Archiv der Kategorie 'Lesestoff'

Rassistische Mobilisierungen in Chemnitz – eine Einordnung

Quelle: Antifainfoblatt

Um die 1000 Personen folgten am 26. August 2018 diversen Aufrufen aus den sozialen Netzwerken, sich in der Chemnitzer Innenstadt nahe des Karl-Marx-Monuments zu treffen. Grund dafür war eine Auseinandersetzung auf dem alljährlichen Stadtfest der drittgrößten Stadt Sachsens in der Nacht zuvor, die für einen 35-jährigen Chemnitzer tödlich endete. Schnell wurde sich auf einschlägigen rechten Webseiten auf einen möglichen Migrationshintergrund der Täter geeinigt und, die Tat in den Kontext anhaltender Auseinandersetzungen mit Geflüchteten in der Chemnitzer Innenstadt gesetzt.

Uns als Redaktionskollektiv haben die Vorfälle bestürzt. Nicht nur hinsichtlich des tragischen Todes von Daniel H., einem Familienvater der auch der linken Subkultur nahe stand, sondern auch in Bezug auf die Dynamik der rassistischen Mobilisierung. Die Instrumentalisierung des Todes, die darauf folgenden Hetzjagden auf Migrant_innen und Geflüchtete sowie die Bereitschaft Tausender, mit einer militanten Neonaziszene an Aufmärschen teilzunehmen waren Gründe, uns dem Thema zeitnah anzunehmen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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Neue RechtsRock-Broschüre online

Quelle: Mobit Thüringen

RechtsRock ist viel mehr als nur Musik und hat für die Szene zahlreiche Funktionen, auch jenseits der enormen finanziellen Einnahmen, die damit generiert werden. Ab sofort steht unsere Broschüre „Hass und Kommerz – RechtsRock in Thüringen“ auf der Homepage zum Download bereit

Hass & Kommerz – RechtsRock in Thüringen (PDF)
MOBIT-Broschüre zur extrem rechten Musikszene in Thüringen, Stand Dezember 2017.

Quelle

Hass auf Juden in Liedtexten

Quelle: Blick nach Rechts

31.05.2018 – Antisemitismus zieht sich wie ein brauner Faden durch den Rechtsrock.

Antisemitismus als regelrecht fester Bestandteil des Rechtsrocks; (Screenshot)
Mit der Veröffentlichung „Weltbürgertum statt Vaterland“ – Untertitel: „Antisemitismus im Rechtsrock“ – hat Timo Büchner eine Fleißarbeit abgeliefert. Der Autor hat sich dafür 230 Alben aus dem neonazistischem Spektrum angehört. Er stellt fest, dass sich das Feindbild Juden und der Hass auf sie innerhalb des Rechtsrocks wie ein durchgehend brauner Faden durch die Liedtexte zieht, ja regelrecht fester Bestandteil dieser ist.

Mit dem Skandal rund um die Echo-Verleihung für die beiden Rapper Kollegah und Farid Bang sowie der Folgedebatte darum findet das Buch sogar ungewollt eine aktuelle Diskussionsplattform. Wenn Büchner beinahe akademisch herzuleiten versucht, weshalb er sich an der Schreibweise Rechtsrock stört und vielmehr RechtsRock bevorzugt, arbeitet er sich an einem Nebenschauplatz ab. Wenn er aber in die Textanalyse geht und dazu zahlreiche Beispiele für antisemitisches Gedankengut oder entsprechende Metaphern dafür auflistet, dann gelingt ihm eine dokumentarisch wertvolle Zusammenstellung und Einordnung.

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Der Sound der Heimat

Quelle: Junge Welt

Vorabdruck. In der Popkultur ringt die Rechte erfolgreich um Hegemonie. Wie das funktioniert, lässt sich mit Gramsci erklären

Markus Metz und Georg Seeßlen: Der Rechtsruck. Skizzen zu einer Theorie des politischen Kulturwandels. Verlag Bertz und Fischer, Berlin 2018, 240 Seiten, 12 Euro

In diesen Tagen erscheint im Berliner Verlag Bertz und Fischer von Markus Metz und Georg Seeßlen das Buch »Der Rechtsruck. Skizzen zu einer Theorie des politischen Kulturwandels«. Wir veröffentlichen daraus stark gekürzt und mit freundlicher Genehmigung von Verlag und Verfassern das Kapitel »Popgida: Der Kulturkampf in der Popkultur«. (jW)

Beim Verständnis von Rechtsextremismus hat man sich seit den neunziger Jahren davon verabschieden müssen, die beiden wichtigsten Indikatoren für dessen gesellschaftliche Wirkung zum einen im Erfolg der rechtsextremen Parteien zu sehen und zum anderen in einer mehr oder weniger festen, identifizierbaren neofaschistischen Jugendbewegung. Während die eine Seite das »schweigende« Potential der bürgerlichen Rechtsextremen repräsentierte, das sich im normalen Leben nicht unbedingt anders als durch eine im Alltäglichen verborgene Niedertracht zu erkennen gab, stand die andere für einen aktionistischen Teil, dem es gelang, ländliche und urbane Räume zu besetzen. Zeichen des Rechtsextremismus, Moden und Verhaltensweisen waren dabei auch für Jugendliche attraktiv, die sich mit der »Ideologie« der Rechten nicht weiter beschäftigten. So gab es junge Menschen, die aussehen wollten wie Nazis, ohne tiefer über Ideologie nachzudenken, und ältere Menschen, die faschistisch dachten, aber unbedingt nicht nach Nazi aussehen wollten.

Die Verbindungen zwischen beiden Szenen waren evident, bildeten doch »Kameradschaften« und Skinheads »Ordnungsdienste« bei Veranstaltungen der rechtsextremen Parteien oder wurden zu anderen Diensten herangezogen. Umgekehrt speiste sich die rechte Subkultur auch von den finanziellen und organisatorischen Zuwendungen der Parteien. Zwischen der traditionalistischen Parteienorganisation und der jugendlichen Subkultur hatten sich indes schon lange Überschneidungen gebildet, ganz allgemein rechte Lebensstile, Dresscodes, Sprachformen und Zeichen, die in die verschiedensten, dafür empfänglichen Szenen und Kulturen eindrangen. Zunächst war »Rechtsrock« oder »Nazirock« ein Angebot für einen direkten Bruch mit dem Mainstream nicht nur im Pop.

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„Grauzonen — Rechte (jugendliche) Lebenswelten in Musik und im Sport“

Quelle: Antifa Infoblatt

Die anhaltenden gesellschaftlichen Rechtstendenzen finden in unterschiedlichen Bereichen ihren Niederschlag. Nicht zuletzt sind davon jugendliche Subkulturen betroffen. Dabei ist das Phänomen von rechten jugendlichen Lebenswelten ist bei weitem nicht neu. Für die Bundesrepublik kann es ungefähr in die Zeit der Adaption der britischen Skinhead-Bewegung datiert werden. Dabei waren die ersten Skinheads nicht unbedingt rechts. Die Mehrzahl begriff sich als unpolitisch oder als sogenannte Sharp-Skins (Skinheads Against Racial Prejudice). Vor allem das dem Skinhead-Kult immanente Bild von viriler Männlichkeit dürfte jedoch ein Andocken an rechtsgesinnte Inhalte erleichtert haben. Früh gründeten sich auch rechte Bands wie „Endstufe“ (1981), Böhse Onkelz und „Kraft durch Froide“ (1982, mit dem Schlagzeuger Andreas Pohl, der unter anderem in der neonazistischen „Nationalistischen Front“ aktiv war). Auch der Fußball bietet mit Nationalismus, Männlichkeitskult und Homophobie sowie einer ausgeprägten Gruppenidentifikation unterschiedliche Angebote, die Brücken zu rechten Weltbildern sein können. Beide Lebenswelten, also die sportbezogene und die musikalische, sollten jedoch nicht nur auf ihre Problemstellungen reduziert werden.

Das Team des Vereins „Agentur für soziale Perspektiven“ (ASP) hat mit „Grauzonen – Rechte (jugendliche) Lebenswelten in Musik und im Sport“ einen über 400 Seiten starken Ordner als methodisch-didaktische Handreichung herausgegeben, der eine Auseinandersetzung mit den Thematiken in unterschiedlichen Kontexten (schulisch und außerschulisch) ermöglicht. Die Herangehensweise der Autor_innen, die sich selbst als Antifaschist_innen aktiv sind, ist durch eigene Affinitäten zu Sport- und Musiksubkulturen geprägt. Ein Zugang, der in der vorliegenden Publikation für ein hohes Maß an Kompetenz spricht.

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Vom versteckten und offenen Antisemitismus im Rechtsrock

Quelle: Beltower News

Die Feindbilder in den menschenverachtenden Texten rechtsextremer Musik sind facettenreich. Antisemitismus und antisemitische Verschwörungsideologien spielen dabei eine zentrale Rolle.

Das erste Rechtsrock-Festival des Jahres 2018 beginnt am 20. April, passend zur Feier des Geburtstags von Adolf Hitler: Wenige Meter vom Bahnhof des polnischen Dorfes Krzewina entfernt findet das zweitägige „Schild und Schwert“-Festival auf dem Gelände des Hotels „Neißeblick“ im ostsächsischen Ostritz statt. Das Motto lautet: „Reconquista Europa“. Ein zweites „Schild und Schwert“-Festival wurde bereits für den 02./03. November 2018 angekündigt. „Es gibt die Befürchtung, dass Ostritz zu einem zweiten Themar wird“, meint die sächsische Linken-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz. Sie vermutet, das Festival könnten weit mehr als die angemeldeten 750 Teilnehmenden besuchen. Themar sorgte Mitte Juli 2017 für bundesweite Schlagzeilen: Über 6.000 Neonazis feierten einschlägig bekannte Rechtsrock-Bands wie „Stahlgewitter“ und „Die Lunikoff Verschwörung“. Die Veranstaltung war eines der größten Rechtsrock-Konzerte in der bundesdeutschen Geschichte. In Themar sollen die „Tage der nationalen Bewegung“ am 08./09. Juni an die „Erfolge“ des letzten Jahres anknüpfen.

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Im sprachlichen Untergrund

Quelle: Neues Deutschland

Rechts-Rock-Liedtexte verbreiten ihre antisemitischen Botschaften meist versteckt und verschlüsselt

Wetzt die langen Messer auf dem Bürgersteig! / Lasst die Messer flutschen in den Judenleib! / Blut muss fließen, knüppelhageldick, / und wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik!» – Diese Zeilen begegnen Thomas Kuban, der in fast zehn Jahren über 40 Rechts-Rock-Konzerte mit versteckter Kamera aufnahm, immer wieder. Der investigative Dokufilm «›Blut muss fließen‹ – Undercover unter Nazis», mit dem der politische Filmemacher Peter Ohlendorf seit 2012 durch Deutschland tourt und den er regelmäßig auch an Schulen zeigt, ermöglicht tiefe Einblicke in eine europaweit vernetzte Szene, die puren Hass und blanke Menschenverachtung propagiert. Auf beeindruckende Weise stößt er gesellschaftliche Debatten über einen couragierten Umgang mit Antisemitismus und Rassismus in der Gesellschaft an.

Nach Einschätzung des Undercover-Journalisten Kuban wird das 1992 veröffentlichte «Blutlied» der Rechts-Rock-Band «Tonstörung» bei fast jedem Neonazi-Konzert angestimmt. Jedoch werden antisemitische Botschaften in den Liedtexten extrem rechter Musik selten so offen und unverschlüsselt verbreitet. Auf nicht indizierten Rechts-Rock-Alben wird Antisemitismus, der dort eine elementare Rolle spielt, mithilfe sprachlicher Codes verschlüsselt. Im Laufe der Jahrzehnte ging ein beträchtlicher Teil der Szene daher gewissermaßen in den «sprachlichen Untergrund».

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Hass und Kommerz – Broschürenvorstellung & Podiumsdiskussion

Quelle: Mobit Thüringen

Neue Broschüre der Mobilen Beratung in Thüringen MOBIT

MOBIT erfasst seit 2007 aus öffentlich zugänglichen Quellen Informationen zu Konzerten mit extrem rechten Inhalten und veröffentlicht diese in einer jährlichen RechtsRock-Chronik. In den letzten beiden Jahren hat die Zahl der Konzerte in Thüringen einen bundesweiten Höchststand erreicht. Vor allem die regelmäßig stattfindenden Großevents zeigen, welch enormes Mobilisierungspotential die Szene in Thüringen hat. 2017 fand mit dem „Rock gegen Überfremdung II“ das bundesweit größte RechtsRock-Event der vergangenen Jahre statt – etwa 6000 Neonazis reisten dafür aus ganz Deutschland sowie weiteren europäischen Ländern an. In unserer neuen Broschüre zeichnen wir die Entwicklung der letzten 11 Jahre nach und befassen uns darüber hinaus mit den Funktionen von RechtsRock für die Szene. Weitere Themen, wie bspw. der Umgang mit RechtsRock-Veranstaltungen in stark betroffenen Regionen werden ebenso in einem der Gastbeiträge behandelt.

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Don‘t Call it Music!

Der Adventskalender, der besonderen Art:

Für die einen ist es eine lukrative Einnahmequelle, für die anderen Aufputschmittel und Einstiegsdroge in die Neonazi-Szene. Dieser Adventskalender wird die erste Seite beleuchten: Musiker, Labels und Versände, die jene Musik produzieren und verteiben, welche oft verharmlosend „Rechtsrock“ genannt wird und zu oft als Begleitmusik zu Mord und Totschlag dient.

Tobias Wirth – dem “Ödi” wird’s nie öde

By Don‘t Call it Music! on December 1, 2017

Der am 8. September 1986 geborene und in Helmbrechts (Oberfranken) wohnhafte Neonazi Tobias W.,, genannt “Öddi” oder “Ötti”, ist seit mindestens zehn Jahren in verschiedenen Nazibands in Bayern und Sachsen aktiv.

Tobias W. entstammt dem “Kameradschaftbund Oberfranken”. Innerhalb der Musikszene scheint er sowohl der Bruderschaft der “Hammerskins” als auch dem in Deutschland verbotenen “Blood & Honour”-Netzwerk nahezustehen. Wirth war in den letzten Jahren bundesweit auf vielen Neonazi-Aufmärschen anzutreffen, etwa am 1. Mai 2009 in Weiden oder am 1. Mai 2017 in Gera. Der Aufmarsch in Gera wurde von der Neonazi-Partei “Der III. Weg” organisiert. Ein Großteil von W. politischem Umfeld ist in den Reihen dieser Partei zu finden.

Wirth arbeitet bei der Firma HelLaTec (“Helmbrechtser Laminier Technik GmbH”) und trainiert Kampfsport im “Martial Mates Gym” in Hof. Er nahm u.a. 2016 an der “NAGA Grappling Championship” in Limburg teil. Auch auf Seminaren des “Shuri Gym” in Plauen wurde er gesichtet.

Seine musikalische Laufbahn begann Wirth 2005 mit der Band “Braune Brüder” aus dem Raum Hof, bei der der “Hammerskin” Tony Gentsch an der Gitarre stand. Gentsch war Kader des verbotenen “Freien Netz Süd” und ist derzeit “Gebietsleiter” der Neonazi-Partei “III. Weg”. Die Band trat fast ausschließlich im regionalen Rahmen auf, größtenteils im Umfeld der Kameradschaften “Braune Teufel Vogtland/Alcoholocaust” um David Köckert, “Schwarzer Orden Vogtland” um Olaf Martin und des “Kameradschaftsbund Hochfranken”, in dem Gentsch ebenfalls aktiv war.

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Das NSU-Unterstützernetzwerk in Sachsen

Quelle: Endstation Rechts

Auch sechs Jahre nach der Enttarnung des NSU sehen Beobachter die bisherigen Ergebnisse kritisch: Nicht weitreichend genug seien die Erkenntnisse und Konsequenzen der Ermittlungen und Untersuchungsausschüsse. Aus diesem Grund wurde nach umfangreicher Recherchearbeit nun die Broschüre „Unter den Teppich gekehrt – Das Unterstützungsnetzwerk des NSU in Sachsen“ des Kulturbüros Sachsen veröffentlicht.

Mindestens zehn Morde, ein Bombenanschlag, unzählige Raubüberfälle, die Tatorte verteilt über ganz Deutschland – das ist die Bilanz des NSU. Bei vielen ungeklärten Gewaltverbrechen steht die rechte Terrorzelle weiterhin unter Verdacht. Die Täter konnten scheinbar jahrelang unerkannt und von den Behörden unbehelligt agieren. Aber wie war dies möglich? Um dieser Frage nachzugehen, produzierte das Kulturbüro Sachsen in aufwendiger Recherche die Broschüre über das Netzwerk und Umfeld des NSU.

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Weisse Wölfe

Das „Antifa Infoblatt“ schreibt:

Eine grafische Reportage über rechten Terror

Der Journalist David Schraven hat sich für den Comic „Weisse Wölfe“ mit dem Zeichner Jan Fendt zusammengetan, um seine Rechercheergebnisse über die Verbindungen des NSU nach Dortmund und zu rechten Akteuren in ganz Europa einer breiten Zielgruppe zugänglich zu machen.

Der Comic „Weisse Wölfe“ arbeitet mit drei Erzählsträngen, um die Zusammenhänge von rechtsterroristischem Morden, neonazistischer Ideologie und der individuellen Geschichte eines Neonazis sichtbar zu machen. Einerseits zeichnet sich Schraven selbst in seiner Recherche in die Geschichte ein, ge­trieben von der Frage, warum der NSU gerade in Dortmund Mehmet Kubaşik ermordete. Hierbei wird im Laufe des Buches klar, dass die zweite Erzählperspektive jene eines Mitglieds aus der Dortmunder Neonazi-Szene ist, genannt Albert S., der, wie sich herausstellt, zudem als Informant für den Verfassungsschutz arbeitet. Der dritte Strang wird durch unkommentierte Auszüge aus den fiktiven Turner-Diaries1,welche RechtsterroristInnen weltweit als ideologische Vorlage für ihre menschenfeindlichen Angriffe und Morde nutzten, gebildet. Auf allen drei Ebenen spielt Authentizität eine wichtige Rolle. Die „Turner-Diaries“ dienten nicht nur dem NSU als Vorlage für ihre rassistischen Morde. Auch die individuelle Geschichte von Albert S. basiert auf den Erzählungen eines Neonazis, den Schraven im Gefängnis traf und dessen Name der einzige ist, der verändert wurde, bei dem es sich jedoch um den Neo­nazi Sebastian Seemann aus Lünen handeln muss 2. Besonders die Ebene, auf der Schraven seine Recherche darstellt, soll dem Comic sei­nen dokumentarischen Charakter verleihen.

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Schnittstellen jugendlicher Milieus

Eine Rezension aus dem „Blick nach Rechts“:

Rechte Lebenswelten von Jugendlichen spielen sich oft in Musikkulturen ab. Eine Handreichung der Agentur für soziale Perspektiven versucht sich inhaltlich den „Grauzonen“ jugendlicher Subkulturen zu nähern.

Die in Berlin ansässige „Agentur für soziale Perspektiven e. V.“ (ASP) beschäftigt sich seit den 1990er Jahren mit „rechten Jugendkulturen“. In den 1990er Jahren galt ihre Aufmerksamkeit dem neonazistischen Rechtsrock. Ab den 2000ern zeigten sie mit der immer wieder neugestalteten und ergänzten Broschüre „Versteckspiel – Lifestyle, Symbole und Codes von neonazistischen und extrem rechten Gruppen“, wie sich die subkulturellen Moden und Mimikry von Neonazis änderten. „Versteckspiel“ kommt mittlerweile in den verschiedenen Auflagen zusammen auf 120 000 Ausgaben. Auch der DGB und die SPD druckten eigene Versionen des „Versteckspiels“. Unter anderem wegen diesem Projekt hat sich mittlerweile unter Journalisten, Jugendarbeitern und Multiplikatoren herumgesprochen, dass Neonazis nicht unbedingt nur im Skinheadlook herumlaufen, sondern dass neonazistische Codes auch in anderen Jugendkulturen zu finden sind.

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Jugendliche Lebenswelten in den Grauzonen

Via „Agentur für soziale Perspektiven“:

Seit Anfang des Jahres 2013 arbeiten wir in einem auf drei Jahre angelegten Projekt zu „Grauzonen – rechte jugendlichen Lebenswelten“. Unser Projekt will die inhaltlichen und strukturellen Schnittstellen zwischen extrem rechten, rechten und vermeintlich unpolitischen Szenen und Milieus ausarbeiten. Darüber hinaus treten wir inhaltlich und offensiv denen entgegen, die das gesellschaftliche Problem mit den „Rechten“ auf offen auftretenden Neonazismus und Rechtspopulismus zu reduzieren versuchen und die eine oft sehr eingeschränkte Wahrnehmung von dem haben, was überhaupt politisch ist.

Unter „rechten Lebenswelten“ verstehen wir das „große Ganze“, was Ideologien der Ungleichheit entstehen und existieren lässt: Ein System von Lebens- und Wertvorstellungen, die darauf angelegt sind, das gesellschaftliche Miteinander hierarchisieren, Rollen zuzuweisen, „Wert“ und „Unwert“ des einzelnen Menschen zu festzulegen und über dessen Ein- und Ausschluss zu bestimmen – dies aufgrund äußerlicher Merkmale oder der (zugewiesenen) Zugehörigkeit zu einer (meist konstruierten) Gruppe.

Ideologien der Ungleichheit sind Ausdruck einer Gesellschaft, die sich mehr über das Gegeneinander denn über das Miteinander definiert. Die Bewahrung von bzw. die Forderung nach Privilegien der „eigenen“, je nach Bedarf konstruierten, Gruppe geht dabei einher mit der Empörung darüber, dass „die Anderen“ angeblich zu Unrecht übervorteilt werden: Heterosexuelle gegen Schwule und Lesben, Christliche Kultur gegen Islam, „Angestammte“ gegen Zugewanderte, „Deutsche“ gegen die, die als nichtdeutsch festgelegt werden, Männer gegen Frauen, die „Starken“ gegen die, die als „schwach“ empfunden werden, selbsternannte Leistungsträger*innen gegen sogenannte „Sozialschmarotzer“. Häufig ersetzt die Vorstellung der Gemeinschaft die der Gesellschaft.

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Verankerte braune Szene

Der „Blick nach Rechts“ schreibt:

Mecklenburg-Vorpommern ist dicht vernetzt – schon seit Jahren ist in dem Bundesland eine Raumergreifungsstrategie durch Neonazis zu beobachten.

Im Auftrag der SPD-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern hat die Rechtsextremismus-Expertin und bnr.de-Autorin Andrea Röpke eine umfassende Bestandsaufnahme der rechten Szene in dem Bundesland vorgenommen. Herausgekommen ist ein sehr informatives, aber zugleich auch besorgniserregendes Buch unter dem Titel „Gefährlich verankert“. In neun Kapiteln auf 247 Seiten, die reichlich bebildert sind, werden die vielfältigen Aktivitäten brauner Couleur dargelegt, seziert und analysiert. Dabei wird natürlich ein Blick geworfen auf die NPD, die nun bereits in der zweiten Legislaturperiode Bestandteil des Schweriner Landtages ist, auf Kameradschaften und Mischszenen. Durch eine intensive Graswurzelarbeit in den vergangenen Jahren, aber auch aktuell hat sich im Nordosten Deutschlands ein antidemokratischer Kern etabliert, der sich zum Teil nur durch genaues Hinsehen erschließt. Die rechte Szene ist dabei viel vernetzter als oberflächlich angenommen. Neben dem offenen Auftreten von Neonazis wird viel im Verborgenen oder auf Tarnung bedacht agiert. Genau darin liegt die im Buchtitel genannte Gefahr. Die bekannte Fachjournalistin Andrea Röpke leistet dank guter Recherche und Quellen beim Demaskieren des neonazistischen Spektrums einen wichtigen Beitrag, nennt dabei Ross und Reiter.

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„Ich bin ein Rassist, und das Tag für Tag“ – NS-Rap am Beispiel von MaKss Damage

Das „Netz gegen Nazis“ berichtet:

Nazis, die rappen? Führerkult und HipHop? Ja, das gibt es. Nazis haben immer schon spannende Jugend- und Subkulturen kopiert, unterwandert und zu ihren eigenen Gunsten interpretiert, um gerade junge Menschen für die Szene zu ködern.

Viele der rappenden Nazis tun dies genau aus dieser Motivation heraus (z.B. n’Socialist Soundsystem, Villain051, SZU – Sprechgesang zum Untergang). Sie sind ein Teil der modernen Variante des Neonazismus. Diese Tendenzen werden innerhalb der neonazistischen Szene zum Teil sehr stark diskutiert. Dabei geht es meist um zwei zentrale Fragen: Darf Hip Hop als ursprünglich afro-und latinoamerikanische Musikkultur überhaupt für Neonazi-Zwecke genutzt werden? Und wie sinnvoll ist Hip Hop für die Rekrutierung junger Menschen?

Mittel zur Rekrutierung vs. Reimkunst

Die NS-Rapper*innen sind meistens vom Mittel zum Zweck überzeugt, so zum Beispiel die Band n’Socialist Soundsystem, die eigentlich aus der Band Häretiker – die ursprünglich Rechtsrock machten – hervorgegangen ist und Hip Hop ganz klar als strategisches Mittel sieht. Das merkt man auch ihren Rap-Texten an. Da gibt es keinen Flow und keine Reimkunst. Sie sind eher lächerlich als gut.

Leider lässt sich das nicht über alle NS-Rapper*innen sagen. Einer, der aus der NS-Rap-Szene mit Rap-Fähigkeiten heraus sticht, ist MaKss Damage, mit bürgerlichem Namen Julian Fritsch. Er kommt aus Gütersloh und bezeichnet sich erst seit 2011 offiziell als NS-Rapper. In der Zeit davor war er seit 2008 als Rapper in der linken Szene unterwegs, stieß dort aber auf Grund seiner sexistischen und antisemitischen Texte auf deutliche Kritik und galt mit Textzeilen wie „Ich leite Giftgas lyrisch in Siedlungen die jüdisch sind“ („Arabisches Geld“ 2010) für linke Akteur*innen als nicht tragbar.

In einem sehr langwierigen Interview Anfang 2011 mit zwei der führenden Neonazis Kölns, Axel Reitz und Kevin Koch aus Wuppertal für „medinet-west“, erklärte MaKss Damage, der unter anderem Horst Mahler als sein Vorbild beschreibt, dass er nun überzeugter Neonazi sei. Dieser öffentlich wirksame Schritt des Einstiegs in die Neonazi-Szene wurde von dieser bewusst inszeniert und thematisiert: Ein ehemaliger „Linker” tritt aus der Szene aus und engagiert sich bei der politischen Gegenseite – ein gefundenes Fressen für die Neonazis.

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Ebenfalls interessant in diesem Zusammenhang: Podium: Rappen für die Revolution?! – Linker Rap in Deutschland – Geschichte, Gegenwart, Zukunft.

Steffen Peise – Zwischen Satan, Odin und Hitler. Rechtsrock und NSBM als Weggefährten im braunen Sumpf

Ein Buchneuerscheinung zum Thema NSBM:

Rechtes Gedankengut gibt es auch im Metal, zum Thema gemacht wird dies jedoch relativ selten. Steffen Peise hat sich in seiner Masterarbeit damit beschäftigt und untersucht, wie es zum Schulterschluss zwischen Rechtsrock und rechtem Black Metal kommen konnte – zwei Genres, die eigentlich sehr gegensätzlich sind.

„Zwischen Satan, Odin und Hitler. Rechtsrock und NSBM als Weggefährten im braunen Sumpf“ ist die zum Buch überarbeitete Fassung von Peises Abschlussarbeit am Institut für Musikwissenschaften der Uni Leipzig. Seinem Thema nähert er sich auf mehreren Ebenen. Am einfachsten aufzunehmen ist wohl noch der musikhistorische Abriss, der die Entstehung der beiden Genres, die er in den Fokus nimmt, herleitet. Musikinteressierte werden das ein oder andere bereits wissen – dass der Rechtsrock in einer originär unpolitischen britischen Skinheadszene wurzelt, die mit der Band SKREWDRIVER an der Spitze den Schritt ins rechte Spektrum gemacht hat, beispielsweise. Oder dass im Black Metal die Beschäftigung mit heidnischen Themen den Weg in völkische und antisemitische Bereiche zumindest erleichtert hat. Die beiden rechten Szeneprotagonisten Kristian Vikernes (BURZUM) und Hendrik Möbus (ABSURD) sind ebenfalls keine Unbekannten. Doch die genaue Geschichte und die genauen Verknüpfungen sind in ihrer Gesamtheit sehr interessant zu lesen.

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Die Mörder vom NSU sind immer noch unter uns

Die „Welt“ schreibt:

Alle reden, wenn sie vom NSU reden, von der Zwickauer Zelle, von Beate Zschäpe und vom deutschen Osten. Jetzt erzählt ein Comic die Vorgeschichte. Eine finstere Graphic Novel aus dem tiefen Westen.

Am 4. April 2006 wird Mehmet in seinem Geschäft erschossen, im „Topkapi Grill“ in Dortmund Nord. Die Polizei geht von einer Migrantenfehde aus, die Medien erfinden das Wort Dönermord. Am 4. November 2011 erschießen und verbrennen sich in ihrem Wohnmobil in Eisenach zwei Neonazis namens Uwe. Überrascht erkennt die Polizei in ihnen Mehmets Mörder, in den Medien werden Polizei und Politik getadelt und die Wege beider Uwes bis in ihre früheste Kindheit in der späten DDR zurückverfolgt.

Unser Mann im braunen Sumpf: David Schraven als Reporter in seinem eigenen Comic
Wieder erzählen die Geschichten von den Plattenbauten Jena-Lobedas und von den Wendekindern, denen mit der deutschen Mauer jeder Halt wegbricht, während sie pubertieren; Eltern, Lehrer, Polizisten wissen selbst nicht weiter: Die Verlorenen ziehen von Thüringen nach Sachsen, wo sie sich in Zwickau niederlassen, um von dort aus vorwiegend im deutschen Westen Blumen- und Gemüsehändler, Änderungsschneider und Imbisswirte umzubringen, deren Namen ihnen undeutsch vorkommen. Sie sind nicht nur die Zwickauer Zelle, sie sind der Nationalsozialistische Untergrund, den sich die Deutschen mit dem Osten und der Einheit eingehandelt haben. Selbst die Nazikneipe in der Nähe des „Topkapi Grills“ in Dortmund Nord heißt „Thüringer Hof“.

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Populäre Musik und “deutsche” Identität

„Publikative.org“ schreibt:

Der Sammelband “Typisch Deutsch. (Eigen-)Sichten auf populäre Musik in diesem unserem Land“ beleuchtet die Beziehung zwischen populärer Musik und “deutscher“ Identität auf vielfältige Weise. Die Langeweile aktueller “deutscher“ Chartmusik ist dabei ebenso ein Thema wie die propagandistische Nutzung von Volksliedern durch den historischen Nationalismus. Zudem geht es um die Rezeption vermeintlich typisch deutscher Mythen im Heavy Metal. Eine Auseinandersetzung mit der Band Frei.Wild findet auch statt.

Der Titel des ersten Aufsatzes lautet “‘Typisch deutsche‘ populäre Musik heute. Eine Annäherung“. Der Autor, Thomas Phleps, konkretisiert sein Thema, indem er schreibt: “Deutsche populäre Musik ist zunächst rein geographisch verortet und meint alle populäre Musik, die im deutschsprachigen Raum produziert wurde und/oder in der Deutsch gesungen wird bzw. in einem dem deutschen Sprachraum zugehörigen Dialekt oder einer restringierten Version“.

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Antifaschistische Aufklärung

Das „Neue Deutschland“ schreibt:

Das Magazin »Der rechte Rand« begeht sein 25-jähriges Bestehen mit einer extradicken Sonderausgabe

Die größte Fachzeitschrift zur extremen Rechten hat bei aller Expertise den Kontakt zur antifaschistischen Bewegung nie verloren. Die Artikel sind bestens recherchiert und gut geschrieben.

Wie bei so vielen Projekten wäre das regelmäßige Erscheinen des Magazins »Der rechte Rand« in den letzten 25 Jahren ohne eine Vielzahl unbezahlter Arbeitsstunden nicht möglich gewesen. Neben dem »Antifaschistischen Infoblatt« ist die alle zwei Monate erscheinende Publikation die größte und renommierteste bundesweit herausgegebene Fachzeitschrift zur extremen Rechten in und außerhalb der Bundesrepublik. Ob rechte Parteien oder Kameradschaften, Internetportale oder Zeitschriften, Rechtsrockbands oder scheinbar honorige Tagungen – die gesamte Bandbreite des braunen Spektrums findet sich in den Heften wieder. Dabei wollen die fundierten Recherchen des Blattes den Blick der Leser auch auf vernachlässigte und ausgeblendete Aspekte des Themas lenken. Eine Besonderheit ist zudem, dass Rechtsextremisten oft mit Namen und ihren Organisationen konkret benannt und Verbindungen in rechten Netzwerken detailliert beleuchtet werden. Bei aller Expertise hat man den Kontakt zur antifaschistischen Bewegung nie verloren. Außer Fachjournalisten und Wissenschaftlern sind es vor allem Aktivisten, die für die nunmehr 150 Ausgaben Neonaziaufmärsche beobachteten, von braunen Szeneveranstaltungen berichteten und rechtsextreme Publikationen ausgewertet haben.

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25 Jahre „Der rechte Rand“ „Nazi-Spitzel“ zum Jubiläum

Die „taz“ schreibt:

Seit 25 Jahren recherchiert „Der rechte Rand“ dort, wo andere nicht hinschauen: am rechten Rand des politischen Spektrums. Das ist notwendig, aber nicht ungefährlich.

Wer über die Rechten und ihre Netzwerke informiert sein will, kommt an dieser Zeitschrift nicht vorbei: Der rechte Rand – Magazin von und für AntifaschistInnen. Seit 25 Jahren sammelt die Redaktion in Hannover Informationen über das rechte Milieu. Damals, 1989, feierten die „Republikaner“ (REP) Wahlerfolge – in der Europawahl fuhren sie bundesweit mehr als sieben Prozent ein.

Erstmals seit Jahrzehnten saß eine Partei rechts der CDU oberhalb eines Kommunalparlaments. Und obwohl die REP heute nicht mehr relevant sind: die Rechten blieben. Und Der rechte Rand beobachtete weiter die Szene, ihre Netzwerke, die intellektuellen Rechten und ihre Querverbindungen, recherchierte zu Labels und Bands der Szene, berichtete von Tagungen und Neonazi-Aufmärschen.

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