Archiv der Kategorie 'Rap, Nazirap usw.'

Schlag gegen rechtsnationalistische Rocker

Quelle: Blick nach Rechts

10.07.2018 – Die militante türkisch-nationalistische Rockergruppe „Osmanen Germania“ wurde am Dienstag verboten.

Mit ihren bundesweit 1500 bis 2500 Mitgliedern gehören die „Osmanen Germania“ zu den gefährlichsten, schnell wachsenden Rockergruppen Deutschlands. Von ihrer Mitgliederstruktur her türkisch-nationalistisch geprägt gelten sie als enge Gefolgsleute Erdogans und verbinden milieuspezifische Kriminalität mit gezielter, sehr rechter Einschüchterungspolitik. Im März dieses Jahres gab es bereits in zahlreichen Städten in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg einen schweren Schlag der Sicherheitsbehörden gegen die Gruppierung. Nun hat Bundesinnenminister Horst Seehofer die „Osmanen“ verboten.

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Antisemitismus im Rap: Jungs, hört auf, eure Lines zu verharmlosen!

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Dass Künstler inzwischen Antisemitismus und Islamismus nutzen, um zu schocken, ist logisch. Es ließe sich aber ändern: Hörer und Rapper müssen die Musik endlich ernst nehmen.

Seit der Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang kursiert ein Missverständnis, über das sich unterschiedliche Seiten merkwürdig einig sind: Antisemitismus sei Bestandteil der Hip-Hop-Kultur. Die einen formulieren diese Feststellung als Kritik; die anderen wollen damit die beiden Rapper verteidigen. Als Außenstehender könne man das nicht verstehen. Auch Felix Blume alias Kollegah äußerte sich entsprechend. Aber egal, wie man es wendet, das ist Bullshit. Zu viele, die jetzt darüber reden und schreiben, haben zu wenig Ahnung von Rap.

Im Deutschrap wurden antisemitische Inhalte erst mit dem Aufstieg von Rappern wie Bushido und Haftbefehl, also seit etwa zehn Jahren, sichtbar. Kool Savaş, seit den 1990ern Pionier des Battle-Rap in Deutschland, rappt zwar trans-, homo- und frauenfeindlich, aber nicht antisemitisch. Man könnte fragen, warum sich darüber – außer Alice Schwarzer – so wenige aufgeregt haben. Fest steht aber: Die Behauptung, dass Antisemitismus eben Bestandteil des Rap sei, stimmt einfach nicht. Dieser Trend ist relativ neu.

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„Kein Stilmittel von Battle-Rap, sondern deutlich artikulierte Judenfeindlichkeit“: Musikjournalist Juri Sternburg über Kollegah und Farid Bang

Quelle: Meedia

Seit Tagen wird in Deutschland über Antisemitismus im deutschen Rap diskutiert. Auslöser dafür war die Auszeichnung von Farid Bang und Kollegah beim Echo. Doch die Debatte geht nicht weit genug, findet der Musik-Journalist Juri Sternburg. Im MEEDIA-Interview spricht er über die Grenzen des Battle-Raps und erklärt, warum vor allem die beiden Rapper von der aktuellen Berichterstattung profitieren.

Herr Sternburg, derzeit wird in Deutschland über möglicherweise antisemitische Texte im deutschen Battle-Rap diskutiert. Wie wichtig oder gar überfällig ist diese Debatte?

Jury Sternburg: Die Debatte ist sehr zwiespältig zu sehen. Einerseits ist die Thematisierung von Antisemitismus natürlich immer wichtig, andererseits ist es Unsinn, wenn man behauptet, deutscher Rap habe ein größeres Problem als die Gesellschaft allgemein. Antisemitismus ist in Deutschland nach wie vor weit verbreitet und gerade der deutsche Durchschnittsbürger braucht sicherlich keine Nachhilfe von Rappern oder von – jetzt medial ebenfalls mit in den Topf geworfenen – Flüchtlingen in Sachen Judenfeindlichkeit. Deswegen ist diese, jetzt von Seiten der AfD und ihren Fans oder etwa dem gruseligen RTL2-Paar „Die Geissens“ vorgebrachte Behauptung, migrantische Rapper und Migranten allgemein wären für den Antisemitismus in Deutschland verantwortlich oder würden für eine neue Qualität sorgen, schlicht absurd. Der Großteil der antisemitischen Straftaten in diesem Land wird von deutschen Tätern begangen. Diese ganze Debatte über Antisemitismus inner- und außerhalb des Rap-Zirkus findet allerdings realistisch betrachtet auch nur in einer medialen Blase statt. Wirklich wichtig wäre es, dieses Thema an Schulen zu behandeln. Dort kann man noch ansetzen und Denkmuster aufbrechen.

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Battle-Rap, Antisemitismus und AfD – Staiger zum Echo-Drama um Kollegah & Farid Bang

Quelle: Noisey

Nein, er kenne keine Tabus, sagte Oliver Polak vor vier Jahren in einem Interview, darauf angesprochen, dass bestimmte Personen seine Vergewaltigungswitze in seinem Stand-up-Comedy-Programm nicht lustig finden würden – zum Beispiel Frauen, aber die würde er halt zum Lachen zwingen. In einem Kommentar für Die Welt erklärte der Comedian am 14. April nun, dass es ihm in der aktuellen Diskussion um Kollegahs und Farid Bangs Echo-Gewinn nicht um die Auschwitz-Zeile im Track „0815″ geht. „Ich weiß, was Satire ist, ich weiß, was Stand-up ist, und ich verstehe auch die künstlerische Funktionsweise von Battle-Rap“ – aber so wie das bei Kollegah insgesamt abgelaufen ist (auch mit Bezug auf seine Musikvideos), gehe es halt nicht, denn das sei „Antisemitismus […], das Protegieren von Judenhass“.

Campino, nach eigenen Worten ebenfalls Fachmann in Sachen Provokation, erklärte bei der diesjährigen Echoverleihung vor laufender Kamera, wo die Grenzen der Sittlichkeit verlaufen und erntete dafür stehende Ovationen vom Publikum, das froh war, dass wenigstens einer was gesagt hat. Empfindsame Polizisten würden das mit der Grenzziehung übrigens vielleicht anders sehen und an Textzeilen wie „Wir schießen zwei, drei, vier, fünf Bullen um“ erinnern, die aus dem Track „Bonnie und Clyde“ von den Toten Hosen stammen, der ja immerhin auf einer wahren Geschichte beruht und in diesem Sinne vielleicht auch das Moralempfinden bestimmter Personenkreise verletzt.

BMG stoppt Zusammenarbeit mit Rappern Kollegah und Farid Bang

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Das Musikunternehmen BMG hat die Zusammenarbeit mit den beiden Rappern Kollegah und Farid Bang vorerst gestoppt.

BMG hatte in Kooperation mit zwei Musiklabels das umstrittene Album „Jung Brutal Gutaussehend 3″ der beiden Künstler veröffentlicht.

Eine Textzeile hatte heftige Kritik und eine Debatte um Antisemitismus ausgelöst.

Wegen der Debatte um Antisemitismus nach der Echo-Auszeichnung für ein Rap-Album will die Plattenfirma BMG die Zusammenarbeit mit den beiden Rappern Kollegah und Farid Bang vorerst einstellen. „Wir hatten den Vertrag über ein Album. Jetzt lassen wir die Aktivitäten ruhen, um die Haltung beider Parteien zu besprechen“, sagte Vorstandschef Hartwig Masuch am Donnerstag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Wir entschuldigen uns bei den Menschen, die sich verletzt fühlen“, sagte Masuch weiter.

BMG hatte in Kooperation mit zwei Musiklabels das umstrittene Album „Jung Brutal Gutaussehend 3″ der beiden Künstler veröffentlicht. Es enthält auf einer Bonus-Disc einen Song mit der Textzeile „Mein Körper (ist) definierter als von Auschwitz-Insassen“. Die Musiker waren in der vergangenen Woche für das Werk mit dem Musikpreis Echo ausgezeichnet worden. Politiker, Künstler und Vertreter jüdischer Institutionen hatten es als antisemitisch eingestuft.

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„Der deutsche Rap ist so antisemitisch wie Rechtsrock“

Quelle: Berliner Morgenpost

Nach dem Echo für Kollegah und Farid Bang spricht der jüdische Rapper Ben Salomo im Interview über Judenfeindlichkeit im Rap.

Die Rapper Kollegah und Farid Bang haben einen Echo gewonnen. Unter anderem mit der Zeile „Mein Körper definierter als von Auschwitz­Insassen“. Der Rapper Ben Salomo ist Jude. Der 41-Jährige wurde in Israel geboren und ist in Berlin aufgewachsen. Außerdem organisiert er Deutschlands größtes Battle-Rap-Event „Rap am Mittwoch“. Mit Julius Betschka hat er über den wachsenden Antisemitismus in der Szene gesprochen.

Sie sind selbst Teil der Rap-Szene, die nach der Verleihung des Echos an Kollegah und Farid Bang nun als antisemitisch beschrieben wird. Haben Sie selbst Antisemitismus erfahren?

Ben Salomo: Natürlich. Das fängt damit an, dass Backstage jemand einen Joint nicht weitergibt und als „Jude“ beschimpft wird. In Gesprächen mit anderen Rappern werde ich sofort in die Außenminister-Position von Israel gedrängt. Da soll ich mich dann von der Politik Israels distanzieren. Aber ich habe Antisemitismus nicht nur in der Rap-Szene erlebt – das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Ich wurde bereits in der siebten Klasse von türkischen und arabischen Mitschülern wegen meines Jüdischseins diskriminiert und angegriffen.

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Antisemitismus: Die dunkle Seite des deutschen Rap // Doku

Quelle: Juice

Rapper kokettieren, übertreiben, pauschalisieren – das ist legitim und dient dem Unterhaltungszweck. Aber, gerade auch im Straßenrap, wird der Interpretationsspielraum dieser Stilmittels oft offen gelassen. Neben (leider üblichen) Sexismen, die Frauen gerne zu »Bitches« degradieren, oder Homophobie, kombinieren deutsche Rapper gerne mal Geld, Juden und damit verbundene Stereotypen. »Ich leih dir Geld – doch nie ohne ’nen jüdischen Zinssatz, äh Zündsatz«, rappt Kollegahs langjähriger Label-Kollege Favorite etwa auf »Sanduhr« vom 2014er-Album »King«. Auch Haftbefehl, Celo und Abdi oder Massiv haben ähnlich provozierende Lines, die nicht selten zu Kontroversen führten. Es bleibt die ewige Frage, ob derartige Aussagen die Freiheit der Kunst nur an eine moralische Grenze treiben oder doch überschreiten. »Die Diskussion über Antisemitismus im deutschsprachigen Rap dreht sich überwiegend um gewisse Codes in Raptexten, bei denen allerdings nicht immer klar ist, ob sie seitens der Sprechenden das transportieren sollen, was die Kritisierenden verstehen wollen«, schrieb Marcus Staiger in einem Essay für die Bundeszentrale für politische Bildung.

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Zur Doku geht es hier: Die dunkle Seite des deutschen Rap

NS-Rap: 16 Bars für Führer, Volk und Vaterland

Quelle: Lotta

Obwohl in Deutschland seit 14 Jahren NS-Rap praktiziert wird, dauerte es verhältnismäßig lange, bis sich die Musikrichtung auch in der extrem rechten Jugendkultur verankern konnte. Seit 2015 ist ein Wendepunkt zu erkennen, der NS-Rap trat aus seinem Nischendasein. Das ist allen voran dem Rapper „Makss Damage“ aka Julian Fritsch geschuldet.
Seit 2001 wurde über NS-Rap innerhalb der NS-Szene kontrovers und vielfach theoretisch debattiert und die Vor- und Nachteile mal mehr, mal weniger sachlich ausgetauscht. Von Mitte bis Ende der 2000er Jahre waren es eher unorganisierte rechte Jugendliche, die sich immer mehr in Richtung NS-Rap radikalisierten — wie der Bielefelder Michael Björn Bock (Der Bock), die Berlinerin Mia Herrn (Dee Ex) und der Mindener Alexander Klenke (Sash JM). Sie kreierten — wenn auch ungewollt — das Genre. Diese RapperInnen waren allerdings kaum überregional wahrnehmbar und rappten rechte Texte eher aus musikalischem Interesse als mit taktischem beziehungsweise politischem Kalkül. Der RechtsRock-Akteur Jan Peter Kersting aus Bielefeld probierte 2005 mit dem Bandprojekt Veritas Invictus als erster Neonazi ein reines Rap-Lied aus, was aber ebenso aus Eigeninteresse und einem Faible für das Musikgenre geschah. Dennoch gab es auch Versuche von organisierten Neonazis, in diesem Genre Fuß zu fassen. So versuchte sich zum Beispiel die dem Milieu der „Autonomen Nationalisten“ (AN) zuzurechnende Band Projekt X aus Hessen mit einem politischen Kalkül an Rap, um neue Leute für die Szene zu gewinnen. Ihr Rap war allerdings qualitativ so schlecht, dass die Band nach kurzer Zeit wieder von der Bildfläche verschwand.

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Versteckspiel mit schlechter Tarnung

Via Sachsen-Anhalt Rechtsaussen:

Identitärer Rapper Komplott nutzt Proberaum von Magdeburger Rechstrockbands

AfD-Abgeordnete gründeten mit Rechtsrockmusikern und Neonazis eine Burschenschaft
Nachdem im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass der Identitäre-Rapper Komplott nicht aus Halle kommt und sich hinter diesem Namen der Neonazi Patrick Bass aus Heidelberg verbirgt, wurde es scheinbar kurz ruhig um den von IB-Faschisten gefeierten Künstler des „identitären Rap“. Nach der Veröffentlichung verließ Bass Berichten zufolge fluchtartig seine Wohnung und löschte verschiedene Accounts in sozialen Medien. Einige Monate später war Komplott wieder bei Instagram und Facebook aktiv. Am 22. Oktober 2017 veröffentlichte der Leipziger Identitäre Alexander „Malenki“ Kleine ein Video mit dem Rapper auf seinem Youtube-Kanal. Zu Beginn, um das folgende Interview anzukündigen, steht Kleine mit seinem Hund auf einem Hinterhof und gibt an „tief irgendwo in Dunkeldeutschland“ zu sein. Im Hintergrund ist die alte Diamantbrauerei in Magdeburg zu erkennen. Wenig später sind Kleine und Bass in einem Bandproberaum zu sehen. Es handelt sich um den Proberaum der Rechtsrockbands Mortuary, Painful Life und Agharta.

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Parlez-vous Nazideutsch?

Quelle: „Zeit“

Seit Jahren fahren rechtsextreme Deutsche in französische Grenzorte, um dort ungestört zu feiern. Nun bereitet ein SS-Gedenkstein den Organisatoren Probleme.

Kein Supermarkt, der Bus fährt nur alle paar Stunden, an jedem zweiten Haus hängt ein „Zu Verkaufen“-Schild: Das lothringische Volmunster hat vieles mit deutschen Dörfern gemeinsam. In einem Punkt unterscheidet sich der französische Grenzort mit 800 Einwohnern aber von der heimischen Provinz: Volmunster ist ein Anlaufpunkt für Verehrer des Nazi-Regimes aus ganz Europa. Französische Medien berichten immer wieder über von Deutschen organisierte Rechtsrock-Konzerte. Sie finden mindestens einmal im Jahr auf einem privaten Grundstück im Ortsteil Eschviller statt.

Folgt man den Einfamilienhäusern mit den schlichten Fassaden aus dem Ort hinaus auf einen Feldweg, stößt man auf einen freistehenden Garten. Im Gras liegen leere Bierflaschen und -dosen, es gibt eine Grillstelle, in der Mitte steht eine Bühne. Gleich am Eingang prangt auf einer Metallplatte ein Sticker der „Jungen Freiheit“ mit einem durchgestrichenem „P.C.“: Political Correctness unerwünscht.

Was das praktisch bedeuten könnte, ist nun durch die örtliche Tageszeitung Républicain Lorrain bekannt geworden. Auf dem Grundstück stand eines Morgens ein Gedenkstein zu Ehren einer Waffen-SS-Einheit. „Wir haben am Donnerstagmorgen von der Existenz des Gedenksteines erfahren“, sagt Jean-Luc Jaeg, der zuständige Staatsanwalt. Die Tafel habe sich gut sichtbar auf dem Feld eines Deutschen befunden und sei noch am selben Tag entfernt worden. Mittlerweile ermittelt die örtliche Polizei gemeinsam mit einer nationalen Sondereinheit gegen den Grundstücksbesitzer, wegen „Verherrlichung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

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Neonazis als Liedermacher – gewollt, aber nicht gekonnt

Quelle: Don‘t call it music

Mit weniger Aufwand als Rechtsrockkonzerte, aber ebenso starker Propagandawirkung gehören neonazistische Liedermacher-Abende zum festen Bestandteil der rechten Erlebniswelt. Ob als “Einheizer” im Vorprogramm eines Konzerts, als Ausklang einer Redner- oder Vortragsveranstaltung oder als musikalische Darbietung auf einem Kameradschaftsabend: Neonazis als Liedermacher sind kein Relikt aus den Neunzigern, sondern stellen auch heute noch ein wichtiges Genre innerhalb der rechten Musikszene dar. Ihre Musik wirkt oft melancholisch und romantisch und kann dadurch weitaus mehr Menschen erreichen als es klassischer Rechtsrock vermag. Die meisten Texte unterscheiden sich allerdings kaum von denen herkömmlichen Rechtsrock-Bands, in Teilen sind sie gar unmissverständlicher. Und meist auch einprägsamer – ein gemeinschaftliches Gefühl kann so schneller entstehen als auf einem Rechtsrock-Konzert, wo man die Songs der Bands vorher mehrmals gehört haben muss, um mitgrölen zu können.

Im Folgenden stellen wir vier rechte Liedermacher vor, die exemplarisch für diesen Teil der rechten Musikwelt stehen.

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„A3stus“: Ein Jahr auf Bewährung für Nazi-Rapper

Quelle: Berliner Kurier

Berlin – Der 37-Jährige Patrick K., der mit Bandkollegen eine CD mit volksverhetzenden Liedern produziert und im Internet angeboten hatte, ist zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sprach den geständigen Angeklagten am Mittwoch der Volksverhetzung sowie des Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz schuldig. Ein Betrag von 11.350 Euro, der durch den Verkauf der CD zusammenkam, sei einzuziehen, ordneten die Richter außerdem an.
Die Hetzlieder waren 2015 in der Liste der jugendgefährdenden Medien eingetragen worden. Die Polizei hatte im Mai 2015 Wohnungen von drei Mitgliedern der Band in den Stadtteilen Hohenschönhausen, Prenzlauer Berg sowie im brandenburgischen Bernau (Barnim) durchsucht.

Der Angeklagte habe „die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten“, heißt es in dem Urteil weiter. Der derzeit arbeitslose Mann hatte zuvor erklärt, er werde sich künftig von politischen Liedtexten fernhalten. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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NS-Rap: Back again?

von Mathias Roth

Magazin „der rechte rand“ – Ausgabe 165 – März/April 2017

Neonazi-Rapper treten auf RechtsRock-Konzerten und Kundgebungen auf, ihre Videos werden zum Teil mehrere zehntausend Mal in den sozialen Medien aufgerufen: Seit 2015 ist neonazistischer Rap im Aufwind. Doch die Szene streitet, ob der Musikstil nicht »kulturfremd« sei.

Den Anfang der Debatte um Neonazi-Rap löste das rechte Hochglanzmagazin »Rock Nord« 2001 aus, das die Entgrenzung der Texte im deutschen Battle-Rap hin zu diskriminierenden Ideologien und NS-Vergleichen positiv rezipierte. In den nachfolgenden Jahren wurde von unterschiedlichen Seiten innerhalb der Neonazi-Szene über neonazistischen HipHop philosophiert und auch in immer mehr neonazistischen Foren wurde ab Mitte der 2000er Jahre über die Thematik gestritten. Im größten dieser Art, dem »Thiazi-Forum«, wurde bis zu seiner Abschaltung im Juni 2012 in einem Umfang von zwei Threads sechs Jahre lang mit insgesamt knapp 3.500 Antworten und mehr als 200.000 Betrachtungen kontrovers darüber debattiert. Die Meinungen der Neonazis gingen sehr weit auseinander – sie reichten von offener Ablehnung, weil das Genre »kulturfremd« und von »Untermenschen« entwickelt sei, bis hin zur Akzeptanz.
Jene, die Rap als Musikgenre akzeptierten, waren in der Defensive und argumentierten, dass Rap als Stilmittel für die »Werbung der nationale[n] Sache« wichtig sei und mit »dem Geist der Zeit gegangen werden muss«. Ähnliche Argumentationsmuster wurden auch später von den BefürworterInnen des Agierens und Auftretens der »Autonomen Nationalisten« (AN) verwendet.
Deutlich weiter in der Argumentation gehen jene Neonazis, die sich selbst als Rapper betätigen. So distanzierte sich die Gruppe »N‘ Socialist Soundsystem« (Rheinland-Pfalz) seit ihrer Gründung 2010 von der von Afro-AmerikanerInnen erfundenen und dominierten HipHop-Kultur (s. drr Nr. 130). Auch der Neonazi-Rapper »Makss Damage« (Julian Fritsch) will sich nicht in dieser Kultur verorten, stattdessen argumentiert er damit, dass Rap schon von den Wikingern und Kelten praktiziert wurde und daher der »weiße[n] Kultur« zugehörig sei. Neu ist diese Argumentationsweise nicht, die französischen Rapper von »Basic Celtos« nutzten diese schon Mitte der 1990er Jahre (s. drr Nr. 115).

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Rechtsrock in Kundgebungs-„Verpackung“

Quelle: Blick nach Rechts

24.10.2017 – Unter dem Motto „Rock gegen Links“ findet am Samstag im südthüringischen Themar erneut ein braunes Musik-Spektakel mit angekündigten Rednern statt. Gelistet sind für das Event neun einschlägige Szene-Band, davon zwei aus Übersee.

Bereits am 28. Oktober soll es im thüringischen Themar (Landkreis Hildburghausen) wieder ein Rechtsrock-Meeting geben. Für den Titel „Rock gegen Links“ zeichnet unfreiwillig eine aus dem Zusammenhang gerissene unbedachte Äußerung von SPD-Justizminister Heiko Maas verantwortlich. Die Zusammenkunft am Samstag wurde als politische Kundgebung angemeldet, stellt von der Aufmachung aber nichts anderes dar als eine Konzertveranstaltung mit mehreren einschlägigen Szene-Bands, zu denen auch „Fortress“ aus Australien und „Blue Eyed Devils“ aus den USA gehören.

Als Veranstalter agiert Patrick Schröder, NPD-Funktionär aus dem oberpfälzischen Mantel, Betreiber des Szeneportals FSN.tv und verantwortlich für das Modelabel Ansgar Aryan. Jüngst war Schröder noch Besucher am Stand des Antaios-Verlags auf der Frankfurter Buchmesse. Die für Themar angekündigten Reden unter anderem von NPD-Bundesorganisationsleiter Sebastian Schmidtke aus Berlin und dem als „Mic Revolt“ bekannten NS-Rapmusiker und der Partei „Der III. Weg“ zuzurechnende Michael Zeise aus dem nahen Apolda bilden bei dem Treffen nur den formalen Rahmen. Im Fokus steht augenscheinlich die Musik und die Szene-Vermarktung mit etlichen Verkaufsständen. Nicht von ungefähr werden in der Bewerbung der Veranstaltung PC Records aus Chemnitz, Front Records aus Lossatal bei Leipzig und Rebel Records aus Cottbus als Unterstützer genannt.

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In Bewegung: Jugendkulturen in der extremen Rechten

Quelle: Lotta-Magazin

Unter Jugendlichen ist immer mehr ein Sampeln unterschiedlichster jugendkultureller Elemente festzustellen. Klassische Jugendkulturen lösen sich zunehmend auf, klare Zuordnungen sind oftmals nicht möglich. Jugendkulturelle Identitätsentwürfe sind in Bewegung. Dies betrifft auch die extreme Rechte: „Skinhead“, „Autonomer Nationalist“ oder „Stino“ — was funktioniert für die Szene?
Zentral für Jugendszenen ist, dass sie nicht nur von der jeweils eigenen Gruppe, sondern auch von Außenstehenden wahrgenommen werden. In den 1990er Jahren, als der Skinhead das role model der jugendkulturellen Ausdrucksform der extremen Rechten war, war das zumindest auf den ersten Blick einfach. Selbstverständlich gab es auch damals andere, nicht-rechte Skinheads, doch in der Öffentlichkeit dominierte die Gleichung Skinhead = Neonazi. Umgedreht funktionierte das auch. Wer sich als Jugendlicher oder junger Erwachsener als Neonazi zu erkennen geben wollte, der wurde einfach Skinhead. Und er oder sie spürten sofort die Folgen der zumindest ästhetischen Zuordnung zu dieser Szene. BürgerInnen, MigrantInnen und teilweise auch Linke wechselten bei ihrem Anblick zumeist die Straßenseite. Allmachtsgefühle und -phantasien stellten sich oftmals ein, vor allem dort, wo Skinhead-Gruppen nicht auf Widerstand stießen.

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Szene-Zwist spitzt sich zu

Quelle: Blick nach Rechts

14.08.2017 – Gütersloh – Geldmacherei und Zusammenarbeit mit dem Staat wirft der Neonazi-Rapper „Makss Damage“ dem Rechtsextremisten Patrick Schröder vor.

Der NPD-Politiker und Gründer der braunen Sendung „FSN TV“ Patrick Schröder (Jg. 1983) aus dem oberpfälzischen Mantel (Kreis Neustadt an der Waldnaab) sieht sich weiter Kritik aus der Neonazi-Szene ausgesetzt. Der aus Gütersloh stammende Rapper Julian Fritsch (Jg. 1988), der als „Makss Damage“ auftritt, wirft Schröder in einem am Wochenende veröffentlichten Song „FCK F$N“ und einem Musikvideo vor, der NS-Szene in den Rücken zu fallen und nur am Geldverdienen interessiert zu sein.

Es geht unter anderem um Aussagen bei der Polizei, die von Schröder und seinem Umfeld gemacht worden sein sollen. Zudem wirft Fritsch dem Rechtsextremisten vor, die Daten der Ticketbesteller des von Schröder organisierten Neonazi-Festivals „Live H8“ an den polizeilichen Staatsschutz weitergegeben zu haben.

Auch Schröders Mitstreiter Daniel Franz (Jg. 1987), der maskiert als „Vandetta“ bei FSN-TV auftritt, wird von Fritsch belastet. Der damalige Zeitsoldat Franz soll zumindest 2010 bei der Polizei Aussagen zu einer Schlägerei gemacht haben, die es in der vorherigen Silvesternacht in Schwandorf gab. An der Auseinandersetzung waren „Kameraden“ beteiligt. Unter anderem der Name des ehemaligen NPD-Funktionärs Daniel Weigl tauchte bei den Ermittlungen auf.

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Neonazi-Events im Harz

Quelle: Der Blick nach Rechts

Goslar – Für kommenden Samstag mobilisieren Freie Kräfte vom „Kollektiv Nordharz“ zu zwei braunen Veranstaltungen, die wahrscheinlich gezielt zusammen platziert wurden.

Zum einen rührt man bereits sehr frühzeitig die Werbetrommel für den 10. „Tag der deutschen Zukunft“ (TddZ), der am 2. Juni 2018 in Goslar stattfinden soll. Für den 12. August wird zu einer Nachmittagskundgebung unter dem Motto „Unser Signal gegen Überfremdung“ in die 42 000-Einwohner-Stadt eingeladen.

Außerdem werden für Samstag ein Vortragsnachmittag und ein Liederabend im Großraum Harz angekündigt. Auch dort soll das Thema TddZ eine Rolle spielen. Für den musikalischen Teil werden dabei „F.i.e.L.“ („Fremde im eigenen Land“) aus Mecklenburg-Vorpommern sowie „Mic Revolt“ benannt. Bei Letzterem handelt es sich um den Künstlernamen des NS-Rappers Michael Zeise aus Thüringen. Bereits für den 24. Juni war zunächst eine Zusammenkunft in Goslar terminiert, die dann aber kurzfristig abgesagt wurde.

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In den Fußstapfen der verbotenen KAL

17.03.2017 – Fast fünf Jahre nach dem Verbot der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) haben Neonazis den Wiederaufbau von Strukturen unter Tarnlabels umgesetzt und werben wieder verstärkt Jugendliche an. In Aachen spitzt sich ein Konflikt zwischen Nazigegnern sowie Neonazis und Hooligans dabei zu.

Ausgangspunkt für den aktuellen Konflikt scheint ein Angriff von zwei Neonazis auf Schüler in Aachen am Rande des linksalternativ geprägten Frankenberger Viertels gewesen zu sein. Die Angegriffenen engagieren sich offenbar in der linken Szene. Antifaschisten zufolge fand die Attacke am 2. November 2016 in einer Schulpause statt. Einer der Angreifer wurde kurz darauf an einer benachbarten Schule mittels Sprühaktionen „geoutet“ und bedroht. Dieser junge Neonazi feixte mit zwei anderen „Kameraden“ am 9. November am Rande des Pogromnachtnacht-Gedenkens. Er selbst mischte sich sogar provokativ unter die Mahnwache, sodass die Situation fast zu einer wilden Schlägerei zwischen ihm und Antifaschisten eskaliert wäre. Die Polizei sprach gegen den Störer einen Platzverweis aus.

Rund um Weihnachten und dem Jahreswechsel versuchten Neonazis, im besagten Viertel ihr Revier beziehungsweise ihren „Nazi-Kiez“ mit Aufklebern von „Syndikat 52“ (S52), der „Identitären Bewegung“ (IB) und der „Identitären Aktion“ (IA) sowie „Anti-Antifa“-Schmierereien zu markieren. Das nahe gelegene „Autonome Zentrum“ (AZ), ein Treffpunkt für Nazigegner, wurde beklebt und mit Hakenkreuzen beschmiert. In einem anonym via Internet publizierten Bericht wurde darauf hingewiesen, dass Anfang Januar zudem zwei mit Schlagstöcken bewaffnete Neonazis AZ-Besucher, die gerade das linke Zentrum verließen, angegriffen hätten. Anfang März „outeten“ dann im Gegenzug Antifaschisten den jungen Schüler und dessen beide „Kameraden“: Den aus Düsseldorf stammenden Sebastian „Seppel“ L. sowie Timm M., Sohn eines bekannten Neonazis und Gastsänger für den braunen Musiker „Makss Damage“.

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„Komplott“ – identitärer NS-Rap, nicht aus Halle

Am 31. Mai 2016 veröffentlichte „Komplott“, selbsternannter „Identitärer Rapper“, unter dem Label der Identitären-Gruppe „Kontrakultur Halle“ den Track „Europa“. Im Frühjahr 2017 folgten weitere Veröffentlichungen des bisher anonymen Rappers. Wie Recherchen ergaben, ist er in rechten Kreisen jedoch kein Unbekannter. Hinter „Komplott“ verbirgt sich Patrick Uli Bass (*29.08.1992) aus der Nähe von Ulm, der schon zuvor als Nazi-Rapper aktiv war und derzeit in Heidelberg wohnt.

Vom Neonazi zum Neonazi-Burschenschaftler

Patrick Bass war schon vor dem Jahr 2010 als Mitglied der neonazistischen „AG Schwaben“ aktiv. Zu dieser Zeit nahm er an verschiedenen Neonaziaufmärschen, unter anderem in Dresden, Augsburg und Heilbronn, teil1. Auch soll es erste musikalische Aktivitäten gegeben haben, Berichten zufolge aber nur mit mäßigem Erfolg2.

Im Jahr 2012 trat er dann unter dem Namen „Subverziv“ erstmals als Rapper mit einem Mobilisierungs-Track zum letztendlich durch die Polizei verbotenen 3 neonazistischen „Antikriegstag“ in Dortmund in Erscheinung. Bei dieser einen Veröffentlichung sollte es vorerst auch bleiben. Organisiert wurde der „Antikriegstag“ durch den ebenfalls 2012 verbotenen „Nationalen Widerstand Dortmund“ um Dennis Giemsch und Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt. Eine Rede von Giemsch, der von 2014 bis 2015 für die Partei „Die Rechte“ im Dortmunder Stadtrat saß, wird auch im „Subverziv“-Track intensiv genutzt.

Nach einem Zwischenstopp in Saarbrücken zog es Bass zum Studium nach Marburg, wo er gemeinsam mit seinem „AG-Schwaben“-Kameraden Tobias Sauer als Mitglied der neonazistischen Burschenschaft Germania Marburg bekannt wurde. Hier dürfte es erste Berührungspunkte zur sogenannten Neuen Rechten gegeben haben, so gehörte zeitgleich auch der heutige „Ein Prozent“-Netzwerker Philip Stein den Aktiven der Burschenschaft an. Im Jahr 2013 betreute Bass einen Stand der Germania Marburg auf der vom „Blaue Narzisse“-Verleger Felix Menzel organisierten Messe „Zwischentag“4. Mittlerweile studiert er Jura in Heidelberg.

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Neonazi-Rap-Konzert in Kirchheim soll Kassen füllen – Veranstalter gehört zur Szene um Ballstädt

Wir hatten hier seit November 2015 mehrfach darauf hingewiesen, dass die extrem rechte Hausgemeinschaft Jonastal (HJ) und die Angeklagten im Ballstädt-Prozess mit teils erheblichen Erlösen aus Rechtsrock-Konzerten unterstützt werden. Am 4. Februar 2017 soll nun das nächste Neonazi-Event in Thüringen stattfinden, das als „Das erste pure N-Rap Konzert“ angekündigt wird.

Unter dem Motto „Rap am Kreuz“ sollen in der „Erlebnisscheune“ in der Gemeinde Kirchheim im Ilmkreis die Neonazi-Rapper Makss Damage, Mic Revolt und Villain 051 auftreten. Bei einer begrenzen Zahl von 200 Eintrittskarten à 20 Euro könnten bei einem ausverkauften Konzert insgesamt 4.000 Euro zusammen kommen. Das Geld für die Karten sollen auf das Postbank-Konto des Neonazis Steffen Mäder mit der IBAN DE58100100100880313114 überwiesen werden. Mit der gleichen Kontonummer sammelte er für ein Konzert im Februar 2016 schon bis zu 5.000 Euro ein. Das Motto „Rap am Kreuz“ bezieht sich auf den Neonazi-Treffpunkt „Erlebnisscheune“, der von seinem Besitzer 2014 in „Veranstaltungszentrum Das Erfurter Kreuz“ umbenannt wurde. Das entsprechende Transparent am Gebäude schmücken in gelb auf blauem Grund zwei „Krukenkreuze“, wie sie in derselben Farbgebung von dem Holocaustleugner-Netzwerk „Europäische Aktion“ verwendet werden.

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