Archiv der Kategorie '"Autonome Nationalisten"'

Gesinnungswandel oder Kalkül? Der Weg vom militanten Neonazi zur AfD

Quelle: Allgäu Rechtsaussen

Über die Mahnwachen für den Frieden in Kempten, Peter Felsers Unternehmen und seinen AfD-Kreisverband im Allgäu schaffte Jirka B. den Sprung in die »Abteilung für strategische Kommunikation« der AfD-Landtagsfraktion in Thüringen. Dass sein Weg aus der militanten Neonaziszene zur Neuen Rechten taktisch angelegt sein könnte, zeigen Chatprotokolle, die Allgäu ⇏ rechtsaußen exklusiv vorliegen.

Jirka B. arbeitete als Grafiker in Peter Felsers Unternehmen in Kempten und schaffte den Sprung in die »Abteilung für strategische Kommunikation« der Thüringer AfD-Landtagsfraktion unter Björn Höcke. Recherchen von Thüringen rechtsaußen zeigen, dass B. über Jahrzehnte eng mit der militanten Neonazi-Szene verbunden war. Allgäu ⇏ rechtsaußen liegen Chatprotokolle vor die zeigen, dass er sich längst nicht in jeder Situation von seiner Vergangenheit distanziert.

Hat sich B. gar aus taktischen Gründen vom Neonazismus weg hin zur sogenannten Neuen Rechten orientiert?

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„Neonazis“ bei der La-Familia-Fight-Night? Unisportzentrum beendet Zusammenarbeit

Quelle: Du bist Halle

Vor fünf Jahren stand die „La Familia Fight-Night“ schon einmal in den Schlagzeilen. Es gab zwei Brandanschläge auf den damaligen Veranstaltungsort, die Eissporthalle. Damals ging es, so hatte es die Polizei vermutet, um Auseinandersetzungen im Rockermilieu.

Und auch in diesem Jahr sehen sich die Veranstalter Kritik ausgesetzt. Diesmal kommt sie von einem Antifa-Bündnis. Das erklärt, dass sich unter den 32 Kämpfern mindestens fünf Neonazis befinden würden. Diese seien teilweise an den Angriffen auf den Leipziger Stadtteil Connewitz vor zwei Jahren beteiligt gewesen. Ein Sportler sei bis mindestens 2016 einer der führender Kader der neonazistischen Partei „Der III. Weg“ in Bayern gewesen, bewege sich seitdem im Umfeld der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ (IB).

Auch am Titel „Krieger des Nordens“ stören sich die Kritiker. Diese deute „auf ein seltsames Verständnis europäischer Geschichte hin, lässt aber reichlich Spielraum zur Interpretation. Diesen gibt es aber nicht mehr, wenn neonazistische Gewalttäter als vermeintlich neutrale Sportler präsentiert werden und sich als überlegene „Krieger des Nordens“ inszenieren können. “

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Mehrere Österreicher feierten Hitlers Geburtstag auf einem deutschen Nazi-Festival

Quelle: Vice Magazin

Rund um den 20. April feierten mehrere 100 Neonazis im sächsischen Ort Ostritz ein Festival unter dem Titel „Schild & Schwert“, kurz SS. Unter ihnen Österreicher.

Ostritz/Wostrowc an der deutsch-polnischen Grenze war am vergangenen Wochenende von Nazis aus Deutschland und anderen Ländern förmlich belagert. Der Grund: Ein Festival, veranstaltet von der neonazistischen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD). Motto des Festivals: „Schild & Schwert“, also kurz SS. Das Festival kann dabei vor allem als Propaganda-Veranstaltung der NPD betrachtet werden.

Und die NPD hat innerhalb des Nazi-Milieus propagandistische Erfolge dringend nötig. In letzter Zeit verliert sie dramatisch an Einfluss, auch und besonders in Ostdeutschland. 2014 hatte sie bei Wahlen in Sachsen noch 4,9 Prozent, 2004 sogar 9,2 Prozent. In einzelnen Hochburgen wählten sogar fast 25 Prozent die NPD. Doch nun wird die Partei von der Alternative für Deutschland (AfD) mehr und mehr geschluckt. Zusätzlich knabbern kleinere Nazi-Parteien wie „Die Rechte“ am braunen Kuchen.

Am Festival in Sachsen nahmen auch Strukturen aus Österreich teil. Der „Presseservice Rathenow“ hat eine umfangreiche Bildergalerie veröffentlicht. Erkennbar ist auf den Bildern einerseits eine Gruppe mit T-Shirts von Alpen Donau Info (etwa hier oder hier), also der Struktur um den inhaftierten Holocaustleugner Gottfried Küssel. Ein solches T-Shirt trug auch Richard Pfingstl, ehemaliger Funktionär des Rings freiheitlicher Jugend, bei seinem kürzlichen Auftritt vor Gericht wegen NS-Wiederbetätigung und seiner Beteiligung als Administrator bei Alpen Donau. Auch Martin Sellner, Leiter der rechtsextremen Gruppe „Identitäre Bewegung“ (IB) soll übrigens Administrator der Nazi-Seite gewesen sein. Andere Kader der IB sollen im Forum von Alpen Donau gepostet haben, wie die „Recherche Wien“ behauptet.

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Die Mercedes-Nazis von Ostritz

Quelle: Krautreporter

Rund 1.000 Rechtsextreme haben in einer sächsischen Kleinstadt an der polnischen Grenze Adolf Hitlers Geburtstag gefeiert. In Ostritz waren aber nicht nur die Klischeenazis unterwegs, die Säufer und Schläger. Sondern auch intelligente Kader, die über Kampfsport und Konzerte hinausdenken. Zwei dieser Mercedes-Nazis habe ich inkognito kennengelernt:
„Ach, da bist du ja wieder!“, sagen die beiden Chemnitzer Neonazis und strahlen mich an, als wären wir zusammen zur Schule gegangen. Es ist ein Uhr nachts, und die beiden sind mit ihrem roten Mercedes mit dem Heckspoiler und den BBS-Felgen von der Polizei angehalten worden, die schon das ganze Wochenende über einen Checkpoint am ehemaligen Grenzübergang von Görlitz nach Zgorzelec in Polen eingerichtet hat. Oft sind es ziemlich dicke Mercedes-Wagen. Es sind die dummen Nazis, die mit dem Zug anreisen, weil sie prügeln und saufen wollen. Die intelligenten Nazis fahren Mercedes, sind nüchtern, hervorragend mit Gesichtslotion versorgt, und natürlich ist bei ihnen nichts im Kofferraum zu finden.

„Na, haste’s dir mal angeguckt?“, fragt mich der größere der beiden Nazis, und meint das „Schild und Schwert“-Festival im 18 Kilometer entfernten Ostritz, bei dem sich rund 1.000 Rechtsextreme versammelt haben, um Adolf Hitlers Geburtstag zu feiern. Mehr als 1.000 Bürger und zugereiste Antifaschisten protestierten dagegen. Für rund 1.000 Polizisten bedeutet das auch in dieser Samstagnacht, immer noch in der Region im Einsatz zu sein, genervt, sonnenverbrannt, dehydriert.

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Rechtsradikalismus in Griechenland

Quelle: Telepolis

In den vergangenen Wochen traten Rechtsradikale in Griechenland bei vielen Gelegenheiten an das Licht der Öffentlichkeit

Die Beteiligung von Rechtsextremen an den Demonstrationen im Namensstreit mit der Nachbarrepublik EJR-Mazedonien ist lediglich eine kleinere Nachricht. Rechtsradikale Auswüchse beschränken sich nicht nur auf den „üblichen Verdächtigen“, die Goldene Morgenröte.

Combat 18

In Griechenland wurden nach einer Razzia am Dienstag und Mittwoch zahlreiche Mitglieder der rechtsradikalen Gruppe Combat 18 Hellas und der mit ihr kooperierenden Gruppe „Autonome Mäander Nationalisten“ nach Hausdurchsuchungen vorläufig festgenommen. Gegen sieben der Festgenommenen wurde Haftbefehl erlassen. Sie befinden sich mit dem Vorwurf der Mitgliedschaft einer kriminellen Vereinigung und weiterer Vergehen in Untersuchungshaft. Gegen vier weitere wurden Anklagen wegen geringerer Vergehen erhoben.

Die Festnahmen erfolgten durch die Anti-Terror-Einheit der griechischen Polizei, die zu diesem Zweck in Athen zehn und in der Provinz zwei Hausdurchsuchungen durchführte. Den Gruppen werden mehr als dreißig Brandanschläge, Vandalismus und Körperverletzungen vorgeworfen. Die Hausdurchsuchungen brachten Waffenlager und fünfzig Kilogramm Sprengstoff zum Vorschein. Die Polizei geht davon aus, dass ein größerer Sprengstoffanschlag geplant wurde.

Während einer der Hausdurchsuchungen versuchte einer der Verdächtigen, seinen Computer durch Zerstörung vor dem Zugriff zu schützen. Bei ihm fand die Polizei das meiste belastende Material. Die Mitglieder der Gruppe hatten soziale Netzwerke wie Facebook für ihre interne Kommunikation eingesetzt. Sie wurden mindestens seit Herbst 2017 abgehört und überwacht.

Anders bei Fällen, bei denen die Anti-Terror-Polizei Linksautonome oder Anarchisten festnimmt, wurden die Namen der mutmaßlichen Rechtsterroristen auch nach der Verhaftung durch die Justiz noch nicht an die Öffentlichkeit gegeben. Bekannt ist jedoch, dass einer der Verhafteten Rechtsanwalt in Piräus ist. Der Fünfunddreißigjährige soll zu den führenden Köpfen der Organisationen gehören.

Seine Festnahme führte zu einem Paradoxon in den Arrestzellen der Anti-Terror-Polizei. Einer der übrigen Festgenommenen verlangte nach einem Telefon, um seinen Anwalt zu sprechen. Die Polizisten baten ihn um den Namen des Anwalts und beschieden ihm dann, dass er sich den Anruf sparen könne. Der Anwalt sei bereits in der Zelle, meinten sie.

Die Gruppe Combat 18 Hellas ist Teil eines internationalen Verbunds Gleichgesinnter. Die Zahl 18 steht als Symbol für die Initialen des Idols der Mitglieder, Adolf Hitler. Die Festgenommenen werden mit einem vor wenigen Tagen, am 25. Februar erfolgten Anschlag auf das linke Kulturzentrum „Favela“ in Piräus in Verbindung gebracht. Dabei wurden fünf von sechs dort befindlichen Personen teilweise schwer verletzt.

Interessant ist, dass die Verletzten angaben, die Gruppe hätte „Blut, Ehre, Goldene Morgenröte“ skandiert. Die ebenfalls dem rechtsradikalen Lager zugeordnete, im Parlament vertretene Goldene Morgenröte dementierte jedoch noch am Abend des Überfalls der „Favela“ über ihren Vorsitzenden, den Generalsekretär und Gründer Nikolaos Michaloliakos jegliche Beteiligung.

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NS-Rap: 16 Bars für Führer, Volk und Vaterland

Quelle: Lotta

Obwohl in Deutschland seit 14 Jahren NS-Rap praktiziert wird, dauerte es verhältnismäßig lange, bis sich die Musikrichtung auch in der extrem rechten Jugendkultur verankern konnte. Seit 2015 ist ein Wendepunkt zu erkennen, der NS-Rap trat aus seinem Nischendasein. Das ist allen voran dem Rapper „Makss Damage“ aka Julian Fritsch geschuldet.
Seit 2001 wurde über NS-Rap innerhalb der NS-Szene kontrovers und vielfach theoretisch debattiert und die Vor- und Nachteile mal mehr, mal weniger sachlich ausgetauscht. Von Mitte bis Ende der 2000er Jahre waren es eher unorganisierte rechte Jugendliche, die sich immer mehr in Richtung NS-Rap radikalisierten — wie der Bielefelder Michael Björn Bock (Der Bock), die Berlinerin Mia Herrn (Dee Ex) und der Mindener Alexander Klenke (Sash JM). Sie kreierten — wenn auch ungewollt — das Genre. Diese RapperInnen waren allerdings kaum überregional wahrnehmbar und rappten rechte Texte eher aus musikalischem Interesse als mit taktischem beziehungsweise politischem Kalkül. Der RechtsRock-Akteur Jan Peter Kersting aus Bielefeld probierte 2005 mit dem Bandprojekt Veritas Invictus als erster Neonazi ein reines Rap-Lied aus, was aber ebenso aus Eigeninteresse und einem Faible für das Musikgenre geschah. Dennoch gab es auch Versuche von organisierten Neonazis, in diesem Genre Fuß zu fassen. So versuchte sich zum Beispiel die dem Milieu der „Autonomen Nationalisten“ (AN) zuzurechnende Band Projekt X aus Hessen mit einem politischen Kalkül an Rap, um neue Leute für die Szene zu gewinnen. Ihr Rap war allerdings qualitativ so schlecht, dass die Band nach kurzer Zeit wieder von der Bildfläche verschwand.

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Verfassungsschutz: Deutsche Neonazis haben Kontakte zu britischen Terroristen

Quelle: Vice-Magazin

Mehrere Mitglieder von „National Action“ sitzen inzwischen in Haft.

Es gibt Urlauber, die ihre Sorgen zu Hause lassen und einfach nur entspannen wollen. Und dann gibt es andere, die ihre allerschlechtesten Qualitäten mit auf die Reise nehmen – nennen wir sie Hasstouristen. Zu letzterer Gruppe gehören die Mitglieder der britischen Neonazi-Gruppe „National Action“, die am 1. Mai 2016 ins sächsische Plauen fuhren. Gemeinsam mit etwa 900 Neonazis nahmen sie an einer Kundgebung der rechtsextremen Kleinpartei „Der III. Weg“ teil. Im Laufe der Veranstaltung attackierten einige der Rechten Polizisten und Gegendemonstranten mit Pyrotechnik, Steinen, Flaschen und Fahnenstangen. Zwei Mitglieder der britischen Gruppe, die gegen Juden, Schwule und Ausländer hetzt, zeigten im gleichen Monat im Krematorium der KZ-Gedenkstätte Buchenwald den Hitlergruß und verbreiteten Fotos davon im Netz.

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Versteckspiel mit schlechter Tarnung

Via Sachsen-Anhalt Rechtsaussen:

Identitärer Rapper Komplott nutzt Proberaum von Magdeburger Rechstrockbands

AfD-Abgeordnete gründeten mit Rechtsrockmusikern und Neonazis eine Burschenschaft
Nachdem im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass der Identitäre-Rapper Komplott nicht aus Halle kommt und sich hinter diesem Namen der Neonazi Patrick Bass aus Heidelberg verbirgt, wurde es scheinbar kurz ruhig um den von IB-Faschisten gefeierten Künstler des „identitären Rap“. Nach der Veröffentlichung verließ Bass Berichten zufolge fluchtartig seine Wohnung und löschte verschiedene Accounts in sozialen Medien. Einige Monate später war Komplott wieder bei Instagram und Facebook aktiv. Am 22. Oktober 2017 veröffentlichte der Leipziger Identitäre Alexander „Malenki“ Kleine ein Video mit dem Rapper auf seinem Youtube-Kanal. Zu Beginn, um das folgende Interview anzukündigen, steht Kleine mit seinem Hund auf einem Hinterhof und gibt an „tief irgendwo in Dunkeldeutschland“ zu sein. Im Hintergrund ist die alte Diamantbrauerei in Magdeburg zu erkennen. Wenig später sind Kleine und Bass in einem Bandproberaum zu sehen. Es handelt sich um den Proberaum der Rechtsrockbands Mortuary, Painful Life und Agharta.

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Ein identitäres Haus in Halle

Quelle: Antifainfoblatt

Juni 2017: Auf den Seiten der rechten Initiative „Ein Prozent für unser Land“ und der rechten Zeitschrift „Sezession“ wird ein „Hausprojekt“ angekündigt. Neben dem „Institut für Staatspolitik“ (IfS) in Schnellroda und der „Bibliothek des Konservatismus“ in Berlin soll es einen weiteren Anlaufpunkt für die sogenannte ‚Neue Rechte‘ geben. Für Renovierung, Sicherheit und laufende Kosten wird um Spenden geworben. Es handelt sich um einen viergeschossigen Altbau in der Adam-Kuckhoff-Straße in Halle, direkt gegenüber des Steintorcampus der Martin-Luther-Universität. Mit Dorian Sch., Mario Müller, Melanie Schmitz und Florian M. will ein Großteil der Führungsriege der identitären „Kontrakultur Halle“ zukünftig dort wohnen und wirken.

Gastbeitrag von „Sachsen-Anhalt Rechtsaussen“

Der Gründer der Titurel-Stiftung, Helmut Englmann aus Johannesberg (Unterfranken), ist seit Januar 2017 Eigentümer des Hauses. Die Stiftung fungiert vor allem als Förderinstrument des IfS. Als Ansprech­partner tritt Andreas Lichert (Funktionär der AfD und des Vereins für Staatspolitik) auf, die Domain ist auf das IfS registriert, als administrativer Ansprechpartner wird Götz Kubitschek angegeben. Neben dem Sammeln von Unterstützungsgeldern wurden durch die Stiftung auch ’neurechte‘ Autoren gefördert. Das Haus dient zudem als Sitz einer Werbeagentur, der „Mosaik Kommunikation“. Als Unternehmensdach fungiert hier die Lichert GmbH von Andreas Lichert, die Web-Domain der Agentur ist auf Simon Kaupert registriert.

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NS-Rap: Back again?

von Mathias Roth

Magazin „der rechte rand“ – Ausgabe 165 – März/April 2017

Neonazi-Rapper treten auf RechtsRock-Konzerten und Kundgebungen auf, ihre Videos werden zum Teil mehrere zehntausend Mal in den sozialen Medien aufgerufen: Seit 2015 ist neonazistischer Rap im Aufwind. Doch die Szene streitet, ob der Musikstil nicht »kulturfremd« sei.

Den Anfang der Debatte um Neonazi-Rap löste das rechte Hochglanzmagazin »Rock Nord« 2001 aus, das die Entgrenzung der Texte im deutschen Battle-Rap hin zu diskriminierenden Ideologien und NS-Vergleichen positiv rezipierte. In den nachfolgenden Jahren wurde von unterschiedlichen Seiten innerhalb der Neonazi-Szene über neonazistischen HipHop philosophiert und auch in immer mehr neonazistischen Foren wurde ab Mitte der 2000er Jahre über die Thematik gestritten. Im größten dieser Art, dem »Thiazi-Forum«, wurde bis zu seiner Abschaltung im Juni 2012 in einem Umfang von zwei Threads sechs Jahre lang mit insgesamt knapp 3.500 Antworten und mehr als 200.000 Betrachtungen kontrovers darüber debattiert. Die Meinungen der Neonazis gingen sehr weit auseinander – sie reichten von offener Ablehnung, weil das Genre »kulturfremd« und von »Untermenschen« entwickelt sei, bis hin zur Akzeptanz.
Jene, die Rap als Musikgenre akzeptierten, waren in der Defensive und argumentierten, dass Rap als Stilmittel für die »Werbung der nationale[n] Sache« wichtig sei und mit »dem Geist der Zeit gegangen werden muss«. Ähnliche Argumentationsmuster wurden auch später von den BefürworterInnen des Agierens und Auftretens der »Autonomen Nationalisten« (AN) verwendet.
Deutlich weiter in der Argumentation gehen jene Neonazis, die sich selbst als Rapper betätigen. So distanzierte sich die Gruppe »N‘ Socialist Soundsystem« (Rheinland-Pfalz) seit ihrer Gründung 2010 von der von Afro-AmerikanerInnen erfundenen und dominierten HipHop-Kultur (s. drr Nr. 130). Auch der Neonazi-Rapper »Makss Damage« (Julian Fritsch) will sich nicht in dieser Kultur verorten, stattdessen argumentiert er damit, dass Rap schon von den Wikingern und Kelten praktiziert wurde und daher der »weiße[n] Kultur« zugehörig sei. Neu ist diese Argumentationsweise nicht, die französischen Rapper von »Basic Celtos« nutzten diese schon Mitte der 1990er Jahre (s. drr Nr. 115).

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Nazi-Hipster im Anflug

Quelle: Jungle World

Die rechtsextreme »Identitäre Bewegung« versucht, auch im Vereinigten Königreich und in Irland Fuß zu fassen. Doch die Konkurrenz im rechten Milieu ist groß.

Neben Paris und Berlin gilt London gemeinhin als Hauptstadt des europäischen Hipstertums. Der sogenannte Nazi-Hipster allerdings konnte dort anders als in Frankreich und Deutschland bisher nicht Fuß fassen. Die Rede ist von Mitgliedern der »Identitären Bewegung« (IB), jener sich reichlich jugendkultureller Anleihen bedienenden neurechten bis völkischen Gruppe, die 2012 von Frankreich aus in den deutschsprachigen Raum schwappte. Im Vereinigten Königreich und in Irland bisher lediglich mit mutmaßlich von Einzelpersonen betriebenen Profilen in den sozialen Medien präsent, scheint sich die IB mittlerweile auch dort etablieren zu wollen.

Im Stile der Vorbildorganisationen auf dem Festland – insbesondere in Deutschland und Österreich – trat der britische Abkömmling Ende vergangenen Monats mit einer medienwirksamen Inszenierung erstmals öffentlich in Erscheinung. Am 23. Oktober entrollte ein knappes Dutzend »Identitärer« auf der Westminster Bridge im Zentrum Londons ein Großtransparent mit der Aufschrift »Defend London, stop Islamisation«, dem englischen Namen der Gruppe, »Generation Identity«, und ihrem Symbol, dem schwarz-gelb gedruckten griechischen Buchstaben Lambda. Dazu lieferte die Truppe eine online verschickte Mitteilung: Quelle der Islamisierung sei die Masseneinwanderung, die es aufzuhalten gelte. Der Ort des Auftritts hätte kaum symbolträchtiger gewählt werden können: Die Westminster Bridge liegt nicht nur in Sichtweite des britischen Parlaments, im März war sie zudem Schauplatz eines islamistischen Attentats.

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„Identitäre“ in Halle – Gewalt, Einschüchterung und Verharmlosung

Quelle: Störungsmelder

Vor einer Woche griffen „Identitäre“ aus ihrem Hausprojekt heraus in Halle zwei Zivilpolizisten mit Waffen an. Nur einen Tag später wurde ein Verfahren wegen Nötigung und Körperverletzung gegen einen weiteren „Neurechten“ eingestellt. Die Gewalt eskaliert, die Anwohner fühlen sich bedroht.

Als der Prozess gegen Andreas K. am 21. November beginnt, ist der Angriff seiner Gesinnungsgenossen auf zwei Polizeibeamte nur wenige Stunden her. Schon um 9Uhr haben sich 15 „Identitäre“ im Justizzentrum Halle versammelt. Vor dem Amtsgericht wird gegen ihr Mitglied Andreas K. verhandelt. Der Vorwurf: Nötigung und Körperverletzung. Zum dritten Mal muss K. hier erscheinen. Der Prozess scheiterte nach zwei Terminen im Juli 2017 an einer missachteten Frist und wird neu aufgerollt.

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In Bewegung: Jugendkulturen in der extremen Rechten

Quelle: Lotta-Magazin

Unter Jugendlichen ist immer mehr ein Sampeln unterschiedlichster jugendkultureller Elemente festzustellen. Klassische Jugendkulturen lösen sich zunehmend auf, klare Zuordnungen sind oftmals nicht möglich. Jugendkulturelle Identitätsentwürfe sind in Bewegung. Dies betrifft auch die extreme Rechte: „Skinhead“, „Autonomer Nationalist“ oder „Stino“ — was funktioniert für die Szene?
Zentral für Jugendszenen ist, dass sie nicht nur von der jeweils eigenen Gruppe, sondern auch von Außenstehenden wahrgenommen werden. In den 1990er Jahren, als der Skinhead das role model der jugendkulturellen Ausdrucksform der extremen Rechten war, war das zumindest auf den ersten Blick einfach. Selbstverständlich gab es auch damals andere, nicht-rechte Skinheads, doch in der Öffentlichkeit dominierte die Gleichung Skinhead = Neonazi. Umgedreht funktionierte das auch. Wer sich als Jugendlicher oder junger Erwachsener als Neonazi zu erkennen geben wollte, der wurde einfach Skinhead. Und er oder sie spürten sofort die Folgen der zumindest ästhetischen Zuordnung zu dieser Szene. BürgerInnen, MigrantInnen und teilweise auch Linke wechselten bei ihrem Anblick zumeist die Straßenseite. Allmachtsgefühle und -phantasien stellten sich oftmals ein, vor allem dort, wo Skinhead-Gruppen nicht auf Widerstand stießen.

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„Autonome Nationalisten Berlin“ geben auf

Quelle: Blick nach Rechts

04.09.2017 – Neonazi-Splittergruppe in der Hauptstadt erklärt ihre Auflösung. Ein für Samstag geplante Aufmarsch fiel ins Wasser.

Das Ostberliner Grüppchen „Autonomen Nationalisten Berlin“ (AN-Berlin) gibt seine Auflösung bekannt. Seit Mittwoch heißt es auf der Homepage der neonazistischen Kleinstgruppe: „Nach mehreren und längeren Gesprächen haben wir beschlossen nicht weiter als ‚Autonome Nationalisten Berlin’ aufzutreten oder unter diesem Namen weiter zu machen“. Der Zusammenschluss löst sich damit nach nicht einmal zweijährigem Bestehen schon wieder auf. Die wenig aufschlussreiche Erklärung: „Wir hatten unsere Höhen und Tiefen doch irgendwann ist auch mal Schluss. Ab jetzt geht jeder wieder seinen eigenen Weg“, so die Neonazi-Clique.

Selbst zu Höchstzeiten zählten sie keine zehn Personen. Der braunen Minigruppe waren die ehemaligen NPD-Kandidaten Kai Schuster und Lukas Lippitz sowie der Nachwuchs-Neonazi Marcel R. zuzurechnen. Sie war der Hauptstadt-Ableger des 2016 gebildeten bundesweiten Neonazi-Netzwerks „Antikapitalistisches Kollektiv“ (AKK) und hatte ihren Tätigkeitsschwerpunkt im Ostberliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf, wo sie besonders durch Aufkleber und Graffitischmierereien auffiel. Mit dem gleichnamigen Label „Autonome Nationalisten Berlin“, das von der „KS-Tor“ und anderen Kameradschaften Mitte der 2000er Jahre zeitweilig genutzt wurden, hatte der Zusammenschluss aber nichts zu tun.

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In den Fußstapfen der verbotenen KAL

17.03.2017 – Fast fünf Jahre nach dem Verbot der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) haben Neonazis den Wiederaufbau von Strukturen unter Tarnlabels umgesetzt und werben wieder verstärkt Jugendliche an. In Aachen spitzt sich ein Konflikt zwischen Nazigegnern sowie Neonazis und Hooligans dabei zu.

Ausgangspunkt für den aktuellen Konflikt scheint ein Angriff von zwei Neonazis auf Schüler in Aachen am Rande des linksalternativ geprägten Frankenberger Viertels gewesen zu sein. Die Angegriffenen engagieren sich offenbar in der linken Szene. Antifaschisten zufolge fand die Attacke am 2. November 2016 in einer Schulpause statt. Einer der Angreifer wurde kurz darauf an einer benachbarten Schule mittels Sprühaktionen „geoutet“ und bedroht. Dieser junge Neonazi feixte mit zwei anderen „Kameraden“ am 9. November am Rande des Pogromnachtnacht-Gedenkens. Er selbst mischte sich sogar provokativ unter die Mahnwache, sodass die Situation fast zu einer wilden Schlägerei zwischen ihm und Antifaschisten eskaliert wäre. Die Polizei sprach gegen den Störer einen Platzverweis aus.

Rund um Weihnachten und dem Jahreswechsel versuchten Neonazis, im besagten Viertel ihr Revier beziehungsweise ihren „Nazi-Kiez“ mit Aufklebern von „Syndikat 52“ (S52), der „Identitären Bewegung“ (IB) und der „Identitären Aktion“ (IA) sowie „Anti-Antifa“-Schmierereien zu markieren. Das nahe gelegene „Autonome Zentrum“ (AZ), ein Treffpunkt für Nazigegner, wurde beklebt und mit Hakenkreuzen beschmiert. In einem anonym via Internet publizierten Bericht wurde darauf hingewiesen, dass Anfang Januar zudem zwei mit Schlagstöcken bewaffnete Neonazis AZ-Besucher, die gerade das linke Zentrum verließen, angegriffen hätten. Anfang März „outeten“ dann im Gegenzug Antifaschisten den jungen Schüler und dessen beide „Kameraden“: Den aus Düsseldorf stammenden Sebastian „Seppel“ L. sowie Timm M., Sohn eines bekannten Neonazis und Gastsänger für den braunen Musiker „Makss Damage“.

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Instagram, „Nazikiez“ und „Schwarze Blöcke“

Als wir uns im AIB Nr. 106 die Frage stellten, was von den „Autonomen Nationalisten“ (AN) übrig geblieben ist, stellten wir fest, dass diese losen Zusammenschlüsse immer durch die Dynamik einzelner Ereignisse und die Motivation einiger Personen einen Auf- oder Abstieg erfuhren. Wie relevant und effektiv das Konzept der AN in 2016 ist, und welche Auswüchse diese Subkulturder extremen Rechten jüngst zum Vorschein brachte, soll der folgende Text erläutern.

Wie bereits Anfang des Jahres 2015 festgestellt, dient das Konzept der AN vorrangig aktionsorientierten Neonazis, um sich vor staatlicher Repression zu schützen. AN, das war vor allem subkultureller Habitus, der – wenn auch innerhalb der extremen Rechten nicht unumstritten – reichlich linke Symbolik klaute und durch Provo­kation versuchte, den „Nationalen Widerstand“ zeitgenössischer und jugendlicher wir­ken zu lassen. Erwähnt hatten wir, dass zwar das „Neue“ in den Konzepten der AN zu verschwinden schien, „die Luft raus war“, allerdings innerhalb der Subkultur bereits neue Impulse gesetzt wurden.

Der szene-intern gefeierte Erfolg am 1. Mai 2015 in Saalfeld — als der vielfach propagierte, rechte „schwarze Block“ eine Gruppe Punker unter den Augen der polizeilichen Einsatzkräfte zusammenschlug und sich Scharmützel mit der Polizei lieferte — prägte vor allem die kommende Generation der „Autonomen Nationalisten“, da es dem Konzept Bestätigung gab und den „Straßenkampf-Mythos“ wiederbelebte. Dazu kam das vermehrte Auftreten sogenannter „Nipster“, eine von Journalist_innen kreierte Zuschreibung, welche die Wörter „Nazi“ und „Hipster“ vereint. Charakteristisch für Hipster ist es, sich subkulturelle Symbole, Stil und Codes anzueignen und diese losgelöst von den Werten und Ideen der Subkultur zur Mode zu machen. Dabei müssen die kombinierten Elemente nicht zueinander passen, sowohl farblich als auch ideologisch. „Nipster“ kombinieren nationalsozialistische Ideologie mit neuesten Trends der Jugendkultur, hipper Optik und einem gut durchgestylten Social-Media-Auftritt. Ihre Sehnsucht nach einer vormodernen Zeit wird dabei in moderne Symbole und Zeichen gepackt, ähnlich wie von Teilen der „Identitären Bewegung“ bekannt. Hashtags wie #weib­lichkeitstattfeminismus, #mannbleibtmann, #aufstandwagen oder #NSjetzt stehen dafür exemplarisch.

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Braunes Schulungscamp

Via der „Blick nach Rechts“:

06.07.2016 – Mitte Juli soll ein „Antikapitalistisches Zeltlager“ der rechten Szene in Baden-Württemberg stattfinden.

Ohne den genauen Ort zu benennen, wird seit mehreren Wochen bereits für ein länderübergreifendes Trainings- und Schulungscamp der rechten Szene in Baden-Württemberg geworben. Zur Teilnahme aufgerufen haben dazu beispielsweise auch Neonazis des Netzwerks „Nationale Sozialisten Nord-Brabant“ aus der gleichnamigen niederländischen Provinz. Der Ausschreibung des als „Antikapitalistisches Zeltlager“ beschriebenen Treffens vom 15. bis 17. Juli mit eigens eingerichteter Homepage zufolge geht es dabei nicht nur um körperliche Ertüchtigung, sondern auch um inhaltliche Unterweisungen. Auf dem Programm stehen nach Veranstalterangaben Bezugsgruppenübungen, Diskussionsrunden und gemütliche Abende (wohl dafür steht der Programmpunkt Liederabend). Als Anregung ist eine so genannte Packliste mit benötigten Utensilien versehen. Angemahnt wird zudem eine strikte Lagerordnung. Die Zusammenkunft erinnert in Teilen der Gestaltung durchaus an ähnliche Herangehensweisen aus der linksautonomen Szene, in diesem konkreten Fall allerdings mit einer nationalrevolutionären Ausrichtung aktivistischer Prägung und entsprechend theoretischer Indoktrination.

Als thematisches Rüstzeug des dreitägigen Meetings wird unter anderem die Beschäftigung mit „Europäischer Vernetzung“ und „Musik als Ausdruck politischen Widerstands“ angeboten. Dazu soll es aber auch Blockadetrainings geben, Informationen zum Verhalten bei Festnahmen und Hausdurchsuchungen, Gespräche über Europa und die Krise beziehungsweise Bürgerlichkeit versus Revolution. Auseinandersetzen will man sich auch über „AfD – eine Alternative?“, „Soziale Kämpfe“, „Tierschutz“ und „Landwirtschaft“.

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Der Skandal um den V-Mann Sebastian Seemann

„NSU Watch NRW“ berichtet:

Kurz nach der Aufdeckung des NSU im November 2011 machte ein ehemaliger V-Mann des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes eine bemerkenswerte Aussage: Das Vorgehen des NSU erinnere ihn stark an die „Turner Diaries“, sagte er gegenüber der Polizei aus. Dieses Werk eines US-Neonazis sei damals auch in Dortmund gelesen worden, wo Neonazis – vor dem Mord an Mehmet Kubaşık am 4. April 2006 – eine Zelle von „Combat 18“ gegründet hätten. Möglicherweise könne er auch Informationen zu weiteren, dem NSU zugerechneten Schusswaffen liefern. Bei dem aussagefreudigen ehemaligen V-Mann handelte es sich um den 2007 enttarnten Sebastian Seemann. Er war nicht nur Spitzel des NRW-Verfassungsschutzes, sondern tief in die Dortmunder Neonazi-Szene verstrickt. Er war Organisator von „Blood & Honour“-Konzerten, Drogendealer und mutmaßlicher Waffenhändler.
Eine rechte Biografie

Der aus Lünen stammende Sebastian Seemann war in der Neonaziszene gut eingebunden. Er zählte zu dem engen Umfeld der Skinhead-Band „Oidoxie“ aus Dortmund-Brechten und nahm an verschiedenen Aufmärschen der Szene teil. Bereits im Jahr 2000 wird er als Freund des Polizistenmörders Michael Berger der Polizei bekannt. Er war Mitglied der „Oidoxie Streetfighting Crew“, in der sich Neonazis aus NRW und Hessen sammelten, die bei Rechtsrock-Konzerten Aufgaben eines Sicherheitsdienstes übernahmen. Anhand dieser „Crew“ lassen sich enge Verbindungen zwischen Dortmunder und Kasseler Neonazis nachweisen.

Einige Zeit lang war Seemann Mit-Organisator des „Ian Stuart Donaldson-Memorial Concert“ (ISDM) in Belgien. Bei diesen Erinnerungskonzerten ehren Neonazis jährlich den verstorbenen Sänger ihrer Kultband „Screwdriver“ und Gründer des „Blood & Honour“-Netzwerkes. Die deutsche Sektion von „Blood & Honour“ war 2000 vom Bundesinnenministerium verboten worden, dennoch wurden die Aktivitäten zum Teil weitergeführt. Dortmunder Neonazis wichen verstärkt ins benachbarte Belgien aus. Sebastian Seemann fungierte 2004 und 2006 als offizielle Kontaktperson für diese „Blood & Honour“-Konzerte, die gemeinsam mit Personen von „Blood & Honour Flandern“ bzw. „Bloed – Bodem – Eer – Treuw“ organisiert wurden. Erlöse aus dem Konzert von 2004 spendeten die Organisator*innen an die „Kameradschaft Dortmund“, die sich von dem Geld eine eigene Lautsprecheranlage zulegten. Zudem prahlte Seemann in einem Forum: „Wie ich ja schon vorher sagte, fließt der Erlös ohne Ausnahme wieder zurück in die Bewegung. Also in deutsche und belgische politische und m…… Widerstandsdivisionen“. Die Formulierung »m…… Widerstandsdivisionen« dürfte wohl „militante Widerstandsdivisionen“ bedeuten: Wer von dem Geld profitierte, ist nicht klar.

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Rechte Hegemonie in Bückeburg

Das „Antifa Infoblatt“ berichtet:

Schon im vergangenen Jahr (vgl. AIB Nr. 103) berichteten wir über die Kleinstadt Bückeburg im Landkreis Schaumburg in Niedersachsen, in dem über Jahrzehnte hinweg neonazistische Strukturen ungestört agieren konnten. Anlass für den letzten Artikel war zum einen die Einbindung aktionsorientierter rechter Jugendlicher in die örtliche Neonaziszene, zum anderen die Strategie von Polizei, Stadtverwaltung und Gerichten, linke Jugendliche zu kriminalisieren und Neonaziaktivitäten als Randproblem zu verharmlosen.

Ein kurzer Abriss: Seit 2006 organisieren rechte Strukturen aus dem Raum Schaumburg, Minden und Ostwestfalen den alljährlichen Neonaziaufmarsch in Bad Nenndorf. Im Rahmen dieses Events konnten Markus Winter (vgl. AIB Nr. 79) und andere Kader aktionsorientierte Jugendliche in die Arbeit des „nationalen Widerstands“ einbinden. So formierte sich 2008 die „Aktionsgruppe Bücke­burg“. Die Neonazi-Kader der Region organisierten ideologische Schulungen und Partys für den Nachwuchs und festigten so die rechten Strukturen. Im Jahr 2011 gründe­ten sich die „Autonomen Nationalisten Bückeburg“ (AN-Bbg). Diese wirkten durch ihr Auftreten im Stil der „Autonomen Nationalisten“ mit der Adaption von linken Kleidungsstilen und Aktionsformen anziehend auf viele Jugendliche. Gleichzeitig änderte sich die Qualität der Aktionen der AN-Bbg. Einschüchterungen, Bedrohungen und gewalttätige Übergriffe auf nicht-rechte junge Menschen wurden zum Alltag an den Schulen und im öffentlichem Raum. Durch das militante Auftreten der Neonazis wurde die Innenstadt von Bückeburg zu einer „No Go Area“ für viele alternative Jugendliche. Aktionen, wie der Beschuss von deren Wohnhäusern mit Stahlkugeln sowie PKW-Jagden in den Abendstunden festigten diesen Zustand. Die Stärke der AN-Bbg wirkte anziehend auf viele Schüler_innen, die rechte Szene erlangte jugendkulturelle Hegemonie.

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„Live in Sachsen“ mit „Lunikoff“

Via der „Blick nach Rechts“:

Neonazis aus Dortmund und Baden-Württemberg laden zu einem Musikevent am 5. September ins Vogtland ein.

Sachsen kommt nicht zur Ruhe. Für den 5. September mobilisieren radikale Kräfte der Partei „Die Rechte“ zu einer „Großveranstaltung unter freiem Himmel“ auf das Gelände der NPD-Frau Beatrix Rink in Neuensalz im Vogtland. Ab 14.00 Uhr (bis Mitternacht) laden die Landesverbände Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen in den Ortsteil Zobes ein. Dort wählte 2014 jeder vierte Einwohner die NPD. Jetzt aber beherbergt das Ehepaar Rink die Konkurrenz.

Anmelder ist der Dortmunder Neonazi Christoph Drewer, als Versammlungsleiter werden Nazi-Hooligan Nils Larisch aus Leipzig und der ehemalige Vordenker der „Autonomen Nationalisten Dortmund“ Alexander Deptolla, angegeben. Das Thema lautet: „Heraus zum Tag der deutschen Zukunft 2016 – Freiheit für Horst Mahler“. Es werden 700 bis 1000 Gäste erwartet. Bei schlechtem Wetter wollen die Veranstalter ein Zelt aufbauen, drei Bierwagen sollen für Stimmung sorgen. Der Eintritt ist mit 25 Euro vorgesehen und die Organisatoren wollen einen Shuttle-Service von einem großen Parkplatz in Plauen nach Zobes einrichten.

Zur musikalischen Unterhaltung treten die „Lunikoff Verschwörung“ aus Berlin sowie die sächsischen Bands „Sachsonia“, „Tätervolk“ und „Überzeugungstäter“ an. Aus Brandenburg soll „Uwocaust“ alias Uwe Menzel anreisen. Menzel stand ebenso wie „Lunikoff“ alias Michael Regener dem Chemnitzer „Blood&Honour“-Netzwerk nahe. Eintrittskarten für die Feier „Live in Sachsen“ werden seit dem 17. August von PC Records in Chemnitz angeboten. Bei den letzten beiden Großveranstaltungen im sächsischen Zobes gab es kaum Proteste.

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