Archiv der Kategorie 'Nazis im VS'

V-Mann spricht im NSU-Untersuchungsausschuss – aber nicht heute

Via „Ruhrbarone“:

Mit Toni Stadler hätte heute der erste V-Mann öffentlich im NSU-Untersuchungsausschuss des NRW-Landtages aussagen sollen. Daraus wird zumindest heute nichts: Der Zeuge hat sich krank gemeldet. Ein weiterer ehemaliger Staatsschutz-Mitarbeiter ist damit der einzige Zeuge am heutigen Donnerstag.

16:15 Uhr: Die nicht-öffentliche Sitzung hat länger gedauert, der öffentliche Teil beginnt mit der Mitteilung, dass Toni Stadler erkrankt ist und nicht erscheint. Es wird ein Attest angefordert – für den Fall, dass dies nicht ausreicht, kann der Ausschuss ein Ordnungsgeld und eine „zwangsweise Vorführung“ des Zeugen in die Wege leiten. Damit geht es gleich zur Vernehmung des ehemaligen Dortmunder Staatsschutz-Mitarbeiters Robert Preuß.

16:31 Uhr: Robert Preuß war von 1996 bis 2004 beim Dortmund Staatsschutz beschäftigt und ist jetzt im NRW-Innenministerium. Er leitete eine Projektgruppe zu „Skinbands“ und berichtet von der Arbeit in der Projektgruppe. Im Vorfeld von Konzerten seien Informationen über die Bands und ihre MItglieder gesammelt worden, außerdem habe man wissenschaftliche Publikationen als Begleitliteratur herangezogen. Fokus sei nicht der politisierende und ideologisierende Faktor der Musik gewesen, sondern die Überlegung, rechte Bands, explizit nennt er Oidoxie und Weiße Wölfe, als kriminelle Vereinigung zu betrachten.

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Der Skandal um den V-Mann Sebastian Seemann

„NSU Watch NRW“ berichtet:

Kurz nach der Aufdeckung des NSU im November 2011 machte ein ehemaliger V-Mann des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes eine bemerkenswerte Aussage: Das Vorgehen des NSU erinnere ihn stark an die „Turner Diaries“, sagte er gegenüber der Polizei aus. Dieses Werk eines US-Neonazis sei damals auch in Dortmund gelesen worden, wo Neonazis – vor dem Mord an Mehmet Kubaşık am 4. April 2006 – eine Zelle von „Combat 18“ gegründet hätten. Möglicherweise könne er auch Informationen zu weiteren, dem NSU zugerechneten Schusswaffen liefern. Bei dem aussagefreudigen ehemaligen V-Mann handelte es sich um den 2007 enttarnten Sebastian Seemann. Er war nicht nur Spitzel des NRW-Verfassungsschutzes, sondern tief in die Dortmunder Neonazi-Szene verstrickt. Er war Organisator von „Blood & Honour“-Konzerten, Drogendealer und mutmaßlicher Waffenhändler.
Eine rechte Biografie

Der aus Lünen stammende Sebastian Seemann war in der Neonaziszene gut eingebunden. Er zählte zu dem engen Umfeld der Skinhead-Band „Oidoxie“ aus Dortmund-Brechten und nahm an verschiedenen Aufmärschen der Szene teil. Bereits im Jahr 2000 wird er als Freund des Polizistenmörders Michael Berger der Polizei bekannt. Er war Mitglied der „Oidoxie Streetfighting Crew“, in der sich Neonazis aus NRW und Hessen sammelten, die bei Rechtsrock-Konzerten Aufgaben eines Sicherheitsdienstes übernahmen. Anhand dieser „Crew“ lassen sich enge Verbindungen zwischen Dortmunder und Kasseler Neonazis nachweisen.

Einige Zeit lang war Seemann Mit-Organisator des „Ian Stuart Donaldson-Memorial Concert“ (ISDM) in Belgien. Bei diesen Erinnerungskonzerten ehren Neonazis jährlich den verstorbenen Sänger ihrer Kultband „Screwdriver“ und Gründer des „Blood & Honour“-Netzwerkes. Die deutsche Sektion von „Blood & Honour“ war 2000 vom Bundesinnenministerium verboten worden, dennoch wurden die Aktivitäten zum Teil weitergeführt. Dortmunder Neonazis wichen verstärkt ins benachbarte Belgien aus. Sebastian Seemann fungierte 2004 und 2006 als offizielle Kontaktperson für diese „Blood & Honour“-Konzerte, die gemeinsam mit Personen von „Blood & Honour Flandern“ bzw. „Bloed – Bodem – Eer – Treuw“ organisiert wurden. Erlöse aus dem Konzert von 2004 spendeten die Organisator*innen an die „Kameradschaft Dortmund“, die sich von dem Geld eine eigene Lautsprecheranlage zulegten. Zudem prahlte Seemann in einem Forum: „Wie ich ja schon vorher sagte, fließt der Erlös ohne Ausnahme wieder zurück in die Bewegung. Also in deutsche und belgische politische und m…… Widerstandsdivisionen“. Die Formulierung »m…… Widerstandsdivisionen« dürfte wohl „militante Widerstandsdivisionen“ bedeuten: Wer von dem Geld profitierte, ist nicht klar.

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blick.zurück – Rechter Terror in Potsdam oder „nur“ eine Nationale Bewegung?

Via „Inforiot“ – Sehr lesenswerter Artikel vom „Antifaschistisches Pressearchiv Potsdam“:

Min­des­tens vier­zehn Anschläge und Pro­pa­gan­da­ak­tio­nen inner­halb eines Jah­res. Bekenner_innenschreiben mit, auf den Natio­nal­so­zia­lis­mus bezo­ge­nen, her­ge­lei­te­ten his­to­ri­schen Datie­run­gen. Men­schen­ver­ach­tende Dro­hun­gen und Anschläge gegen­über der Jüdi­schen Gemeinde, der Kam­pa­gne gegen Wehr­pflicht, Haus­pro­jek­ten, Imbis­sen und kul­tu­rel­len Anti-Neonazi-Veranstaltungen – und keine der Täter_innen wur­den bis­her ermit­telt.

Wie kann das sein?

Nach der Beob­ach­tung der Ermitt­lun­gen im Kom­plex des Natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Unter­grund – NSU – muss die Frage gestellt wer­den, ob nicht auch an die­ser Stelle, in der Auf­ar­bei­tung und Ermitt­lung gegen die Natio­nale Bewe­gung, Infor­ma­tio­nen durch staat­li­che Behör­den zurück­ge­hal­ten und ver­tuscht wur­den.

Spä­tes­tens heute, fünf­zehn Jahre nach dem letz­ten bekann­ten Anschlä­gen der Natio­nale Bewe­gung am 30. Januar 2001, ist es an der Zeit, eine Auf­ar­bei­tung der Ereig­nisse um die selbst ernannte neonazistisch-militante Grup­pie­rung Natio­nale Bewe­gung zu for­cie­ren. Einen Anfang wol­len wir mit die­sem Text machen. Weil die Infor­ma­ti­ons­lage über die Natio­nale Bewe­gung und das sie umge­bende neo­na­zis­ti­sche Umfeld unein­deu­tig und teils wider­sprüch­lich ist, kön­nen wir keine Gewähr für die hier dar­ge­stell­ten Infor­ma­tio­nen über­neh­men. Der Arti­kel fußt auf Recher­chen in den Archi­ven des Anti­fa­schis­ti­schen Pres­se­ar­chiv Pots­dam (APAP) und des Anti­fa­schis­ti­schen Pres­se­ar­chiv und Bil­dungs­zen­trum Ber­lin (APABIZ).

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Neonazi-Konzert: „Geburtstagssause“ mit „internationalen Klassikern“ in Norditalien

Der „Störungsmelder“ schreibt:

Für den 20.02.2016 kündigen Neonazis ein Rechtsrockkonzert in Norditalien mit „einigen internationalen Klassikern“ an.

Auftreten sollen Mistreat und Sniper aus Finnland, Blue Eyed Devils aus den USA, sowie I.C.1 aus Großbritannien und Baden-Württemberg neben Faustrecht aus Schwaben.

Mistreat positionieren sich eindeutig neonazistisch. Ein CD-Cover ziert kämpfende SS-Männer, ihre Lieder heißen etwa „Born to be white“ oder „Fourth Reich“.

Im Interview mit einem nationalsozialistischen Musikblog äußerte sich die „legendäre finnische Band“ Sniper 2009 zu ihrem Namen. Er sei inspiriert vom „erfolgreichsten Heckenschützen des Zweiten Weltkrieges“, der „über 505 Gegner in nur wenigen Monaten“ tötete.

Die Blue Eyed Devils spiel(t)en NS-Hatecore der ersten Stunde. „The Swastika is our flag“ oder „Kill the Jew and cut of his head“ sind nur zwei Kostproben aus den Liedern der White-Power-Band, die eigentlich 2003 aufgelöst wurde. Seit 2006 wird der Name aber von Drew Logan und Anderen als eine Art Coverband der ursprünglichen Kultband weitergeführt. Der Neonazi und Sänger der originalen Blue Eyed Devils, Wade Michael Page erschoss 20012 sechs Menschen und anschließend sich selbst.

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V-Mann-Verdacht gegen Reker-Attentäter: Berlin schweigt

Via „Neues Deutschland“:

Grünen-Politiker Beck: Geheimniskrämerei der Bundesregierung »lässt einen kritisch aufhorchen« / Parteilose Politikerin als Kölner Oberbürgermeisterin vereidigt

Berlin. Während die parteilose Politikerin Henriette Reker am Dienstag im Kölner Stadtrat als neue Oberbürgermeisterin vereidigt worden ist, erhält der Verdacht neue Nahrung, der Attentäter, der die 59-Jährige vor zwei Monaten im Wahlkampf aus mutmaßlich rassistischen Gründen niederstach, könne V-Mann gewesen sein. Eine entsprechende Anfrage der Grünen im Bundestag ist von der Bundesregierung jetzt »nach sorgfältiger Abwägung« nicht beantwortet worden. »Die Führung von Quellen gehört zu den wichtigsten nachrichtendienstlichen Mitteln, die den Nachrichtendiensten zur Informationsbeschaffung zur Verfügung stehen.« Die Auskunft müsse auch dann verweigert werden, wenn entsprechende Verbindungen zum Geheimdienst schon länger zurückliegen oder gar nicht existieren.

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[FFM] Vertuscht und Verschwiegen: Neonazistischer Mordanschlag auf Linke im Jahr 2000

Verdammt gute und lesenswerte Recherche u.a. zu „Blood & Honour“– und „Combat 18″-Strukturen in Hessen:

Im September 2000 gab es in Frankfurt einen Mordanschlag auf Linke. Dank glücklicher Umstände explodierte der unter einem Auto angebrachte Sprengsatz nicht. Fast 15 Jahre später berichtete die Frankfurter Rundschau erstmals öffentlich von den Ereignissen. Nun zeichnen wir in diesem Hintergrund-Papier die Aktivitäten militanter Neonazis zu dieser Zeit im Rhein-Main-Gebiet nach, beleuchten das politische und soziale Umfeld der von dem Anschlag Betroffenen und erheben schwere Vorwürfe gegen Polizei und Staatsanwaltschaft.

Der neonazistische Mordanschlag auf Linke in Frankfurt im Jahr 2000 und was wir dazu zu berichten haben … Einblicke in den Neonazi-Untergrund im Raum Frankfurt.

Der Mordanschlag im September 2000

Die Frankfurter Rundschau berichtete am 15. Mai 2015 in dem Artikel „Der Anschlag”: In den ersten Septembertagen des Jahres 2000 gab es in Frankfurt am Main einen neonazistischen Mordanschlag auf drei Menschen. Am PKW einer Antifaschistin und eines Antifaschisten hatten Unbekannte zwei Stangen mit metallischem Natrium (im Folgenden: Natriumstangen) angebracht, die in Verbindung mit Wasser hochexplosiv reagieren. Die Betroffenen – Bastian, Ulrike (Namen geändert) und ihr wenige Monate altes Kind – hätten bei einer Explosion wenig Überlebenschancen gehabt.

Mindestens 100 Kilometer waren Bastian, Ulrike und ihr Baby am 3. September 2000 mit den unter der Auspuffanlage ihres Autos befestigten Natriumstangen gefahren, bis diese entdeckt wurden. Sie hatten Glück im Unglück. Es regnete nicht während ihrer Fahrt, die Straßen waren feucht aber ohne Pfützen. Ein Magnet, der am Auspuff angebracht war, lässt vermuten, dass die TäterInnen neben den Natriumstangen weiteres Material befestigt hatten, das während der Fahrt abgefallen war – möglicherweise ein Gefäß mit Wasser, das, wäre es am heißen Auspuff durchgeschmort, Wasser freigesetzt und die Explosion ausgelöst hätte.

Sehr dürftige polizeiliche Ermittlungen

Heute wie damals spricht alles für einen neonazistischen Anschlag auf Linke. Dennoch – oder gerade deshalb: Die Ermittlungen des Frankfurter Staatsschutzes zu dem Mordanschlag waren äußerst dürftig. Es stellt sich die Frage: Konnten sie nicht, wollten sie nicht oder sollten sie nicht? Offenbar ergänzten sich beim Frankfurter Staatsschutz Inkompetenz, Ignoranz und Unwillen.

Obwohl der Polizei zwei Wochen nach dem Anschlag klar war, dass die Natriumstangen bei einer Explosion „das Auto mehrfach zerfetzt” hätten (Zitat siehe Frankfurter Rundschau), ermittelte sie nur wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und nicht wegen eines geplanten Tötungsdeliktes. Das ist absurd. Doch konnten so der Ermittlungsaufwand geringer gehalten und die Akten schneller geschlossen werden. Bereits im Januar 2001 – nicht einmal fünf Monate nach dem Anschlag – wurden die Ermittlungen eingestellt. Auch verfolgte die Polizei in den Ermittlungen lediglich (und unvollständig) den Weg der Natriumstangen und die Frage, wer diese gestohlen und an wen weitergegeben hatte. Naheliegenden Fragen wurde nach unserem Erkenntnisstand nicht nachgegangen:

Welche Neonazistrukturen könnten für diesen Anschlag verantwortlich sein? Wer hatte die Motivation, das Knowhow, das Konzept, um diesen Anschlag durchzuführen? Und wer hatte zugleich einen „Zugang” zu den Betroffenen?

Im Abschlussgespräch vor der Einstellung der Ermittlungen gab der Ermittlungsführer des Frankfurter Staatsschutzes gegenüber Bastian, Ulrike und ihrem Anwalt offen zu verstehen, dass es keine organisierten Neonazistrukturen im Frankfurter Raum gäbe, denen ein derartiger Anschlag zuzutrauen sei. Nicht nur antifaschistische Recherchen zeigen etwas ganz anderes, auch die Polizei wusste es zu diesem Zeitpunkt besser. Deswegen muss nun insbesondere aufgearbeitet werden, warum die Polizei bestimmte Fakten und ihnen vorliegende Erkenntnisse nicht in die Ermittlungen einführte.

Wir wissen nicht, wer Bastian, Ulrike und ihr Kind beinahe getötet hätte. Die nachfolgende Abhandlung soll dazu dienen, die Hintergründe und Milieus zu beleuchten, die in diesem Anschlag eine Rolle gespielt haben könnten. Es gab zu dieser Zeit im Rhein-Main-Gebiet militante Neonazistrukturen, die Waffen beschafften, paramilitärische Gruppen bildeten, Untergrundkonzepte verfolgten und in entsprechende Netzwerke eingebunden waren. Ihnen war der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Fachhochschule (FH) Frankfurt, in dem Bastian mitarbeitete, als „antifaschistische Institution” bekannt und verhasst. Diese Neonazistrukturen wollen wir nach unserem Kenntnisstand offenlegen.

Zur Zeit finden in Wiesbaden die Sitzungen des Untersuchungsausschusses zum Mord des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) am 6. April 2006 an Halit Yozgat in Kassel statt. Von den Expertinnen und Experten, die in den bisherigen Sitzungen gehört wurden, konnten bislang allenfalls die Journalistin Andrea Röpke und der Journalist Dirk Laabs Fachwissen einbringen. Andere Expertisen – gerade der Behörden – überboten sich mit steilen Thesen darüber, dass es in Hessen in den frühen 2000er Jahren keinen militanten Neonaziuntergrund und beispielsweise auch keine Kontakte hessischer Neonazis nach Thüringen in das weitere Umfeld des NSU gegeben habe. Ein Blick alleine in das militante Neonazimilieu im Raum Frankfurt um das Jahr 2000 widerlegt dies eindrücklich.

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Der vollständige Text als PDF: Vertuscht und Verschwiegen: Der neonazistische Mordanschlag auf Linke in Frankfurt im Jahr 2000
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Weiterer V-Mann im NSU-Umfeld

Die „Junge Welt“ schreibt:

Sachsens Verfassungsschutz führte bisher unbekannte »Quelle« in »Blood and Honour«-Kreisen

Auch der sächsische Verfassungsschutz hat Ende der Neunzigerjahre einen V-Mann im Umfeld des Trios geführt, das ab 2000 als »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) mindestens zehn Menschen ermordet haben soll. Nach Spiegel-Informationen war dieser V-Mann im Milieu des Neonazinetzwerks »Blood and Honour« aktiv, in dem sich auch Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt vor und nach ihrem Untertauchen 1998 bewegten.

Zwar sind längst Klarnamen von anderen V-Leuten aus »Blood and Honour«-Kreisen mit NSU-Bezug bekannt – diese waren aber von anderen Landesämtern für Verfassungsschutz (LfV) geführt worden. Die »Quelle« des sächsischen Geheimdienstes war laut Spiegel in Chemnitz eingesetzt, der Stadt, in der das Trio in der ersten Zeit nach seiner Flucht aus Jena im Untergrund lebte und seinen ersten Überfall beging. Die Rolle dieses V-Mannes wurde bislang weder im Münchner NSU-Prozess noch in den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen des Bundes und der Länder beleuchtet. Der sächsische Verfassungsschutz, dessen heutiger Chef Gordian Meyer-Plath damals V-Mann-Führer des brandenburgischen Landesamtes war, will sich erwartungsgemäß nicht zu »Fragen zum operativen Einsatz von menschlichen Quellen« äußern. Auch Meyer-Plath führte allerdings eine »Quelle«, die die Chemnitzer »Blood and Honour«-Aktivisten gut genug kannte, um von ihnen Informationen über das untergetauchte Trio zu bekommen. Der V-Mann Carsten Szczepanski war wegen eines Mordversuchs verurteilt und wurde als Freigänger von Meyer-Plath zu Neonazitreffen gefahren.

Als Szczepanski ab Spätsommer 1998 über drei untergetauchte Neonazis berichtete, die von sächsischen »Blood and Honour«-Aktivisten mit Quartieren und Geld unterstützt wurden und sogar mit Waffen versorgt werden sollten, konnte sein Quellenführer, der heutige Chef des sächsischen Verfassungsschutzes, das angeblich nicht einordnen. Nun soll es in der Chemnitzer »Blood and Honour«-Szene einen weiteren V-Mann gegeben haben, damals geführt vom sächsischen Landesamt.

Quelle
Siehe auch: Sächsischer Verfassungsschutz führte V-Mann im „Blood and Honour“-Umfeld des NSU-Trios

NSU/André E. – „Halbwegs intelligenter Eindruck“

Der „Spiegel“ berichtet:

Ein neuer Untersuchungsausschuss soll klären, was V-Männer vom NSU-Trio wussten und welche Unterstützer es gab. Im Fokus steht die Neonazi-Truppe „Blood and Honour“.

Der 43-jährige Industrieelektroniker Ingolf W. sitzt am 9. Februar dieses Jahres in der Kriminalpolizeiinspektion Anklam und erzählt zwei Beamten des Bundeskriminalamts scheinbar freimütig von seiner Zeit „in rechten Kreisen“. Es war Ende der Neunzigerjahre, er lebte damals in Sachsen. W. hat Konzerte organisiert und ist auf viele Treffen von Kameraden gefahren, auch ins Ausland, nach Ungarn, England, Tschechien. „Blood and Honour“ (B&H) stand im Zentrum des Milieus, in dem er sich zu jener Zeit bewegte – ein Netzwerk rechtsextremer Bands, das sich auch als politische Kampftruppe verstand. Heute aber, versichert Ingolf W., führe er ein „ziemlich gesetztes“ Leben.

Es gibt Aspekte, die W. in seiner Vernehmung ausspart. Zum Beispiel, dass er damals maßgeblich an einem Magazin mitgearbeitet hat: „White Supremacy“, weiße Überlegenheit, eine Art Mitgliederzeitschrift von B&H. Berichte über Skinhead-Konzerte und Fußballturniere fanden sich darin, aber auch Kommentare. Einer trug den Titel „Gedanken zur Szene“ und rief die Leser dazu auf, sich „aktiv am Kampf“ zu beteiligen, gegen alles, „was sich gegen unser Volk und unser Land“ richte. Der anonyme Autor war, so hat es später ein Zeuge ausgesagt, Uwe Mundlos, einer der späteren Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Er hat vermutlich auch beim Layout der Zeitschrift geholfen, während er sich zusammen mit Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt vor der Polizei versteckte.

Als die zwei Ermittler W. fragen, ob er die Terroristen kennt, behauptet er: „überhaupt nicht“. Er habe ihre Namen in den Medien gelesen. Ohne nach dem Zeitpunkt gefragt worden zu sein, betont W. gleich viermal, er sei erst 2003 in die Szene gekommen – ein klarer Widerspruch zu seiner Mitarbeit am Magazin Ende der Neunzigerjahre.

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Enttarnter V-Mann im NSU-Komplex: Ein gescheitertes System

Die „taz“ schreibt:

Ein V-Mann gab NSU-Wissen nicht weiter – oder das Amt verwertete diese Kenntnisse nicht. Beides beweist: Der Einsatz von V-Leuten bringt nichts.

Wenn man denkt, das Zeugnis für den Verfassungsschutz im NSU-Komplex könnte miserabler nicht ausfallen, dann geht es doch noch ärger. Diesmal also Roland Sokol. Der jüngst verstorbene Vollblut-Neonazi gehörte mehr als zwanzig Jahre den extremsten und gewaltbereitesten Spektren der rechten Szene an, den Hammerskins und Blood & Honour. Und, wie jetzt bekannt ist: Er berichtete aus diesem Innenleben auch dem Verfassungsschutz.

Mehr noch. Als der NSU aufflog, landete die einzige Bekenner-DVD, die, so weit bekannt, an einen rechtsextremen Empfänger ging, ausgerechnet bei dem Szene-Versand, den Sokol gerade übernahm. Über die brisante Post war der Dienst informiert und berichtete dem BKA – freilich ohne Verweis auf seine Quelle Sokol.

Nun bleiben Fragen offen, mal wieder. Wusste Sokol etwas über das NSU-Trio? Oder zumindest über Helfer der Untergetauchten? Immerhin gehörte Sokol genau zu dem Spektrum, das dem NSU Wohnungen oder gefälschte Pässe vermittelte – „Blood & Honour“. Und er hielt offenbar über Jahre Kontakte zur rechten Szene in Chemnitz, wo das Trio zuerst Unterschlupf fand. Doch der Verfassungsschutz schweigt.

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Siehe auch: Aufklärer widmen sich V-Mann

Den Verfassungsschutz auflösen – Naziterror und Rassismus bekämpfen!

Demonstration gegen eine Podiumsdiskussion mit dem sächsischen Verfassungsschutz (VS)

Erneut soll dem sächsischen Verfassungsschutzpräsidenten Gordian Meyer-Plath in Leipzig ein Podium geboten werden. Am Dienstag, den 6.Oktober, soll Plath an einem Podium unter dem Titel: „Überwachungsstaat – gestern und heute“ im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Stiftung Friedliche Revolution teilnehmen.

„In guter Verfassung“

Rechte Gesinnung hat beim VS Kontinuität: Gegründet im Jahre 1950 mit ehemaligen Nazis sorgte er dafür, dass Gegner_innen aus dem Dritten Reich erneut in deutsche Gefängnisse kamen. In den sechziger Jahren bekämpfte er die Studentenbewegung, in den siebziger und achtziger Jahren lieferte er das Material für die Berufsverbote linker Aktivist_innen. Vor zwölf Jahren scheiterten die Pläne für ein NPD Verbot nicht zuletzt daran, dass diese bis in die höchsten Führungsetagen von V-Männern/-Frauen und Spitzeln des Verfassungsschutzes durchsetzt war.

Die Geschichte der Verfassungsschutzämter zeigt, dass der unter anderem von SS, SA und anderen Nazi-Kadern aufgebaute Geheimdienst, schon seit Beginn eine gehörige rechte bis rechtsradikale Schlagseite aufweist. Fortan nahm eine Geschichte ihren Lauf, in der Nazis zuhauf als bezahlte Spitzel rekrutiert und als V-Leute eingesetzt wurden – selbst (oder gerade) wenn sie schwere Straftaten begangen haben. Tatkräftige Unterstützung erhielt das Kameradschafts Netzwerk “Thüringer Heimatschutz” (THS) beispielsweise durch den fränkischen Neonazi Kai Dalek. Im Auftrag des Verfassungsschutzes hat er in den 1990er Jahren das bundesweite Computer-Netzwerk “Thule-Netz” aufgebaut. Über die Jahre soll er 150 000 Euro bekommen haben. Dalek stand mit den späteren Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) in Kontakt, wie auch eine Reihe weiterer V-Leute.

Nach Bekanntwerden der Verstrickungen des Verfassungsschutzes mit dem Terrornetzwerk NSU ist die Forderung, die VS-Ämter aufzulösen, zumindest ab und an in den Medien als legitime Wortmeldung vertreten.

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Hammerskin Roland: Tod eines Spitzels

Die „Autonome Antifa Freiburg“ hat mal wieder hervorragende Recherchearbeit geleistet. Es ist mehr als erschreckend, wie hier staatliches Zusammenspiel mit „Hammerskin“–, „Blood & Honour“–, „Rocker“– und Rechtsterrorismusstrukturen offengelegt wird:

Roland Sokol, geboren am 19.06.1972 und zuletzt wohnhaft In den Schneidergärten 79 in 76307 Karlsbad bei Karlsruhe, war seit Ende der 1980er Jahre einer der Protagonisten der badischen Naziskinhead-Szene. Er starb am 22.09.2015 an Krebs. In pathetischen Nachrufen vor allem auf Facebook-Pinnwänden beklagten seine „Kameraden“ sein Ableben und rühmten ihn als einen der letzten Naziskinheads, der der „Bewegung“ über lange Jahre hinweg treu geblieben sei. Roland Sokols Nazikarriere verlief über seine Sozialisation im Naziskin-Milieu der frühen 1990er Jahre und als Bassist der Szeneband „Triebtäter“, über Hooliganaktivitäten von „Destroyers Karlsruhe“ bis HoGeSa, als Besucher und teilweise Organisator von hunderten Nazikonzerten im In- und Ausland, über Aktivitäten bei der „Karlsruher Kameradschaft“, bei „Blood & Honour“ und der „Endstufe-Crew“ bis hin zu seiner Mitgliedschaft bei den „Hammerskins“. Sokol pflegte regen Kontakt zu hunderten von Bekanntschaften auch überregional und international, darunter dutzende Szenegrößen in ganz Deutschland und war stets auf dem aktuellen Stand der Entwicklungen und Diskussionen der Nazikameradschafts-Szene. Was bisher nicht bekannt ist: Roland Sokol war V-Mann des Verfassungsschutzes.

Kompanielied: „Blut muss fließen“

Abseits seiner Naziaktivitäten verlief Roland Sokols Leben recht ereignislos. Seine Eltern brachen im Jahr 1990 den Kontakt zu ihm ab, nachdem er sich für ein Leben als Naziskinhead entschied: „ich wurde vor 21 Jahren von meinem Vater vor die Wahl gestellt: Entweder Haare normal und Einstellung auch, oder verschwinden. Bin gegangen.“ Seine Zeit bei der Bundeswehr als Panzergrenadier der Kompanie 5./294 in Stetten am kalten Markt behielt der Hauptgefreite Sokol in Erinnerung: „Ich war von Juli ’91 bis Juni ’93 dabei, aber Mannschaftsdienstgrad. Kein Streß und den BCE hab ich da auch gemacht. Der MAD hat ganz schön abgekotzt. Der Großteil der Kompanie dachte rechts. Und: Blut muss fließen von Tonstörung war unser Kompanielied, das haste aus jeder Stube gehört :-) “. Er lernte Offsetdrucker und wechselte in seinen letzten Lebensjahren zwischen Hartz IV und kurzzeitigen Anstellungen als Industriemeister für digitale Druck- und Printmedien hin und her. Zwischenzeitig versuchte er sein unregelmäßiges Einkommen durch den wenig lukrativen Nazi-Onlinehandel „Patria-Versand“ aufzubessern. Nach seiner Trennung 2006 von seiner damaligen Ehefrau Stefanie Sokol, geb. Grün, lebte er meist allein, die gemeinsame Tochter sah er nur sporadisch. Trotz kurzzeitiger Anstellungen in Düsseldorf, Bremen oder der Schweiz blieb die Karlsruher Region sein Lebensmittelpunkt.

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Siehe auch: Rechtsextremismus in Deutschland: Abschied eines Spitzels
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Bombige Zusammenarbeit

Via „Jungle World“:

1974 wurde während einer antifaschistischen Kundgebung in Brescia eine Bombe gezündet, die acht Menschen tötete und mehr als 100 verletzte. Kürzlich verurteilte ein italienisches Gericht einen Neofaschisten und einen Geheimdienstinformanten wegen ihrer Beteiligung an dem Massaker.

Drei verschiedene Gerichtsverfahren, mehr als ein halbes Dutzend Urteile, zumeist Freisprüche, und schließlich Ende Juli doch noch ein unerwarteter Richterspruch: Carlo Maria Maggi, einst Chef des venezianischen Ablegers der neofaschistischen Gruppierung Ordine Nuovo, und Maurizio Tramonte, seinerzeit Informant des Militärgeheimdienstes SID, wurden für ihre Beteiligung an dem Bombenattentat am 28. Mai 1974 auf der Piazza della Loggia in Brescia zu lebenslanger Haft und Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe verurteilt. Der Sprengstoff war während einer antifaschistischen Kundgebung gezündet worden, acht Menschen wurden getötet, mehr als 100 zum Teil schwer verletzt. Nun sah es ein italienisches Gericht erstmals als erwiesen an, dass Mitglieder neofaschistischer und geheimdienstlicher Organisationen gemeinsam ein Massaker (italienisch strage) verübten, um in der italienischen Gesellschaft ein Klima der Angst und Einschüchterung zu erzeugen und den politischen Einfluss linker und gewerkschaftlicher Bewegungen zurückzudrängen. Somit hat es 41 Jahre gedauert, bis die in der Zeitgeschichte als »Strategie der Spannung« bezeichnete staatsterroristische Kooperation in einem Urteil von der italienischen Justiz anerkannt wurde.

Die breite Öffentlichkeit hatte von dem im Frühjahr eröffneten Verfahren kaum Notiz genommen, auch die Urteilsverkündung im Juli war nur eine kurze Tagesmeldung. Einige ältere Kommentatoren würdigten den Richterspruch zwar als historisch, merkten aber an, dass es wohl zugleich das letzte Urteil in einem Verfahren zu den staatlichen Massakern gewesen sein dürfte. Die Mehrheit der jüngeren Generation Italiens kennt die politische Geschichte der siebziger Jahre ohnehin nur noch aus der popkulturellen Aufarbeitung, wobei in den Kino- und Fernsehproduktionen die Rolle des Staatsapparats eher außen vor bleibt und die Rechten als sympathische Outlaws inszeniert werden. Manlio Milano, dessen Frau zu den acht Todesopfern des Anschlags zählte, beklagte denn auch die Schwäche eines Urteils, das um Jahrzehnte zu spät kommt.

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Tod eines V-Mannes

Die „Südwest Presse“ schreibt:

„Corelli“ war einer der wichtigsten Informanten des Verfassungsschutzes, er starb in der Obhut des Staates. Jerzy Montag, Sonderermittler des Bundestages, sieht Versäumnisse bei den Behörden.

Am Tag, an dem aus dem Neonazi Thomas Richter der V-Mann „Corelli“ wird, liegt sein bisheriges Leben buchstäblich in Trümmern. Am Vortag hat er seinen 19. Geburtstag wild gefeiert, mit einer Rockband und 200 Freunden aus der Szene – doch gegen Mitternacht beginnt die betrunkene Meute, das Haus in Stücke zu schlagen. Fenster, Möbel, die Einrichtung – gegen fünf Uhr muss die Polizei anrücken. Und Thomas Richter hat ein Problem. Denn das Haus gehört einer zentralen Figur der rechtsextremen Szene der 90er Jahre: Meinolf Schönborn, Anführer der verbotenen „Nationalistischen Front“ (NF). Schönborn rastet aus, bedroht Richter, spricht von zehntausenden Euro Schulden.

Am Nachmittag desselben Tages im Oktober 1993 sitzt Thomas Richter bei der Polizei in Bielefeld und sagt, er wolle die Fronten wechseln. Zwei Jahre lang hatte er in der Detmolder NF-Zentrale bei Mentor Schönborn gewohnt, sich vom Handlanger zur festen Größe hochgedient. Nun liefert er seine Kameraden dem Verfassungsschutz ans Messer. In Razzien werden wenig später die NF-Strukturen zerschlagen. Es ist die Geburtsstunde des Spitzels „Corelli“, und für Jerzy Montag ist es ein Schlüsselmoment.

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Aktenschreddern war gestern – überraschende Aktenvermehrung beim Thüringer Verfassungsschutz

Die „NSU-Nebenklage“ schreibt:

Nebenklage der ehemalige Thüringer Verfassungsschützer Jürgen Zweigert geladen, 1997 bis 2000 einer der V-Mann-Führer des V-Mannes Marcel Degner alias „Hagel“. Degner, der bis zu seiner Enttarnung 2000 Chef von „Blood and Honour“ Thüringen und Kassenwart von B&H Deutschland war, hatte in seiner Vernehmung beim OLG München vehement bestritten, jemals für den Verfassungsschutz gearbeitet oder gar Geld erhalten zu haben (blogs vom 11.03.2015 und 20.05.2015).

Sein V-Mann-Führer bestätigte heute nicht nur, dass es sich bei „Hagel“ um Marcel Degner handelte, sondern erklärte sogar, dieser habe als sehr quellenehrlich gegolten und bei jedem der wöchentlichen Treffen über drei Jahre hinweg mehrere hundert DM an Prämien erhalten. Damit ist Degner auf einer Ebene mit dem V-Mann Brandt zu sehen: er war an herausragender Stelle tätig (der Zeuge sprach davon, der V-Mann habe (Zitat!) „gute Aufbauarbeit“ der B&H-Struktur geleistet) und erhielt dafür eine ähnlich hohe finanzielle Gratifikation wie Brandt.

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Siehe auch: Auch Ex-Verfassungsschützer hat gelogen
NSU-Prozess: Die Widersprüche des V-Mann-Führers

NSU-Ausschuss: War ein V-Mann am NSU-Bombenanschlag in Köln beteiligt?

Via „WAZ“:

Könnte ein V-Mann des Verfassungsschutzes die NSU-Bombe in der Kölner Probsteigasse gelegt haben? Der NSU-Ausschuss geht diesem Verdacht nach.

Sie galt als vielleicht spannendste Zeugin des Untersuchungsausschusses des Landtags zur Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU): Mathilde Koller (65), ehemalige Leiterin des NRW-Verfassungsschutzes. Doch als sie am Dienstag in Düsseldorf von den Abgeordneten verhört wurde, blieb vieles im Dunkeln.

Koller war im Sommer 2012 unter dubiosen Umständen „aus persönlichen Grünen“ in den Ruhestand getreten. Vier Monate zuvor hatte sie eine „dienstliche Erklärung“ für den Generalbundesanwalt abgegeben, in der sie eine brisante Entdeckung kundtat. Ein von den Bundesbehörden übermitteltes Phantombild zum NSU-Anschlag von 2001 auf ein Lebensmittelgeschäft in der Kölner Probsteigasse erinnerte die NRW-Verfassungsschützerin an den Extremisten Johann H., der seit 1989 als Vertrauensmann ihrer Behörde geführt wurde. Zugleich betonte Koller damals in der „dienstlichen Erklärung“, dass es keine Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung H.s an dem Kölner Bombenanschlag gebe.

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Brandenburger Ministerium sperrte V-Mann-Akten zum NSU

Via „Neues Deutschland“:

Geheimdienstbehörde in Potsdam verweigert Zusammenarbeit mit Münchner Oberlandesgericht

Das Brandenburger Innenministerium verweigert dem Münchner Oberlandesgericht offenbar wichtige Hilfe im NSU-Prozess. Wieder einmal geht es um den V-Mann »Piatto«, abermals will die Geheimdienstbehörde aus Potsdam Aufklärern keinen Einblick in die entsprechenden und durchaus relevanten Akten geben.

Der Klarname des früheren Top-Informant lautete Carsten Szczepanski. Seit seinem Aussscheiden aus dem Dienst vor nunmehr 14 Jahren hält ihn der Brandenburger Geheimdienst unter neuem Namen an unbekanntem Ort versteckt. Vor dem Münchner Oberlandesgericht, das über einstige Mitglieder und Helfer des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) zu urteilen versucht, konnte sich der Zeuge mehrfach nur spärlich erinnern. Dabei hatte der rechtsextremistische Gewalttäter, der im Knast vom Brandenburger Geheimdienst rekrutiert worden war, sein Führungsleute über die Beschaffung von Waffen und Pässen für das untergetauchte Jenaer Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und die in München nun angeklagte Beate Zschäpe informiert. Und zwar vor dem ersten von insgesamt zehn Morden, die man dem NSU zuordnet. »Piatto« habe, so rühmte sich der Brandenburger Verfassungsschutz nach dem Auffliegen des NSU im November 2011, »als bundesweit einzige Informationsquelle« weiterführende Hinweise auf den Verbleib dreier flüchtiger Neonazis aus Thüringen» geben.

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Siehe auch: NSU-Prozess: Verfassungsschutz sperrt beschlagnahmte Akte

KS: Michel Friedrich und die „Hardcore Crew Cassel“

„Indymedia Linksunten“ berichtet:

Nachdem am 28.07.2015 der vom Kasseler Neonazi Michel Friedrich geplante Waffendeal durch die Autonome Antifa Freiburg aufgedeckt wurde, wollen wir einige Details zu seiner Person und seinem Umfeld ergänzen. Wir wollen damit zeigen, dass Friedrich nicht isoliert handelt, sondern sich bis heute in einem Netzwerk aus organisierten Neonazis bewegt und derzeit darum bemüht ist, in Kassel eine neue Gruppe aufzubauen. Am Ende steht für uns bis heute die unbeantwortete Frage, wer in Kassel den NSU unterstützt hat und ob Friedrich dabei eine Rolle spielte.

Michel Friedrich (*1985 in Meiningen) gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Kameradschaft Sturm 18 Cassel, die er sich in Form eines Tattoos auf dem Bauch hat verewigen lassen. Mit der heutigen Trinker-Gruppe um Bernd Tödter (Hintergrund #1, #2, #3) hatte Sturm 18 damals wenig zu tun. Friedrich ist als rechtsmotivierter Straftäter bekannt und unterhält enge Kontakte zu Personen der regionalen Nazi-Szene, z.B. Mike Sawallich und dem mittlerweile enttarnten V-Mann des Hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz Benjamin ‚Gemüse‘ Gärtner.

Derzeit ist Friedrich darum bemüht, die Hardcore Crew Cassel (HCC) aufzubauen. Mit ihren Kutten versucht die HCC sich zumindest die Optik eines Rocker-Clubs zu geben, wenn sie auch bisher kein offizieller MC ist. Friedrich selbst bezeichnet sich als ihr Leitwolf.

Das Clubhaus der HCC befindet sich im Industriegebiet außerhalb Kassels, in der Industriestr. 18A, Kaufungen, in einer alten Kartbahn. Dort finden vereinzelt Techno-Parties und mittlerweile regelmäßig offene Kneipenabende statt. Im August 2014 wurde ein Sommerfest mit Konzert und Besuchern aus dem ganzen Umland veranstaltet. Im Juni 2015 feierte Friedrich im Clubhaus seinen 30. Geburtstag. Zu den Gästen gehörte unter anderem Harald Rödiger, der in den letzten Jahren im ganzen Bundesgebiet auf Nazi-Demonstrationen gesehen wurde und als Mitglied der Arischen Bruderschaft um Thorsten Heise regelmäßig Orga- und Security-Aufgaben auf Veranstaltungen übernimmt. Zu den Geburtstagsgästen gehörte auch Lukas Lange, der zum Sturm 18-Umfeld gehört und zuletzt durch seine enge Verbindung zur vermeintlichen “Terrorzelle” Oldschool Society aufgefallen war. Lange ist Mitglied im Witzenhäuser Rolling Danger MC und dort nicht der einzige Neonazi.

Eine weitere Gruppe der Hardcore Crew gibt es in Uslar (Niedersachsen, LK Northeim). Eines der Mitglieder fiel als Besucher des Honour & Pride Open Air in Nienhagen (2014) auf. Ebenfalls dort war Anika Bolle aus Hamburg, die auch zum Freundeskreis von Friedrich gehört.

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Ku-Klux-Klan: Ein rechter Waffenbruder

Die „Stuttgarter Nachrichten“ schreiben:

Den Kirchheimer Neonazi Markus Frntic identifizierten ostdeutsche Geheime 1996 als Ku-Klux-Klan-Chef. Der Stuttgarter Deutsch-Kroate war führender Kopf des „Blood & Honour“-Netzwerkes – und unterhielt Kontakte zu Helfern der mutmaßlichen Rechtsterroristen um Beate Zschäpe.

Stuttgart – Für die Neonazis muss es ein Riesenspaß gewesen sein: Bei einer Nachtwanderung durch Mecklenburg-Vorpommern seien in weißen Kutten maskierte Kameraden aus Bayern mit Fackeln aus dem Gebüsch gesprungen und hätten ihre spazierenden Gesinnungsgenossen erschreckt. „Eine Mordsgaudi“, erzählt der Spitzel bayrischen Verfassungsschützern. Etwa zur selben Zeit kabelten deren mecklenburgischen Kollegen einen ebenso geheimen wie alarmierenden Bericht an die Geheimen Baden-Württembergs: Am 30. September 1996 warnten sie den Südwest-Dienst vor einer „Ku-Klux-Klan Gruppe aus Stuttgart“, die von Markus Frntic angeführt werde.

Es ist in den Akten nicht erkennbar, dass die Geheimdienstler diesem Hinweis auch nur Beachtung schenkten. Ihr damaliger Präsident konnte sich kürzlich im Landtag auch gar nicht an den geheimen Vermerk erinnern: Offiziell beginnt deren Wissen um die Rassistentruppe erst im Herbst 1998. Dabei war und ist Frntic den Spähern in Stuttgart bestens bekannt. Nicht nur, weil vor der Haustür 45 Jahre alten Deutsch-Kroaten in Kirchheim am Neckar ein bulliger Bundeswehrtransporter steht. Dessen amtliches Kennzeichen offenbart die Gesinnung seines Besitzers: Die „14“ für die „14 Worte“ des US-amerikanischen Rechtsterroristen David Lane wird mit der „88“ für den achten Buchstaben des Alphabets kombiniert: „HH – Heil Hitler“. Es ist ein beliebtes Zahlenspiel der Neonaziszene. Zu dessen führenden Köpfen gehört Markus Frntic.

Der mischt seit den 1990er Jahren Frntic bei „Blood & Honour“ (B&H) mit. Der deutsche Slogan „Blut und Ehre“ war auf den Koppelschlössern von Hitlerjungen eingraviert, später auch auf deren Fahrtenmessern. Im Raum Stuttgarter bildete sich eine Keimzelle der Neonazitruppe. Die hatte sich international agierendes Netzwerk vor allem ein Ziel gesetzt: Konzerte rechter Musikgruppen zu organisieren, diese Musik zu produzieren und zu vertreiben.

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Erfuhr der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg doch 2003 von NSU?

Via „Telepolis“:

Ein Informant bestätigt Aussagen eines Ex-LfV-Mitarbeiters, die er bisher bestritt
Wusste der Verfassungsschutz (VS) in Baden-Württemberg seit 2003 vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU), Mundlos und Böhnhardt? Diese Frage hängt an zwei Personen: dem früheren LfV-Beamten Günter S. und seinem Informanten Torsten O. Bisher hat Torsten O. die Version von Günter S. bestritten – jetzt bestätigt er sie in weiten Teilen.

Günter S. berichtete im September 2012 vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages Folgendes: Im August 2003 habe er von einem Informanten Hinweise auf eine rechtsextreme Terrorgruppe in Ostdeutschland namens NSU bekommen. Der Informant habe fünf Namen genannt, darunter Mundlos. Seinen Bericht über dieses Treffen habe er im Amt vernichten müssen. Die Namen NSU und Mundlos habe er sich aber merken können.

Dagegen erklärte der LKA-Vertreter aus Stuttgart, Axel M., während des selben Ausschusstages, jener Informant habe bei seiner Vernehmung am 2. Dezember 2011 bestritten, gegenüber Günter S. Aussagen über NSU und Mundlos gemacht zu haben. Außerdem hätten die Ermittler im LfV keinen Hinweis auf eine Vernichtung des angeblichen Berichtes gefunden.

Die Spur Günter S. blieb ungeklärt und widersprüchlich. Auch, als der frühere VS-Beamte zweieinhalb Jahre später erneut vor einem Untersuchungsausschuss als Zeuge geladen ist, am 16. März 2015 in Stuttgart. S. bleibt dabei bei seiner Version, jener Informant habe ihm von NSU und Mundlos berichtet. Er mache sich deshalb im Nachhinein Vorwürfe, weil er ihn nicht ernst genug genommen habe.

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NSU-NEBENKLAGE| EIN WEITERER V-MANN-FÜHRER VON CARSTEN SZCZEPANSKI SAGT AUS – EIN WEITERES LEHRSTÜCK DAFÜR, DASS DER VERFASSUNGSSCHUTZ UND SEIN V-MANN-SYSTEM ERSATZLOS ABGESCHAFFT GEHÖREN

Die „NSU-Nebenklage“ berichtet:

Heute berichtete zunächst ein BKA-Ermittler kurz zu einer CD, die in der NSU-Wohnung in der Frühlingsstraße gefunden wurde. Darauf sind Fotos von einem Urlaub des Trios in der Holsteinischen Schweiz im Jahr 2004 zu sehen. Eines der Fotos wurde später verwendet für die „Wette“ zwischen Böhnhardt und Zschäpe, in der Zschäpe den Wetteinsatz „200x Videoclips schneiden“ angeboten hatte (vgl. dazu den Bericht vom 16.06.2015) – die heutige Aussage bestätigt also die zeitliche Einordnung der Wette in den Bereich Ende 2005.

Am Nachmittag sagte Reiner Görlitz aus, der ehemalige V-Mann-Führer des Brandenburger Nazikaders und Informanten Carsten Szczepanski (vgl. zu dessen Aussagen die Berichte vom 03.12.2014 und 13.01.2015). Er erschien vor Gericht im Kapuzenpullover mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze, und – so der Eindruck mancher ZuhörerInnen – mit technisch veränderter Stimme.

Inhaltlich schaffte Görlitz es, die Auftritte anderer „Verfassungsschützer“ vor ihm noch zu übertreffen. Insbesondere versuchte auch er, sich möglichst vor jeder konkreten Aussage zu drücken. Er bestätigte nur kurz den Inhalt der dem Gericht bekannten Deckblattmeldungen über Angaben Szczepanskis, in der Regel mit den Worten „wenn ich das so aufgeschrieben habe…“. Ansonsten gab er vor, sich an praktisch nichts zu erinnern – nicht an die Namen maßgeblicher „Blood & Honour“-Kader, nicht an Informationen über Waffenbesorgung oder über die Auflösung von „Blood & Honour“ Sachsen, nicht einmal an die Nummer, unter der der V-Mann Szczepanski geführt worden war. Insbesondere wollte er sich auch nicht mehr daran erinnern, dass seine Behörde – wie von Szczepanski in der Hauptverhandlung geschildert – diesen bei der Herausgabe seines Fanzines „United Skins“ aus der Haft heraus unterstützt und auch die Inhalte mit ihm besprochen hatte.

Weiter: https://hajofunke.wordpress.com/2015/07/02/nsu-nebenklage-ein-weiterer-v-mann-fuhrer-von-carsten-szczepanski-sagt-aus-ein-weiteres-lehrstuck-dafur-dass-der-verfassungsschutz-und-sein-v-mann-system-ersatzlos-abgeschafft-gehoren/
Siehe auch: https://hajofunke.wordpress.com/2015/07/02/nebenklager-der-langjahrige-v-mann-fuhrer-von-piatto-will-sich-an-nichts-mehr-erinnern-acht-ordner-akten-uber-den-fall-wurden-durch-den-verfassungsschutz/
https://hajofunke.wordpress.com/2015/07/06/nsu-prozes-wortprotokoll-des-reiner-gorlitz-vm-fuhrer-im-lfv-brandenburg-vm-carsten-szczepanski/