Parlez-vous Nazideutsch?

Quelle: „Zeit“

Seit Jahren fahren rechtsextreme Deutsche in französische Grenzorte, um dort ungestört zu feiern. Nun bereitet ein SS-Gedenkstein den Organisatoren Probleme.

Kein Supermarkt, der Bus fährt nur alle paar Stunden, an jedem zweiten Haus hängt ein „Zu Verkaufen“-Schild: Das lothringische Volmunster hat vieles mit deutschen Dörfern gemeinsam. In einem Punkt unterscheidet sich der französische Grenzort mit 800 Einwohnern aber von der heimischen Provinz: Volmunster ist ein Anlaufpunkt für Verehrer des Nazi-Regimes aus ganz Europa. Französische Medien berichten immer wieder über von Deutschen organisierte Rechtsrock-Konzerte. Sie finden mindestens einmal im Jahr auf einem privaten Grundstück im Ortsteil Eschviller statt.

Folgt man den Einfamilienhäusern mit den schlichten Fassaden aus dem Ort hinaus auf einen Feldweg, stößt man auf einen freistehenden Garten. Im Gras liegen leere Bierflaschen und -dosen, es gibt eine Grillstelle, in der Mitte steht eine Bühne. Gleich am Eingang prangt auf einer Metallplatte ein Sticker der „Jungen Freiheit“ mit einem durchgestrichenem „P.C.“: Political Correctness unerwünscht.

Was das praktisch bedeuten könnte, ist nun durch die örtliche Tageszeitung Républicain Lorrain bekannt geworden. Auf dem Grundstück stand eines Morgens ein Gedenkstein zu Ehren einer Waffen-SS-Einheit. „Wir haben am Donnerstagmorgen von der Existenz des Gedenksteines erfahren“, sagt Jean-Luc Jaeg, der zuständige Staatsanwalt. Die Tafel habe sich gut sichtbar auf dem Feld eines Deutschen befunden und sei noch am selben Tag entfernt worden. Mittlerweile ermittelt die örtliche Polizei gemeinsam mit einer nationalen Sondereinheit gegen den Grundstücksbesitzer, wegen „Verherrlichung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

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