„Kein Stilmittel von Battle-Rap, sondern deutlich artikulierte Judenfeindlichkeit“: Musikjournalist Juri Sternburg über Kollegah und Farid Bang

Quelle: Meedia

Seit Tagen wird in Deutschland über Antisemitismus im deutschen Rap diskutiert. Auslöser dafür war die Auszeichnung von Farid Bang und Kollegah beim Echo. Doch die Debatte geht nicht weit genug, findet der Musik-Journalist Juri Sternburg. Im MEEDIA-Interview spricht er über die Grenzen des Battle-Raps und erklärt, warum vor allem die beiden Rapper von der aktuellen Berichterstattung profitieren.

Herr Sternburg, derzeit wird in Deutschland über möglicherweise antisemitische Texte im deutschen Battle-Rap diskutiert. Wie wichtig oder gar überfällig ist diese Debatte?

Jury Sternburg: Die Debatte ist sehr zwiespältig zu sehen. Einerseits ist die Thematisierung von Antisemitismus natürlich immer wichtig, andererseits ist es Unsinn, wenn man behauptet, deutscher Rap habe ein größeres Problem als die Gesellschaft allgemein. Antisemitismus ist in Deutschland nach wie vor weit verbreitet und gerade der deutsche Durchschnittsbürger braucht sicherlich keine Nachhilfe von Rappern oder von – jetzt medial ebenfalls mit in den Topf geworfenen – Flüchtlingen in Sachen Judenfeindlichkeit. Deswegen ist diese, jetzt von Seiten der AfD und ihren Fans oder etwa dem gruseligen RTL2-Paar „Die Geissens“ vorgebrachte Behauptung, migrantische Rapper und Migranten allgemein wären für den Antisemitismus in Deutschland verantwortlich oder würden für eine neue Qualität sorgen, schlicht absurd. Der Großteil der antisemitischen Straftaten in diesem Land wird von deutschen Tätern begangen. Diese ganze Debatte über Antisemitismus inner- und außerhalb des Rap-Zirkus findet allerdings realistisch betrachtet auch nur in einer medialen Blase statt. Wirklich wichtig wäre es, dieses Thema an Schulen zu behandeln. Dort kann man noch ansetzen und Denkmuster aufbrechen.

Weiterlesen

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Google Bookmarks
  • Identi.ca
  • RSS
  • MySpace
  • PDF