Archiv der Kategorie 'Organisierte Kriminalität'

Neonazis im Hamburger Rotlichtmilieu

Via „Antifa Infoblatt“:

Seit jeher berichtet das Antifaschistische Infoblatt (AIB) über Personen aus der Neonaziszene, die im Kontext krimineller Milieus, allen voran dem Rotlichtmilieu auftauchen. Immer wieder wurde auf die diversen Gefahren dieser Mischszene hingewiesen, etwa den Zugang zu Waffen, die Nutzung finanzstarker klandestiner Infrastruktur sowie den Schutz durch und den Zugriff auf ein äußerst gewaltbereites Personenpotential.

Rocker haben ihren Platz in den neonazistischen Lebenswelten gefunden und stehen seit Jahren Pate für nach außen informell wirkende Organisierungsmodelle der Szene. Wie wenig persönliche Brüche ein Wechsel vom Neonazi-Aktivisten zum Mitglied krimineller Organisationen erfordert, haben wir mehrfach skizziert. Trotzdem sollen grundlegende Gemeinsamkeiten dieser scheinbar gegensätzlichen Welten an dieser Stelle genannt werden.

Neonazis fordern Gesetzesverschärfungen und einen starken Staat gegen organisiertes Verbrechen, oft jedoch nur im Zusammenhang mit Tätern nicht-deutscher Herkunft. Dass Delikte wie Drogenhandel, Menschenschmuggel, Schutzgelderpressung, Vergewaltigung und Förderung der Prostitution zum Kerngeschäft deutscher Motorradclubs (MC) zählen, wird ignoriert. Die Wertevorstellungen sind in vielen Punkten nahezu identisch: Patriarchale Rollenbilder, die Gültigkeit des Rechts des Stärkeren, das hierarchische Prinzip von Befehl und blindem Gehorsam — welches zu Loyalität verklärt wird — und eine Gewaltaffinität einen die Milieus mehr, als diese je öffentlich eingestehen würden. Die „Outlaw“-Gebärde krimineller MCs lässt sich in der Praxis unkompliziert mit der Ablehnung des als illegitim angesehenen Staates seitens der Neonazis vereinbaren. Das Verschmelzen geschäftlicher und subkultureller Interessen macht die Welt der MCs zur Mischszene. Dazu kommen Verflechtungen in die Hooligan- und die Kampfsportszene. Szenen, in denen ähnliche Werte und Codes existieren, wodurch Überschneidungen mit Neonazis zwar nicht zwangsläufig hervorgerufen, aber begünstigt werden.

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Mehr als nur Kameraden – Das Modell und Label der Bruderschaft

Das „Antifaschistische Infoblatt“ schreibt:

Als neonazistische Bruderschaften benennen wir Männerbünde, die sich selbst als Bruderschaften verstehen und deren Mitglieder zumindest mehrheitlich Neonazis sind. In der Regel sind dies Gruppen mit dem Style und Habitus von Motorradclubs (MCs). Zur Zeit existieren in Deutschland Dutzende derartige Bruderschaften mit insgesamt vielen hundert „Members“. Einzelne von ihnen bestehen aus einer Handvoll Personen, andere expandieren bundes- und europaweit. Manche betreiben eine strenge Mitgliederauslese, andere verbreiten ihre Mitgliedspatches über Soziale Netzwerke. Das Modell und Label der Bruderschaft bedient augenscheinlich die Bedürfnisse vieler Neonazis, die der Jugendkultur und dem Bewegungsaktivismus entwachsen und in ihrer eigenen Szene nach Distinktion trachten.

Das Spiel mit den Codes

Schon immer nutzen Neonazis das Label „Bruderschaft“. Zwei bekannte Beispiele sind die Hammerskins, die sich als internationale Skinhead-Bruderschaft verstehen, und die Arische Bruderschaft, die der NPD-Funktionär Thorsten Heise ab 1999 als seine Hausmacht aufbaute.

Um eine Clique oder Kameradschaft zur Bruderschaft werden zu lassen, wird ein entsprechendes Emblem entworfen und in der internen Kommunikation der Terminus des „Kameraden“ durch die Anrede „Bruder“ ersetzt. In der Regel folgt die zumindest teilweise Übernahme des Rockerstyles: Lederwesten, sogenannte Kutten, mit den Emblemen der Gruppe und Abzeichen, die den Träger als deren „Präsidenten“, „General“ (Brigade 8) oder „Leitwolf“ (Hardcore Crew) ausweisen. Oft befinden sich auf den Kutten Patches mit Codes und Kürzeln, die sich Außenstehenden nicht erschließen und die Exklusivität der Gruppe deutlich machen sollen. Gängig ist das aufgenähte Treueversprechen. „HFFH“ meint „Hammerskins Forever — Forever Hammerskins“ in Anlehnung an das Hells Angels-Kürzel „AFFA“ („Angels Forever — Forever Angels“). Oft kopiert man den Organisationsaufbau der Motorradclubs gleich mit: Es gibt eine Führungsebene, die Members, Prospects (Mitgliedsanwärter) und das Umfeld der Supporter. Die Aufnahme in die nächsthöhere Ebene geschieht nach klaren Regeln und Ritualen.

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Kein MMA-Turnier mit Nazis in Berlin-Weißensee!

Wir dokumentieren:

Am 23. April 2016 findet im Tenniscenter Weißensee (Roelckestraße 105, 13088 Berlin) das dritte Turnier der Kampfsport-Reihe »Sprawl and Brawl« statt. Auch dieses Mal treten wieder MMA-Kämpfer der Neumünsteraner Kampfschule »Athletik Klub Ultra« (AKU) an (Wrangelstraße 34, 24539 Neumünster) (01). Betreiber und erster Vorsitzender des AKU ist Tim Bartling (01.07.1970) (02), ein Urgestein der Schleswig-Holsteiner Naziszene. Bartling war Mitbegründer, Sprecher und treibende Kraft des Nazitreffs »Club 88« in Neumünster. Bartling und der Kieler Neonazi Peter Borchert (03) gehen seit den 90er Jahren gemeinsame Wege: Von den Anfängen rechter Straßengangs in Norddeutschland, über die Gründung von Kameradschaften hin zum Rockermilieu und zur organisierten Kriminalität. Dass im AKU nicht zwangsläufig die Mitglieder und Kämpfer*innen das Problem sind, sondern vor allem dessen Leitung, ist selbst in MMA-Kreisen kein Geheimwissen.

Bereits die Teilnahme des AKU am letzten »Sprawl and Brawl« am 31. Oktober 2015 in Berlin (04) hätte für Empörung sorgen können. Hat sie aber nicht! Wahrscheinlich, weil sowohl der Veranstalter (M. Garmendia), als auch der Tenniscenter-Betreiber die an sie herangetragene Kritik einfach abwiegelten. Die Ausrichtung eines Gewinnbringenden MMA-Events steht bei beiden im Vordergrund. Neben kleineren Sponsoren wird »Sprawl and Brawl« auch von »Phantom Athletics« unterstützt – einer der populärsten Bekleidungsausstatter im MMA-Bereich. Die Ladenkette »Asia Sport« genießt unter Kampfsportler*innen in Berlin einen ähnlichen Bekanntheitsgrad. Sie gehört genau wie das größte deutsche MMA-Forum »Ground and pound« zu den Sponsoren der ersten Stunde. Der Kartenverkauf im Reallife läuft über die Modemarke »Yakuza« und deren Berliner Stores.

Tim Bartlings Kameraden aus »alter Zeit« verkehren heute immer noch in seiner Kampfschule. Ein erkennbarer Bruch mit der rechten Szene und ihrer Ideologie ist für uns nicht erkennbar. Es ist von daher vollkommen inakzeptabel, einem Nazi-geleiteten Gym wie dem AKU beim »Sprawl and Brawl« die Möglichkeit zu bieten, anzutreten.

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Der Skandal um den V-Mann Sebastian Seemann

„NSU Watch NRW“ berichtet:

Kurz nach der Aufdeckung des NSU im November 2011 machte ein ehemaliger V-Mann des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes eine bemerkenswerte Aussage: Das Vorgehen des NSU erinnere ihn stark an die „Turner Diaries“, sagte er gegenüber der Polizei aus. Dieses Werk eines US-Neonazis sei damals auch in Dortmund gelesen worden, wo Neonazis – vor dem Mord an Mehmet Kubaşık am 4. April 2006 – eine Zelle von „Combat 18“ gegründet hätten. Möglicherweise könne er auch Informationen zu weiteren, dem NSU zugerechneten Schusswaffen liefern. Bei dem aussagefreudigen ehemaligen V-Mann handelte es sich um den 2007 enttarnten Sebastian Seemann. Er war nicht nur Spitzel des NRW-Verfassungsschutzes, sondern tief in die Dortmunder Neonazi-Szene verstrickt. Er war Organisator von „Blood & Honour“-Konzerten, Drogendealer und mutmaßlicher Waffenhändler.
Eine rechte Biografie

Der aus Lünen stammende Sebastian Seemann war in der Neonaziszene gut eingebunden. Er zählte zu dem engen Umfeld der Skinhead-Band „Oidoxie“ aus Dortmund-Brechten und nahm an verschiedenen Aufmärschen der Szene teil. Bereits im Jahr 2000 wird er als Freund des Polizistenmörders Michael Berger der Polizei bekannt. Er war Mitglied der „Oidoxie Streetfighting Crew“, in der sich Neonazis aus NRW und Hessen sammelten, die bei Rechtsrock-Konzerten Aufgaben eines Sicherheitsdienstes übernahmen. Anhand dieser „Crew“ lassen sich enge Verbindungen zwischen Dortmunder und Kasseler Neonazis nachweisen.

Einige Zeit lang war Seemann Mit-Organisator des „Ian Stuart Donaldson-Memorial Concert“ (ISDM) in Belgien. Bei diesen Erinnerungskonzerten ehren Neonazis jährlich den verstorbenen Sänger ihrer Kultband „Screwdriver“ und Gründer des „Blood & Honour“-Netzwerkes. Die deutsche Sektion von „Blood & Honour“ war 2000 vom Bundesinnenministerium verboten worden, dennoch wurden die Aktivitäten zum Teil weitergeführt. Dortmunder Neonazis wichen verstärkt ins benachbarte Belgien aus. Sebastian Seemann fungierte 2004 und 2006 als offizielle Kontaktperson für diese „Blood & Honour“-Konzerte, die gemeinsam mit Personen von „Blood & Honour Flandern“ bzw. „Bloed – Bodem – Eer – Treuw“ organisiert wurden. Erlöse aus dem Konzert von 2004 spendeten die Organisator*innen an die „Kameradschaft Dortmund“, die sich von dem Geld eine eigene Lautsprecheranlage zulegten. Zudem prahlte Seemann in einem Forum: „Wie ich ja schon vorher sagte, fließt der Erlös ohne Ausnahme wieder zurück in die Bewegung. Also in deutsche und belgische politische und m…… Widerstandsdivisionen“. Die Formulierung »m…… Widerstandsdivisionen« dürfte wohl „militante Widerstandsdivisionen“ bedeuten: Wer von dem Geld profitierte, ist nicht klar.

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Während des laufenden Prozesses: Erneutes Spenden-Konzert für die Ballstädt-Schläger am 27.2. in Thüringen geplant

„thueringenrechtsaussen“ schreibt:

Nach mehreren Spendenaktionen und Solidaritätskonzerten für die extrem rechte Hausgemeinschaft Jonastal (HGJ) und die Angeklagten im Ballstädt-Prozess soll zwischen dem 8. und 9. Verhandlungstag am Landgericht Erfurt ein erneutes Konzert in Thüringen stattfinden, bei dem alleine durch den Kartenverkauf 5.000 € erwirtschaftet werden sollen.

„Rock am Kreuz“ Konzertreihe

Im November hatten wir hier über mehrere Musikveranstaltungen berichtet, mit denen jene Neonazis finanziell unterstützt werden sollen, die in der Nacht zum 9. Februar 2014 bei einem brutalen Überfall im Ballstädter Gemeindehaus zehn Menschen teilweise schwer verletzten. Neben den Kosten für das Verfahren und die Anwälte, bei denen mindestens acht selber der Neonazi-Szene angehören, soll mit den Geldern auch ein Kredit für das „Gelbe Haus“ in Ballstädt sowie ein Tonstudio der Band SKD finanziert werden. Das Konzert, das auch am Geburtstag von Ralf Wohlleben stattfindet, ist Teil der Rechtsrock-Reihe „Rock am Kreuz“, deren erste Auflage am 27. Dezember 2014 und die zweite am 04. April 2015 in Kirchheim stattfanden. Beide Konzerte wurden durch Mitglieder der „Hausgemeinschaft Jonastal“ organisiert. Der Kartenverkauf wurde jeweils über den in Ballstädt ansässigen Versandhandel „Frontschwein Records“ gesteuert, der im Impressum auf Thomas Wagner angemeldet ist. Wagner sitzt seit dem 2. Dezember 2015 als Haupttäter im Ballstädt Verfahren auf der Anklagebank im Landgericht Erfurt und ist Kopf der Band SKD. Auch außerhalb der „Rock am Kreuz“-Reihe wurden über die selbe Clique weitere Musikveranstaltungen organisiert, wie ein Konzert am 14. November 2015 mit der Band „Die Lunikoff Verschwörung“ sowie weiteren Bands. Involviert waren dabei unter anderem Steffen Richter, Steffen Mäder, Andre Keller, Marco Zint und Thomas Wagner. Austragungsort war wiederholt das “Veranstaltungszentrum Erfurter Kreuz”, das auch als Erlebnisscheune von Rainer Kutz bekannt ist.

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„Hass gegen Andersdenkende“

Via der „Blick nach Rechts“:

Seit Anfang Dezember 2015 verhandelt das Landgericht Erfurt den brutalen Überfall von Neonazis auf Mitglieder der Kirmesgesellschaft in Ballstädt im Landkreis Gotha im Februar 2014. In dem Prozess müssen sich 14 Männer und eine Frau zwischen 20 und 40 Jahren unter anderem wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Bereits zu Beginn der Hauptverhandlung geben sich die Angeklagten unbeeindruckt. Mit offen getragenen Tätowierungen und eindeutigen Aufschriften auf ihrer Bekleidung zeigen sie ihre Zugehörigkeit zum harten Kern der braunen Szene in Thüringen. Unterstützer aus der Neonazi-Szene kommen in T-Shirts mit der Parole „Solidarität mit Ballstädt“, die Beschuldigten tragen neben Bekleidung von szenetypischen Marken T-Shirts mit Aufschriften wie „too white for you“ („zu weiß für dich“). Der Angeklagte Markus B. präsentiert ungeniert seine Kopftätowierung über dem rechten Ohr: „Ran an den Feind“. Dies könnte auch das Motto sein, unter dem der Überfall am zweiten Februarwochenende 2014 in dem 700-Einwohner-Ort Ballstädt gestanden hatte.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte der Hauptangeklagte Thomas W. seinerzeit den Festsaal des Dorfgemeinschaftshauses betreten und dort auf mehrere Personen eingeschlagen. In dem kleinen Saal ging im Februar 2014 g gerade eine Feier der örtlichen Kirmesgesellschaft mit rund 20 Personen zu Ende. Als einige Männer dem Schläger nachsetzen wollten, liefen sie in eine Falle, denn vor der Tür zum Saal warteten bereits 13 weitere teils vermummte Angreifer und schlugen und traten auf ihre arglosen Opfer ein. Nur zwei Minuten später soll die einzige Frau unter den Angeklagten, Ariane S., das Signal zur Flucht gegeben haben, zurück blieben ein verwüsteter Gemeindesaal mit Blutflecken auf dem Boden und elf Verletzte. Die Rede ist unter anderem von Knochenbrüchen, gesplitterten Zähnen, Schnittwunden und Schädelhirntraumata.

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Gefährliche „Volkswächter“

Der „Blick nach Rechts“ schreibt:

Immer mehr „Bürgerwehren“ machen nicht nur Stimmung im Netz, sondern sorgen auch für Angst auf der Straße.

„Ein Hoch auf die Bürgerwehr“, jubelt ein Mitglied der Facebook-Gruppe „Schwanewede & Umzu – Wir reden Klartext“. „Der Molkereiweg ist ruhig“, vermeldete dann auch die selbst ernannte Bürgerpatrouille in dem niedersächsischen Ort nahe der Landesgrenze zu Bremen. Einer der Anführer ist ausgerechnet der Sänger der Rechtsrock-Band „Strafmass“, die seit ihrer Gründung als verfassungsfeindlich gilt und für militante „Combat 18“-Strukturen wirbt. „Es ist unser Schwanewede“, schwadroniert der Neonazi-Sänger, der allerdings überhaupt nicht mehr in dem Ort wohnt.

Im Oktober berichtete die „TAZ“ über die Bürgerwehr, die sich vor allem aus rechten Mitgliedern der Facebook-Gruppe „Schwanewede & Umzu“ rekrutiert. Radio Bremen, NDR und weitere Medien zogen nach. Doch der Selbstjustiz-Truppe, die rund um die große Flüchtlingsunterkunft in der Lützow-Kaserne angeblich für Sicherheit sorgen will, konnte die Berichterstattung nichts anhaben. Obwohl ebenfalls bekannt wurde, dass mit Hysterie und Unwahrheiten agiert wird, laufen die zweifelhaften Wächter weiter und posten: „Die Patrouille hat besonders den Molkereiweg heute ins Visier genommen und mehrfach im Stundentakt abgelaufen.“ Aufgebrachte Facebook-User, die täglich über vermeintliche Übergriffe und Störungen durch Flüchtlinge berichten, zeigen sich erfreut: „Vielen lieben Dank an die Bürgerwehr von Schwanewede, die gerade an meinem Haus vorbei ging und mir sofort Bescheid gab, dass die Tür meines Autos weit offen stand! Wer weiß, was über Nacht noch hätte passieren können mit dem Wagen!“

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Das Netzwerk der NSU-Terroristen

Via „Frankfurter Rundschau“:

Der „Nationalsozialistische Untergrund“ ermordete mutmaßlich in sieben Jahren zehn Menschen, nirgends töteten die Täter so schnell hintereinander wie in Dortmund und Kassel. Hatten sie Helfer? Eine Spurensuche.

Tausende Neonazis in Deutschland teilten die Ideologie des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU). Tausende teilen sie noch heute. Tausende, die zu denselben Aufmärschen gefahren sind, marschieren heute weiter. Tausende haben die gleichen Parolen gerufen wie ihre untergetauchten Kameraden, haben zur Musik derselben Bands gegrölt. Ihre Netzwerke sind teils noch aktiv. Waren unter diesen Neonazis auch einige bereit zu helfen, als der NSU wohl die gemeinsame Überzeugung umsetzte – „Taten statt Worte“, wie es die Terroristen nannten?

In Dortmund wird am 4. April 2006 Mehmet Kubasik erschossen. Am 6. April in Kassel der damals 21-jährige Halit Yozgat. Beide mit der selben Pistole vom Typ Ceská 83. Die Taten werden heute dem NSU zugeschrieben. Es sind die letzten einer offenbar rassistisch motivierten Mordserie, für die die Täter mit gemieteten Wohnmobilen unterwegs gewesen sein sollen. In ihrem Bekennervideo feiert der NSU auch die Morde in Dortmund und Kassel. Sie beschreiben sich dort selbst nicht als Untergrund-Zelle, sondern als ein „Netzwerk von Kameraden“. Im Münchner NSU-Prozess sitzen neben Beate Zschäpe aber nur vier mutmaßliche Unterstützer auf der Anklagebank.

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Hammerskin Roland: Tod eines Spitzels

Die „Autonome Antifa Freiburg“ hat mal wieder hervorragende Recherchearbeit geleistet. Es ist mehr als erschreckend, wie hier staatliches Zusammenspiel mit „Hammerskin“–, „Blood & Honour“–, „Rocker“– und Rechtsterrorismusstrukturen offengelegt wird:

Roland Sokol, geboren am 19.06.1972 und zuletzt wohnhaft In den Schneidergärten 79 in 76307 Karlsbad bei Karlsruhe, war seit Ende der 1980er Jahre einer der Protagonisten der badischen Naziskinhead-Szene. Er starb am 22.09.2015 an Krebs. In pathetischen Nachrufen vor allem auf Facebook-Pinnwänden beklagten seine „Kameraden“ sein Ableben und rühmten ihn als einen der letzten Naziskinheads, der der „Bewegung“ über lange Jahre hinweg treu geblieben sei. Roland Sokols Nazikarriere verlief über seine Sozialisation im Naziskin-Milieu der frühen 1990er Jahre und als Bassist der Szeneband „Triebtäter“, über Hooliganaktivitäten von „Destroyers Karlsruhe“ bis HoGeSa, als Besucher und teilweise Organisator von hunderten Nazikonzerten im In- und Ausland, über Aktivitäten bei der „Karlsruher Kameradschaft“, bei „Blood & Honour“ und der „Endstufe-Crew“ bis hin zu seiner Mitgliedschaft bei den „Hammerskins“. Sokol pflegte regen Kontakt zu hunderten von Bekanntschaften auch überregional und international, darunter dutzende Szenegrößen in ganz Deutschland und war stets auf dem aktuellen Stand der Entwicklungen und Diskussionen der Nazikameradschafts-Szene. Was bisher nicht bekannt ist: Roland Sokol war V-Mann des Verfassungsschutzes.

Kompanielied: „Blut muss fließen“

Abseits seiner Naziaktivitäten verlief Roland Sokols Leben recht ereignislos. Seine Eltern brachen im Jahr 1990 den Kontakt zu ihm ab, nachdem er sich für ein Leben als Naziskinhead entschied: „ich wurde vor 21 Jahren von meinem Vater vor die Wahl gestellt: Entweder Haare normal und Einstellung auch, oder verschwinden. Bin gegangen.“ Seine Zeit bei der Bundeswehr als Panzergrenadier der Kompanie 5./294 in Stetten am kalten Markt behielt der Hauptgefreite Sokol in Erinnerung: „Ich war von Juli ’91 bis Juni ’93 dabei, aber Mannschaftsdienstgrad. Kein Streß und den BCE hab ich da auch gemacht. Der MAD hat ganz schön abgekotzt. Der Großteil der Kompanie dachte rechts. Und: Blut muss fließen von Tonstörung war unser Kompanielied, das haste aus jeder Stube gehört :-) “. Er lernte Offsetdrucker und wechselte in seinen letzten Lebensjahren zwischen Hartz IV und kurzzeitigen Anstellungen als Industriemeister für digitale Druck- und Printmedien hin und her. Zwischenzeitig versuchte er sein unregelmäßiges Einkommen durch den wenig lukrativen Nazi-Onlinehandel „Patria-Versand“ aufzubessern. Nach seiner Trennung 2006 von seiner damaligen Ehefrau Stefanie Sokol, geb. Grün, lebte er meist allein, die gemeinsame Tochter sah er nur sporadisch. Trotz kurzzeitiger Anstellungen in Düsseldorf, Bremen oder der Schweiz blieb die Karlsruher Region sein Lebensmittelpunkt.

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Siehe auch: Rechtsextremismus in Deutschland: Abschied eines Spitzels
(mehr…)

Le chanteur du groupe RAC Légitime Violence accusé de trafic de drogue

Sänger von kanadischer „Blood & Honour“-Band „Legitime Violénce“ muss wegen Drogenhandel (u.a. Crystal Meth) in den Knast:

Raphaël Lévesque, alias Raf Stomper, chanteur du groupe RAC québécois Légitime Violence, se retrouve accusé de trafic de drogue. Le groupe avait fait parlé de lui en juin 2015, pour sa participation à l’évènement organisé par Blood & Honour Hexagone. Raphaël Lévesque, alias Raf Stomper, chanteur du groupe d’extrême droite de Québec Légitime Violence, a comparu vendredi au palais de justice de Québec après avoir été arrêté jeudi à Saint-Apollinaire dans une affaire de trafic de méthamphétamine et de cannabis. Le groupe Légitime Violence avait fait parler de lui en juin quand le maire de Talencieux, en France, avait tenté en vain de faire interdire un spectacle de musique et de combats illégaux auquel le quatuor prenait part. Auparavant, il s’était retiré de la programmation du festival Envol et macadam en 2011 après que l’organisation eut reçu plusieurs plaintes à son sujet. Comme l’explique l’agente Ann Mathieu de la Sûreté du Québec, Lévesque, un skinhead de 32 ans résidant à Québec, mais originaire de Saint-Agapit, a été arrêté avec un présumé complice, Carl Martineau, un résident de Saint-Apollinaire âgé de 25 ans, dans le stationnement de l’église de Saint-Apollinaire. «Ils étaient en possession de stupéfiants : de la méthamphétamine et du cannabis. Par la suite, deux perquisitions ont été effectuées, l’une au domicile de Lévesque à Québec et l’autre à celui de Martineau à Saint-Apollinaire. Les policiers ont mis la main sur 250 comprimés de méthamphétamine, 600 grammes de cannabis et une somme de 2500 $», explique Mme Mathieu. Deux automobiles ont également été saisies à titre de biens infractionnels. Les deux accusés ont comparu vendredi sous deux chefs d’accusation de trafic de stupéfiants, deux chefs de possession en vue de trafic et un chef de complot en vue de trafic. Le procureur de la Couronne, Me Daniel Bélanger, s’est opposé à leur remise en liberté d’ici la tenue de leur enquête en cautionnement, lundi dans le cas de Lévesque et jeudi dans le cas de Martineau. Avant cette affaire, Martineau était déjà accusé dans deux autres dossiers liés à la drogue, alors que Lévesque a déjà écopé d’amendes de 100 $ à 750 $ par le passé dans des dossiers de méfait, de voies de fait et de possession de marijuana.

via la horde: Le chanteur du groupe RAC Légitime Violence accusé de trafic de drogue

Militante braune Strukturen

Via der „Blick mach Rechts“:

Untergrund“ (NSU) weitere Neonazi-Terrorzellen – und existieren sie weiter? Ein heute enthüllter Waffendeal zwischen zwei „Combat 18“-Anhängern wirft diese Frage neu auf.

„Der Kasseler Michel F. will in den nächsten Tagen zwei halbautomatische Pistolen vom Kaliber 9 mm samt zugehöriger Munition an Alexander G. verkaufen“, schreibt die „Autonome Antifa Freiburg“ in einem vor wenigen Stunden veröffentlichten Communiqué. F. galt jahrelang als wichtiger Neonazi-Drahtzieher in Nordhessen, er könnte im hessischen NSU-Untersuchungsausschuss noch eine wichtige Rolle spielen, da einer seiner engen Kameraden der V-Mann Benjamin Gärtner war. Der telefonierte am Mordtag im April 2006 zweimal mit seinem Verfassungsschutzführer Andreas Temme, bevor der sich sofort an den Tatort des Mordes an Halit Yozgat aufmachte und unauffällig wieder verschwand. Der Vorfall ist bis heute nicht aufgeklärt, auch bleibt die Frage, ob Kasseler Neonazis von dem geplanten NSU-Mord wussten.

In seiner Vernehmung gegenüber dem BKA gab der mutmaßliche Waffendealer Michel F. vor Jahren an, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gekannt zu haben. Wenige Wochen vor dem Mord organisierte er gemeinsam mit anderen ein Rechtsrock-Konzert mit der berüchtigten Dortmunder Band „Oidoxie“ im Clubhaus des Kasseler Ablegers des MC Bandidos. Nur knapp einen Kilometer vom späteren Tatort entfernt. V-Mann Gärtner und auch F. räumten ein, dass die NSU-Terroristen Mundlos und Böhnhardt entweder gemeinsam oder einer von ihnen dabei gewesen sein könnte.

Security-Gruppe „Oidoxie Streetfighting“

Der mutmaßliche Waffenempfänger Alexander G. spielte als Bassist bei ebendieser Dortmunder Band „Oidoxie“. Zwischen Dortmund und Kassel waren die Verbindungen besonders eng. Gemeinsam wurde eine dubiose Security-Gruppe namens „Oidoxie Streetfighting“ gegründet. G. stammt wie F. aus Thüringen. Er wurde in Leinefelde geboren und lebte dann in der Schweiz, inzwischen aber in der Nähe von Augsburg. Aus der Mitte von „Oidoxie“ heraus entstand bis mindestens 2006 eine kleine „Combat 18“-Terrorzelle. Zu der gehörten nicht nur der Sänger von „Oidoxie“, sondern auch ein V-Mann des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes sowie der spätere Brieffreund von Beate Zschäpe, Robin Schmiemann.

Im Abstand von nur zwei Tagen waren im April 2006 Mehmet Kubasik in Dortmund und danach Halit Yozgat in Kassel mutmaßlich vom NSU erschossen worden. Die Taten waren ungewöhnlich auffällig durchgeführt worden, mit dem Tod des jungen Yozgat endete anscheinend die rassistische Mordserie. Seit langem wird angenommen, dass die beiden Täter, Mundlos und Böhnhardt, Helferstrukturen in den beiden Neonazi-Hochburgen hatten.

Obwohl F. durchaus noch im Fokus engagierter NSU-Aufklärer steht, soll er laut den Freiburger Antifa-Recherchen seit dem 20. Juni den Waffendeal mit G. vorangetrieben haben. An diesem Abend wurden demnach die ersten Details mitgeteilt: „Para 9mm. 1600 soviele du willst … mit muni … wird noch geklärt wieviele jeweils dabei sind. Haken…Vorkasse … weil dann einfuhr erst“.

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Siehe auch: „Combat 18”-Nazis planen Waffendeal in Kassel

VIP Schild”-Security aus Jena: Neonazis kein Einzelfall

Via „Thüringen Rechtsaussen“:

aufmerksam gemacht, dass der Thüringer Neonazi Michel Fischer aus Tannroda als Security beim Schlossgrabenfest in Darmstadt tätig war. Die Firma “VIP Schild” aus Jena beteuert, dies sei ein Einzelfall. Doch bei genauerer Betrachtung fällt auf: Die Firma ist von oben bis unten mit Neonazis und der extrem rechten Szene nahestehenden Personen durchsetzt.

Jenaer Securityfirma mit Vorliebe für Neonazis und Hooligans

Fischer ist einer der umtriebigsten Neonazis in Thüringen und mehrfach auch wegen Gewaltdelikten vorbestraft. Nun gilt es als sicher, welche Security-Firma Fischer in Darmstadt einsetzte: VIP Schild Security aus Jena. In einem Artikel heißt es nun, Fischer sei nur Vertretung für seinen Bruder gewesen.

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[HH] Neonaziaufmarsch am 12.09.2015

„Indymedia Linksunten“ berichtet:

Neonazi Thorsten de Vries unter dem Motto „Tag der deutschen Patrioten“ zu einer Demonstration in Hamburg. Ziel dabei soll es sein, einen Schulterschluss von (Allltags-)Rassist_innen, rechten Hools und organisierten Neonazis zu vollziehen und an die derzeitig vermehrt zu Tage tretenden rassistischen Tendenzen in der Gesellschaft anzuknüpfen.

Aktuell werden in Deutschland nahezu täglich Menschen muslimischen und jüdischen Glaubens, geflüchtete Menschen und/oder Menschen mit Migrationshintergrund, sowie Unterkünfte für Geflüchtete, Moscheen und Synagogen Ziel von militanten rassistischen und antisemitischen Angriffen. Vor kurzem, am 03.06.2015, verübten Neonazis einen Brandanschlag auf eine Unterkunft in Hoyerswerda. Während des Anschlags befanden sich 27 Menschen in dem Gebäude, die glücklicherweise keinen physischen Schaden davon trugen (1). Wie sich gerade erst herausstellte wurde am 13. Februar im sächsischen Freiberg ein selbstgebauter und potentiell tödlicher Sprengsatz gezündet. Die Bombe detonierte im Flur der bewohnten Unterkunft, wodurch sieben Menschen verletzt wurden (2). Im Jahr 2014 verdreifachten sich im Vergleich zum Vorjahr Angriffe von Neonazis auf Geflüchtete und deren Unterkünfte (3). Auch Angriffe auf Antifaschist_innen werden immer massiver, so wurden am diesjährigen Ersten-Mai-Wochenende in Thüringen im Zusammenhang der Neonazi-Demonstrationen mehrere Genoss_innen in Saalfeld von Neonazis schwer verletzt, sowie der Stand einer Gewerkschaft in Weimar angegriffen (4). Ein weiterer trauriger Höhepunkt des laufenden Jahres 2015 ist der Angriff von Neonazis aus dem HoGeSa-Umfeld auf einen Genossen im April, der mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich verletzt wurde (5).

Immer wieder gelangen rassistische Praktiken staatlicher Institutionen an die Öffentlichkeit. So konnten im Mai 2015 Antifaschist_innen eine direkte Zusammenarbeit zwischen der Leipziger Polizei und Neonazis nachweisen (6). Aus Hannover wurde bekannt, dass mehrere Mitglieder der Bundespolizei systematisch und über Jahre hinweg Geflüchtete in Gewahrsam schwer misshandelten (7). Ein ähnlicher, als „Einzelfall“ deklarierter, Skandal wurde 1994 in Hamburg bekannt. Damals wurde ebenfalls die Misshandlung an Geflüchteten aufgedeckt. Der brutalste Schläger in Uniform, Mitglied einer Wehrsportgruppe, wurde zum Staatsschutz befördert (8). Aktuell führt, ebenso in anderen Bundesländern zu beobachten, die Hamburger Polizei wieder vermehrt rassistische Kontrollen durch.

Viele der Menschen, die es bis hierher geschafft haben, werden illegalisiert, müssen auf der Straße oder in überfüllten Unterkünften leben. Geflüchtete werden so systematisch von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen. Die an sich schon lebensgefährliche Flucht wird durch die europäische Außenpolitik fast nahezu unmöglich gemacht. Als Antwort auf die mit zu verantwortenden Krisen und Kriege dieser Welt rüstet die Festung Europa militärisch weiter auf und verstärkt die Grenzkontrollen. In Folge dessen sterben tausende Menschen auf ihrer Flucht. Am 2. Juli verabschiedet die Bundesrepublik Deutschland die härtesten Asylrechtsverschärfungen seit 1993 (9).

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Was steckt hinter dem Polizistenmord vor 15 Jahren?

Vor 15 Jahren starben in Dortmund und Waltrop drei Polizisten. Sie wurden erschossen, der Täter beging Selbstmord. 15 Jahre lang wurden die brutalen Morde als Taten des psychisch kranken Einzeltäters Michael Berger angesehen, sie gelten als nicht politisch motiviert – viele Indizien sprechen dafür, dass das falsch ist. Am 14. Juni 2000 starben in Dortmund und Waltrop drei Polizisten. Sie wurden erschossen, der Täter beging Selbstmord. Die Tat ordnete das NRW-Innenministerium sinngemäß Ende 2011 wie folgt ein: Es habe sie gegeben, weil der Täter ohne Führerschein unterwegs war und mehrere Waffen im Auto und in seiner Wohnung hatte und entdeckt worden war. Anhaltspunkte für eine politisch motivierte Tat lägen nicht vor. Berger, Michael, geboren am 16. Januar 1969, stirbt im Alter von 31 Jahren am 14. Juni 2000 durch Selbstmord. Wie aus dem Nichts heraus, so scheint es, tötet er vor seinem Suizid drei Polizisten durch Kopfschüsse und verletzt eine weitere Polizistin schwer (…) Einen Tag nach der Tat wird gegen 5 Uhr morgens an einer Außenwand der Polizeiwache Hiltrup in Münster ein 3,80 Meter langer und bis zu 80 Zentimeter hoher Schriftzug entdeckt. „3 weniger“ steht da, eine eingeleitete Nahbereichsfahndung verläuft laut Polizeibericht negativ. (…) Rechtsradikal ist Berger schon lange vor diesem sonnigen Junitag im Jahr 2000: Nach der mittleren Reife macht er Mitte bis Ende der 1980er-Jahre eine Ausbildung zum Fotokaufmann in Dortmund. Ein Arbeitskollege aus der Zeit sagt unserer Redaktion, dass Berger zu Beginn der Ausbildung mit schwarzen Springerstiefeln mit weißen Schnürsenkeln zur Arbeit kommt. Mehrere Monate läuft er so herum, bis im Laden auffällt, dass das ein Symbol der Rechtsradikalen ist. Da er auch Kundenkontakt hat, werden ihm die Stiefel verboten. Bei einer Blockschulung in Norddeutschland soll sich Berger mit drei weiteren Auszubildenden ein Zimmer teilen. „Wir waren noch nicht ganz im Raum, da stieg er auf den Schrank und begann, eine Nazifahne aufzuhängen.“ (…) Im Wagen finden sich neben der Tatwaffe und dazugehöriger Munition unter anderem ein weiterer scharfer Revolver und eine Schreckschusswaffe. In Bergers Wohnung finden sich – auch unter anderem – drei scharfe Handfeuerwaffen, ein Kleinkalibergewehr mit Zielfernrohr sowie eine Splitterhandgranate. Im Elternhaus in Selm-Bork entdecken Ermittler etwas später in einem Dachschrägenverschlag eine schwarze Reisetasche. Darin, eingewickelt in ein Laken ein Sturmgewehr vom Typ Kalaschnikow, eine AK47.

via ruhrnachrichten: Was steckt hinter dem Polizistenmord vor 15 Jahren?: https://www.ruhrnachrichten.de/staedte/dortmund/44137-Dortmund~/Indizien-sprechen-fuer-politische-Tat-Was-steckt-hinter-dem-Polizistenmord-vor-15-Jahren;art930,2738259
Siehe auch: Vor 15 Jahren tötete Neonazi Michael Berger drei Polizisten: http://waz.m.derwesten.de/dw/staedte/dortmund/vor-15-jahren-toetete-neonazi-michael-berger-drei-polizisten-id10782746.html?service=mobile

Der NSU im Netz von Blood & Honour und Combat 18 – Teil 4

Via „NSU-Watch“:

Die Kreise um die Band Oidoxie

Die Hammerskins sind ein weiteres militantes Netzwerk mit einem Faible für den Untergrund und einem elitären Selbstverständnis. Den Hammerskins kommt heute zunehmend Bedeutung zu, auch deswegen, da sie nach der Zerschlagung von B&H-Nachfolgeorganisationen etliche Personen aus B&H-Kreisen aufgenommen haben, die politisch heimatlos geworden waren. Mit C18 in Deutschland hatten die Hammerskins lange Zeit ihre Probleme, zu selbstherrlich traten C18-Leute auf, zu frech formulierten diese Führungsansprüche. Seit 2011 herrscht weitgehend Friede. Malte Redeker, führender Hammerskin in Deutschland, schrieb in einer internen Mail am 5. Juli 2011 an seine „Brüder“ der Hammerskin Nation (HSN): „Das andere Gespräch fand zwischen mir und den deutschen Combat18 Leuten statt. Wie unlängst […] beschlossen wurde, hat sich die deutsche Grundeinstellung zum C18 (zumindest dem deutschen Flügel) gewandelt. Von einer passiven aber ablehnenden Haltung sind wir zu einer neutralen Haltung übergegangen. Es war einhellige Meinung, keinen Krieg mehr über 15 Jahre alte Geschichten zu führen. Das Gespräch wurde mir von Gottschalk und einigen Streetfighting Crew Leuten “gedrückt”, da die Jungs parallel zu uns zur selben Erkenntnis gekommen sind. Gottschalk hatte mir also 1 zu 1 dasselbe erzählt, was ich ihm eh ausrichten wollte. Das Gespräch war sehr aufschlussreich und verlief in sehr guter Atmosphäre. Es gibt keinen einzigen C18 Mann in Deutschland, der keine gute Beziehung zur HSN möchte. Wir müssen es jetzt ja nicht überstürzen mit Verbrüderungen, etc. Aber ist grundsätzlich mal gut zu hören, dass unser “Friedensangebot” mehr als willkommen geheissen wird. Schauen wir also mal, dass wir die Oidoxie Jungs irgendwo mal spielen lassen.[…]“ Aus dieser Mail geht hervor, dass es noch im Jahr 2011 eine Struktur in Deutschland gab, die – immerhin von den Hammerskins – als „deutsches C18“ angesehen wurde: Die „Streetfighting Crew Leute“, die „Oidoxie Jungs“.

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NPD-Konkurrenzpartei “Der III. Weg” rückt in Thüringen weiter vor – 1. Stützpunktgründung im Raum Saalfeld/Pößneck

„Thüringen Rechtsaußen“ berichtet:

Wie erwartet breitet sich die Neonazi-Partei “Der III. Weg” weiter nach Thüringen aus. Einen Monat nach der Demonstration in Saalfeld fand am 30. Mai 2015 die erste Stützpunktgründung und ein Zeltlager in der Region Saalfeld/Pößneck statt.

Aktivitäten seit Herbst 2013 in Thüringen

Seit über anderthalb Jahren steckt die Partei “Der III. Weg” ihre Fühler nach Thüringen aus. Wenige Wochen nach der Parteigründung im September 2013 demonstrierten am 23. November während den rassistischen Wochenmärschen von David Köckert und seiner Greizer “Bürgerinitiative” rund 200 Neonazis durch Greiz, darunter auch Angehörige der Partei “Der III. Weg” mit einem eigenen Transparent. Auch Tony Gentsch der seit Jahren enge Verbindungen nach Ostthüringen pflegt, trat als Redner und “Vertreter der neuen Parteialternative Der III. Weg” auf. Ein halbes Jahr später nahmen an der Demonstration vom “III. Weg” im sächsischen Plauen über 600 Neonazis teil, darunter auch zahlreiche Thüringer Neonazi-Kader. Darunter neben NPD-Funktionären wie Daniel Madalschek oder Franz Kotzott auch der Gewalttäter Michel Fischer aus Tannroda. Fischer führte dabei den Block der “Weissen Wölfe Terrorcrew” aus Thüringen an. Nach Parteiangaben fand Ende August 2014 eine Vortragsveranstaltung vom “III. Weg” in Saalfeld bzw. in Bad Blankenburg statt, bei dem “auch Aktivisten aus dem Saale-Holzland-Kreis anwesend waren”. Im Vordergrund hätten dabei auch die “Freizeitgestaltung maßgeblich für junge Nationalgesinnte” sowie die “Wiedergeburt des Nationalen Widerstandes” gestanden. Letzter befinde sich “durch diverse Fehlentwicklungen der letzten Jahre in einer tiefen Krise”, hieß es nach dem Treffen knapp zwei Wochen bevor die von Skandalen geplagte Thüringer NPD unter Führung von Patrick Wieschke bei der Landtagswahl scheiterte. Am 27. September 2014 folgte der erste Bundesparteitag, welchen die Partei ebenso in Thüringen ausrichtete. In der Kirchheimer Erlebnisscheine traten neben dem Parteivorsitzenden Klaus Armstroff und dem Führungskader vom inzwischen verbotenen “FN Süd”, Matthias Fischer, auch der Thüringer Liedermacher Torsten Hering (“Torstein”) auf. Ende Oktober fand in Kahla ein weiterer Vortrag vom “III. Weg” statt, bei dem vier Liedermacher mit Gitarre, Akkordeon und Violine aufgetreten sind. Wahrscheinlich handelte es sich bei Zweien davon um Neonazis aus dem Umfeld des “Freien Netz Kahla / Jena”. Am letzten Novemberwochenende soll laut einer Mitteilung der Partei eine weitere Veranstaltung stattgefunden haben, im Titel der Mitteilung war von “Nordthüringen” die Rede, im Text vom “Großraum Erfurt”, etwa zur selben Zeit wurden auch in Greiz Flugblätter mit Hetze gegen Flüchtlinge und ihre Unterkünfte verteilt. Verantwortlich zeichnete der “III.Weg”-Stützpunkt Hochfranken/Vogtland. Dessen Stützpunktleiter, Rico Döhler meldete im Dezember 2014 gemeinsam mit dem Parteivorsitzenden Klaus Armstroff die Demonstration für den 1. Mai 2015 in Saalfeld an.

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Der NSU im Netz von Blood & Honour und Combat 18 – Teil 2

„NSU-Watch“ berichtet:

Teil 2: Blood and Honour und seine Flügelkämpfe

Das Milieu von Blood & Honour Chemnitz

Für B&H in Sachsen waren Musik und Kampf zwei Seiten einer Medaille. Die Sektion B&H Sachsen bestand aus Blood & Honour Chemnitz plus einzelner Mitglieder im Raum Dresden und Riesa. Wie anderen Sektionen ging es auch B&H Sachsen nicht darum, möglichst viele feste Mitglieder zu sammeln. Dies hätte den elitären Charakter der Organisation aufgeweicht. So bauten B&H-Sektionen Vorfeldorganisationen auf. In Thüringen, Sachsen und Brandenburg entstand die White Youth als „offizielle“ Jugendorganisation von B&H.

In Westsachsen bildeten die Skinheads Chemnitz 88 das Scharnier von B&H zur Jugendkultur. Die Skinheads Chemnitz 88 integrierten Nachwuchs und Umfeld. Sie verbanden Skinheadkult, Fußball und Partys mit einer neonazistischen Identität. Denjenigen, die „das Politische“ der Party vorzogen und nach einem „Aufstieg“ in der Szene trachteten, schlossen sich sukzessive B&H an. Wer brauchbar schien, wurde von B&H angeworben. Die Weiße Bruderschaft Erzgebirge, aus deren Reihen neben André Eminger einige weitere Neonazis kamen, die Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt nach dem Jahr 2000 unterstützten, agierte zwar eigenständig, war aber mit B&H eng verbunden.

So lässt sich ein westsächsisches B&H-Milieu skizzieren, was Ende der 1990er Jahre über den überschaubaren Mitglieder-Kreis hinaus weit über 100 Personen einband. Blood & Honour Chemnitz wuchs zu einer führenden B&H-Struktur in Deutschland. Mehrere Fanzines, die mit dem Label von B&H aus Chemnitz herausgegeben wurden, spiegelten die Dynamik der dortigen B&H Sektion wider. Movement Records florierte, die Konzerte waren stets gut besucht fanden zeitweise alle zwei Wochen statt. Hin und wieder intervenierte die Polizei an den Orten, an denen Konzerte stattfinden sollten, und verbot diese, doch fast immer fanden sich Ausweichorte in regionaler Nähe.

Andere Sektionen hatten es schwerer. Sie waren personell nicht so gut aufgestellt und hatten mit antifaschistischen Kampagnen und Repression zu kämpfen, die ihnen die Räume immer enger machten. Die Berliner Sektion beispielsweise musste bis nach Vorpommern ausweichen, um ungestört größere Konzerte durchzuführen.

Die ChemnitzerInnen waren immer weniger bereit, sich den Anweisungen der Bundesführung aus Berlin zu beugen. Angeblich nachdem die Divisionsleitung Geld von Movement Records einforderte, dieses aber nicht erhielt, kam es 1998 zum Bruch. Blood & Honour Sachsen trat aus. Für die Chemnitzer AktivistInnen änderte sich wenig. In Westsachsen lief alles weiter wie bisher, und Gelder, die die Konzertkasse und Movement Records zu verteilen hatten, schienen ihnen in den eigenen Taschen und bei den untergetauchten Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt besser aufgehoben zu sein als in der Divisionskasse.

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Crystal Meth: Die Droge aus der Neonazi-Szene

Das „Deutschlandradio“ berichtet:

Crystal Meth gilt unter den Drogen als Killer, denn es macht extrem schnell abhängig – auch wenn von ihm oft verharmlosend als „Partydroge“ gesprochen wird. In Deutschland kommen die Dealer aus der Neonazi-Szene. Mike Baumgärtner hat die Mechanismen von Produktion und Beschaffung in einem Buch dokumentiert.

Spätestens seit der US-Serie „Breaking Bad“ ist die Droge Crystal Meth ein Begriff: Was der krebskranke Chemielehrer Walter White in seinem Wohnmobil zusammenbraute und für einen schönen Batzen Geld vertickte, ist auch in Deutschland relativ einfach zu bekommen.

Das Nachbarland Tschechien gilt als Hauptproduzent in Europa, dort wird die Droge mit dem Wirkstoff Methamphetamin in großen Mengen produziert. Sie ist ziemlich simpel herzustellen und macht extrem schnell abhängig. Maik Baumgärtner, der gemeinsam mit Mario Born und Bastian Pauly die Crystal-Meth-Szene in dem Buch „Crystal Meth – Produzenten, Dealer, Ermittler“ beleuchtet, sagt, in Deutschland seien keine Meth-Küchen entstanden, „weil der Zugang zu relativ hochwertigem Meth in Tschechien so einfach ist, dass hier gar kein Bedarf besteht, es selbst zu produzieren. Es kostet mich ein Zugticket an die tschechische Grenze und zwei Stunden später kann ich mir so viel kaufen, wie ich möchte.“

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Rocker im Kulturzentrum

Der „Blick nach Rechts“ berichtet:

13.04.2015 – Am Samstag feierten die „Hells Angels“ in Rostock eine Party. Mit dabei waren auch rechte Aktivisten, die jetzt Kutte tragen.

Selbstdarstellung des MC Hells Angel-Charter Rostock; Facebook
Offiziell gibt es sie in der Hansestadt Rostock nicht mehr. 2012 löste sich das Charter des „MC Hells Angels“ an der Warnow auf. Doch seit 2014 präsentiert sich die Gang neu mit einem eigenen Chartersong, gesungen von einem Rapper. Weil sie jedoch ihre Vereinsembleme nicht offen zeigen dürfen, nennen sie sich „Red-White-Rostock“ und vertreiben massenhaft Kleidung und Utensilien für Unterstützer (Supporter) und Fans der Mafia-Rocker, die offen für Kriminalität und Gewalt stehen. Der Dresscode der „Hells Angels“ wird vor allem durch den Schriftzug HAMC und die 81 geprägt sowie die Vereinsfarben rot und weiß. Die unterstützenden „Red Devils“ tragen ihr Kürzel 184 bis hin zum Autokennzeichen zur Schau. In Mecklenburg-Vorpommern scheint der Westteil des Landes in der Hand der Rot-Weißen zu sein, während im Ostteil eher der konkurrierende „MC Bandidos“ mit seinen Supportern dominiert.

Das Rostocker Charter der Höllenengel ist in deutscher Hand. Von sieben Vollmitgliedern stammen mindestens zwei aus der Neonazi-Szene in Sachsen-Anhalt, einer aus Niedersachsen. Alarmierend scheint auch die enge Verbindung zu rechten Bruderschaften in der Region. So tauchten neben den Codes „81“ und „184“ am letzten Samstag eben auch die „88“ auf. Die „Hells Angels Rostock“ feierten mit „Brüdern“, Freunden und Groupies ihre „Season Open Party“. Die Veranstaltung sollte zunächst in Mönchhagen bei Rostock stattfinden, wurde dann jedoch in die Moya Kulturbühne verlegt. Von Motorrädern war bei der Rockergang trotz optimalen Wetters kaum etwas zu sehen. Nur einen Handvoll Bikes fuhren vor. Der Mythos von „Route 66“ und „Easy Rider“ ist Carmouflage.

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Der Freund des Terroristen

Der „Blick nach Rechts“ berichtet:

04.03.2015 – Im NSU-Verfahren muss am Donnerstag ein einflussreicher sächsischer Neonazi erscheinen. Er verfügt bis heute über Kontakte ins Helferlager.

Obwohl Zeuge für Zeuge aus dem Chemnitzer Neonazi-Milieu im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht in München mit Erinnerungslücken und Ablehnung aufwarten, ist deutlich geworden, dass die braunen Helferseilschaften von einst den Kontakt untereinander bis heute halten. Längst als das Jenaer Trio 1998 in Sachsen untertauchte, galt Chemnitz als „Mekka“ der rechten Musikszene. Internationale braune Szene-Stars spielten auf konspirativen Konzerten. Es ging nicht nur um viel Geld, sondern auch um Militanz, Waffen und Untergrund. Die meisten Neonazis, die Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe in der Illegalität halfen, gehörten zu „Blood&Honour“, der Chemnitzer Kameradschaftsszene oder mutmaßlich zum dortigen „Heimatschutz“. Bereits einige Jahre zuvor hatte vor allem Mundlos unter den führenden Chemnitzer Köpfen seine politischen Masterminds gefunden.

Routiniert sagen die damaligen Fluchthelfer heute nur das Nötigste aus. Für Donnerstag ist der 39-jährige Hendrik Lasch in den Zeugenstand geladen. Der smarte Bartträger mit Brille gilt als einer der einflussreichsten rechtsextremen Drahtzieher in Sachsen. Lasch stand nicht nur „Hammerskins“ und „Blood&Honour“ nahe, sondern auch der regionalen Rocker-Szene. Seit mindestens 1994 war er persönlich mit dem NSU-Terroristen Uwe Mundlos aus Jena befreundet. Gemeinsam mit Kameraden fuhren die beiden bereits 1994 zu einem Konzert nach Niederbayern.

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