des Verfassers: „Insofern gibt es nur zwei Formen des Umgangs mit so einer Ansammlung linksverdrehter Vollidioten: Entweder ignorieren oder attackieren.“

Der Veranstalter besuchte die Info-Veranstaltung mitsamt Familie, Verwandtschaft und Ortsvorsteher. In der Diskussion äußerte er, die Band habe sich „umorientiert“ und sich von der Neonazi-­Szene abgewandt. Allerdings würde der Sänger Benjamin Sch. „rechts tendieren“. Er betonte schließlich, er buche die Band und nicht die Ideologie der einzelnen Mitglieder. Im Laufe des Gesprächs ging G. auf die mehrfachen Gespräche mit dem Staatsschutz und der Stadt ein. Er sagte, „vom Staatsschutz […] gab‘s keine direkte Aussage, warum ich Permafrost ausladen sollte“. Schließlich habe der Staatsschutz „nichts gefunden“, das gegen einen Auftritt der Band spreche. Auf Anfrage dementierte der Staatsschutz die Aussagen des Veranstalters.

Stadt & Polizei Hand in Hand

Das Protest-Bündnis führte im Vorfeld des Konzerts ein Gespräch mit den lokalen Behörden, in dem sich Stadt und Polizei beschämend einig waren: Man lobe die Stadt für ihr vorbildliches Verhalten, schließlich habe sie alles Mögliche getan, um dem Konzert zu begegnen. Der Bürgermeister schwärmte vom Veranstalter, denn er sei in allen Bereichen ehrenamtlich aktiv und bringe sich in das Dorf ein. Zudem sei er noch nie negativ durch sein Auftreten sowie durch rechte Äußerungen aufgefallen.

Eine Anfrage des Bündnisses zur Nutzung einer städtischen Räumlichkeit für eine Protest-Veranstaltung gegen das extrem rechte Konzert verneinte er. Die offizielle Begründung war, man befürchte die offene Auseinandersetzung zwischen linken und rechten Kräften. Die Bedenken des Bündnisses, das Konzert ziehe überregional Neonazis an, wehrte er ab. Stattdessen habe gerade das Bündnis die extreme Rechte her gelockt; das Bündnis habe die Popularität „provoziert“. Lieber hätte man „den Ball flach halten“ sollen.

Während die Protest-Veranstaltung in ein „Evangelisches Gemeindehaus“ verlegt wurde, fand das mit rund 200 Teilnehmenden ausverkaufte Festival außerhalb des Dorfes statt. Der Veranstalter äußerte: „Letztlich wurde das TYT paradoxer Weise so Organisiert wie es bei Rechts Rock Konzerten abläuft. Diese Auflagen wurden in meinem Beisein zusammen mit der Gemeinde und der Polizei ausgearbeitet um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten. Auflagen waren: Infos wurden nur per Mail verschickt Veranstaltungsort erst ein Tag zuvor bekannt gegeben. Einlass nur mit Karte. 2 Kontrollpunkte. Mindesten 10 Ordner. Lied­texte von Permafrost zur Kontolle vorlegen.“ (alle Fehler im Original, Anm. d. Verf.)

„Nicht per se rechtsextremistische Musikveranstaltung“

Die beiden Landtags Politiker Hermann Katzenstein und Alexander Maier (beide Bündnis 90/Die Grünen) stellten zwei „Kleine Anfragen“ im baden-württembergischen Landtag. In den Antworten schrieb das Staatsministerium, „Permafrost“ sei nach Einschätzung des sachsen-anhaltischen Verfassungsschutzes eine „rechts­extremistische“ Band. Dennoch sei das Konzert mit „Permafrost“ nicht „rechtsextrem“ gewesen. Das ist paradox. Im Wortlaut hieß es, „dass die Black-Metal-Band Permafrost als eine extremistische unter mehreren nicht extremistischen Bands beim Festival auftrat, so dass die Veranstaltung nicht als rechtsextremistische Musikveranstaltung per se zu bewerten war.“

Zudem wurde behauptet, das Konzert wurde nicht in extrem rechten Kreisen beworben – das ist nachweislich falsch. Der Neonazi Hendrik M. mischte sich in die Debatte um den Umgang mit „Perma­frost“ ein: „Ich hatte ihn [den Veranstalter Heiko G., Anm. d. Verf.] auch gleich angeschrieben, als das Theater wegen ‚Permafrost‘ losging, und ihm ein paar Tipps mit auf dem Weg gegeben. […] Heiko hätte sich auch jede Menge Ärger und Probleme erspart, wäre er von Anfang an so vorgegangen wie es sich bei kontroversen Bands, in der BRD, oft genug bewährt hat. Anstatt ‚Permafrost‘ anzukündigen halt ‚Porcus & Schweinebande‘ oder simpel ‚Special Guest‘; die Insider hätten es schon kapiert und alle anderen hätten […] das Festival so ignoriert wie in der Vergangenheit.“ So könne man sich dem „Fadenkreuz der Gutmenschen“ besser entziehen: „Die Konzerte müssen kleiner werden und die Mundpropaganda wird immer wichtiger.“
Quelle

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