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Mit Hilfe des Verfassungsschutzes: Ex-Neonazi-Liedermacherin Müller offiziell ausgestiegen

Via „Endstation Rechts“:

Vor einigen Tagen machte die „Aktion Neustart – Aussteigerprogramm Rechtsextremismus“ den bereits vor fünf Jahren erfolgten Ausstieg einer der bekanntesten Liedermacherinnen der Szene, Annett Müller, öffentlich. Damit solle jetzt gezeigt werden, dass Müller einen „neuen Weg“ eingeschlagen habe.

„Zeit zu rebellieren“ oder „Wenn der Wind sich dreht“. Beobachter extrem rechter Demonstrationen kennen die beiden Songs der Liedermacherin Annett Müller zu gut. Immer wieder greifen die Organisatoren verschiedenster Aufmärsche auf diese Lieder zurück, um ihre Aktionen mit dem „richtigen“ Soundtrack zu unterlegen. Zukünftig werden die Veranstalter in ihren CD-Kisten möglicherweise Alternativen suchen müssen: Denn Müller, so teilte das vom niedersächsischen Verfassungsschutz betriebene Aussteigerprogramm „Aktion Neunstart“ kürzlich mit, habe endgültig mit der Szene gebrochen.

Müller habe sich bereits 2011 mit der Bitte um Hilfe an die Schlapphüte gewandt. Den Ausstieg hätten die Beteiligten damals nicht publik gemacht, heißt es in einer von „Aktion Neustart“ auf Facebook eingestellten Meldung. Nun aber habe der langjährige Kultstar den Wunsch geäußert, an die Öffentlichkeit zu gehen. Grund sei, dass nach wie vor die „alten Lieder aus der rechtsextremen Vergangenheit“ auf YouTube hochgeladen würden. „So soll gezeigt werden, dass Annett vor Jahren einen neuen Weg eingeschlagen hat“, teilt die Behörde weiter mit.

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Sven Liebich – Chronik eines Nichtausstieges

Sven Liebich gibt lediglich vor, aus der rechten Szene ausgestiegen zu sein. Er nutzt stets denselben MZ-Artikel als Referenz, dass er 2003 ausgestiegen sei. Tatsächlich lassen sich viele Tätigkeiten von vor 2003 auch noch danach unter Mitwirkung von Liebich beobachten. So hielt er am Strikeback-Mailorder fest und gab ein Interview, in dem er seine Kunden als „Kameraden“ bezeichnet. Er fabriziert Shirts mit gewaltverherrlichenden und rechtspopulistischen Inhalten. Ferner werden seine Kampagnen und Produkte von Rechtspopulisten empfohlen bzw. solche lassen ihre Shirts von Liebich herstellen. Seine Kontakte in die rechte Szene sind so intensiv, dass er problemlos auf Rechtsrock-Konzerten auftauchen kann. Liebich interagiert heute auf den „Montagsmahnwachen“ gemeinsam mit organisierten Neonazis und betreibt zugleich eine facebook-Seite, auf der er mit seinen Gerüchten die Kommentator_innen zu Hetze motiviert und politische Gegner denunziert. Die Strategien sind dieselben wie bereits vor über zwölf Jahren – ebenso wie die Inhalte. Der vielfach postulierte Ausstieg fand nicht statt.

Im folgenden Artikel soll anhand einer chronologischen Auflistung dargelegt werden, inwiefern die Behauptung des ehemaligen Blood&Honour-Kaders Sven Liebich, er wäre aus der neonazistischen Szene ausgestiegen, jeglicher Glaubwürdigkeit entbehrt.

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Ein Ausstieg ohne Trennung?

Via „Vereinsmafia Halle“:

Das Vereins-Lenkungszentrum (ViLZ) stellt fest: „Jetzt wird geleakt.“
Ein Ausstieg ohne Trennung?

Der selbst ernannte „Ex“-Nazi Zwän L. verweist immer wieder gerne auf die, von ihm so genannte ‪#‎Lügenpresse‬, zumindest dann, wenn es seiner Meinung oder Darstellung nutzt. So gibt er den ‪#‎Systemmedien‬ auch gerne Interviews, wenn er bspw. Elefanten füttert oder selbst für Motive abgemahnt wird. Oder eben, wenn er über seine, vermeintlich harmlose Vergangenheit in der rechten Szene redet.
Das tat er im Jahr 2013 auch und sprach, anonymisiert als „der groß gewachsene“[sic] ‚Henning Weber‘ mit der Mitteldeutschen Zeitung[1].

Dort konnte er die, von ihm mitgeführte ‚Blood & Honour‘-Sektion in Sachsen-Anhalt(mit 40 Personen eine der größten Gruppierungen der neonazistischen Organisation in der Bundesrepublik) kleinreden und so ganz nebenbei raushalten, dass er mit Mailorderversand und Läden in Leipzig und Halle ganz gut an der rechtsextremen Szene verdiente. Ein lustiges „Räuber und Gendarm“-Spiel, mehr nicht, soll dem Leser vorgegaukelt werden.

Doch liest man mehrerlei dabei heraus. Ausgestiegen ist Liebich nie. Er ließ nur seine Aktivitäten ruhen. Denn auch jetzt glaubt Zwän L. „sich auf einer Mission gegen Multikulti, korrupte Politiker und für einen „deutschen Volksstaat““ und gegen die ‪#‎Vereinsmafia‬, wie man an seinen Aktivitäten um die ‪#‎Montagsdemoinhalle‬ sieht. Und auch jetzt hält er weiterhin an Freundschaften zu den Kameraden von jetzt und einst fest, nicht nur in sozialen Netzwerken, sondern auch ganz real.

So besuchte er am 17.Mai des vergangenen Jahres ein Konzert unter dem Motto ‚Noise of Germany‘ mit auch in unpolitischen Skinhead-Kreisen nicht unumstrittenen Bands, wie der britischen Band ‚Condemned 84′, deren, auf rechten Musiklabels produzierte Platten er bereits mit seinem UltimaThule-Versand verkaufte[2].

Dort saß er, gewissermaßen als Ehrengast, auf der Bühne, gemeinsam mit Ronny Wätzel, dem Veranstalter und Neonazi aus dem Umfeld von ‚Honour&Pride‘[3], einer Organisation, die sich nicht nur mit ihrem Logo an der mittlerweile verbotenen ‚Blood&Honour‘ orientiert, geschützt von dem als Security eingesetzten Kopf von Honour&Pride in Sachsen-Anhalt und ebenfalls als Konzertveranstalter für Neonazi-Bands aktiven, Oliver Malina[4].

Selbst die Polizei sprach später von 50, als solche erkennbare Neonazis.

Falls der erklärte ‚Aussteiger‘ Zwän sich nicht mehr daran erinnern kann, hier präsentieren wir ein paar Bilder, die er sich zur Erinnerung gerne einrahmen kann.

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Loi!chfeuer mehr als Grauzone?

Nach den „Schusterjungs“ und den „Prolligans“ die nächste rechtsoffene Grauzonenband, die wir ab sofort wohl in die RAC-Ecke einsortieren müssen:

Die Grauzonen Band Loichtfeuer ist wohl mehr als nur eine unpolitische Oi! Band.

Hier sehen wir 2 Mitglieder der Truppe mit eindeutig rechten T-Shirts.

Ausserdem geben sie auch ganz gerne Konzerte mit Nazibands wie die Schusterjungs und die Prolligans.

http://antifa-lg-ue.org/nazikonzert-in-uelzen/

Michael Schäfer behauptet ja, er sei aus der Neonaziszene ausgestiegen, dennoch ist nicht nur seine Musikvorliebe gleich geblieben, nein, er hat auch immer noch einschlägige Kontakte in die harte Neonaziszene.

Auf dem Bild unten Lasse mit der tollsten Tolle im doitschen Reich!Einen schicken Scheitel würde es auch ergeben….

https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1514160772135731&set=a.1377459409139202.1073741828.100006254676337&type=3&theater

„Notfalls auch mit Gewalt“: Ex-Nazi warnt vor rechtsextremistischen Anschlägen

Droht in Deutschland eine Welle rechtsextremer Anschläge? Der frühere Kasseler Nazi-Musiker Oliver Podjaski rechnet mit neuen Attentaten. Dabei nutzten Neonazis gezielt die Flüchtlingskrise aus, um Stimmung zu machen, sagte der Aussteiger im Interview mit hr-iNFO. Das Attentat auf die Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker in Köln war für viele Menschen ein Schock. Ein 44-Jähriger mit rechtsextremistischem Hintergrund verletzte die Politikerin vor gut zwei Wochen mit einem Messer lebensgefährlich am Hals. Für den Nazi-Aussteiger Oliver Podjaski kam diese Tat nicht aus heiterem Himmel: „Überrascht hat mich das nicht“, sagte er in einem Interview, das am Freitagabend auf hr-iNFO ausgestrahlt wird und am Sonntag um 18 Uhr im TV-Magazin „defacto“ im hr-fernsehen läuft. Im Gegenteil – Podjaski rechnet mit weiteren Angriffen dieser Art oder auch Anschlägen auf Asylbewerberheime: „Das ist das, worauf Rechtsextreme hoffen – auf eine Eskalierung der Situation.“ Das werde schon immer von rechtsextremer Seite gewünscht und forciert.

Hessenschau.de

Heidi und die Brandstifter

Via „Zeit Online“:

Sie stammt aus einer Familie von treuen Nazis, als Kind wurde sie in geheimen Lagern gedrillt. Ihre früheren Kameraden zündeln heute bei NPD und Pegida. Heidi Benneckenstein hat sich anders entschieden.

Und dann schlägt sie zu. Sie prügelt auf seinen Bauch ein, auf seine Arme und Hände, immer wieder auf die Hände, damit er endlich seine verdammte Kamera loslässt. Sie drückt ihn an die Wand und tritt ihm in die Hoden. Dann sieht sie zu, wie ihre Kameraden den Rest erledigen. Wie 30 Männer und Frauen wie von Sinnen auf einen Mann eintreten, der sie fotografiert hat. Wie sie ihm die Rippen brechen, ihm fast das Leben nehmen. Heidi hat kein Mitleid mit ihm.

„Der Kerl war für mich menschlicher Abgrund“, sagt sie. Und die zersplitterte Kamera, in unzähligen Teilen auf dem Boden verstreut, war ihre Trophäe, einem „Zeckenfotografen“ abgerungen. Die Trophäe eines 16 Jahre alten Mädchens, das den Holocaust leugnete.

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Wie ich ein führender White-Power-Skinhead wurde

Via „Vice“-Magazin:

Mit 18 stand ich auf der Bühne einer Kirche in Deutschland, „Heil Hitler!“-Rufe durchdrangen immer wieder das Gebrüll Tausender Neonazis, die alle den Namen meiner Band grölten.

In diesem Augenblick war ich verantwortlich für diese unglaubliche Spannung in der Luft, für das Adrenalin, das durch pulsierende Adern strömte, und für den Schweiß, der an den kahlrasierten Köpfen runterlief.

Die Menge in dieser nebligen Märznacht 1992 war vereint durch die absolute Hingabe für die Überlegenheit der weißen Rasse. Ich war Anführer der ersten amerikanischen Nazi-Skinhead-Band, die sich jemals außerhalb der USA getraut hatte, auf dem Boden des heiligen Vaterlandes—überhaupt Europa—zu spielen. Hier wurde Geschichte geschrieben. Ich stellte mir damals vor, dass sich Hitler genau so gefühlt haben muss, als er seine Armeen zur Eroberung der Welt anführte.

Ich sang Lieder darüber, wie Gesetze Schwarze bevorzugen und damit den Weißen die Jobs wegnehmen, und wie die Weißen mit Steuern belastet werden, die für die Sozialhilfe anderer ausgegeben werden. Ich glaubte daran, dass Gegenden mit rechtschaffenden und hart arbeitenden Familien von Minderheiten und ihren Drogen überrannt wurden. Schwule—eine Gefahr für den Erhalt unserer Spezies—forderten Sonderrechte ein. Unsere Frauen wurden von Minderheiten in Beziehungen gelockt. Die Juden planten unser Unglück. Ganz klar, die weiße Rasse war in Gefahr.

So hat man es mir jedenfalls beigebracht.

Über die nächsten sieben Jahre wurde ich zu einem absoluten Rekrutierungs-Talent. Ich indoktrinierte ein zartes Pflänzchen junger Extremisten nach dem anderen. Ich gründete zwei Nazibands—White American Youth und Final Solution—und die Musik wurde schließlich zum Propagandawerkzeug meiner Wahl.

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Gewendeter Ex-Neonazi

Der „Blick nach Rechts“ berichtet:

28.05.2015 – Ein ehemaliger ranghoher Funktionär der Worch-Partei „Die Rechte“ verkündet medienwirksam seinen Ausstieg – in seiner Erklärung fehlen allerdings konkrete Fakten über Szene-interne Begebenheiten.
„Mein Name ist Michael Berner (42), ich komme aus Braunschweig, und ich war 24 Jahre aktives Mitglied in der Neonaziszene…“, mit diesen Worten beginnt die Erklärung des ehemaligen Bundesvorstandsmitglieds und Kreisvorsitzenden von „Die Rechte“ zu seinem Ausstieg. Der zweifache Vater erklärte medienwirksam in seiner Mitteilung, er wolle nun „frei denken“ und wieder selbst entscheiden.

Mit diesem Paukenschlag verließ einer der ranghöchsten Funktionäre, die als militant geltende Worch-Partei. Bei Facebook hat Berner seinen Freundeskreis bereits gesäubert, nun gehören zu seinen Bekannte welche, die „Keinen Bock auf Nazis“ haben. Das ging schnell. Vor wenigen Monaten nahm der Braunschweiger Neonazi noch am Aufmarsch in Dortmund teil. Im März demonstrierte er mit den Kameradschaften „gegen die Überfremdung des deutschen Volkes“ und auch bei „Bragida“-Spaziergängen in der zweitgrößten niedersächsischen Stadt ließ der Mann mit der Schiebermütze sich blicken. Heute gab er gegenüber dem Internetportal „Braunschweig heute“ an, die „Bragida“-Organisatorin rede „Humbug“, wenn sie den Kontakt zur Szene leugne, denn sie würde ausschließlich mit Rechtsextremisten zusammenarbeiten. Das belegen bereits zahlreiche Recherchen. Berner ergänzt nicht mit Details. In seiner langen, am Donnerstag veröffentlichten Ausstiegserklärung bleibt Michael Berner konkrete Fakten schuldig. Er geht hart mit sich ins Gericht, zeigt aber keine Anzeichen, die Öffentlichkeit mit konkreten Angaben warnen zu wollen.

Vor allem private Gründe, wie die Trennung von seiner immer noch aktiven Frau könnten ausschlaggebend für den Schritt gewesen sein. Berner geriet während seiner Zeit bei der Bundeswehr in die rechte Szene, dort habe er Menschen kennengelernt, „die in so eine Richtung gedacht hätten“ wie er. 24 Jahre blieb er der Ideologie treu. Den mutigsten Satz formuliert der 42-Jährige so: Er sei nicht, wie es innerhalb der „Bewegung“ immer dargestellt würde, als Rechtsextremist ein Opfer gewesen, sondern er stellt klar: „ich bin Täter“.

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Unter braun-schwarzer Perücke

Die „taz“ schreibt:

V-Mann „Piatto“ bestreitet, das Trio um Beate Zschäpe gekannt zu haben. Er liefert aber Details über das Neonazi-Netzwerk „Blood & Honour“.

MÜNCHEN taz | Es ist einer dieser Tage im NSU-Prozess, den die Angehörigen der Opfer und ihre Anwälte auch nach anderthalb Jahren Verfahrensdauer noch mit Spannung erwarten – und an dem sie auf neue Erkenntnisse hoffen. Es ist der 167. Verhandlungstag gegen Beate Zschäpe und die vier weiteren Angeklagten, als um kurz nach 10 Richter Manfred Götzl den Zeugen Carsten Sz. aufruft.
Ein dicker Mann in schwarzer Kapuzenjacke betritt den Saal A 101 des Münchner Oberlandesgerichts, auf dem Kopf trägt er eine braun-schwarze Perücke, auf der Nase eine große dunkle Brille, das Kinn ist voller Bartstoppeln. Ins Gesicht hat Sz. ein Tuch gezogen, das er herunterzieht, als er sich setzt. Vom Zuschauerraum kann man ihn jetzt nur von hinten sehen. Neben ihm nimmt seine Rechtsanwältin Platz.

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Ex-Nazi als Koch: Ist er ein Aussteiger oder nicht?

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet:

Er lebte in einer Nazi-WG und stand bei der Kommunalwahl auf der Liste der rechtsextremen Bürgerinitiative Ausländerstopp: Jetzt ist der Mann Koch im veganen Restaurant Max Pett. Er sagt, er ist aus der Szene ausgestiegen. Doch es bleiben Zweifel.

Es ist eine schöne Geschichte, die Daniel T. erzählt: Im „Max Pett“ habe für ihn ein neues Leben begonnen. Als er vor gut einem Jahr anfing, dort als Koch zu arbeiten, habe er zum ersten Mal erlebt, „wie Menschen jeglicher Herkunft harmonisch und im Einklang miteinander leben können“, schreibt T. auf Facebook. Das Leben, das Daniel T. früher führte und das er auch nach der Anstellung im Max Pett in seiner Freizeit noch führte, war so ziemlich das Gegenteil von harmonischem Leben im Einklang miteinander. Daniel T. wurde wegen des Baus von Sprengsätzen und wegen Volksverhetzung verurteilt, und er lebte bis zum Frühjahr dieses Jahres in einer als „braunes Haus“ berüchtigten Nazi-WG in Obermenzing.

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Hass auf der Haut

Noch 6 Tage lang könnt Ihr Euch die Doku in der Mediathek von „n-tv“ ansehen:

Rechtsextremist. Rassistische Tätowierungen im Gesicht, am Hals und auf den Händen erinnerten den heutigen Familienvater auch nach seinem Ausstieg an sein damaliges Ich. Um von diesen Tattoos und von der rechten Szene endgültig erlöst zu werden, ließ Bryon 25 Laserbehandlungen über sich ergehen. Die preisgekrönte Dokumentation gewährt Einblicke in die amerikanische Neonazi-Szene und zeigt Bryons äußere und innere Verwandlung.

Zum Film geht’s hier.

Blutiger Szenestreit in Berlin

Der „Störungsmelder“ schreibt:

Fünf Neonazis haben am Wochenende offenbar einen ihrer eigenen “Kameraden” mit Schlagstöcken angegriffen und verletzt. Auch die Verlobte des Angegriffenen wurde bei dem Überfall verprügelt. Sie erlitt einen Nasenbeinbruch. Das Pärchen stammt aus dem Ortsteil Niederschöneweide. Die beiden Opfer Marco Oemus (33) und Julia S. (21) gehören selbst seit Jahren der Neonazi-Szene an. Sie sollen interne Abweichler sein. Der Angriff war offenbar eine Racheaktion.

Auf seinem Facebook-Profil schildert Oemus am Sonntagmorgen den Überfall: „Da stehen sie da mit fünf mann über mir und meiner frau mit keulen und som dreck.“ (Fehler im Original). Dass es sich bei den Tätern nicht um politische Gegner sondern um vermeintliche „Kameraden“ handelt, verdeutlicht der darauffolgende Satz: „ihr seit feiger als die bullen und die zecken zusammen“. Auch seine Verlobte Julia S., die ursprünglich aus Hessen stammt und seit einigen Jahren mit dem Treptow-Köpenicker Rechtsextremisten liiert ist, äußert sich in einem Kommentar zu der Attacke: „Still fucking alive ihr Wichser!!! Das Ding kommt zurück!!! Meine Nase mag gebrochen sein, mein Stolz NICHT!“ Der als Tätowierer tätige Oemus kündigt Rache an und droht: „jeden einzeln werd ich mir holen und glaubt mir jeder von euch wird sich wünschen die 3 min die ihr hattet besser genutzt zuhaben“, schreibt der wegen mehrerer, teilweise brutaler Gewaltdelikte vorbestrafte und für einige Jahre sogar inhaftierte Neonazi.

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„Über die Maas, über Schelde und Rhein“ – Hintergründe des „Blood & Honour“-Konzerts am 19. April 2014 im Elsass

Via „Autonom Antifa Freiburg“:

Am 19. April 2014 spielten sieben Nazibands am Vorabend von Hitlers Geburtstag im südelsässischen Dorf Oltingue. Das Nazikonzert war seit Monaten in einschlägigen Foren und auf Facebook beworben worden. Doch nicht einmal 300 Nazis machten sich an diesem Samstag auf den Weg Richtung Dreiländereck – ungewöhnlich wenige für ein Konzert dieser Größenordnung. Abgesehen von der miserablen Qualität der Soundanlage und der viel zu großen Halle konnte das Konzert ohne Probleme stattfinden. Nach einer antifaschistischen Veröffentlichung auf Indymedia linksunten und einer darauf folgenden Agenturmeldung von Agence France-Presse fragte der Vizechef der konservativen Oppositionspartei UMP, Roger Karoutchi, in einem offenen Brief den französischen Premierminister Manuel Valls, wie es sein könne, dass „200 Nazis in einem öffentlichen Saal einer französischen Gemeinde ungestraft Hitler feiern“. Die Medien in Deutschland und der Schweiz berichteten anschließend über den Nachklang des Nazikonzerts in Frankreich, doch die entscheidenden Fragen nach den Hintergründen wurden nirgendwo gestellt: Wer hat das Konzert organisiert? Wer sind die Verantwortlichen?

Es gab wie zu erwarten Nazis aus Südbaden und dem Elsass, die vor Ort das Konzert organisierten. Angeleitet wurden sie von «Blood & Honour»-Nazis mit Überschneidungen zu «Furchtlos & Treu» aus Stuttgart und den «Autonome Nationalisten Göppingen». Einnahmen des Konzerts sollten an ein Nazihaus im thüringischen Ballstädt gespendet werden, bei dem es Überschneidungen zum «Objekt 21» in Oberösterreich gibt. Unterstützung gab es aus den Niederlanden, die Bands kamen aus Deutschland, Finnland und den USA. Die Nazis diskutierten auf der Website nationale-revolution.net, dem inoffiziellen Nachfolger von thiazi.net. Im Herbst soll der Prozess gegen die Verantwortlichen von thiazi.net in Rostock beginnen. Die bisher bekannten «Thiazi»-ModeratorInnen kamen aus ganz Deutschland, inzwischen konnten weitere in Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen, Brandenburg, Berlin, Hamburg und Südengland identifiziert werden. Darunter der Sänger der Naziband «Deutsch, Stolz, Treu», die auch bei dem Konzert spielte, der Gründer der «Kampfgruppe Priem», eine Kita-Mitarbeiterin und CDU-Kandidatin aus Brandenburg und ein Nazi mit Kontakten zu «Combat 18 Pinneberg». Von «Combat 18» schließlich führt die Recherche zum Bassisten von «Oidoxie», dem Hauptorganisator des Konzerts: Alexander Gorges. Der Thüringer lebt mittlerweile in der Schweiz und organisiert Nazikonzerte von Frankreich bis Ungarn. Und nie ist der Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ weit entfernt.

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Jürgen Elsässer lädt erneut Neonazi-Terroristen als Redner ein

Via „Indymedia Linksunten“:

Unter dem Titel „Streitgespräch Daniele Ganser vs. Karl-Heinz Hoffmann zum Oktoberfestattentat“ findet am Donnerstag, dem 20. Februar 2014, im Viet-Haus eine Veranstaltung von Jürgen Elsässers rechtem „Compact“-Magazin statt. Das Streitgespräch soll als Film eingespielt werden. Der Rechtsterrorist Karl-Heinz Hoffmann steht danach für Fragen zur Verfügung. Es ist nicht das erste Mal, dass der Ex-Linke Elsässer im rechten Lager fischt und Rechtsterroristen sprechen lässt. Vor kurzem veröffentlichte er ein Gespräch mit dem Neonazi-Bombenleger Nick Greger.

Der Referent:
Der 1937 in Nürnberg geborene Karl-Heinz Hoffmann war in den 1970er und 1980er Jahren eine wichtige Persönlichkeit der westdeutschen Neonazi-Szene. Er gründete 1973 die „Wehrsportgruppe Hoffmann“, die zeitweise aus mehr als 440 Neonazis bestand. Gemeinsam mit diesen trainierte Hoffmann paramilitärische Einsätze und den Gebrauch von Waffen. Hoffmann war somit mit dafür verantwortlich, Neonazis das Handwerkzeug für Terror und Mord zu lehren. Die Wehrsportgruppe wurde im Jahr 1980 verboten. Hoffmann wurde ein Jahr später wegen Geldfälschung, Nötigung, gefährlicher Körperverletzung, Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz sowie mehrerer Fälle von Freiheitsberaubung angeklagt und drei Jahre später zu einer Haftstrafe von über neun Jahren verurteilt. Wegen guter Führung und „günstiger Sozialprognose” kam Hoffman 1989 wieder auf freien Fuß.
Der Vize Hoffmanns, Uwe Behrendt, tötete den jüdischen Verleger und ehemaligen Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Shlomo Lewin und dessen Frau. Es stand die Vermutung im Raum, dass Hoffmann den Mord in Auftrag gegeben hatte. Ein anderes Mitglied der Gruppe, Gundolf Köhler, verübte den Bombenanschlag auf das Münchner Oktoberfest, bei dem 13 Menschen starben und 220 zum Teil schwer verletzt wurden.
Seit 2010 trat Hoffmann mehrfach als Redner auf NPD- und Kameradschaftsveranstaltungen auf. Er hatte in diesem Zusammenhang auch Kontakt zum NSU-Unterstützer André Kapke. So wurde 2010 Hoffmanns Wohnsitz nach Sprengstoff durchsucht, der Kapkes Zusammenhang zugeordnet wurde. Sein 2011 erschienenes Buch zum Oktoberfestattentat erschien im NPD-eigenen „Deutsch Stimme Verlag“.

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Weiterer militanter Neonazi als V-Person bei der Polizei geführt? Thüringer Linksfraktion fordert Aufklärung

Via „Haskala“:

[Update: Der Berliner Innensenator wird am Montag dem 27.1. im Berliner Innenausschuss zu dem Vorgang Stellung nehmen]. “Wir prüfen derzeit Hinweise, wonach ein weiterer ehemaliger militanter Neonazi, der sich in Thüringen aufhält, möglicherweise als Vertrauensperson beim Berliner Landeskriminalamt geführt wurde”, informiert Katharina König, Sprecherin für Antifaschismus der Linksfraktion im Thüringer Landtag und Mitglied des NSU-Untersuchungsausschusses. “Sollten die Vorwürfe zutreffen, wonach der ehemalige Neonazi vor ca. zwei Monaten in Pößneck durch Berliner LKA-Beamte aufgesucht und ihm gedroht wurde, nicht zu einem Brandenburger Verfassungsschutz-Spitzel vor einem NSU-Untersuchungsausschuss auszusagen, dann wäre dies ein weiterer Skandal in der Reihe von staatlichen Vertuschungsversuchen beim NSU-Komplex”, so die Abgeordnete, die namens ihrer Fraktion auch die Thüringer Sicherheitsbehörden zur Aufklärung auffordert.

Bei der betroffenen Person handelt es sich um den bundesweit bekannten ehemaligen Neonazi Nick Greger, der Rechtsrock-Konzerte organisierte und wegen neonazistisch motivierter Straftaten in Haft saß, u.a. weil er einem dunkelhäutigen Menschen ein Ohr abriss. Im Jahr 2000 wurde er verurteilt, weil er zusammen mit dem auch aus dem NSU-Untersuchungsausschuss bekannten V-Mann Carsten Szczepanski, alias “Piatto”, einen Sprengstoffanschlag auf politische Gegner vorbereitet hatte.

“Wie wir mittlerweile wissen, wurde zwei Jahre zuvor auf dem Handy von Gregers “Kameraden” Carsten Szczepanski eine SMS durch Thüringer Fahnder im Rahmen einer Telefonüberwachung zum Jenaer Neonazi-Trio abgefangen. Nach heutigem Stand hatte sich damals ein sächsischer NSU-Unterstützer mit den Worten “was ist mit dem Bums?” wohl nach einer Bewaffnung für das Trio bei Szczepanski erkundigt”, so König. Sie verweist auch auf die Aussage eines Polizisten vor dem Thüringer Untersuchungsausschuss, nach der man damals bei der Abhöraktion als Empfänger der SMS eine SIM-Karte des Brandenburger Innenministeriums identifizierte und deswegen nicht weiter ermitteln konnte. Szczepanski selbst hatte die Information zur Bewaffnung des Trios dem Brandenburger Verfassungsschutz gemeldet. Von da aus soll sie angeblich nach Thüringen weitergereicht worden sein, erreichte aber nach verschiedenen Aussagen im Ausschuss offensichtlich nicht die zuständigen Ermittler in Sachsen und Thüringen.

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Siehe auch: Noch ein Spitzel beim Berliner LKA?

Die Chemnitz-Connection: NSU-Kumpane am Neckar

Die „Ludwigsburger Kreiszeitung“ berichtet:

Nicht nur das Terrortrio selbst hatte enge Verbindungen in den Raum Ludwigsburg – Rechtes Musiknetzwerk und NPD als Schaltstellen

Die Parole „Blut und Ehre“ stand auf den Fahrtenmessern der Hitlerjugend. Blood & Honour (B&H) heißt ein internationales Vertriebsnetzwerk für neonazistische Subkultur, das teils konspirativ arbeitet und mit Musik und Fanzines militante Rechte rekrutiert. In Deutschland seit 13 Jahren verboten, aber deshalb keineswegs verschwunden, prägte B&H, gemeinsam mit der NPD, die Szene im Kreis – die, als radikal bekannt, schon in den 1990er Jahren auch Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe anlockte. Teile des Jenaer und Chemnitzer B&H-Umfeldes des NSU zog es später für längere Zeit oder ganz in den Raum Ludwigsburg.

Zentrales Beispiel ist ein mit dem Terrortrio eng verbandeltes Rechtsrock-Trio um das Chemnitzer B&H-Label Movement Records: J.W., A.G. und T.S. Letzterer ist beispielsweise auf einem der Fotos zu sehen, das im Ludwigsburger Partykeller des 2003 verstorbenen Rechtsrockers Michael Ellinger aufgenommen wurde. T.S. dürfte erwartungsvoll nach Ludwigsburg gekommen sein: Er ist der Mann, dem Uwe Mundlos 1996 in einem Brief vom Waffenarsenal seiner hiesigen Kumpane vorgeschwärmt hatte. S. saß zu dieser Zeit noch im Gefängnis: Wegen einer Neonazi-Schlägerei, an der auch Mundlos beteiligt gewesen sein soll, verbüßte er von 1994 bis 1996 eine Haftstrafe und wurde von dem damals noch nicht abgetauchten Jenaer Trio unterstützt. Laut Recherchen linker Medien wie dem in Berlin erscheinenden Antifaschistischen Infoblatt (AIB), hinter dem ein ehrenamtlich arbeitendes Netzwerk linker Aktivisten und professioneller Journalisten steht, oder dem autonomen Internet-Portal Indymedia soll S. nach seiner Entlassung ein paar Monate mit Beate Zschäpe liiert gewesen sein und dem NSU 1997 Sprengstoff geliefert haben. Als die Polizei das TNT – gemeinsam mit der Namensliste, auf der neben den Namen von drei Ludwigsburger NSU-Vertrauten auch der von T.S. stand – im Januar 1998 in einer Jenaer Garage fand, tauchten Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe in den Untergrund ab.

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Gewachsene braune Strukturen

Via der „Blick nach Rechts“:

Endlich kommt nach über 50 Prozesstagen im Münchner NSU-Prozess die Rede auf das Neonazi-Helfer-Netzwerk „Blood&Honour“ – doch das Gericht stellt die Relevanz in Frage und unterbricht.

Der ehemalige Skinhead Stefan A aus Jena., Cousin der Hauptangeklagten Beate Zschäpe, hat sich wie bisher alle rechten Zeugen im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München eine einfache Strategie zurechtgelegt: Die eigene politische Rolle herunterspielen und möglichst wenige noch lebende ehemalige Kameraden und Kameradinnen belasten. Die weitestgehend sehr unpolitischen Fragen des Vorsitzenden Richters Götzl hat A. an diesem Tag bereits hinter sich. Der seit acht Jahren auf Mallorca lebende Handwerker will unbedingt vor Gericht den Eindruck vermitteln, er gehörte damals, als sich führende Jenaer Neonazis verradikalisierten, nur zur Skinhead-Spähfraktion. Stundenlang kommt er damit durch, von Kameradschaftsaktivitäten, Flucht der Kameraden und Cousine sowie Helferstrukturen nichts gewusst zu haben.

Richter Götzl stellt seine inzwischen typischen Fragen: Welche Bedeutung hatte der verstorbene Großvater für Beate Zschäpe? Wie reagierte die Großmutter nach der Flucht 1998 oder war Zschäpes Berufswunsch Kindergärtnerin? Als am Mittwochnachmittag endlich die Vertreter der Nebenklage zum Zuge kommen und gezielte Nachfragen nach politischer Einstellung, Teilnahme an rassistischen Aktionen oder gar nach Neonazi-Musikstrukturen stellen, wird es spannend.

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Siehe auch: Der Zeuge, der Nazi-Beiträge auf Facebook mag

[Berlin-Wedding] Von Aussteigern und Aufhörern

„Indymedia Linksunten“ berichtet:

Am 7. Au­gust ha­ben wir Re­cher­chen ver­öf­fent­licht, wo­nach im Frei­bad Plöt­zen­see der­zeit min­des­tens eine Per­son eine Tä­tig­keit als Schwim­m­eis­ter aus­übt, die in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit durch neo­na­zis­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten auf­ge­fal­len ist.

So war der heute 45-Jährige Mike Man­fred Zer­fow­ski in den Jah­ren 2009 bis 2010 in der ak­tio­nis­ti­schen Neonazi-Kameradschaft „Freie Na­tio­na­lis­ten Berlin-Mitte“ ak­tiv, die zu je­ner Zeit mit Schwer­punkt im Wed­ding und an­gren­zen­den Be­zir­ken durch ein Se­rie von Sach­be­schä­di­gun­gen, Pro­pa­gan­da­ak­tio­nen und Ge­walt­ta­ten auf sich auf­merk­sam machte. In un­se­rer ers­ten Ver­öf­fent­li­chung wie­sen wir nicht nur auf den Cha­rak­ter die­ser Or­ga­ni­sa­tion hin, son­dern auch auf meh­rere Ak­tio­nen der „Freien Na­tio­na­lis­ten“, an de­nen Mike Zer­fow­ski nach­weis­lich be­tei­ligt war. Seine Mit­wir­kung reichte in die­ser Zeit von der Teil­nahme an Neo­na­zi­auf­mär­schen über Pro­pa­gan­da­ak­tio­nen bis­hin zur Be­dro­hung und dem Ab­fo­to­gra­fie­ren von Nazi-Gegner_innen.

Auch zu Zer­fow­skis En­ga­ge­ment in der Neu­köll­ner NPD wur­den uns im Nach­gang der Ver­öf­fent­li­chung wei­tere de­tail­lierte In­for­ma­tio­nen zu­ge­spielt. Laut ei­ner 2007 ge­le­ak­ten NPD-Mitgliederliste be­klei­dete er den Pos­ten des 2. Or­ga­ni­sa­ti­ons­lei­ters der NPD-Neukölln, ent­sprach also auch hier kei­nes­falls nur dem Ty­pus ei­nes Mit­läu­fers. Auf­fäl­lig ist, dass Zer­fow­ski so lange öffent­lich durch neo­na­zis­ti­sches En­ga­ge­ment in Er­schei­nung trat, bis Antifaschist_innen im Jahre 2010 im Zu­sam­men­hang mit den Ak­ti­vi­tä­ten der „Freien Na­tio­na­lis­ten Berlin-Mitte“ be­gan­nen erste Por­trait­f­auf­nah­men, auch von ihm, zu ver­öf­fent­li­chen und iden­ti­fi­zie­rend zu be­rich­ten.

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Aussteiger bei den Rechtsextremen: „Hass ohne Ende, Angst ohne

„Spiegel-Online“ berichtet:

Martin ist neun, als er den ersten Neonazi kennenlernt. Seine Eltern merken nicht, wie er sich im Laufe der Jahre radikalisiert, zum Gewalttäter wird. Erst 16 Jahre später kommt er zur Besinnung und steigt aus – ohne Hilfe hätte er es nicht geschafft.

Martin* ist rasend vor Wut, als er die Wohnungstür eintritt. Drinnen wartet ein Mann. Mit mehreren Komplizen packt Martin ihn, drischt auf ihn ein und tritt zu. Immer wieder. Gnadenlos. Viele Jahre lang waren sie befreundet, doch das zählt nicht mehr. Martins Kumpel will kein Neonazi mehr sein. Er will aussteigen. „Ich wollte ihn an der Wäscheleine aufhängen“, sagt Martin. Nur mit Mühe und Not hätten ihn seine Schlägerkumpanen davon abhalten können.

Die Attacke ist mehr als sechs Jahre her. Doch sie lässt den jungen Mann nicht mehr los. Martin sitzt leicht vorgebeugt. Sein Blick richtet sich starr auf seine Hände, die Stimme ist fest.

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„Hammerskins“ und andere Nazinetzwerke in Baden-Württemberg

Die „Autonome Antifa Freiburg“ berichtet in einer Wahnsinnsrechercheleistung über die „Hammerskin“-Strukturen in Südwestdeutschland und darüber hinaus :

Die „Hammerskins“ sind eine elitäre und bewusst relativ kleine, aber straff organisierte und international vernetzte Nazistruktur. Der Verfassungsschutz Baden-Württemberg behauptet noch im Mai 2013 auf seiner Website: „In Baden-Württemberg unterhalten zwar einzelne rechtsextremistische Skinheads Kontakte zu den ‚Hammerskins‘, ein sogenanntes ‚Chapter‘ (regionale Gruppe) konnte bislang jedoch nicht festgestellt werden.“ Diese Behauptung des Inlandsgeheimdienstes ist falsch. Es gibt in Baden-Württemberg seit Jahren das „Chapter Baden“ und seit 2011 auch das „Chapter Württemberg“.

Die Organisation der „Hammerskins“

Die „Hammerskin Nation“ wurden 1987 im texanischen Dallas gegründet. Das „Gründungschapter“ nennt sich „Confederate Hammerskins“ (CHS) und umfasst die ehemaligen US-amerikanischen Südstaaten. Die „Hammerskins“ haben „Chapter“ in Nordamerika, Europa und Australien. Die deutsche Sektion der „Hammerskins“ entstand Anfang der 1990er Jahre. Bis vor kurzem gab es in Deutschland zehn „Chapter“: „Westmark“, „Bremen“, „Mecklenburg“, „Pommern“, „Berlin“, „Westsachsen“, „Franken“, „Bayern“, „Württemberg“ und „Baden“. Als Reaktion auf die erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit und aus Angst vor einem drohenden Verbot nach dem Vereinsrecht reagierten die deutschen „Hammerskins“ mit einer präventiven Antirepressionsstrategie.

Die beiden gefährdetsten „Chapter“ waren das „Chapter Westmark“ um den „Hammerskin“-Europachef Malte Redeker und das „Chapter Mecklenburg“ mit seinem „Thinghaus“ in Grevesmühlen, eine der wichtigsten Naziimmobilien in Mecklenburg-Vorpommern – betrieben gemeinsam mit der NPD. Im September 2012 wurde das „Chapter Luxemburg“ von Robert „Robby“ Kiefer gegründet und im März 2013 das „Chapter Westmark“ aufgelöst. Im Februar 2013 wurde das „Chapter Mecklenburg“ aufgelöst und das „Chapter Nordmark“ von Steffen „Steffi“ Borchert wiedergegründet. Es ist davon auszugehen, dass die beiden offiziell aufgelösten Chapter unter anderem Namen fortgeführt werden. Das „Chapter Mecklenburg“ wird sich künftig als „Chapter Nordmark“ bezeichnen und das bisherige „Chapter Westmark“ wird als ein zur Zeit noch namenloses „Chapter“ weitergeführt werden, während einzelne Mitglieder offiziell das „Chapter Luxemburg“ bilden. Die Umstrukturierungsmaßnahmen sind ausschließlich durch eine Verschleierungstaktik motiviert, die Zusammenarbeit der „Hammerskins“ wurde weder national noch international beeinträchtigt.

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