Archiv für Juni 2018

„Der III. Weg“ International

Quelle: Antifainfoblatt

Die Neonazi-Partei »Der III. Weg« unterhält gute Beziehungen ins Ausland – auch in Staaten wie Syrien und den Libanon. Dabei profitiert die Organisation teilweise von Verbindungen, die Aktivisten des verbotenen »Freien Netzes Süd« geknüpft haben.

Lange hat die neonazistische Kleinstpartei »Der III. Weg« nicht gewartet, um ihre ersten Auslandsbeziehungen aufzunehmen. Bereits kurz nach ihrer Gründung im September 2013 hat die Organisation erste Kontakte in andere Staaten geknüpft, darunter insbesondere in die osteuropäischen Länder Tschechien und Ungarn sowie nach Griechenland. So hat sich die Partei am 15. Februar 2014 prominent an einem Aufmarsch im tschechischen Karlovy Vary (deutsch Karlsbad) beteiligt, wo als Ersatz für die jährlichen Aktionen in Sachsen ein »Trauermarsch« unter dem Motto »Ein Licht für Dresden« durchgeführt wurde. Als Redner waren damals die Führungskader Tony Gentsch und Matthias Fischer sowie der Parteivorsitzende Klaus Armstroff aufgetreten.

Es blieb nicht der einzige Kontakt, den die Neonazis ins Ausland gesucht haben. Schon im Januar desselben Jahres hatte sich eine Delegation – ebenfalls unter der Begleitung von Armstroff – am sogenannten Imia-Marsch in Griechenland beteiligt. Die Demonstration wird von der neofaschistischen Partei »Chrysi Avgi« (Goldene Morgenröte, griechisch Χρυσή Αυγή) augerichtet und gilt als einer der größten Aufmärsche Europas. Sie bezieht sich auf den territorialen Streit zwischen Griechenland und der Türkei um die gleichnamige Insel, bei dem 1996 drei Mitglieder einer griechischen Hubschrauberbesatzung ums Leben gekommen waren. Die Goldene Morgenröte nutzt diesen Vorfall seit 1997 für ihre politischen Zwecke.

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Zahl der Neonazi-Konzerte in Sachsen und Thüringen konstant hoch

Quelle: Spiegel

2017 organisierte die rechtsextreme Szene bundesweit so viele Neonazi-Konzerte wie seit Langem nicht – neuesten Zahlen zufolge setzt sich dieser Trend fort. Durch die Events rekrutiert die rechte Szene neue Anhänger.

Lange sah es so aus, als ob Blaukehlchen, Bekassine und Schlagschwirl das Neonazi-Treffen im thüringischen Themar verhindern könnten. Diese Vogelarten gelten als geschützt, und sie brüten nahe jener Wiese, auf der in diesem Jahr erneut ein großes Rechtsrock-Konzert stattfinden sollte. Doch nun hat ein Verwaltungsgericht das Verbot des Landkreises kassiert. Es sieht keinen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

Am Wochenende droht der Kleinstadt im Süden Thüringens damit erneut der Ausnahmezustand – im vergangenen Jahr feierten dort mehr als 6000 Neonazis.

Themar steht für einen Trend: Die rechtsextreme Szene organisiert so viele Musikveranstaltungen wie lange nicht. Diese Entwicklung setzt sich auch in diesem Jahr fort. Das zeigt eine Antwort des Bundesinnenministeriums (BMI) auf Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken, die dem SPIEGEL vorliegt.

Von Januar bis März 2018 zählte das Innenministerium bereits 71 rechte Musikveranstaltungen: Darunter fallen 18 Konzerte, 27 Liederabende und 26 sonstige Musikveranstaltungen. Die Zahlen bewegen sich auf einem hohen Niveau und unterscheiden sich von den ersten drei Monaten des Vorjahres kaum. Damals registrierten die Behörden 69 Musiktreffen dieser Art.

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Zwischen den Zeilen: Sprachliche Codes im RechtRock

Quelle: Allgäu rechtsaussen

Die Strategie, knallharte Inhalte codiert zu präsentieren, geht auf: Wo etwa von »Erbgut« die Rede war, konnte das Landgericht Memmingen vergangene Woche einen Bezug auf »irgendeine Rassenlehre« nicht erkennen und sprach den Betreiber von Oldschool Records frei. Die Szene aber versteht. Die vom Angeklagten verbreitete Musik ist nach Auffassung der Staatsanwaltschaft gefährlich, weil sie zu gewalttätigen ausländerfeindlichen Ausschreitungen anstifte.

Anfang der 1990er Jahre lieferten RechtsRock-Bands den Soundtrack für die rassistisch motivierten Übergriffe in Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln und Solingen, die in tödliche Pogrome mündeten und die bundesdeutsche Asyldebatte nachhaltig befeuerten. Die Botschaften der illegalen, meist von Skandinavien und den USA aus vertriebenen RechtsRock-Alben radikalisierten sich und wurden in Folge dessen zur Zielscheibe der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Die Prüfstelle indizierte erstmals 1992 umfangreich RechtsRock-Tonträger.

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