Der Sound der Heimat

Quelle: Junge Welt

Vorabdruck. In der Popkultur ringt die Rechte erfolgreich um Hegemonie. Wie das funktioniert, lässt sich mit Gramsci erklären

Markus Metz und Georg Seeßlen: Der Rechtsruck. Skizzen zu einer Theorie des politischen Kulturwandels. Verlag Bertz und Fischer, Berlin 2018, 240 Seiten, 12 Euro

In diesen Tagen erscheint im Berliner Verlag Bertz und Fischer von Markus Metz und Georg Seeßlen das Buch »Der Rechtsruck. Skizzen zu einer Theorie des politischen Kulturwandels«. Wir veröffentlichen daraus stark gekürzt und mit freundlicher Genehmigung von Verlag und Verfassern das Kapitel »Popgida: Der Kulturkampf in der Popkultur«. (jW)

Beim Verständnis von Rechtsextremismus hat man sich seit den neunziger Jahren davon verabschieden müssen, die beiden wichtigsten Indikatoren für dessen gesellschaftliche Wirkung zum einen im Erfolg der rechtsextremen Parteien zu sehen und zum anderen in einer mehr oder weniger festen, identifizierbaren neofaschistischen Jugendbewegung. Während die eine Seite das »schweigende« Potential der bürgerlichen Rechtsextremen repräsentierte, das sich im normalen Leben nicht unbedingt anders als durch eine im Alltäglichen verborgene Niedertracht zu erkennen gab, stand die andere für einen aktionistischen Teil, dem es gelang, ländliche und urbane Räume zu besetzen. Zeichen des Rechtsextremismus, Moden und Verhaltensweisen waren dabei auch für Jugendliche attraktiv, die sich mit der »Ideologie« der Rechten nicht weiter beschäftigten. So gab es junge Menschen, die aussehen wollten wie Nazis, ohne tiefer über Ideologie nachzudenken, und ältere Menschen, die faschistisch dachten, aber unbedingt nicht nach Nazi aussehen wollten.

Die Verbindungen zwischen beiden Szenen waren evident, bildeten doch »Kameradschaften« und Skinheads »Ordnungsdienste« bei Veranstaltungen der rechtsextremen Parteien oder wurden zu anderen Diensten herangezogen. Umgekehrt speiste sich die rechte Subkultur auch von den finanziellen und organisatorischen Zuwendungen der Parteien. Zwischen der traditionalistischen Parteienorganisation und der jugendlichen Subkultur hatten sich indes schon lange Überschneidungen gebildet, ganz allgemein rechte Lebensstile, Dresscodes, Sprachformen und Zeichen, die in die verschiedensten, dafür empfänglichen Szenen und Kulturen eindrangen. Zunächst war »Rechtsrock« oder »Nazirock« ein Angebot für einen direkten Bruch mit dem Mainstream nicht nur im Pop.

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