Archiv für Januar 2018

Der „Laserman“

Quelle: Lotta-Magazin

Rechtsterrorist muss sich für den Mord an einer Frankfurter Jüdin verantworten

25 Jahre nach dem Mord an der Frankfurter Jüdin Blanka Zmigrod wird John Ausonius angeklagt. Bereits im Januar 1994 wurde er in Schweden zu lebenslanger Haft verurteilt, da er auf elf Menschen geschossen und hierbei eine Person getötet hatte. Im „Field Manual“ von „Blood & Honour“ wurden seine Taten als Beispiel für den „führerlosen Widerstand“ geschildert und könnten als Vorbild für den NSU gedient haben. Da er bei seiner Anschlagsserie ein Gewehr mit Laser-Zielvorrichtung nutzte, wurde und wird er in den Medien als „Laserman“ bezeichnet.
Der Fall des „Laserman“ rückte in Deutschland in den letzten Jahren wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. 2012 wurde im Zuge der NSU-Ermittlungen auch der Mordfall an der Frankfurter Jüdin Blanka Zmigrod aus dem Jahr 1992 aufgerollt. Verdächtigt, sie auf offener Straße mit einem Kopfschuss getötet zu haben, wird John Ausonius. Er galt schon 1992 als Verdächtiger, wurde aber nicht nach Deutschland ausgeliefert, da zu dieser Zeit in Schweden wegen einer Anschlags- und Bankraubserie gegen ihn ermittelt wurde. Erst im Dezember 2016 wurde dem erneuten Auslieferungsgesuch nachgekommen, seitdem sitzt Ausonius in Frankfurt in Untersuchungshaft. Im Dezember 2017 wird die Hauptverhandlung beginnen.

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Neonazis wollten in Sachsen auf einem ehemaligem KZ-Gelände feiern

Quelle: „Vice“

Dort haben schon früher Rechtsrock-Konzerte stattgefunden.

Wenn sich deutsche Neonazis beim wochenendlichen Niedrig-IQ-Wettstreit zum Holocaustleugnen zusammenfinden, tun sie das häufig in der Provinz, bei Rechtsrock-Festivals oder geheimen Konzerten. In Sachsen fuhren sie dafür am vergangenen Samstag in die Großstadt und wählten einen denkbar unpassenden Ort.

In Leipzig traf die Polizei nach einem Hinweis gegen 20 Uhr auf etwa 70 Rechtsextreme, die auf einer Industriebrache vor einer Halle standen. Offenbar sollte dort an diesem Abend ein Rechtsrock-Konzert stattfinden. Laut Polizeibericht handelt es sich um ein Gelände in der Kamenzer Straße. Dort befand sich zwischen Sommer 1943 und Frühjahr 1945 ein Außenlager des KZ Buchenwald. Die SS hatte dort mehr als 5.000 weibliche KZ-Häftlinge interniert, die für den Rüstungskonzern HASAG Waffen und Munition herstellen mussten.

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Rechtsrock: Hunderte Teilnehmer zu Neonazi-Festival in der Lausitz erwartet

Quelle: „Berliner Zeitung“

Görlitz – Der ostsächsische Grenzort Ostritz soll im April Anlaufpunkt Hunderter Neonazis werden. Unter dem Motto „Reconquista Europa – Gegenkultur schaffen“ hat der Thüringer NPD-Chef Thorsten Heise zur eine zweitägigen Veranstaltung geladen. Das geht aus der Anmeldung hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über die die „Frankfurter Rundschau“ zunächst berichtet hatte. An dem Wochenende um Adolf Hitlers Geburtstag am 20. April sind in direkter Nachbarschaft zu Polen neben Rechtsrockbands und Kampfsportdarbietungen auch Redebeiträge ranghoher NPD-Kader geplant.

Heise, der auch stellvertretender NPD-Bundesvorsitzender ist, rechnet laut Anmeldung mit 750 Teilnehmern. Im Internetvorverkauf werden Karten für 45 Euro angeboten. Dennoch ist die Veranstaltung als „politische Kundgebung“ angemeldet.

Die Anmeldung sei am 20. November vergangenen Jahres eingegangen, bestätigte eine Sprecherin des Landkreises Görlitz am Dienstag. „In den nächsten Wochen wird über die weitere Vorgehensweise mit allen Beteiligten beraten.“ Weitere Auskünfte könnten derzeit aber nicht erteilt werden.
Der Polizei sei die Anmeldung der Versammlung bekannt, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Görlitz. „Wir bereiten uns auf einen mehrtägigen Einsatz vor.“

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Themar: Maier sagt Unterstützung für Proteste gegen Rechtsrock zu

Quelle: MDR

Der Saal im Schützenhaus war am Donnerstagabend fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Etwa 150 Einwohner aus Themar, aber auch aus den angrenzenden Orten Kloster Veßra, Marisfeld, Lengfeld sowie Schleusingen oder Hildburghausen waren zum Jahresempfang des Bündnisses für Demokratie und Weltoffenheit gekommen. Es ging vor allem darum, Bilanz zu ziehen.

Am 15. Juli 2017 erlebte Themar europaweit das größte Neonazikonzert des Jahres. Nach Angaben der Polizei waren deutlich mehr als 6.000 Neonazis aus Deutschland und dem europäischen Ausland gekommen.

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Parlez-vous Nazideutsch?

Quelle: „Zeit“

Seit Jahren fahren rechtsextreme Deutsche in französische Grenzorte, um dort ungestört zu feiern. Nun bereitet ein SS-Gedenkstein den Organisatoren Probleme.

Kein Supermarkt, der Bus fährt nur alle paar Stunden, an jedem zweiten Haus hängt ein „Zu Verkaufen“-Schild: Das lothringische Volmunster hat vieles mit deutschen Dörfern gemeinsam. In einem Punkt unterscheidet sich der französische Grenzort mit 800 Einwohnern aber von der heimischen Provinz: Volmunster ist ein Anlaufpunkt für Verehrer des Nazi-Regimes aus ganz Europa. Französische Medien berichten immer wieder über von Deutschen organisierte Rechtsrock-Konzerte. Sie finden mindestens einmal im Jahr auf einem privaten Grundstück im Ortsteil Eschviller statt.

Folgt man den Einfamilienhäusern mit den schlichten Fassaden aus dem Ort hinaus auf einen Feldweg, stößt man auf einen freistehenden Garten. Im Gras liegen leere Bierflaschen und -dosen, es gibt eine Grillstelle, in der Mitte steht eine Bühne. Gleich am Eingang prangt auf einer Metallplatte ein Sticker der „Jungen Freiheit“ mit einem durchgestrichenem „P.C.“: Political Correctness unerwünscht.

Was das praktisch bedeuten könnte, ist nun durch die örtliche Tageszeitung Républicain Lorrain bekannt geworden. Auf dem Grundstück stand eines Morgens ein Gedenkstein zu Ehren einer Waffen-SS-Einheit. „Wir haben am Donnerstagmorgen von der Existenz des Gedenksteines erfahren“, sagt Jean-Luc Jaeg, der zuständige Staatsanwalt. Die Tafel habe sich gut sichtbar auf dem Feld eines Deutschen befunden und sei noch am selben Tag entfernt worden. Mittlerweile ermittelt die örtliche Polizei gemeinsam mit einer nationalen Sondereinheit gegen den Grundstücksbesitzer, wegen „Verherrlichung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

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Böhse-Onkelz-Coverband: Junger Grüner sorgt für Konzert-Absage

Quelle: Hessenschau

Eine Böhse-Onkelz-Coverband darf nicht in Darmstadt auftreten. Obwohl sie sich gegen Rassismus sowie rechte und linke Gewalt ausspricht, sorgte ein junger Grünen-Politiker mit einer Neonazi-Warnung für den entscheidenden Anruf aus dem Büro des grünen Oberbürgermeisters.

Eigentlich wollte die Böhse-Onkelz-Coverband „Stainless Steel“ an diesem Freitag in der Darmstädter Böllenfalltorhalle ein Konzert spielen. Rund 600 Karten waren schon verkauft, berichtete Ralf Wanka vom Veranstalter „The Fun Company“. Mit Kurzentschlossenen und der Abendkasse hatte er gehofft, auf 1.000 Besucher zu kommen. Unter den Onkelz-Coverbands ist „Stainless Steel“ immerhin eine der ältesten und bekanntesten, die die Stücke der Original-Onkelz nachspielen.

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Das NS-Hardcore-Imperium

Quelle: EXIF

Ein Einblick in ein neonazistisches Wirtschaftsimperium aus NS-Hardcore (NSHC) und Kampfsport. Von «Leveler Records», «Terrorsphära» und «Überzeugungstäter» über «Wardon 21» und «Greifvogel Wear» hin zum «Kampf der Nibelungen».
Ein Nebelhorn ertönt: «Leveler Records» wird eingeblendet, noch mal ein Nebelhorn, «H.-Photography» erscheint, beim 3. Nebelhorn das Logo von «AD Versus Media». Zuletzt dann mit «Terrorsphära – Kampfansage» Interpret und Liedtitel, bevor die vermummten Musiker loslegen. Über siebenhundertausend Aufrufe hat das professionell aufgemachte Musik-Video bei Youtube bisher erreicht, welches zu Promotionzwecken zur Gründung des Labels «Leveler Records» produziert wurde. Das inzwischen schon über zwei Jahre alte Video zeigt deutlich, wie sich die NSHC-Szene weiterentwickelt, sich von der alten Rechtsrock-Ästethik verabschiedet und ihr Marketing professionalisiert hat. Rechtsrock als Rekrutierungsfeld, Vernetzungsort und Finanzquelle für die extreme Rechte erlebt durch diese Entwicklung gerade im Bereich des NSHC eine Verjüngungskur. Zusätzlich entstehen Überschneidungen und Verbindungen in die organisierte, neonazistische Kampfsportszene. Einende Elemente dieser beiden Strömungen sind ihr moderner, elitärer und militanter Anspruch innerhalb der neonazistischen Bewegung. Beispielhaft soll das im Folgenden anhand des Netzwerks um das Label «Leveler Records» gezeigt werden.

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RECHTSROCK-GEBURTSTAG IN DER DORFGEMEINSCHAFT

Quelle: EXIF

Gestern Abend feierte Marcel Sch. im Dorfgemeinschaftshaus in Grauen (Niedersachsen) seinen 40. Geburtstag. Sch. ist Mitglied der Rechtsrock-Band «Alte Schule», die mit Songs wie «F.D.G.K.» («Für Deutschland, gegen Kanaken») und «Wehrwolf» zu Hass und Totschlag animiert.

Gegen 19.00 Uhr trafen die ersten Gäste ein, gegen 21.00 Uhr begrüßte der Gastgeber offiziell seine Geburtstagsrunde. Anwesend waren bekannte Neonazis wie Sven W. von der «Endstufe Crew» und Alexander M., Bandmitglied bei «Propaganda», sowie die völkisch-neonazistischen Frauen von den «Düütschen Deerns». Die einschlägige Rechtsrock-Musik war bis in die Nacht hinein aus dem Gemeindehaus zu hören.

Quelle

Nazi-Musiklabels – Agitatoren und Profiteure

Quelle: Don‘t call it music

Neonazi-Musik ist nichts ohne ihre Vertriebskanäle. Musiklabels und Handelsunternehmen produzieren, bewerben und verkaufen Tonträger von Nazibands, produzieren Merchandise-Artikel und verbreiten die nationalsozialistische Ideologie auch über das Internet. Fünf der bundesweit bedeutendsten und umsatzstärksten Labels, allesamt mit angeschlossenem Versandhandel, stellen wir heute vor. Jedes einzelne von ihnen dürfte einen sechsstelligen Jahresumsatz aufweisen.

PC Records

Um das Jahr 2000 herum in Chemnitz (Sachsen) gegründet, entstammt das Musiklabel “PC Records” dem Umfeld der sächsischen “Blood & Honour”-Sektion. Gründer Hendrik L. steht aber nicht nur “Blood & Honour” nahe, sondert ist auch Mitglied des Rockerclubs “Motorradstaffel Kreuzeiche Germania” und war seit mindestens 1994 mit dem NSU-Terroristen Uwe Mundlos befreundet.

“PC Records” war zunächst in L.s Ladengeschäft “Backstreet Noise” integriert. Im Jahr 2002 übernahm Silvio St. aus Dresden das Label und den Laden. Ein Jahr später wurde “PC Records” in ein separates Ladengeschäft ausgegliedert. Dessen Inhaber war ab dem Jahr 2004 der Neonazi Yves R., während Hendrik L. im gleichen Jahr wieder “Backstreet Noise” übernahm. Ungefähr zur gleichen Zeit zogen beide Läden an ihren jetzigen Standort, die Dr.-Salvador-Allende-Straße 110 in Chemnitz.

Ebenso wie Hendrik L. fiel auch Yves R. als Veranstalter von Nazikonzerten auf. Ende 2010 kaufte R. ein Haus im Chemnitzer Stadtteil Markersdorf und ließ es zu einem rechten Schulungs- und Veranstaltungszentrum ausbauen. Er gilt als eifriger Finanzier verschiedener neonazistischer Gruppierungen in der Stadt. Im Jahr 2012 verurteilte das Amtsgericht Chemnitz den 1981 geborenen Yves R. zu einer Geldstrafe, weil “PC Records” CDs mit volksverhetzenden Inhalten produziert und vertrieben hatte.

Auf “PC Records” erschien auch im Jahr 2010 das Album “Adolf Hitler lebt” von “Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten”. Darauf befindet sich das Lied “Döner-Killer”, in dem Sänger Daniel G. die Mordserie des später aufgedeckten “Nationalsozialistischen Untergrunds” (NSU) lobend besingt – während die Polizei im Umfeld der Ermordeten ermittelte und ein mögliches rassistisches Tatmotiv ignorierte. Es war ausgerechnet das direkte Umfeld von “Blood & Honour” in Chemnitz, das die abgetauchten Neonazis jahrelang unterstützt hatte.

Seit 2014 wird “PC Records” zumindest auf dem Papier von Steve G. geführt. Yves R. arbeitet nun als Angestellter weiter. Auch G. ist seit Jahren in der Rechtsrock-Szene aktiv.

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Braunes Happening in der ostdeutschen Provinz

Quelle: Blick nach Rechts

Am 20. und 21. April soll unter dem Namen „Schild- & Schwert-Festival“ eine Veranstaltung in der Oberlausitz stattfinden – auf der Agenda stehen Kampfsport, Rechtsrock sowie politische Ansprachen. Maßgeblicher Kopf des Neonazi-Events ist der umtriebige Thüringer NPD-Funktionär Thorsten Heise.

Erst Themar in Thüringen, demnächst Ostritz in der Oberlausitz von Sachsen: Immer öfter wird die ostdeutsche Provinz Schauplatz für Großveranstaltungen der braunen Szene. Die rechnet sich aus, dass in weitgehend ländlichen Gegenden ein zivilgesellschaftlicher Gegenprotest überschaubar bleibt. Beide Orte zählen gerade einmal knapp 3000 Einwohner. Seit kurzem wird die zweitägige Veranstaltung „Schild & Schwert-Festival“ am 20. und 21. April 2018 propagiert, die auf dem Gelände des Hotels „Neißeblick“ in Ostritz (Landkreis Görlitz) unmittelbar an der polnischen Grenze stattfinden und eine Fortsetzung am 2. und 3. November finden soll. Dass der erste Termin des offiziell bei den Ordnungsbehörden angemeldeten Meetings auf Hitlers Geburtstag fällt, dürfte dabei keinesfalls Zufall sein.

Als Kopf der Veranstaltung entpuppt sich der umtriebige Thorsten Heise, seines Zeichens Thüringer Landesvorsitzender und Bundesvize der NPD, der sich bestens darauf versteht, erlebnisorientierten Neonazis ein mit Rechtsrock-Musik garniertes Programm zu präsentieren, wie er es seit 2011 bereits jährlich beim so genannten „Eichsfeldtag“ im thüringischen Leinefelde praktiziert. Der zuständigen Versammlungsbehörde liegt für 2018 derzeit noch keine Anmeldung für einen „Eichsfeldtag“ im kommenden Jahr vor.

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MMA-Veranstalter positionieren sich rechts

Quelle: Antifa Infoblatt

Für Szenekenner_innen wenig überraschend, für die sich betont unpolitisch gebende deutsche Kampfsportszene jedoch ungewöhnlich, haben sich die Macher der Leipziger Mixed Martial Arts (MMA)-Veranstaltung „Imperium Fighting Championship“ (Imperium FC) zur Bundestagswahl deutlich positioniert. Gleich mehrfach forderten die Veranstalter ihre etwas mehr als 10.000 Facebook-Follower dazu auf, ihre Kreuze bei der Alternative für Deutschland“ (AfD) zu machen.

„Imperium FC“ veranstaltet seit 2014 regelmäßig größere MMA-Events in Leipzig und hatte bisher versucht, sich öffentlich als „unpolitische“ Sportveranstaltung darzustellen.

Trotz deutlicher Überschneidungen von Publikum, Kämpfern und Organisatoren in die sächsische Neonazi- und Hooligan-­Szene und öffentlicher antifaschistischer Proteste gegen die Events muss die Strategie als teilweise erfolgreich bewertet werden: So nahmen in der Vergangenheit zahlreiche politisch unverdächtige und teils sportlich etablierte MMA-Gyms und deren Kämpfer an „Imperium FC“ teil und die deutschsprachigen Kampfsportmedien blendeten die Neonazi-Connection in ihrer meist völlig unkritischen Berichterstattung in der Regel aus. Und das, obwohl der einschlägig bekannte MMA-Kämpfer Benjamin Brinsa als eines der Gesichter der Veranstaltung auftritt und mindestens drei Mitglieder des „Imperium Fight Team“ als Tatverdächtige für einen Überfall von über 200 rechten Hooligans und Neonazis auf den alternativen Leipziger Stadtteil Connewitz im Januar 2016 gelten.1

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Subcultural Records – Musik für unpolitische Neonazis

Quelle: Antifa Infoblatt

„Das für den 28.10.2017 geplante ,Oi! im Gau‘ fällt aus, da wir auf einmal nicht mehr ins kulturelle Programm der Stadt passen“, jammert die Band „Prolligans“ am 21. Juli 2017 unter der Überschrift: „Viel Feind, viel Ehr“ auf Facebook. Natürlich sei man davon „nicht sonderlich beeindruckt oder von künftigen Planungen“ abgehalten. Keine zwei Wochen später berichtet die Band von ihrem nächsten Rückschlag: „Das Konzert fällt für uns flach, da wir auch diesem Veranstalter nicht angepasst genug sind“. Am 27. Januar 2018 wollten die „Prolligans“ zusammen mit den Bands „Bombecks“ und „Loi!chtfeuer“ beim „Live im Woodys“ in Schleiz in Thüringen auftreten.

Sebastian Lipp
Die seit 2004 in unterschiedlichen Besetzungen aktiven „Prolligans“ vermitteln nach außen gerne den Eindruck einer unpolitischen Oi!-Combo. Tatsächlich handelt es sich um ein RechtsRock-Bandprojekt, das auf eindeutige Aussagen verzichtet. Mehrere Mitglieder der Kapelle aus dem Allgäu und Oberschwaben spielen zugleich in anderen einschlägigen RechtsRock-­Bands wie „Faustrecht“, „Hard As Nails“ und „Smart Violence“ mit.

Rechts-Rock-Label

Sämtlich wurden diese Bands von „Oldschool Records“ produziert und vertrieben. Das ist kein Zufall. Benjamin Einsiedler, der Betreiber des Allgäuer RechtsRock-Platten­label „Oldschool Records“ (OSR), versucht sich seit 2014 mit seiner Label-Ausgründung „Subcultural Records“ (SCR) neue Absatzmärkte zu erschließen. SCR gibt sich betont subkulturell und sucht Anschluss an Oi!-Skins. Das Projekt erweist sich als ein Versuch, diese vorgeblich unpolitische Skinhead-Szene mit eindeutigen RechtsRock-Bands zusammenzubringen.

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Potsdam: Mittelalter-Folk trifft RechtsRock

Quelle: Antifa Recherche Potsdam & Umland

Thomas L., Thomas L.-B. und nun Thomas B.: Trotz Änderungen des Namens hat sich an seiner ideologischen Ausrichtung nicht viel geändert – seit Jahren ist Thomas B. in der sozialen Arbeit tätig und legt dabei immer wieder sein rassistisches, neonazistisches und menschenfeindliches Weltbild offen. Auch zu Neonazis aus der RechtsRock-Szene hat er über sein Bandprojekt „Spielleute Daemonicus“ Kontakt.

Thomas B. arbeitete in Potsdam als Erzieher und Musiker im Jugendclub am Stern – dem „Club 18“. Hier gab er Gitarrenkurse „und [unterstützte] die Besucher und Besucherinnen sich musikalisch auszudrücken.“ [1] Antifaschist_innen aus Oranienburg beschäftigten sich bereits 2011 mit Berlin, der damals noch L. hieß, da dieser in der „Wikingerkneipe – Der Hammer“ in Hohen Neuendorf auftrat. Diese war etablierter Treffpunkt für die lokale Neonaziszene und entsprechende Symbole waren allgegenwärtig. [2] Konfrontiert mit Kritik äußerte sich Thomas B. folgendermaßen: „und ihr Futzis von der Antifa seid ebenfalls eingeladen […] Solange ihr euch aufregt werde ich […] Thor Steinar tragen“. Bereits damals war er als Jugendkoordinator des DRK Gransee beruflich mit Jugendlichen tätig und somit für fünf Jugendeinrichtungen im Gebiet Gransee verantwortlich.

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Porträt: Potsdamer Nazi Daniel H.

Quelle: Antifa Recherche Potsdam & Umland

Der heute 65-jährige Patrick David M. ist ein britischer Serienmörder mit einem Faible für Nazidevotionalien. Er mordete Mitte der 1970er Jahre und wird voraussichtlich sein Leben lang in Haft sitzen. Bei der Suche nach einem Pseudonym ließ sich der Potsdamer Neonazi Daniel H., geboren 1978 und wohnhaft im Potsdamer Stadtteil Waldstadt I, von dessen Geschichte inspirieren und nannte sich seit ungefähr Anfang der 2000er „P.D. Mackay“. Unter diesem Namen ist er 15 Jahre lang in verschiedenen Bandprojekten in der RechtsRock-Szene aktiv gewesen und zu einem Nachwuchsförderer der hiesigen Szene geworden. Seit Ende 2013 schwindet jedoch sein Einfluss, da er sich zuvor mit Uwe Menzel zerstritten hatte. In Folge dessen lösten sich zwei für die RechtsRock-Szene bedeutende Bandprojekte auf – „Bloodshed“ und „Uwocaust und alte Freunde“.

In der „Hatecore“-Band „Bloodshed“ spielte Daniel H. als „P.D. Mackay“ Gitarre und war über die Jahre hinweg für die Ausformung des Musikstils der Band von zentraler Bedeutung. Zusammen mit Martin R. stieß H. im Jahr 2002 zur Band dazu. „Bloodshed“ fungierte zu diesem Zeitpunkt für Uwe Menzel als Nachfolgeprojekt, nachdem Ende 2001 das Bandprojekt „Proissenheads“ vorsichtshalber beendet wurde. Die bis dahin bekannteste und wichtigste Neonaziband Potsdams hatte sich wegen Ermittlungen gegen Menzel und den Bassisten Ilja Sch., u.a. wegen Waffenbesitz und Bildung einer kriminellen Vereinigung, kurz zuvor aufgelöst, um möglicher Repression zu entgehen.

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Nationalsozialistischer Black Metal – der Teufel trägt Flecktarn (Teil 2)

Quelle: Don‘t call it music

Um die Dimension des deutschen “National Socialist Black Metal”, kurz NSBM, begreiflich zu machen, folgt heute ein Porträt einer weiteren NSBM-Band, die aus einschlägig bekannten Neonazis besteht und deren Mitglieder maßgeblich das Konzertgeschehen in Ostdeutschland beeinflussen.

Stahlfront – Walhalla oder Neuschwabenland?

Im Jahr 2011 ins Leben gerufen, gilt “Stahlfront” heute als gefragte Band im NSBM-Bereich. Das mag nicht nur an ihrer faschistischen und elitären Aufmachung liegen, sondern vielmehr an den Personen hinter dem Projekt. Als Live-Mitglied saß anfangs der in Gera wohnhafte Denis Sch. am Schlagzeug. Der 1976 geborene Sch. trat 2009 in Gera für die NPD zur Stadtratswahl an und wirkt auch in der bekannten Thüringer NSBM-Band “Totenburg” mit. Über Sch.s Label “Hammerbund” veröffentlicht “Stahlfront” Merchandise-Artikel und mehrere CDs.

Aktueller Schlagzeuger von “Stahlfront” ist Paul M., ebenfalls eine exponierte Person in der Rechtsrock- und NSBM-Szene. Seine derzeitigen Projekte sind die Nazibands “Blitzkrieg”, “Brainwash”, “Camulos”, “Leichenzug”, “Manson” und bis vor Kurzem die Zwickauer Trash-Metal-Band “Aeveron”. Zudem betreibt er an seinem Wohnsitz in Wilkau-Haßlau bei Zwickau das NSBM-Label “Blasphemous Terror Records”.

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Nationalsozialistischer Black Metal – der Teufel trägt Flecktarn (Teil 1)

Quelle: Don‘t call it music

Um sich vom Black-Metal-Mainstream abzugrenzen und den extrem rechten Bands dieses Genres eine Plattform zu geben, entstand in den Neunziger Jahren das Genre “National Socialist Black Metal”, kurz NSBM. Nur wenige Black-Metal-Bands beziehen sich heute explizit auf den NSBM. Andere wollen nicht in diese Schublade gesteckt werden, selbst wenn sie ausschließlich in diesem Milieu Konzerte geben. Für einige Bands ist das Spiel mit Nazi-Symbolen der Versuch einer Provokation, ein Element innerhalb der Darstellung als möglichst brutale, krasse und nihilistische “Untergrundband”.

Für einen nicht unerheblichen Teil dieser Szene ist es jedoch mehr als ein Spiel mit Symbolen. Vielmehr ist NSBM eine Nische, in der Hitler-Kult ausgelebt und die Verbrechen des NS-Regimes verherrlicht werden können. Die NSBM-Szene ist international bestens vernetzt und zu einem festen Bestandteil der neonazistischen Musiklandschaft geworden. Schon in den Neunzigern war eine Vermischung der Rechtsrockszene mit dem NSBM deutlich sichtbar. Musiker aus klassischen Rechtsrock-Bands fingen an, sich der NSBM-Szene anzunähern und unterhielten oft NS-Black-Metal-Bands als Nebenprojekte.

Für viele Neonazis ist Black Metal – und explizit NSBM – die einzig wahre Spielart, die die Ideen des Nationalsozialismus, die Überlegenheit der “weißen, arischen Rasse” und das eigene Elitebewusstsein musikalisch ausdrücken kann.

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