Archiv der Kategorie 'Grauzone'

Brücke in die Neonazi-Szene

Quelle: Blick nach Rechts

07.08.2018 – Die Gruppe „Martens Army“ ließ bislang Berührungsängste mit Rechtsrock-Bands zwar vermissen, galt aber nicht als rechtsextrem. Mitte September wollen die „Oi!“-Rocker ein Konzert mit den Band „Prolligans“ und „Oi!ropäer“ ausrichten.

Am 15. September wollen „Martens Army“ zusammen mit den „Prolligans“ und „Oi!ropäer“ in Thüringen auftreten. Die Tickets sollten dem Flyer nach auf 150 limitiert sein. Doch schon nach rund zehn Tagen erwägen „Martens Army“ das Kontingent zu erhöhen, nachdem bereits 100 Karten für die so genannte „Night of Oi!“ in Sondershausen verkauft worden sein sollen, wie mitgeteilt wird.

„Wir sind eine junge bühnenhungrige Oi-Punk Band aus dem schönen Sondershausen“, heißt es harmlos auf einer Website über die „Oi!ropäer“. Man habe Spaß an der Musik und wolle Menschen damit begeistern. Bier soll es auch geben, Geld stehe nicht im Vordergrund. Allerdings erschien das jüngste Album von „Oi!ropäer“ beim Musiklabel „Subcultural Records“. Das Projekt versucht offenbar gezielt, eine sich als nicht-rechts verstehende Musikszene mit Neonazi-Bands zusammen zu bringen. Dahinter steht der Allgäuer Plattenproduzent Benjamin Einsiedler, der auch das einschlägige Neonazi-Label „Oldschool Records“ betreibt und zugleich als Führungsfigur der größten bayerischen Skinhead-Kameradschaft „Voice of Anger“ gilt. (bnr.de berichtete)

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Internationales RAC-Spektakel in Blackpool

Quelle: Blick nach Rechts

30.07.2018 – Großbritannien (Blackpool) – Das Seebad Blackpool in der Grafschaft Lancashire soll am Samstag Schauplatz für ein Konzert rechtsnationaler Skinheads sein.

Seit Jahren feiern Punks am ersten August-Wochenende ausgelassen in Blackpool, doch seit 2014 setzen Neonazis einen musikalischen Gegenakzent als Provokation. Dafür haben sie sich in der Stadt einen Klub ausgesucht, in dem sich auch schon die „British National Party“ für eine Konferenz getroffen hat.

In diesem Jahr sind am 4. August als RAC-Bands unter anderem „Code 1“ aus London, „Adverse Society“ mit Sänger Clive Thompson aus dem Raum Newcastle sowie „The Tenderizers“ aus dem belgischen Brügge,und „Combat BC“ aus Köln angekündigt. Am 31. März hatten „Combat BC“ und das Quintett aus Brügge bereits ein gemeinsames Konzert im belgischen Wingene bestritten, zu dem eigens ein gecharterter Bus mit Besuchern aus Deutschland gefahren ist.

In den Jahren zuvor steckte mit Jade Griffiths auch eine „Blood&Honour“-Aktivistin in den Event-Vorbereitungen für Blackpool. So verwundert es nicht, dass dadurch auch einschlägige RAC- und Neonazi-Bands wie die inzwischen aufgelösten „Pitbullfarm“ (Schweden) sowie die britischen Gruppen „Pressure 28“, „No Quarter“ oder „Tattooed Motherfuckers“ dort aufspielten. (hf)

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Rechts angehauchter Neofolk

Quelle: Blick nach Rechts

In Leipzig soll am 23. Juni wieder das eintägige Event „Fire & Sun“ stattfinden. Beliebt ist die Veranstaltung besonders bei neurechter Klientel.

Das „Fire & Sun“-Festival dürfte wieder Anhänger der Neuen Rechten anziehen; (Screenshot)
Den 23. Juni haben vermutlich wieder zahlreiche Aktivisten und Anhänger der Neuen Rechten in ihrem Terminkalender notiert. Vor dem Hintergrund, dass offenbar viele Rechtsintellektuelle, oder die sich dafür halten, auf ihre Art eine Vorliebe zum Neofolk, Darkwave und Industrial pflegen, dürfte wie in den Jahren zuvor das eintägige Event „Fire & Sun“ in Leipzig einmal mehr zur Pilgerstätte für neurechte Klientel werden.

2016 hatte es beispielsweise den neurechten Verleger und Vordenker Götz Kubitschek und seine Frau Ellen Kositza zu diesem eintägigen Festival gezogen. Sie nahmen dafür eine etwa einstündige Fahrt bis nach Leipzig in Kauf. Andere legen eine weitaus größere Anreise zurück, um im Schlosspark von Knauthain dabei zu sein. Das Meeting der rechts angehauchten Darkfolk- und Darkambient-Anhänger hat inzwischen eine überregionale Anziehungskraft und wird dementsprechend bereits viele Monate vorher beworben und mit einem Ticketvorverkauf ausgestattet. Als Veranstalter tritt die „Equinoxe Organization“ aus Leipzig auf, die sich seit Jahren als unpolitisch bezeichnet – ein Rechtfertigungsschema, das auch vielfach in der „Oi!“-Punk-Szene nur allzu bekannt ist.

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Der Sound der Heimat

Quelle: Junge Welt

Vorabdruck. In der Popkultur ringt die Rechte erfolgreich um Hegemonie. Wie das funktioniert, lässt sich mit Gramsci erklären

Markus Metz und Georg Seeßlen: Der Rechtsruck. Skizzen zu einer Theorie des politischen Kulturwandels. Verlag Bertz und Fischer, Berlin 2018, 240 Seiten, 12 Euro

In diesen Tagen erscheint im Berliner Verlag Bertz und Fischer von Markus Metz und Georg Seeßlen das Buch »Der Rechtsruck. Skizzen zu einer Theorie des politischen Kulturwandels«. Wir veröffentlichen daraus stark gekürzt und mit freundlicher Genehmigung von Verlag und Verfassern das Kapitel »Popgida: Der Kulturkampf in der Popkultur«. (jW)

Beim Verständnis von Rechtsextremismus hat man sich seit den neunziger Jahren davon verabschieden müssen, die beiden wichtigsten Indikatoren für dessen gesellschaftliche Wirkung zum einen im Erfolg der rechtsextremen Parteien zu sehen und zum anderen in einer mehr oder weniger festen, identifizierbaren neofaschistischen Jugendbewegung. Während die eine Seite das »schweigende« Potential der bürgerlichen Rechtsextremen repräsentierte, das sich im normalen Leben nicht unbedingt anders als durch eine im Alltäglichen verborgene Niedertracht zu erkennen gab, stand die andere für einen aktionistischen Teil, dem es gelang, ländliche und urbane Räume zu besetzen. Zeichen des Rechtsextremismus, Moden und Verhaltensweisen waren dabei auch für Jugendliche attraktiv, die sich mit der »Ideologie« der Rechten nicht weiter beschäftigten. So gab es junge Menschen, die aussehen wollten wie Nazis, ohne tiefer über Ideologie nachzudenken, und ältere Menschen, die faschistisch dachten, aber unbedingt nicht nach Nazi aussehen wollten.

Die Verbindungen zwischen beiden Szenen waren evident, bildeten doch »Kameradschaften« und Skinheads »Ordnungsdienste« bei Veranstaltungen der rechtsextremen Parteien oder wurden zu anderen Diensten herangezogen. Umgekehrt speiste sich die rechte Subkultur auch von den finanziellen und organisatorischen Zuwendungen der Parteien. Zwischen der traditionalistischen Parteienorganisation und der jugendlichen Subkultur hatten sich indes schon lange Überschneidungen gebildet, ganz allgemein rechte Lebensstile, Dresscodes, Sprachformen und Zeichen, die in die verschiedensten, dafür empfänglichen Szenen und Kulturen eindrangen. Zunächst war »Rechtsrock« oder »Nazirock« ein Angebot für einen direkten Bruch mit dem Mainstream nicht nur im Pop.

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Südtiroler Band Frei.Wild: Ein einfaches Identitätsangebot

Quelle: Deutschlandfunk Kultur

Eine Rechtsrock-Band sei Frei.Wild zwar nicht, aber problematisch seien ihre Botschaften allemal. Das sagt Thorsten Hindrichs, Experte für Jugendkulturen. Genau darin liege aber gleichzeitig der deutschlandweite Erfolg der Band.

Frei.Wild ist eine Deutschrock-Band aus der Gemeinde Brixen in Südtirol (Italien). Seit 2002 veröffentlicht die Gruppe Alben, im Jahr 2008 haben sie schließlich ihren Durchbruch, verkaufen massenhaft Platten und spielen in großen Hallen, auch in Deutschland. Auch das neue Album „Rivalen und Rebellen“ ging sofort auf Platz eins der deutschen Charts. Dabei sind Frei.Wild immer wieder gut für Skandale. Kritiker halten sie für rechtsradikal.

Warum sind sie trotzdem so erfolgreich? „Frei.Wild machen ein Identitätsangebot“, sagt Thorsten Hindrichs, der das Forschungsprojekt „Musik und Jugendkulturen“ an der Uni Mainz leitet. „Für Menschen, die darum ringen, wo sie herkommen, wer sie sein wollen und wie das mit ihrer Identität bestellt ist – und da bieten Frei.Wild mit ihrem positiven Bezug auf ihr Heimatkonzept ein sehr einfaches Angebot an.“

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„Wir gegen sie“: Ein Gespräch über Rechtsrock

Quelle: Badische Zeitung

Die Wochen gegen Rassismus widmen sich dem Rechtsrock. Experte Michael Weiss erklärt, warum die Übergänge zwischen Mainstreambands wie Freiwild und neonazistischer Ideologie fließend sind.

Am Dienstag, 13. März, hält der Journalist und Rechtsrock-Experte Michael Weiss in Freiburg einen Vortrag über „Rechtsrock und Grauzonenbands“. Hier spricht er über fließende Übergänge zwischen Mainstream und neonazistischer Ideologie.

Der Sonntag: Herr Weiss, bei Interviews drucken wir in der Regel die Fotos unserer Gesprächspartner ab – das aber haben Sie abgelehnt. Warum?

Weiss: Da bitte ich um Verständnis, aber ich recherchiere seit vielen Jahren in neonazistischen Szenen und habe es dort mit militanten Neonazis zu tun. Für meine Sicherheit und Bewegungsfreiheit ist es daher förderlich, wenn es keine öffentlichen Bilder von mir gibt.

Der Sonntag: Popkultur galt einst als progressiv und emanzipatorisch. Diese Zeiten sind vorbei, längst hat sie sich nach rechts geöffnet: Das zeigt die Band Freiwild, die im April in Freiburg auftritt.

Weiss: Die Übergänge zwischen Mainstream und neonazistischen Ideologien sind fließend, hier gibt es sicher eine Grauzone. Außerdem halten sich rechte Inhalte nicht an Genregrenzen – es geht hier längst nicht mehr nur um Rockmusik, sondern um ein Lebensgefühl, eine politische Einstellung.

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Loipos

Via „Leftside TV“:

So.
Da müssen wir doch noch mal auf dieses Zusammenrottung Festival zu sprechen kommen was in der Chemiefabrik Dresden (Chemo) stattfinden soll.
Man sollte sich das Lineup immer 2 mal anschauen. Da haben wir doch glatt eine Band übersehen und zwar The Loipos.
Die machen Oi!, bestimmt unpolitisch, ganz klar gegen Rechts, halt einfach Skinheadrock für die Arbeiterklasse… wüüüüüürg!
Schaut man sich das Profil der Loipos mal genauer an, merkt man ganz schnell das es eben nicht nur Unpolitischer Skinheadrock ist.
Im Januar haben the loipois in Polen gespielt, mit der Naziband „The Junkers“, die teilen gerne mal so Anti-Antifa zeug und Posten Lieder von Nazibands! Man schaut kurz auf die Seite von Junkers und man wird sofort fündig und merkt was da abgeht. The Loipos haben also ganz genau gewusst mit wem sie dort auf der Bühne stehen. Mit knallharten Faschodeppen!
In diesem Sinne, The Loipos absagen!
Nazipunx and Naziskins fuck off!

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Rechtslastige „Nacht der Subkulturen“

Quelle: „Blick nach Rechts“

19.02.2018 – Im Juni sollen auf einer Tattoo Convention im hessischen Alsfeld Bands mit extrem rechten Verbindungen auftreten. Angekündigt dafür waren zunächst auch die „Birdmountain Bootbois“, die aber wieder aus dem Programm genommen wurden.

Unter dem Motto „Night of subcultures“ waren einem Bericht des Rechercheblogs „Allgäu rechtsaußen“ zufolge für einen Auftritt Anfang Juni in der Hessenhalle in Alsfeld die Bands „Birdmountain Bootbois“, „Martens Army“, „Extrem Unangenehm“ und „Restrisiko“ angekündigt. Sämtlich weisen sie Verbindungen zur extrem rechten Szene auf. Ein ehemaliges Mitglied der letztgenannten Gruppe, die sich selbst dem Punkrock zuordnet, soll später zu den Berliner Rechtsrockern „Kraft durch Froide“ ans Schlagzeug gewechselt haben. Die Bandmitglieder von „Extrem Unangenehm“ sollen sich teils aus Rechtsrock-Bands wie „Gegenschlag“ oder „Rachezug“ rekrutieren, wie etwa das „Lotta Magazin“ berichtet. Auch „Martens Army“ gelten Szene-Experten als eindeutig rechte Band.

Die „Birdmountain Bootbois“ stammen aus dem Umfeld der Alsfelder Skinheads. Deren Sänger zeigt wie einige seiner Fans stolz seine Tattoos mit bei Neonazis beliebten Runensymbolen, ihr Bassist posiert im Shirt der wohl dienstältesten deutschen Rechtsrock-Band „Endstufe“. Seit knapp einem Jahr firmiert die Truppe als Labelband von „Subcultural Records“. Das Label gibt sich betont subkulturell und erweist sich als Versuch, eine vorgeblich unpolitische Musikszene mit eindeutigen Rechtsrock-Bands zusammenzubringen und nebenbei neue Absatzmärkte zu erschließen. „Subcultural Records“ ist ein Nebenprojekt des klar neonazistisch ausgerichteten Musiklabels „Oldschool Records“. Der Betreiber beider Projekte gilt als Führungsfigur der rechtsextremen Skinhead-Szene im Allgäu.

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KULTURZENTRUM NIMMT RECHTE OI-BAND AUS DEM PROGRAMM

Quelle: „Allgäu rechtsaussen“

Die Birdmountain Bootbois dürfen in Kulturzentrum nicht auftreten, weil sie zu einem Neonazilabel aus dem Allgäu gehören.

Ende März wollten die Birdmountain Bootbois unter dem Motto »Von Froinden für Froinde« im Kulturzentrum Sägewerk im hessischen Schwalm-Eder-Kreis auftreten. »Love Music. Hate Fascism«, heißt es auf dem Flugblatt zum Festival, das im Internet kursiert.

Die Birdmountain Bootbois, kurz BMBB, stammen aus dem Umfeld der Skinheads Alsfeld. Deren Sänger zeigt wie einige seiner Fans stolz seine Tattoos mit bei Neonazis beliebten Runensymbolen, ihr Bassist posiert auf von der Band im Internet verbreiteten Photos im Shirt der wohl dienstältesten deutschen Rechtsrock-Band Endstufe, wie das Titelbild dieses Beitrags zeigt. Die Band arbeitet nach eigenem Bekunden aktuell an einem neuen Album und firmiert seit knapp unter einem Jahr als Labelband von Subcultural Records, das der Neonaziszene im Allgäu zuzurechnen ist.

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Abgeordnete über Abwehr rechter Bands: „Es geht nicht um Verbot oder Zensur“

Quelle: taz

Die Bremer Bürgerschaftsabgeordnete Kai Wargalla will jenseits von Verboten eine Regelung, um rechtsradikale Inhalte bei Konzerten zu unterbinden.

taz: Wenn man vertraglich festlegt, dass verfassungsfeindliches Auftreten von Musikgruppen nicht möglich sein soll, öffnet das ja ein weites Feld: Das könnte genauso gut linke, anarchistische Bands treffen.

Kai Wargalla: Tut es ja nicht. Wir reden hier bei Freiwild über eine Grauzonen-Band, bei der man einfach mal die Texte angucken muss, um zu sehen, dass sie nationalistisch und antisemitisch sind. Ich finde nicht, dass wir das in irgendeiner Weise unterstützen sollten.

Grauzone ist ein gutes Stichwort: In einer Grauzone ist es schwer festzustellen, ob nur die Grenzen des guten Geschmacks überschritten werden oder Schwerwiegenderes.

Das mag für die Fans schwer zu erkennen sein, es ist aber eindeutig, dass Freiwild mit nationalistischen und antisemitischen Symbolen und Bildern spielt. Das ist der Unterschied, den anscheinend viele nicht verstehen wollen: Dass es natürlich nicht um ein Verbot geht. Denn ein Verbot kommt nur bei strafrechtlich relevanten Dingen infrage. Unterhalb dieser Schwelle wird nichts verboten. Das ist total in Ordnung. Das bedeutet aber nicht, dass diese Band nicht völkisch und antisemitisch ist. Das erkennt man, das ist vielfach belegt, das muss man als Land nicht unterstützen.

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Rechtslastige „Nacht der Subkulturen“

Quelle: Allgäu Rechtsaußen

Im Juni sollen Bands mit rechtsradikalen Verbindungen auf einer Tattoo Convention auftreten. Ein Organisator war Nazi-Skinhead der ersten Stunde. Inzwischen habe er sich einer unpolitischen Szene zugewandt.

»Durch die Tattoo-Convention haben wir viele Menschen an einen Ort zusammengeführt und da wollten wir in diesem Rahmen einfach etwas Gutes tun und diese Chance nutzen«, erklärte Thorsten Krekeler zwei Wochen nach der ersten zusammen mit seiner Frau Michaela Krekeler organisierten Tattoo Convention in der Alsfelder Hessenhalle im Juni 2017 gegenüber Oberhessen Live. Insgesamt zwei Spendenboxen sollen die Veranstalter im letzten Jahr zum Sammeln von Spenden auf ihrem Tattoo Event verteilt haben. Die dadurch gesammelten 800 Euro übergab man öffentlichkeitswirksam der Kinderkrebshilfe Strahlemännchen e.V.

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Böhse-Onkelz-Coverband: Junger Grüner sorgt für Konzert-Absage

Quelle: Hessenschau

Eine Böhse-Onkelz-Coverband darf nicht in Darmstadt auftreten. Obwohl sie sich gegen Rassismus sowie rechte und linke Gewalt ausspricht, sorgte ein junger Grünen-Politiker mit einer Neonazi-Warnung für den entscheidenden Anruf aus dem Büro des grünen Oberbürgermeisters.

Eigentlich wollte die Böhse-Onkelz-Coverband „Stainless Steel“ an diesem Freitag in der Darmstädter Böllenfalltorhalle ein Konzert spielen. Rund 600 Karten waren schon verkauft, berichtete Ralf Wanka vom Veranstalter „The Fun Company“. Mit Kurzentschlossenen und der Abendkasse hatte er gehofft, auf 1.000 Besucher zu kommen. Unter den Onkelz-Coverbands ist „Stainless Steel“ immerhin eine der ältesten und bekanntesten, die die Stücke der Original-Onkelz nachspielen.

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Subcultural Records – Musik für unpolitische Neonazis

Quelle: Antifa Infoblatt

„Das für den 28.10.2017 geplante ,Oi! im Gau‘ fällt aus, da wir auf einmal nicht mehr ins kulturelle Programm der Stadt passen“, jammert die Band „Prolligans“ am 21. Juli 2017 unter der Überschrift: „Viel Feind, viel Ehr“ auf Facebook. Natürlich sei man davon „nicht sonderlich beeindruckt oder von künftigen Planungen“ abgehalten. Keine zwei Wochen später berichtet die Band von ihrem nächsten Rückschlag: „Das Konzert fällt für uns flach, da wir auch diesem Veranstalter nicht angepasst genug sind“. Am 27. Januar 2018 wollten die „Prolligans“ zusammen mit den Bands „Bombecks“ und „Loi!chtfeuer“ beim „Live im Woodys“ in Schleiz in Thüringen auftreten.

Sebastian Lipp
Die seit 2004 in unterschiedlichen Besetzungen aktiven „Prolligans“ vermitteln nach außen gerne den Eindruck einer unpolitischen Oi!-Combo. Tatsächlich handelt es sich um ein RechtsRock-Bandprojekt, das auf eindeutige Aussagen verzichtet. Mehrere Mitglieder der Kapelle aus dem Allgäu und Oberschwaben spielen zugleich in anderen einschlägigen RechtsRock-­Bands wie „Faustrecht“, „Hard As Nails“ und „Smart Violence“ mit.

Rechts-Rock-Label

Sämtlich wurden diese Bands von „Oldschool Records“ produziert und vertrieben. Das ist kein Zufall. Benjamin Einsiedler, der Betreiber des Allgäuer RechtsRock-Platten­label „Oldschool Records“ (OSR), versucht sich seit 2014 mit seiner Label-Ausgründung „Subcultural Records“ (SCR) neue Absatzmärkte zu erschließen. SCR gibt sich betont subkulturell und sucht Anschluss an Oi!-Skins. Das Projekt erweist sich als ein Versuch, diese vorgeblich unpolitische Skinhead-Szene mit eindeutigen RechtsRock-Bands zusammenzubringen.

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Wie Klaus Farin zum Böhsen Onkel wurde

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Der korrekte Kampf gegen rechts und sein tollstes Opfer: Wie Klaus Farin, linker und langhaariger Experte für Pop- und Jugendkultur, plötzlich „problematisch“ wurde.

Skinheads, die Älteren werden sich erinnern: Das waren Jugendliche, die freiwillig Glatze trugen. Überwiegend Jungs. Wenn Mädchen dabei waren, hatten sie ihre Haare so wie heute nur noch der Sänger Paul Weller, oben Igel und an den Schläfen lang, was vielen von ihnen aber immer noch besser stand als Weller.

Das letzte Mal Schlagzeilen gemacht haben Skinheads vor ein paar Jahren, als einige in Berlin-Friedrichshain der Antifa in die Hände gerieten, irrtümlich: Es hatte sich bei den Skins um homosexuelle Männer gehandelt, die auf dem Weg zu einer Fetisch-Party waren und mit der Art von Skins, um die es den antifaschistischen Kampfgruppen ging, so viel zu tun hatten wie die Mitglieder der Village People mit Cowboys und Indianern. Aber das harte Image hatte Gründe. Skinheads standen im Ruf, gewaltfreudig und rechts zu sein, was viele von ihnen auch waren. Jedenfalls diejenigen, die nicht gewaltfreudig und links waren. Oder nur gewaltfreudig. Oder nicht mal das.

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Nazipunk in Sachsen – zwischen Subkultur, Kameradschaftsszene und NSU

Quelle: Don‘t call it music

1994 in Riesa gegründet, ist “Selbststeller” eine der dienstältesten Nazibands in Sachsen. Ähnlich wie die ebenfalls aus Riesa stammenden Nazibands “Die Weissen Riesen” und “Bürgerwehr” kann man die Rechtsrocker von “Selbststeller” dem internationalen “Blood & Honour”-Netzwerk zuordnen. Regional ist die Band an die Kameradschaft “Bootboys Riesa” angebunden, die ebenfalls seit den Neunziger Jahren besteht. Deren Kürzel “22” (“BB”) findet man auf Kleidung und CDs der Band, die ihre Musik selbst als “Zankrock” bezeichnet.

Sänger der Naziband “Selbststeller” ist der langjährig aktive Neonazi Axel T. aus Riesa. Die erste Gitarre spielt der ebenfalls aus Riesa stammende Berufssoldat Nico H., am Schlagzeug sitzt Volker H.. Den Bass spielt seit einigen Jahren Teresa R. (geborene T.) aus dem ostsächsischen Wilthen. Ihr Ehemann Morris “Miesl” R. war bis Anfang 2017 zweiter Gitarrist. Er wurde im Frühjahr 2017 durch den Neonazi Tom H. aus Riesa ersetzt.

“Selbststeller” sehen sich selbst zwar selbst als Punkrock-Band und sind dadurch auch innerhalb der oft als “Graunzone” bezeichneten rechtsoffenen Szene beliebt, ihre Texte sprechen allerdings eine klare Sprache. Auf ihrem im Jahr 2010 beim Nazilabel “OPOS Records” erschienenen Album “Bumm Bumm Rattatta Klick Klack Peng” heißt es etwa in dem gleichnamigen Lied, das sich drohend gegen Geflüchtete richtet: “Wir treten euch entgegen mit Wort und Ton, doch es bleibt nicht bei Gitarre, Schlagzeug, Bass, Mikrofon, denn wir befreien die Nation aus euren Fängen mit Bumm Bumm Rattatta Klick Klack Peng.”

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9./10.12.2017 Berlin: Zweimal rechtsrockaffine Konzerte in Friedrichshain und Lichtenberg?

Quelle: RASH Berlin-Brandenburg

Morgen Abend soll mitten in Berlin-Friedrichain ein stark bräunliches Oi-Konzert im „Abgedreht“ (https://www.facebook.com/abgedreht.klub/) stattfinden (siehe: https://www.facebook.com/events/1728252917468665/?ti=cl). Wir bitten Euch alle dem Abgedreht auf Ihrer Facebook-Seite mal ordentlich die Meinung zu sagen! Das Konzert gehört definitiv abgesagt! Smash the RAC! Infos zur Band findet Ihr u.a. hier und hier.

Am Samstag soll in der „Bunten Kiste“ am Roederplatz in Lichtenberg übrigens ein weiteres rechtsoffenes/RAC-affines Konzert stattfinden. Die „Do Oi! Yourself-Crew“ lädt zum mittlerweile 6.Mal zum Tanze ein (siehe: https://www.facebook.com/events/125195058219336/?ti=cl). Wie bereits in der Vergangenheit sollen auch dieses mal wieder Rechtsrockfreunde auf der Bühne stehen. „The Repeaters“ sind auf ihrem Facebookprofil mit T-Shirts von einschlägigen RAC-Kapellen wie „Condemned 84″ oder „Short Cropped“ zu sehen. Die Band „Schuldspruch“ aus Berlin hatte wiederum keine Problem in der Vergangenheit Rechtsrockkonzerte mit Bands wie „Bombecks“, „Martens Army“ oder den „Roials“ zu spielen. Auch hier rufen wir unsere Leser*innen dazu auf Beschwerdemails an die „Bunte Kiste“ oder die Lokalpolitik zu schreiben! Kein Raum für Rechtsrock und Mimikri-Nazis – nirgendwo!

Dennis “Denny” S. – von der Skinhead-Krake zum NS-Hardcore-Kid

Der am 19. November 1973 geborene und im Raum Mansfeld (Sachsen-Anhalt) lebende Dennis S. war in den Neunzigern vor allem als Sänger der “unpolitischen” Oi-Band “Kampfzone” bekannt. Gemeinsam u.a. mit Holm G. (Schlagzeug) bestritt “Denny” zahlreiche Konzerte in der Grau- und Braunzone.

Holm G. war früher bei der Oi-Band “Restrisiko” aktiv und an der Gründung des Labels “Bandworm Records” aus Magdeburg beteiligt, stieg allerdings nach einiger Zeit aus dem Vertrieb aus. Später spielte G. bei “Last Riot” um Rene S. aus Köthen und – zusammen mit Dennis S. – bei der Naziband “Commieknockers”, die sich bald in “Strongside” umbenannte. Aktuell sitzt Holm G. bei der Berliner Naziband “Kraft durch Froide” am Schlagzeug.

Dennis S. wirkte auch in den Bands “Hässlich” und “Hate Soldiers” mit. “Hate Soldiers” war die Band von Marcel M. (Gesang), dem Bruder des bekannten Neonazis Enrico M., auf dessen Grundstück in Allstedt-Sotterhausen bis heute ein Großteil der Rechtsrock-Konzerte in Sachsen-Anhalt stattfinden. Der Band soll auch der örtliche NPD-Kommunalwahlkandidat Maik R. angehört haben. Die “Hate Soldiers” lösten sich 2008 auf, weil der Schlagzeuger Christian K. eine mehrjährige Haftstrafe antreten musste. Er hatte sich im Januar 2007 an einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Sangershausen beteiligt, im Anschluss an eine Feier bei Enrico Marx.

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Morrissey ist jetzt ein alter, ideenloser Verschwörungstheoretiker

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Sein neues Album „Low in High School“ zeigt, wie aus dem coolen Arbeiterjungen aus Manchester, der gegen das Establishment aufbegehrte, ein Apologet des Rechtspopulismus werden konnte.

Steven Patrick Morrissey hatte einen Traum. Er träumte davon, eines Tages neben der Flagge Großbritanniens stehen zu können und sich nicht schämen, sich nicht wie ein Rassist fühlen zu müssen. Er träumte davon, dass seine Landsleute eines Tages die Schnauze voll haben würden von Labour und von den Tories, den großen Volksparteien.

Das war 2004, die Solokarriere des ehemaligen Smiths-Sängers lag da schon ein paar Jahre lang brach. „Irish Blood, English Heart“, der Song zum Traum, war Morrisseys großer Comeback-Hit. Weiter problematisch fand man das damals nicht. War ja immer noch derselbe Morrissey, der Margaret Thatcher einst den Tod auf der Guillotine gewünscht hatte, der Retter der verlorenen Teenager der Achtzigerjahre, der Arbeiterjunge aus Manchester, der gegen das Establishment aufbegehrte – was bis vor nicht allzu langer Zeit ja noch ein linker Kampf war.

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Grauzonen – Bildungsmaterial zu rechten Lebenswelten

Quelle: a.i.d.a. Archiv

Die „Agentur für soziale Perspektiven“ hat mit „Grauzonen – Rechte (jugendliche) Lebenswelten in Musik und im Sport“ einen über 400 Seiten starken Ordner als methodisch-didaktische Handreichung herausgegeben, der eine Auseinandersetzung mit den Thematiken in unterschiedlichen Kontexten (schulisch und außerschulisch) ermöglicht.

Von Igor Netz

Die anhaltenden gesellschaftlichen Rechtstendenzen finden in unterschiedlichen Bereichen ihren Niederschlag. Nicht zuletzt sind davon jugendliche Subkulturen betroffen. Das Phänomen von rechten jugendlichen Lebenswelten ist bei weitem nicht neu. Für die Bundesrepublik kann es ungefähr in die Zeit der Adaption der britischen Skinhead-Bewegung datiert werden. Die ersten Skinheads waren nicht unbedingt rechts. Die Mehrzahl begriff sich als unpolitisch oder als sogenannte Sharp-Skins (Skinheads Against Racial Prejudice). Vor allem das dem Skinhead-Kult immanente Bild von viriler Männlichkeit dürfte jedoch ein Andocken an rechtsgesinnte Inhalte erleichtert haben. Früh gründeten sich auch rechte Bands wie „Endstufe“ (1981), „Böhse Onkelz“ und „Kraft durch Froide“ (1982, mit dem Schlagzeuger Andreas Pohl, der unter anderem in der neonazistischen „Nationalistischen Front“ aktiv war). Auch der Fußball bietet mit Nationalismus, Männlichkeitskult und Homophobie sowie einer ausgeprägten Gruppenidentifikation unterschiedliche Angebote, die Brücken zu rechten Weltbildern sein können.

Das Team des Vereins „Agentur für soziale Perspektiven“ (ASP) hat mit „Grauzonen – Rechte (jugendliche) Lebenswelten in Musik und im Sport“ einen über 400 Seiten starken Ordner als methodisch-didaktische Handreichung herausgegeben, der eine Auseinandersetzung mit den Thematiken in unterschiedlichen Kontexten (schulisch und außerschulisch) ermöglicht. Die Herangehensweise der Autor_innen, die selbst als Antifaschist_innen aktiv sind, ist durch eigene Affinitäten zu Sport- und Musiksubkulturen geprägt. Ein Zugang, der in der vorliegenden Publikation für ein hohes Maß an Kompetenz spricht.

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Wie die ‚Bild‘-Zeitung eine Massenschlägerei unter Linken erfand

Quelle: Vice

„Sie dachten, es wären Rechte: Linke verprügeln aus Versehen Linke!“, berichtete die Bild-Zeitung am Sonntag. Stattgefunden haben soll die Massenschlägerei Freitagnacht in Leipzig-Connewitz, das als linksautonomes Zentrum der Stadt gilt. „20 Vermummte mit Schlagstöcken und Pfefferspray“ – mutmaßlich Linke – hätten eine Gruppe von sechs Personen angegriffen – ebenfalls mutmaßlich Linke – und das alles aufgrund eines Missverständnisses. Die skurrile Meldung wurde auf Facebook über 20.000 Mal geteilt, auch vom AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier. Er wittert die Antifa dahinter und kommentierte: „In […] Leipzig herrscht seit Längerem die rote SA.“ Maiers Berliner AfD-Kollege Carsten Ubbelohde schrieb auf Twitter: „Solche Geschichten kann man sich nicht ausdenken … #Antifa“. Kann man sich eben doch, denn der Bild-Bericht ist mehr als fraglich.

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