Archiv der Kategorie 'Blick zurück'

Der Düsseldorfer Wehrhahn-Anschlag

Die „Lotta“ schreibt:

Ein Rück- und Ausblick (fast) 15 Jahre danach

Gerade einmal 1.800 Zeichen Text sind bei „Wikipedia“ über den Sprengstoffanschlag vom 27. Juli 2000 auf dem S-Bahnhof Wehrhahn im Düsseldorfer Stadtteil Flingern zu finden: „Mit TNT gefüllte Rohrbombe“, „zehn Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt“, „bislang unbekannte Täter“, „fremdenfeindliche oder antisemitische Motive nicht ausgeschlossen“, da es sich bei den „Opfern um Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion handelte, sechs mit jüdischem […] Hintergrund“, formuliert die Online-Enzyklopädie die Erkenntnis-Fetzen. Über einen Zusammenhang mit der Mord- und Anschlagsserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) lägen, heißt es hier, „keine sicheren Erkenntnisse“ vor.

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Der Freund des Terroristen

Der „Blick nach Rechts“ berichtet:

04.03.2015 – Im NSU-Verfahren muss am Donnerstag ein einflussreicher sächsischer Neonazi erscheinen. Er verfügt bis heute über Kontakte ins Helferlager.

Obwohl Zeuge für Zeuge aus dem Chemnitzer Neonazi-Milieu im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht in München mit Erinnerungslücken und Ablehnung aufwarten, ist deutlich geworden, dass die braunen Helferseilschaften von einst den Kontakt untereinander bis heute halten. Längst als das Jenaer Trio 1998 in Sachsen untertauchte, galt Chemnitz als „Mekka“ der rechten Musikszene. Internationale braune Szene-Stars spielten auf konspirativen Konzerten. Es ging nicht nur um viel Geld, sondern auch um Militanz, Waffen und Untergrund. Die meisten Neonazis, die Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe in der Illegalität halfen, gehörten zu „Blood&Honour“, der Chemnitzer Kameradschaftsszene oder mutmaßlich zum dortigen „Heimatschutz“. Bereits einige Jahre zuvor hatte vor allem Mundlos unter den führenden Chemnitzer Köpfen seine politischen Masterminds gefunden.

Routiniert sagen die damaligen Fluchthelfer heute nur das Nötigste aus. Für Donnerstag ist der 39-jährige Hendrik Lasch in den Zeugenstand geladen. Der smarte Bartträger mit Brille gilt als einer der einflussreichsten rechtsextremen Drahtzieher in Sachsen. Lasch stand nicht nur „Hammerskins“ und „Blood&Honour“ nahe, sondern auch der regionalen Rocker-Szene. Seit mindestens 1994 war er persönlich mit dem NSU-Terroristen Uwe Mundlos aus Jena befreundet. Gemeinsam mit Kameraden fuhren die beiden bereits 1994 zu einem Konzert nach Niederbayern.

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Marcel Schilf-Memorial

Der „Blick nach Rechts“ schreibt:

03.03.2015 – „Blood&Honour“-Skandinavien plant für den 2001 verstorbenen Neonazi und Musikhändler ein Gedenkkonzert mit internationaler Beteiligung, mit dabei ist die deutsche Band „Kraftschlag“.

Für den 14. März kündigt die „Blood&Honour“-Sektion Skandinavien auf schwedischem Boden ein Gedenkkonzert für Marcel Schilf an. Der 2001 an einer Stoffwechsel- und Hautkrankheit verstorbene Aktivist genießt in der militanten rechten Szene Heldenstatus, insbesondere im internationalen Netzwerk der besagten Rechtsrock-Bewegung und dessen terroristischem Ableger „Combat 18“. Auch altbekannte Musikgäste aus Deutschland werden an dem Samstag zu dem Event erwartet.

Schilf, geboren 1972 in Brandenburg, besaß die dänische Staatsbürgerschaft und baute mit dem Valhalla-Club im schwedischen Helsingborg einen wichtigen Verbindungsort für den von B&H betriebenen lukrativen Musikhandel auf. Dort gab es ein Ton- und Aufnahmestudio, aber auch einen Saal für Konzerte.

Schilf war mit dem Dänen Jesper Hartmann Betreiber des 1994 in Hilleröd bei Kopenhagen aus der Taufe gehobenen Videovertriebs „NS 88“ und des neonazistischen CD-Labels NS Records. Deren Aktivitäten übersiedelten einige Jahre später nach Helsingborg, weil der behördliche Verfolgungsdruck gegen Schilf in Dänemark zu groß wurde. Im Frühjahr 1999 liefen die Machenschaften dann über die konspirativ agierende B&H-Sektion Skandinavien, zu deren Gründern Schilf zählt. Zu dem Zeitpunkt wirkte bereits der international bestens vernetzte, aber meist nur aus dem Hintergrund operierende Erik Blücher aus Norwegen als führender Kopf im Rechtsrock-Business mit. Schilf selbst zog in den kleinen südschwedischen Ort Klippan. Sein dänischer Label-Partner war Jesper Hartmann. In Helsingborg war es dann nach einem Bericht der schwedischen Zeitung „Aftonbladet“ Ronald Schröder aus Berlin, der als Weggefährte von Schilf nach dessen Tod all dessen Geschäfte fortführte.

Zahlreiche der über 100 in den Umlauf gebrachten Videotitel, deren bekannteste Reihe unter dem Namen „Kriegsberichter“ firmierte, stammten von der Initiative „Ainaskin Musiikkii“ aus Helsinki, hinter der Petteri Räesäen steckte. Der andere Schwerpunkt waren meist in Schweden gefilmte Rechtsrock-Konzerte. Die Pressung der Tonträger erfolgte unter anderem in Taiwan, Polen und Tschechien. Die Verbindung von Dänemark nach Helsingborg war nicht dem Zufall geschuldet. Dort residierte bereits das Rechtsrock-Label Wasakaren Ragnarock Records um Hans Himmler Petterson, der mit Blücher zusammenarbeitete.

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Der Düsseldorfer Wehrhahn-Anschlag – Ein Rück- und Ausblick (fast) 15 Jahre danach

„NSU-Watch NRW“ schreibt:

Gerade einmal 1.800 Zeichen Text sind bei „wikipedia“ über den Sprengstoffanschlag vom 27. Juli 2000 auf dem S-Bahnhof Wehrhahn im Düsseldorfer Stadtteil Flingern zu finden: „Mit TNT gefüllte Rohrbombe“, „zehn Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt“, „bislang unbekannte Täter“, „fremdenfeindliche oder antisemitische Motive nicht ausgeschlossen“, da es sich bei den „Opfern um Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion handelte, sechs mit jüdischem […] Hintergrund“, formuliert die Online-Enzyklopädie die Erkenntnis-Fetzen. Über einen Zusammenhang mit der Mord- und Anschlagsserie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) lägen, heißt es hier, „keine sicheren Erkenntnisse“ vor. Und das war es auch schon. Dabei bildete die Tat zweifellos den auslösenden Vorlauf des von Bundeskanzler Gerhard Schröder nach einem Anschlag am 2. Oktober 2000 auf die Düsseldorfer Synagoge ausgerufenen „Aufstands der Anständigen“. Mit Rückbezug auf den Wehrhahn-Anschlag wurden die Debatten über „Fremdenfeindlichkeit“, Antisemitismus und Neonazismus in der Bundesrepublik sowie über ein eventuelles NPD-Verbot weiter angeschoben. Die Medien berichteten weltweit über die Anschläge und die Reaktionen darauf. Die beim Wehrhahn-Anschlag verletzten Opfer leiden noch heute an den Folgen des Anschlages. Grund genug, sich auch jenseits vergangener oder aktueller medialer Konjunkturen das Thema immer wieder in Erinnerung zu rufen.

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Der NSU, „The Order“ und die neue Art des Kampfes

Das „Antifa Infoblatt“ berichtet:

Wenn es um die Hintergründe der Morde und Anschläge des NSU geht, schweigen die bekannten Mitglieder und Unterstützer der Terrorgruppe — in Verhören, vor Gericht, gegenüber Journalisten. Niemand spricht. Trotzdem ist der ideologische Kontext des NSU unbestritten, da unter anderem Uwe Mundlos als Täter und André Eminger als mutmaßlicher Unterstützer ihre Gesinnung in mehreren Texten unmissverständlich offen gelegt haben. Eminger fühlte sich offenbar als deutsche Sperrspitze des internationalen „Weißen Arischen Widerstands“. So verantwortete er das Skinzine „Aryan Law and Order“, in dem die rassistische US-Terrorgruppe „The Order“ als Vorbild gefeiert wurde: „Es handelt sich hierbei aber nicht um eine neue Bewegung, die mit den anderen konkurriert. Nein, hier handelt es sich um Elitekämpfer, die aus den besten Leuten der verschiedenen Bewegungen [sic], die schon existierten. … Es ist eine neue Art des Kampfes, einer Unter­grundbewegung.“

Zahlreiche Parallelen zwischen dem NSU und „The Order“ fallen auf. Die US-Terrorgruppe raubte Banken aus, richtete Menschen gezielt hin und benutzte dabei Waffen, die mit Schalldämpfern bestückt waren. So lange ihre Mitglieder unerkannt im Untergrund lebten, bekannte sich die Gruppe nie zu den Taten. Wie „The Order“ fühlte sich der NSU zudem offenbar als eine Art Vorauskommando einer „arischen Befreiungsarmee“, deren Geschichte nach der Vernichtung aller Feinde von den Überlebenden in Ehrfurcht gefeiert werden wird, was die Tatwaffen zu quasi religiösen Reliquien macht. So fand man in einer ausgebrannten Wohnung in Zwickau, die ein Unterstützer für den NSU angemietet hatte, Waffen, die den NSU mit mehreren Morden in Verbindung bringen. Auch im letzten Wohnmobil von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos lagen diverse Beweismittel. Die Mitglieder von „The Order“ hatten ebenfalls die Manie entwickelt, Waffen und andere Gegenstände aufzubewahren, die sie schwer belasteten.

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Rechter Terror in der antifaschistischen Analyse

Ein sehr wichtiger Beitrag des „Antifaschistischen Infoblattes“ im Rahmen der Analyse des Rechten Terrors:

Im NSU-Komplex gibt es mehrere zentrale Fragen, mit denen sich unabhängige Antifaschist_innen dringender denn je auseinandersetzen müssen, um der bislang sehr wirkmächtigen Erzählung des Generalbundesanwalts, der Geheimdienste und der Polizei entgegen zu treten: Denn Strafverfolger und Geheimdienste propagieren entgegen aller Fakten und einschlägigen Zeugenaussagen unbeirrt den Mythos vom isolierten Trio, von dessen terroristischen und mörderischen Aktivitäten kein einziger der zahllosen Unterstützer_innen informiert gewesen sei, und stellen den NSU-Komplex als ein singuläres, schon jetzt abgeschlossenes Ereignis ohne Wiederholungsgefahr dar.

Um der staatstragenden Erzählung wirksam entgegen zu treten, müssen wir aber nicht nur die erweiterte Einzeltäter-Theorie der Strafverfolgungs- und Geheimdienstbehörden, die in Deutschland seit dem Oktoberfest-Attentat 1981 zum staatstragenden Mantra und Mythos geworden ist, sondern auch unsere eigenen Erzählungen, Analysen und Thesen zu rechtsterroristischen Netzwerken, Strategien und Aktionen der letzten zwanzig Jahre auf den Prüfstand stellen. Nicht nur, weil es beim Streit um die Frage, wer die öffentliche Deutungshoheit über den NSU-Komplex gewinnt — inklusive der Entstehungsgeschichte des NSU-Netzwerkes und der staatlichen Verantwortung dafür — , auch um die entscheidende Frage nach der Anerkennung rechtsterroristischer Gewalt in Deutschland und Rassismus als einer zentralen Ursache von Staatsversagen im NSU-Komplex geht. Sondern, weil es am Ende dieses Streits auch darum gehen wird, aus den Fehlern der eigenen antifaschistischen Analysen seit 1990 zu lernen und so vielleicht zu verhindern, dass wir rechten Terror nochmals nicht erkennen.

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Protokoll 171. Verhandlungstag – 16. Dezember 2014

Ein Blick in die Berichterstattung von NSU-Watch über den laufenden Prozess lohnt sich regelmässig, da u.a. auch die Hintergründe des neonazistischen Musiknetzwerkes „Blood & Honour“ immer wieder durchleuchtet werden:

An diesem Prozesstag ist erneut Michael Probst geladen, der die Fragen nach Blood & Honour-Sektion Sachsen und zu einer möglichen Unterstützung der drei Untergetauchten mit Nicht-Wissen, verharmlosend oder ausweichend beantwortet. Auch die Rolle seiner Ex-Frau Antje Probst spielt er dabei runter. Als zweiter Zeuge ist ein Richter am Bundesgerichtshof geladen, um zu der „Waffenvorlage“ mit dem Angeklagten Carsten Schultze anlässlich der Eröffnung des Haftbefehls gegen Schultze auszusagen.

Zeugen:

Michael Probst (Ex-Mann von Antje Probst, Erkenntnisse zu Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe und zu B&H Sachsen)
Dr. Ralph Bünger (Richter am BGH, Einvernahme von Carsten Schultze)

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Der Blog NSU-Nebenklage kommentiert:
„Insgesamt dürfte auch dieser Zeuge geradewegs auf ein Strafverfahren wegen Falschaussage zusteuern. So leugnete er sogar, den Angeklagten André Eminger gekannt zu haben – und das, obwohl seine Ex-Frau bei der Polizei noch von konkreten Geschäftsbeziehungen Emingers zu Probst berichtet hatte und obwohl seine Telefonnummer im Handy-Speicher von Eminger gefunden wurde. Jedenfalls ist die Aussage des Zeugen nicht geeignet, die Angaben des V-Mannes Szczepanski zu den Unterstützungshandlungen von „B&H“ Sachsen und seiner Exfrau in Frage zu stellen.“
http://www.nsu-nebenklage.de/blog/2014/12/16/16-12-2014/< /blockquote>

[Königs Wusterhausen] Neonazis unterwandern Sportverein

„Recherche & Aktion“ berichtet:

Nach uns vor­lie­genden Infor­ma­tionen trai­niert Mike Turau die 2. E-Jugend des Königs Wus­ter­hau­sener Tra­di­ti­ons­ver­eins SC-Blau Weiss Schen­ken­dorf 1931 e.V. Der bran­den­bur­gi­sche Sport­verein beschäf­tigt damit einen lang­jährig aktiven Neo­nazi in der Kinder– und Jugend­ar­beit. Der Unter­wan­de­rung von Sport­ver­einen und Zivil­ge­sell­schaft durch Neo­nazis muss eine klare Absage erteilt werden.

Von „United Skins“ zu den „Freien Kräften“

Der in Königs Wus­ter­hausen (KW) wohn­hafte Mike Turau ist kein unbe­schrie­benes Blatt, son­dern seit vielen Jahren für sein neo­na­zis­ti­sches Enga­ge­ment stadt­be­kannt. Bereits um das Jahr 2000 war er der KWer Neo­na­zi­ka­me­rad­schaft „United Skins“ zuzu­ordnen, die ihrer­seits für Angriffe auf alter­na­tive Jugend­liche, Migrant_innen und Obdach­lose ver­ant­wort­lich gemacht wurde. [1]

Als im Sommer des selben Jahres Carsten Szc­ze­panski, Draht­zieher der lokalen Kame­rad­schafts­szene, als V-Mann des bran­den­bur­gi­schen Ver­fas­sungs­schutzes ent­tarnt wurde, rea­gierte die Szene in KW und Umge­bung mit einigen Jahren der orga­ni­sa­to­ri­schen Schwäche. Aller­dings sollte dies nicht dar­über hinweg täu­schen, dass es in der Region auch in den Fol­ge­jahren noch zu einigen Auf­sehen erre­genden Gewalt­taten kam: Hier seien unter anderem die Molo­to­v­cock­tail­würfe auf ein Roma­l­ager und das anti­fa­schis­ti­sche Fes­tival „Le Monde et a nous“ im Jahre 2001, der Brand­an­schlag auf das Auto eines Poli­zisten und eine, eben­falls im Jahr 2005 durch einen Neo­nazi ver­übte Attacke mit einer abge­bro­chenen Glas­fla­sche auf einen jungen Punk zu nennen. Es sollte klar sein, dass Neo­nazis keine festen Orga­ni­sa­ti­ons­struk­turen benö­tigen, um ihr men­schen­ver­ach­tendes Welt­bild in die Tat umzu­setzen, auch wenn staat­liche Behörden die Gefahr, die von unor­ga­ni­sierten Neo­nazis aus­geht, oft­mals baga­tel­li­sieren.

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50 Jahre NPD

Das „Antifaschistische Infoblatt“ schreibt anlässlich des 50.Jubiläums der neonazistischen NPD:

Am 28. November 1964 fand die offizielle Gründungsveranstaltung der „Nationaldemokratischen Partei Deutschlands“ (NPD) in Hannover statt. Seit 50 Jahren wandelt sich die NPD immer wieder und ist damit auch Gradmesser für Entwicklungen der bundesdeutschen extremen Rechten insgesamt geworden — ein Rückblick.

Keine 150 Delegierten sind am ersten Novemberwochenende 2014 nach Weinheim in Baden-Württemberg gekommen. Auch für ihren 35. Ordentlichen Parteitag musste die NPD bis zuletzt die Nutzung der Tagungshalle vor Gericht erkämpfen. Die kurzfristige Einladung zeigt auch bei den geringen Delegiertenzahlen ihre Folge. Eigentlich sollte der Parteitag in Weinheim eine Feier der 50-jährigen Geschichte der NPD werden, doch der innere Zustand der Partei, ein laufendes Verbotsverfahren und ihre geringe politische Bedeutung sind kaum eine gute Grundlage für eine wirkliche Feier. Dennoch prangt auf der Bühne in Weinheim groß die Aufschrift: „50 Jahre Kampf für Frieden, Freiheit und Souveränität“. Am Ende wählen die anwesenden Delegierten den Saarländer Frank Franz zu ihrem neuen Vorsitzenden und zeigen damit auch ihren Wunsch, die NPD weiter in ihrer Außendarstellung zu verbürgerlichen und so nach einer Radikalisierungsphase wieder den Weg in die „Mitte der Gesellschaft“ beschreiten zu wollen. Dabei zeigt ein Rückblick starke Unterschiede in der Entwicklung und Ausrichtung der NPD, die oft aber ähnliche Funktionsweisen der Partei deutlich machen.

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Von »Blood & Honour« zu »Combat & Survival«?

Das „Antifaschistische Infoblatt“ berichtete im Jahr 2007:

Im AIB 65 (»Mischszenen in Hannover«) berichteten wir über eine Mischszene aus Neonazis, Hooligans, Rockern und dem Tattoo-Milieu in Hannover. Eine der Personen in diesem Geflecht war der ehemalige Aktivist des neonazistischen »Blood & Honour« (B&H) Netzwerkes Johannes („Hannes“) Knoch.

Mittlerweile hat sich um ihn eine informellen Gruppe gebildet, die das gemeinsame Außeninteresse »Geld verdienen« verbindet und die dabei auch alte Aktivisten aus Zeiten vor dem B&H Verbot einbindet. Er versteht es nun mehr seit Jahren auf diesem Weg das Verbot von B&H zu umgehen und setzt als integrative Figur auf funktionelle Partnerschaften. Des weiteren gilt offenbar: »Was Du nicht verstecken kannst, das inszeniere!« – und so betreibt Knoch mittlerweile offen eine Art »Wehrsporgruppe« und trifft dabei auf breite Unterstützung, die ihm möglicherweise auch Zugang zu Waffen und aktuellem militärischen Know How verschaffen könnte. Viele Personen, die in diesem Artikel Erwähnung finden, scheinen auf den ersten Blick Randfiguren zu sein, doch nur eine umfassende Berichterstattung ermöglicht es, darzustellen wie der Versuch Relevanz als »Arbeitgeber«, »Wirtschaftsfaktor« oder »Bunter Vogel« zu erlangen, real umgesetzt wird. Wobei bei diesem speziellen Netzwerk die politische Gesinnung als Bindeglied nicht nur der »alten Zeiten wegen« beachtet werden sollte.

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Combat 18 in Pinneberg

Ein Blick zurück ins Jahr 2003:

Deutsche Neonazis bedienen sich zunehmend des Labels C18, wenn sie militante Strukturen aufbauen oder Straftaten begehen. Die Einzelaktivisten und Strukturen agieren unabhängig voneinander.

Die gemeinsame politische Klammer für all diejenigen Neonazis, die sich dem Konzept von Combat 18 verpflichtet fühlen, ist ein eliminatorischer Antisemitismus und der Bezug auf die SS als Eliteorganisation im Nationalsozialismus. Diejenigen Neonazikader, die in Deutschland seit Jahren offen für Combat 18 geworben haben bzw. werben – wie Bernd P. aus Bamberg – sind zumeist eng an das internationale Netzwerk »Blood & Honour« angebunden. So heisst es bereits in dem vor drei Jahren erschienenen Strategiepapier »The Way Forward« von B&H Skandinavien, das auch in Deutschland zirkuliert: »C18 muss als bewaffneter Arm der Blood and Honour Bewegung agieren«. Gleichzeitig wird C18 als »Armee von Blood and Honour« bezeichnet und verkündet: »Das Konzept der Waffen-SS enthält alle Prinzipien (…), von (denen) wir unsere Inspiration zur Organisierung einer Legion arischer Gladiatoren beziehen müssen.« Während C18 in ihrem Ursprungsland Großbritannien nach Bombenanschlägen und blutigen internen Auseinandersetzungen mittlerweile fast bedeutungslos ist, müssen lokale Ableger wie Combat 18 Pinneberg in Bezug auf seine Radikalität und Gewaltbereitschaft durchaus ernst genommen werden.

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Kai Dalek und Didier Magnien – Geschichten aus dem bayerischen Geheimdienstsumpf

Das „aida-Archiv“ schreibt:

In den 1990er Jahren wurde Kai Dalek, seit 1987 Mitarbeiter des bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz, zu einem der einflussreichsten Neonazis in Süddeutschland. Didier Magnien, ebenfalls Mitarbeiter des bayerischen Verfassungsschutzes, war um die Jahrtausendwende in terroristische Aktivitäten der französischen und deutschen Neonaziszene verstrickt.

KAI DALEK – DER AUFHETZER

Der 1964 in Berlin geborene Kai Markus Dalek zog 1987 aus privaten Gründen ins oberfränkische Marktrodach-Oberrodach. In Berlin soll er für den dortigen Verfassungsschutz die linke Szene ausgespäht haben. Die dortige Behörde übergab ihren Mann nun ordnungsgemäß an die bayerischen Kolleg_innen. Wegen seiner „nationalen Einstellung“ zogen es diese vor, den Spitzel zukünftig in der rechten Szene einzusetzen. Bei Dalek dürfte es sich also nicht um einen klassischen „V-Mann“, sondern um eine Art „verdeckten Ermittler“ („VE“) des Verfassungsschutzes handeln. Der erste Weg führte den Agenten in die „Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front“ (GdNF) Michael Kühnens, die sich als „Arm der nationalsozialistischen Bewegung der neuen Generation in der Tradition der SA“ verstand. Bei öffentlichen oder internen Veranstaltungen der militanten Neonaziszene hatte er meistens seine Videokamera dabei und machte Aufnahmen, was ihn schnell zu einer bundesweit bekannten Figur machte. 1989 und 1990 gehörte Dalek schon zum Vorbereitungskreis der ersten Rudolf-Hess-Gedenkmärsche in Wunsiedel.

„Der Einblick“

Auch am Rande linker Demonstrationen tauchte Dalek mit seiner Kamera auf und übernahm 1990 die Leitung des „Antikommunistischen Aktionsbündnis“ (ANTIKO) in den Kreisen der GdNF. Die von Dalek und Co. propagierte Anti-Antifa-Kampagne sollte politische Gegner_innen bekämpfen und zugleich die eigene, zersplitterte Szene einigen. Hinter den Kulissen sorgte Dalek tatkräftig dafür, die Anti-Antifa-Aktivitäten der Neonazis auf ein neues Level zu heben: Der Geheimdienstler schleuste in Nürnberg eine „Nationale Block“-Aktivistin ins Umfeld des antifaschistischen Archivs Abidoz ein. Norman Kempken, Eberhard Hefendehl und Anderen half er, zum Jahreswechsel 1992/1993 die 40seitige Broschüre „Der Einblick“ zu veröffentlichen. Unter dem Titel „Organisiert die Anti-Antifa“ listeten sie 250 Antifaschist_innen und linke Einrichtungen auf, um diesen, so hieß es im Vorwort, „unruhige Nächte [zu] bescheren“. Die Herausgeber_innen des antifaschistischen Standardwerks „Drahtzieher im braunen Netz“ brachten die furchtbaren Konsequenzen der „Anti-Antifa-Kampagne“ in ihrem Buch 1996 auf den Punkt: „Gezielte Jagden und Mordversuche an aktiven Antifaschist_innen gehören in einigen Regionen bereits zum Alltag“.

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Militante Zellen in Bayern?

Via der „blick nach rechts“:

12.11.2014 – Diverse Zeugenaussagen belegen, dass es im Umfeld von „‘Blood&Honour‘-Franken“ bereits autonome Geheimgruppen gab.

Das militante Neonazi-Netzwerk „Blood&Honour“ lieferte Ende der 1990er Jahre in Fanzines nicht nur theoretische Vorlagen für einen führerlosen Rassenkampf im Untergrund, sondern war anscheinend zum Zeitpunkt des Verbotes im Jahr 2000 bereits damit beschäftigt auch Zellen aufzubauen.

2003 berichtete ein ehemaliges fränkisches Führungs-Mitglied von B&H, genannt „Pernod“ und Musiker bei der damaligen Vorzeigeband „Hate Society“, dem bayerischen Geheimdienst in einer „Selbstdarstellung“ von der Gründung einer Unter-Zelle namens „Strike Force“. Diese Kleinstgruppe von B&H schien in der strengen Hierarchie von Divisionen und Sektionen ganz unten angesiedelt. Sie seien zunächst als „Supporter-Stammtische“ gedacht gewesen, so der B&H-Mann. Nach einem Gewaltmarsch im Jahr 2000 habe er seine Gruppe dann in „Strike Force“ umbenannt.

Kleine unabhängig agierende „Kampfzellen“ aufbauen

„Strike Force war eine unabbhängige Truppe, eine eigene Zelle“ heißt es in dem geheimen „Geheft“ des Neonazis an das Landesamt. Er selbst führte die Zelle als „Sektionsleiter“ an. Der Einschätzung bayrischer Verfassungsschützer zufolge strebte der ehrgeizige Franke Ende der 1990er Jahre scheinbar höhere Posten in dem militanten Netzwerk an. „Pernod“ verfügte zu diesem Zeitpunkt bereits über Kontakt zum terroristischen britischen „Blood&Honour“-Ableger „Combat 18“ (C 18) und dessen Anführer William Browning. So besuchte die britische „C 18“-Gruppe im Kleinbus ein von „Pernod“ organisiertes Konzert im Juni 1999 in Franken – auf der Bühne stand unter anderem die Band „Stahlgewitter“. Deren Sänger Daniel Giese aus Meppen veröffentlichte als „Gigi“ 2010 den berüchtigten „Döner Killer“-Song über die neun Morde an Migranten.

Es sei aber nie geplant gewesen, die „Strike Force“-Mitglieder, die überwiegend aus dem Raum Unterfranken und Südhessen stammten, auch bei „Blood&Honour“ aufzunehmen. Sie stellten eine Art unterstützende Schutztruppe dar. Die „Führerdistanz“ zu den Untergebenen sollte gewahrt bleiben, die „Strike Forcer“ sollten sich beweisen müssen. Der Plan sei angeblich gewesen, kleine unabhängig agierende „Kampfzellen“ aufzubauen, die „Interessenten“ sollten eigenen „Ehrgeiz entwickeln“.

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Im Zentrum der Aktion „Konfetti“

Das „Antifa Infoblatt“ berichtet:

Michael Dolsperg alias V-Mann „Tarif“

Das Bundesamt für Verfassungschutz schredderte die Akte eines V-Mannes, der führender Neonazi in Nordthüringen war und Hinweise auf die untergetauchten, späteren NSU-Mitglieder gab.

Wer in die Wälder der schwedischen Provinz Värmland aufbricht, um dort eine der schillerndsten Figuren der früheren Thüringer Neonaziszene zu seinen Kontakten zum NSU-Trio zu befragen, kommt zu spät. Michael Doleisch von Dolsperg hat seinen Ökohof „Snaret“, was auf Deutsch „Gestrüpp“ heißt, verkauft. An einem anderen Ort in Schweden hat er jetzt einen Tischlereibetrieb aufgemacht. Ein neues Leben will er dort beginnen, wieder einmal. Aber die Vergangenheit lässt ihn nicht los — wohl schon bald wird ihn das Oberlandesgericht in München als Zeugen zum NSU-Prozess laden. Und auch ein neuer NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages, der immer wahrscheinlicher wird, dürfte sich für den langhaarigen, bärtigen Mann interessieren. Denn Dolsperg, der in den 1990er Jahren Michael See hieß und der führende Neonazi in Nordthüringen war, gehörte als V-Mann „Tarif“ zu den Topquellen des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) im Umfeld des NSU-Trios.

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Hessen: Rechtsterroristische Tendenzen

Teil 1: Ein Technischer Dienst als Partisanentruppe gegen den Kommunismus

Bereits in den ersten Jahren der jungen Bundesrepublik agierte in Hessen mit dem „Technischem Dienst“ (TD) eine terroristische Organisation, die von alten NS-Offizieren durchsetzt war. Der 1950 in Frankfurt gegründete TD war eine klandestine Unterorganisation des antikommunistischen „Bundes deutscher Jugend“ (BDJ).

Während sich der BDJ (nach Eigenaussagen 17.000 Mitglieder) nach außen in die Tradition der bündischen Jugend stellte, bereiteten sich die etwa 130 Mitglieder des TD auf einen Partisanenkampf vor. Diesen sollten die zahlreich im TD vertretenen ehemaligen Offiziere der „Luftwaffe des Heeres“ und der „Waffen-SS“ im Falle einer sozialistischen Regierungsübernahme oder eines Einmarsches sowjetischer Armeen in die BRD starten. Geleitet wurde der TD von Paul Lüth, einem ehemaligen Mitglied der „Waffen-SS“. Der Auftrag zum Aufbau des TD stammte jedoch vom US-amerikanischen CIA. Dieser versorgte den TD mit Geld (bis zu 50.000 Mark monatlich), Waffen und Bomben zur Durchführung von Brückensprengungen und Sabotageakten. Auch zahlreiche namhafte Firmen, wie Bosch, Salamander, Reemtsma, Coca-Cola und Sarotti sollen laut Geheimdienstangaben zu den Geldgebern gehört haben. Gleiches gilt für das Bundesministerium für Gesamtdeutsche Fragen.

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Von der Quotenforderung zum nationalen Pop

Ein Blick zurück ins Jahr 2005 mit dem grossartigen, aber leider viel zu früh verstorbenen Poptheoretiker Martin Büsser:

Kurz nach dem Mauerfall begann Deutschland, seine hässliche Fratze wieder offen zu zeigen. Anfang der 1990er verging keine Woche ohne rechtsradikale Brandanschläge auf Wohnheime und geschändete jüdische Friedhöfe. In diesem Zusammenhang rückte erstmals in die öffentliche Wahrnehmung, dass Rockmusik zunehmend zum Sprachrohr für diskriminierende, nationalistische und rassistische Inhalte geworden ist. Parolen wie »Nieder mit dem Misch-Masch-Blut, denn das tut dem Vaterland nicht gut« (Störkraft) haben den immer schon naiven Glaube erschüttert, dass Rock per se Rebellion gegen jegliche Autoritäten und damit tendenziell emanzipatorisch links sei. Die Medien reagierten auf solche Extremformen des sogenannten Rechtsrock mit Empörung, Bürger und Politiker gingen gemeinsam gegen rechte Gewalt auf die Straße, bildeten Lichterketten. Während Extremismus und rechte Gewalt nahezu einhellig abgelehnt und sehr schnell auf das stereotype Bild des pöbelnden Skinheads projiziert wurden, mehrten sich zugleich die Stimmen aus der gesellschaftlichen Mitte, die einen neuen, »normalen« Umgang mit Patriotismus und Nation forderten. Popkultur spiegelte diesbezüglich das alle kulturellen und gesellschaftlichen Bereiche durchdringende Zusammenspiel aus Fremdenangst (»Das Boot ist voll«) und Neubewertung des Nationalen wider.

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Runen und Männer, Kunst ist Kunst? oder die Normalisierung faschistischer Ästhetik in Leipzig

Ein Nachtrag zur Debatte um verschiedene Neofolk-Konzerte mit eindeutig rechten bis neonazistischen Hintergrund im vergangenen Jahr in der Leipziger „Theaterfabrik“:

Am 4. und 5. Oktober wird in der Theaterfabrik Leipzig das Festival „Runes & Men” stattfinden. Ein weiterer Anlass für einen eingehenden Blick auf die rechte Neofolkszene, ihre Netzwerke und Locations. Ein weiterer Anlass die Absage derartiger Kulturveranstaltungen zu fordern und an die gesellschaftliche Verantwortung von Kultur zu appellieren.

Nachdem in der Theaterfabrik rechtsoffenen Neofolk-Bands schon des öfteren eine Bühne geboten wurde, soll dies im Rahmen von „Runes & Men“ geballt geschehen. Schon der Name des Festivals ist Programm: „Runes & Men“ (1) ist der Titel eines der bekanntesten und beliebtesten Songs von Death in June (DIJ), die wiederum eine der zentralen rechten Neofolk-Bands ist (2). Im Refrain des Liedes heißt es u.a.: „I drink a German wine And drift in dreams of other lives And greater times“. (“Ich trinke einen deutschen Wein und schwelge in Träumen von anderen Leben und besseren Zeiten.”)

Beim ersten „Runes & Men“-Festival im Dezember 2012 in Dresden gab sich die Band mit ihren von „größeren, deutschen Zeiten“ träumenden Frontman Douglas Pearce auch selbst die Ehre (3) . Ein Jahr zuvor war die Band im Rahmen ihrer Tour zum 30. Jubiläum ebenfalls in Dresden aufgetreten, damals aber noch konspirativ organisiert. Auf solche Heimlichkeit glaubt die Szene inzwischen offenbar verzichten zu können.

In Leipzig wird Death in June zwar fehlen, doch das Line-up dürfte Fans neurechter Ideen und faschistischer Ästhetik nichtsdestotrotz hinreichend Grund zur Freude bieten. Auf der Bühne wollen sich an jenem Oktoberwochenende u.a. die Bands Sol Invictus, Darkwood und Sonne Hagal ein Stelldichein geben, Bands, die in der rechten Neofolkszene wohlbekannt und -beliebt sind. Alle drei Bands präsentierten in der Vergangenheit immer wieder ästhetische und inhaltliche Anleihen an den Faschismus, die nicht kritisch kontextuiert und kommentiert wurden. So schaffen sie eine Grauzone, die Anknüpfungspunkt sowohl für Menschen mit romantisch-antimodernen Weltbild als auch für Neonazis ist. Musik und Bühnenshows verschaffen diesen Identifikations- und Vergemeinschaftsungsangebote – von elitären Überlegenheitsphantasien bis hin zu reaktionären und autoritären Utopien.
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„Reisegruppe Brandt“ offenbart erneut neonazistisches Netzwerk

Das „Bundespresseportal“ schreibt:

(BPP) Vor dem Hintergrund der Berichte der „Welt am Sonntag“ über einer Reise bundesdeutscher Neonazis nach Südafrika, fordern MdL Katharina König und MdB Martina Renner, ehemalige Mitglieder der Landtagsfraktion DIE LINKE im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss: „Dringend geklärt werden muss, welche Informationen über Aufenthalte und Waffentraining bundesdeutscher Neonazis, darunter auch V-Leute, in Südafrika beim Bundesnachrichtendienst (BND), beim Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und gegebenenfalls ausländischen Geheimdiensten vorlagen und ob diese Informationen, sofern sie auch im Kontext der NSU-Aufklärung Relevanz haben, den Untersuchungsausschüssen vorgelegt wurden.“

Es sei keine Neuigkeit, dass Tino Brandt sich mehrfach in Südafrika aufhielt und dort Schießübungen stattfanden. Diese Informationen habe es bereits seit Anfang der 2000er Jahre bei antifaschistischen Gruppen – auch in Thüringen – gegeben und sie seien von diesen öffentlich und in Publikationen thematisiert worden. König widerspricht ausdrücklich den Aussagen anderer Mitglieder des Thüringer Untersuchungsausschusses, dass die Informationen über die Reise des Tino Brandt nach Südafrika dem Untersuchungsausschuss im Thüringer Landtag nicht vorgelegen hätten. „Ebenso ist die Gewalttätigkeit Brandts durch die Aktenkenntnisse insbesondere aus den Dokumenten der Thüringer Justiz ersichtlich gewesen“, betont König und verweist exemplarisch auf einen Überfall in Gräfenthal, an dem Tino Brandt beteiligt war.

Entscheidender seien jedoch, so König und Renner, die Zusammenstellung der nun in Rede stehenden neonazistischen Reisegruppe um Tino Brandt und deren Verbindungen zum NSU, zum Unterstützerumfeld und zum neonazistischen Netzwerk „Blood & Honour“. Martina Renner dazu: „Organisiert durch das extrem rechte Netzwerk ‚Hilfskomitee Südliches Afrika‘ reisten im Oktober 1999 – wenige Wochen, nachdem Claus Nordbruch, über den die Flucht des untergetauchten Trios nach Südafrika organisiert werden sollte, in Thüringen zu Vortragsveranstaltungen war – 17 Personen nach Südafrika. Neben Tino Brandt nahmen an der Reise weitere bundesweit aktive rechte Kader und Führungspersonen teil, über welche sich erneut die neonazistischen Netzwerke offenbaren und bei denen teilweise von einem Kennverhältnis zu wichtigen Personen aus dem NSU-Unterstützerumfeld ausgegangen werden muss.“

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NSU-Mordserie: Bundestag befragt Hamburgs Verfassungsschutzchef

Das „Hamburger Abendblatt“ schreibt:

Bei den Beratungen zur NSU-Mordserie hofft der Innenausschuss in Berlin durch Torsten Voß auf „Informationen aus erster Hand“ zu einer CD, die schon 2006 in der Neonazi-Szene kursierte.

Hamburg. Das Titelbild der Datei zeigt eine Pistole. Und eine Aufschrift: „NSU/NSDAP“. Laut Begleittext handelte es sich bei dem Datenträger um „die erste umfangreiche Bilddaten-CD des Nationalsozialistischen Untergrunds der NSDAP (NSU)“. Ein Informant des Hamburger Verfassungsschutzes hatte die auf einer DVD abgespeicherten Dateien im Februar der Behörde übergeben. Seit Bekanntwerden der DVD hat die bundesweite Debatte über Verbindungen des rechtsterroristischen NSU zu Mitgliedern der Neonazi-Szene an Fahrt zugenommen.

Am 24.September soll nun der Chef des Hamburger Landesamts für Verfassungsschutz (LfV), Torsten Voß, im Innenausschuss des Bundestags Auskunft geben über die Datei und deren Herkunft. Denn der Hamburger Informant hatte die DVD nach eigenen Angaben 2006 zugeschickt bekommen – von Thomas R., Deckname „Corelli“, V-Mann des Bundesamts für Verfassungsschutz. Er starb überraschend wenige Wochen nach Bekanntwerden der DVD, laut Polizei erlag er seiner Diabeteskrankheit. Fest steht, dass R. Kontakte zur Thüringer Neonazi-Szene hatte, aus der Ende der 1990er-Jahre der NSU erwuchs, der für zehn Morde verantwortlich sein soll. „Corelli“ konnte zur DVD nie befragt werden. Es bleiben Spekulationen über dessen Tod. Und es bleibt der Informant.

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Bizarrer Nazi-Roman soll NSU-Plan verraten

„Hajo Funke“ schreibt auf seinem Blog:

Hat das NSU-Trio seine Serie von zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen allein geplant und ausgeführt oder gab es eine übergeordnete Struktur mit einem strategischen Plan? Die Ermittler gehen bisher davon aus, dass das Trio die Taten allein beging. Das aber will das Oberlandesgericht (OLG) München im Prozess gegen Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte jetzt offenbar kritisch hinterfragen.

Alle Videos zum NSU-Prozess finden Sie hier

Denn das Gericht hat vor der Sommerpause ein ungewöhnliches Beweismittel in den NSU-Prozess eingeführt, das ab der nächsten Sitzung am 4. September im Prozess erörtert wird – einen Roman, der auf mehrfache Weise mit dem NSU verknüpft ist. Verblüffend sind vor allem personelle Verflechtungen zwischen dem Autor und dem NSU-Umfeld, die eine ganz andere Vermutung nahelegen könnten: dass nämlich das Trio in eine weit verzweigte, womöglich internationale Struktur eingebunden gewesen sein könnte.

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