Im sprachlichen Untergrund

Quelle: Neues Deutschland

Rechts-Rock-Liedtexte verbreiten ihre antisemitischen Botschaften meist versteckt und verschlüsselt

Wetzt die langen Messer auf dem Bürgersteig! / Lasst die Messer flutschen in den Judenleib! / Blut muss fließen, knüppelhageldick, / und wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik!» – Diese Zeilen begegnen Thomas Kuban, der in fast zehn Jahren über 40 Rechts-Rock-Konzerte mit versteckter Kamera aufnahm, immer wieder. Der investigative Dokufilm «›Blut muss fließen‹ – Undercover unter Nazis», mit dem der politische Filmemacher Peter Ohlendorf seit 2012 durch Deutschland tourt und den er regelmäßig auch an Schulen zeigt, ermöglicht tiefe Einblicke in eine europaweit vernetzte Szene, die puren Hass und blanke Menschenverachtung propagiert. Auf beeindruckende Weise stößt er gesellschaftliche Debatten über einen couragierten Umgang mit Antisemitismus und Rassismus in der Gesellschaft an.

Nach Einschätzung des Undercover-Journalisten Kuban wird das 1992 veröffentlichte «Blutlied» der Rechts-Rock-Band «Tonstörung» bei fast jedem Neonazi-Konzert angestimmt. Jedoch werden antisemitische Botschaften in den Liedtexten extrem rechter Musik selten so offen und unverschlüsselt verbreitet. Auf nicht indizierten Rechts-Rock-Alben wird Antisemitismus, der dort eine elementare Rolle spielt, mithilfe sprachlicher Codes verschlüsselt. Im Laufe der Jahrzehnte ging ein beträchtlicher Teil der Szene daher gewissermaßen in den «sprachlichen Untergrund».

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