Archiv der Kategorie 'Rechte Rocker'

Frankfurt/Oder: Polizei löst Treffen rechter Rocker auf

Quelle: MOZ

Frankfurt (MOZ) In einer alten Bunkeranlage in der Bahnhofstraße hat die Polizei am Sonnabend ein Konzert von Rechtsextremen aufgelöst. Nach Angaben des Innenministeriums wird die Immobilie seit dem vorigen Jahr von der „Kameradschaft Kommando Werwolf“ genutzt. Der Verfassungsschutz des Landes beobachtet die Gruppierung schon länger.

Es war eine beunruhigende Szene am frühen Samstagabend in der Heilbronner Straße. Vor dem ehemaligen Lichtspieltheater der Jugend standen mehrere Fahrzeuge der Polizei, dazu Pkw von Mitarbeitern des städtischen Ordnungsamtes. Das Ziel der Einsatzkräfte war ein ehemaliger Luftschutzbunker, der sich etwas versteckt hinter dem Alten Kino befindet. Dort verhinderte das Großaufgebot offenbar zum wiederholten Male ein Konzert rechtsextremer Rocker.

Laut Ordnungsdezernent Markus Derling hatte die Stadt einige Tage im Vorfeld von der Veranstaltung erfahren. „Da für die Anlage keinerlei baurechtliche Genehmigungen für Veranstaltungen vorliegen, haben wir hier eine Nutzungsuntersagung ausgesprochen. Die Polizei haben wir dann um Amtshilfe gebeten, um die Vollziehung durchzusetzen“, erläutert Derling. Er war an dem Abend auch selbst vor Ort, um sich ein Bild vom Einsatz zu machen.

Nach Angaben von Bärbel Cotte-Weiß von der Polizeidirektion Ost sei eine Musikveranstaltung im Bunker geplant gewesen. Trotz des amtlichen Verbots hätten die Beamten 21 Personen angetroffen. „Die Veranstaltung wurde aufgelöst und die Personen verhielten sich kooperativ“, erklärt die Sprecherin. Der Einsatz dauerte bis Mitternacht an.

Die Polizeidirektion bestätigte, dass ein Teil der Gäste der rechten Szene und der „Kameradschaft Kommando Werwolf“ (KSKW) zuzuordnen seien. Dabei handelt es sich um eine rechtsextremistische Gruppierung, die sich als „Bruderschaft“ organisiert. Rechtsextreme Rocker werden seit längerem von den Verfassungsschutzbehörden beobachtet. Sie kopieren den Lebensstil von Motorradgangs, übernehmen deren Äußerlichkeiten wie Lederkutten mit Vereinsabzeichen oder die streng hierarchischen Strukturen. Ziel der „Neonationalsozialisten“ sei es, „den inneren Zusammenhalt zu fördern und einen vermeintlich elitären Zirkel zu formen. Öffentliche, politische Auftritte sind eher die Ausnahme“, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2016. In Brandenburg existieren demnach sieben „Bruderschaften“, darunter die „Kameradschaft Kommando Werwolf“. Sie hat nach Angaben der Verfassungsschützer bis zu 15 Mitglieder und setzt sich aus Rechtsextremisten aus Frankfurt, Beeskow und Gardelegen zusammen.

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Persilschein für KC-Auftritt

Quelle: Blick nach Rechts

25.01.2018 – Aachen/Hückelhoven – Das Verwaltungsgericht Aachen hat entschieden, dass ein Verbot eines Auftritts der rechtsextremen Bremer Hooligan-Band „Kategorie C“ (KC) bei den „Outlaws“ im Grenzland zwischen Aachen und Mönchengladbach formal rechtswidrig war.

Die Stadt Hückelhoven (Kreis Heinsberg) hatte Ende April 2017 ein im Ortsteil Baal im Clubhaus des „Outlaws MC Heinsberg“ geplantes Konzert der Band aus Bremen verboten. Das Verbot war nach einer Klage des örtlichen „Outlaws“-Präsidenten vor dem Verwaltungsgericht Aachen in einem Eilverfahren zuerst bestätigt worden. Das Verbot wurde indes in einem Hauptsacheverfahren weiter angefochten. Das Verwaltungsgericht entschied nun, dass die Verfügung formal mangelhaft und nicht ausreichend begründet gewesen sei.

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Nazi-Musiklabels – Agitatoren und Profiteure

Quelle: Don‘t call it music

Neonazi-Musik ist nichts ohne ihre Vertriebskanäle. Musiklabels und Handelsunternehmen produzieren, bewerben und verkaufen Tonträger von Nazibands, produzieren Merchandise-Artikel und verbreiten die nationalsozialistische Ideologie auch über das Internet. Fünf der bundesweit bedeutendsten und umsatzstärksten Labels, allesamt mit angeschlossenem Versandhandel, stellen wir heute vor. Jedes einzelne von ihnen dürfte einen sechsstelligen Jahresumsatz aufweisen.

PC Records

Um das Jahr 2000 herum in Chemnitz (Sachsen) gegründet, entstammt das Musiklabel “PC Records” dem Umfeld der sächsischen “Blood & Honour”-Sektion. Gründer Hendrik L. steht aber nicht nur “Blood & Honour” nahe, sondert ist auch Mitglied des Rockerclubs “Motorradstaffel Kreuzeiche Germania” und war seit mindestens 1994 mit dem NSU-Terroristen Uwe Mundlos befreundet.

“PC Records” war zunächst in L.s Ladengeschäft “Backstreet Noise” integriert. Im Jahr 2002 übernahm Silvio St. aus Dresden das Label und den Laden. Ein Jahr später wurde “PC Records” in ein separates Ladengeschäft ausgegliedert. Dessen Inhaber war ab dem Jahr 2004 der Neonazi Yves R., während Hendrik L. im gleichen Jahr wieder “Backstreet Noise” übernahm. Ungefähr zur gleichen Zeit zogen beide Läden an ihren jetzigen Standort, die Dr.-Salvador-Allende-Straße 110 in Chemnitz.

Ebenso wie Hendrik L. fiel auch Yves R. als Veranstalter von Nazikonzerten auf. Ende 2010 kaufte R. ein Haus im Chemnitzer Stadtteil Markersdorf und ließ es zu einem rechten Schulungs- und Veranstaltungszentrum ausbauen. Er gilt als eifriger Finanzier verschiedener neonazistischer Gruppierungen in der Stadt. Im Jahr 2012 verurteilte das Amtsgericht Chemnitz den 1981 geborenen Yves R. zu einer Geldstrafe, weil “PC Records” CDs mit volksverhetzenden Inhalten produziert und vertrieben hatte.

Auf “PC Records” erschien auch im Jahr 2010 das Album “Adolf Hitler lebt” von “Gigi & Die Braunen Stadtmusikanten”. Darauf befindet sich das Lied “Döner-Killer”, in dem Sänger Daniel G. die Mordserie des später aufgedeckten “Nationalsozialistischen Untergrunds” (NSU) lobend besingt – während die Polizei im Umfeld der Ermordeten ermittelte und ein mögliches rassistisches Tatmotiv ignorierte. Es war ausgerechnet das direkte Umfeld von “Blood & Honour” in Chemnitz, das die abgetauchten Neonazis jahrelang unterstützt hatte.

Seit 2014 wird “PC Records” zumindest auf dem Papier von Steve G. geführt. Yves R. arbeitet nun als Angestellter weiter. Auch G. ist seit Jahren in der Rechtsrock-Szene aktiv.

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Nationalsozialistischer Black Metal – der Teufel trägt Flecktarn (Teil 1)

Quelle: Don‘t call it music

Um sich vom Black-Metal-Mainstream abzugrenzen und den extrem rechten Bands dieses Genres eine Plattform zu geben, entstand in den Neunziger Jahren das Genre “National Socialist Black Metal”, kurz NSBM. Nur wenige Black-Metal-Bands beziehen sich heute explizit auf den NSBM. Andere wollen nicht in diese Schublade gesteckt werden, selbst wenn sie ausschließlich in diesem Milieu Konzerte geben. Für einige Bands ist das Spiel mit Nazi-Symbolen der Versuch einer Provokation, ein Element innerhalb der Darstellung als möglichst brutale, krasse und nihilistische “Untergrundband”.

Für einen nicht unerheblichen Teil dieser Szene ist es jedoch mehr als ein Spiel mit Symbolen. Vielmehr ist NSBM eine Nische, in der Hitler-Kult ausgelebt und die Verbrechen des NS-Regimes verherrlicht werden können. Die NSBM-Szene ist international bestens vernetzt und zu einem festen Bestandteil der neonazistischen Musiklandschaft geworden. Schon in den Neunzigern war eine Vermischung der Rechtsrockszene mit dem NSBM deutlich sichtbar. Musiker aus klassischen Rechtsrock-Bands fingen an, sich der NSBM-Szene anzunähern und unterhielten oft NS-Black-Metal-Bands als Nebenprojekte.

Für viele Neonazis ist Black Metal – und explizit NSBM – die einzig wahre Spielart, die die Ideen des Nationalsozialismus, die Überlegenheit der “weißen, arischen Rasse” und das eigene Elitebewusstsein musikalisch ausdrücken kann.

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Neonazis als Liedermacher – gewollt, aber nicht gekonnt

Quelle: Don‘t call it music

Mit weniger Aufwand als Rechtsrockkonzerte, aber ebenso starker Propagandawirkung gehören neonazistische Liedermacher-Abende zum festen Bestandteil der rechten Erlebniswelt. Ob als “Einheizer” im Vorprogramm eines Konzerts, als Ausklang einer Redner- oder Vortragsveranstaltung oder als musikalische Darbietung auf einem Kameradschaftsabend: Neonazis als Liedermacher sind kein Relikt aus den Neunzigern, sondern stellen auch heute noch ein wichtiges Genre innerhalb der rechten Musikszene dar. Ihre Musik wirkt oft melancholisch und romantisch und kann dadurch weitaus mehr Menschen erreichen als es klassischer Rechtsrock vermag. Die meisten Texte unterscheiden sich allerdings kaum von denen herkömmlichen Rechtsrock-Bands, in Teilen sind sie gar unmissverständlicher. Und meist auch einprägsamer – ein gemeinschaftliches Gefühl kann so schneller entstehen als auf einem Rechtsrock-Konzert, wo man die Songs der Bands vorher mehrmals gehört haben muss, um mitgrölen zu können.

Im Folgenden stellen wir vier rechte Liedermacher vor, die exemplarisch für diesen Teil der rechten Musikwelt stehen.

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Sachsenblut und Sachsonia – Can juh hier mei vois? We are se fucking bootbois!

Quelle: Don‘t call it music

So oder so ähnlich klingt die Darbietung englischsprachiger Texte der sächsischen Naziband “Sachsenblut”. Dazu rumpelige, eingängige Oi-Musik, vorgetragen von schwerst tätowierten Neonazis, die auf eine jahrelange Anbindung in die rechte Szene rund um Dresden blicken können. Die erste Gitarre bei der 2010 gegründeten Naziband spielt der in Freital (Sachsen) wohnhafte Sascha N.. Er ist auch Tätowierer im Freitaler Tattoo- und Piercingstudio “Schlachthaus”, welches als Anlaufpunkt für die lokale Neonazi-Szene dient.

Aufgrund entsprechender Embleme und Symbole auf der Kleidung ist N. dem Motorradclub “Gremium MC” zu zuordnen. Vor allem im Raum Dresden fiel der Club bereits kurz nach seiner Niederlassung in Sachsen 1999 durch brutale Überfälle auf. Beispielsweise im Jahr 2000, als zwölf Mitglieder des Dresdner “Gremium MC”-Ablegers in die Kleinstadt Döbeln einfielen, um das Clubheim des dort ansässigen “Highway Wolves MC” zu überfallen. Bei dem Angriff erschoss der Präsident des Dresdner “Gremium MC” den Chef des “Highway Wolves MC” mit einer abgesägten Schrotflinte. Wie in vielen anderen Fällen in Sachsen ist auch der Döbelner “Highway Wolves MC” kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um Verbindungen in die Neonazi-Szene geht. In den Neunzigern konnten in seinem Clubhaus in Döbeln mehrfach Rechtsrock-Konzerte stattfinden, etwa im November 1999, als dort das Abschiedskonzert der Naziband “Die weissen Riesen” aus Riesa abgehalten werden konnte.

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Nazipunk in Sachsen – zwischen Subkultur, Kameradschaftsszene und NSU

Quelle: Don‘t call it music

1994 in Riesa gegründet, ist “Selbststeller” eine der dienstältesten Nazibands in Sachsen. Ähnlich wie die ebenfalls aus Riesa stammenden Nazibands “Die Weissen Riesen” und “Bürgerwehr” kann man die Rechtsrocker von “Selbststeller” dem internationalen “Blood & Honour”-Netzwerk zuordnen. Regional ist die Band an die Kameradschaft “Bootboys Riesa” angebunden, die ebenfalls seit den Neunziger Jahren besteht. Deren Kürzel “22” (“BB”) findet man auf Kleidung und CDs der Band, die ihre Musik selbst als “Zankrock” bezeichnet.

Sänger der Naziband “Selbststeller” ist der langjährig aktive Neonazi Axel T. aus Riesa. Die erste Gitarre spielt der ebenfalls aus Riesa stammende Berufssoldat Nico H., am Schlagzeug sitzt Volker H.. Den Bass spielt seit einigen Jahren Teresa R. (geborene T.) aus dem ostsächsischen Wilthen. Ihr Ehemann Morris “Miesl” R. war bis Anfang 2017 zweiter Gitarrist. Er wurde im Frühjahr 2017 durch den Neonazi Tom H. aus Riesa ersetzt.

“Selbststeller” sehen sich selbst zwar selbst als Punkrock-Band und sind dadurch auch innerhalb der oft als “Graunzone” bezeichneten rechtsoffenen Szene beliebt, ihre Texte sprechen allerdings eine klare Sprache. Auf ihrem im Jahr 2010 beim Nazilabel “OPOS Records” erschienenen Album “Bumm Bumm Rattatta Klick Klack Peng” heißt es etwa in dem gleichnamigen Lied, das sich drohend gegen Geflüchtete richtet: “Wir treten euch entgegen mit Wort und Ton, doch es bleibt nicht bei Gitarre, Schlagzeug, Bass, Mikrofon, denn wir befreien die Nation aus euren Fängen mit Bumm Bumm Rattatta Klick Klack Peng.”

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TreueOrden – Seit wann liegt Thüringen in der Schweiz?

Quelle: Don‘t call it music

Im Jahr 2011 veröffentlichte die aus dem Raum Gotha (Thüringen) stammende Nazi-Band “TreueOrden” ihre erste CD mit dem Titel “SA Voran” – und dem Deutschland verbotenen Symbol der historischen NS-Organisation “Sturmabteilung” (SA) auf der Hülle. Die Band kann als Nachfolge- bzw. Nebenprojekt der 2005 ins Leben gerufenen Gothaer Band “Sonderkommando Dirlewanger” (SKD) gesehen werden.

Sowohl bei SKD als auch bei “TreueOrden” sitzt der umtriebige Thüringer Neonazi Thomas W. am Schlagzeug. Den Bass bei “TreueOrden” übernimmt Rocco B, die Gitarre spielt Mario “Kelle” K.. Für den Gesang ist Sebastian “Basti” F. verantwortlich.

Über die Aktivitäten der Bandmitglieder könnte ein Buch geschrieben werden. Thomas W. erlangte bereits 1997 Bekanntheit, als er beim “Spielen” mit einer Pumpgun versehentlich einem Kameraden, dem Gothaer Neonazi-Kader Marco Z., ins Bein schoss. Nur wenige Monate zuvor war W. maßgeblich in die Durchführung eines Wehrsportlagers am Gothaer Stadtrand involviert. Als die Polizei dieses Lager auflöste, fand sie neben unzähligen NS-Devotionalien auch Luftgewehre und teilweise gestohlene Camping-Utensilien. Der Bezug ins kriminelle Milieu zieht sich wie ein roter Faden durch Thomas W.s Vita. Die Pumpgun, mit der er Zint anschoss, besorgte er sich damals aus Angst vor “angeheuerten Türken”. Deren Rache hatte er erwartet, nachdem Z. und er einen Spielautomaten in einer Diskothek aufgebrochen und Bargeld entwendet hatten.

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Exzess – umtriebige Neonazis aus einem rockerähnlichen Milieu

Quelle: Don‘t call it music

2010 in Strausberg bei Berlin ins Leben gerufen, ist “Exzess” aus der Rechtsrock-Szene heute nicht mehr wegzudenken. Dies mag nicht nur an ihren relativ professionellen Musikproduktionen liegen, sondern vor allem an ihrer Verbindung zu Neonazi-“Bruderschaften” wie den Berliner “Vandalen”, der “H8” aus Thüringen und Brandenburg sowie deren Nachfolger “Turonen/Garde 20”.

Sänger und Bassist von “Exzess” ist Tobias V., der in Strausberg das bandeigene Label “Exzess-Records” und die Autowerkstatt “Carofol” betreibt und in seiner Freizeit Kampfsport macht. Patrick A., Schlagzeuger bei “Exzess”, kandidierte bei den Kommunalwahlen 2008 für die rechten Partei “Deutsche Volksunion” (DVU).

An der Gitarre steht Daniel K. aus Fredersdorf-Vogelsdorf. Er ist Mitglied des Brandenburger Ablegers der 2006 in Thüringen gegründeten “Bruderschaft” “H8”. Ähnlich wie das in Deutschland verbotene “Blood & Honour”-Netzwerk und die “Hammerskins” tut sich die “H8” durch die Organisation von Nazikonzerten und die Vermarktung rechter Bands hervor. Die elitäre und martialische Selbstdarstellung dieser “Bruderschaften” übte in den vergangenen Jahren eine hohe Anziehungskraft innerhalb der Neonazi-Szene aus. Dadurch gewann man auch im Rechtsrock-Geschäft an Bedeutung – und Musiker, Produzenten und Händler als Mitglieder.

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Isoliert und trotzdem vernetzt – Rechtsrock im Landkreis Barnim (Brandenburg)

Quelle: Don‘t call it music

Im Brandenburger Landkreis Barnim existiert seit über zehn Jahren eine kleine, aber aktive rechte Musikszene. Das bekannteste Projekt aus der Region ist die Band “Preußenfront” aus Bernau. Ihr Sänger Kai H. gehörte bis Mitte der Zweitausender Jahre der “Deutschen Volksunion” (DVU) an und spielte mit seiner Band auch auf Kundegebungen und Sommerfesten der Partei.

Die Verbindung zwischen Rechtsrockszene und DVU ist in Brandenburg nichts Ungewöhnliches. Auch Klaus M., der bis heute sein Gelände in Schorfheide bei Finowfurt für Konzerte der rechten Szene bereitstellt, war ein wichtiger Ansprechpartner der Partei, bis er vor knapp fünf Jahren den Landesvorsitz der rechten Kleinstpartei “Die Rechte” in Brandenburg übernahm.

Am Bass stand bei “Preußenfront” Kai Hs Bruder Steffen H., der lokalen Kameradschaftsstrukturen entstammt. “Preußenfront” galt als Lokalmatador, schaffte es – vermutlich aufgrund ihrer öden, beliebig wirkenden Rechtsrock-Musik – jedoch nicht, auf den “großen Bühnen” der Szene aufzutreten. Aus “Preußenfront” wurde später “Klänge des Blutes”, bis auch diese Band sich im Jahr 2015 auflöste. Höhepunkt ihrer musikalischen “Karriere” war ein Beitrag auf einer Solidaritäts-CD für den jährlich stattfindenden Naziaufmarsch “Tag der deutschen Zukunft” sowie ein Auftritt auf Siegfried Borchardts Geburtstagsfeier im Jahr 2013.

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“Kraft durch Froide” – Stumpf ist Trumpf

Quelle: Don‘t call it music!

Die Berliner Rechtsrock-Band “Kraft durch Froide” wurde offiziell 1982 gegründet und gehört damit zu den dienstältesten Bands im rechten Musikbusiness. In ihrer Ur-Besetzung war die Band aber nur bis 1987 aktiv. Dann löste “Kraft durch Froide” sich auf, da ihr damaliger Schlagzeuger Andreas P. nicht nur u.a. Mitglied der später verbotenen Neonazi-Organisation “Nationalistische Front”, sondern auch alkoholabhängig war. Angeblich war die politische Betätigung P.s den anderen Bandmitgliedern zu weit rechts, woraufhin sich die Gruppe auflöste.

Im Jahr 1999 soll dann die Neugründung stattgefunden haben, erste Auftritte bestritt die Band aber erst ab 2014. Den Gesang übernimmt nun Andreas R. aus Berlin, der noch zur Originalbesetzung der Band gehört. Rene Sch. aus Köthen spielt Gitarre, der Brandenburger “Gessi” den Bass. Holm G. aus Magdeburg sitzt am Schlagzeug.

Rene Sch. war bis 1996 Sänger der Band “Kampfzone” aus Sachsen-Anhalt und wirkte auch bei den Bands “Open Violence” und “Last Riot” mit. Holm G. spielte ursprünglich in der nicht-rechten Oi-Band “Restrisiko” und war Mitbegründer des Labels “Bandworm Records”. Später gehörte er den Nazi-Bands “Commieknockers” bzw. “Strongside” sowie “Last Riot” an und sitzt aktuell auch bei der Naziband “Barricades” aus Sachsen-Anhalt am Schlagzeug.

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WIEDER NAZI-PARTY IN HÜCKELHOVEN – BAAL

Quelle: AK Antifa Aachen

In der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober 2017 fand im „Bürgerhaus Baal“ eine von Neonazis organisierte „Ballermann Party“ statt. Veranstaltet wurde die, ursprünglich für Aachen angekündigte, Party von der Partei „Die Rechte Aachen/Heinsberg“ und deren Projektgruppe „Syndikat 52“. Diese sind Nachfolgeorganisationen der 2012 verbotenen „Kameradschaft Aachener Land“.

Die Veranstaltung wurde konspirativ organisiert, das heißt der Veranstaltungsort wurde nicht veröffentlicht. Stattdessen wurde die Anreise, wie üblich bei derartigen Neonazievents, über eine Infonummer oder die Facebookseite von „S52“ organisiert. Bei Anruf wurden die Besucher_innen zu einem Schleusungspunkt in Übach-Palenberg geschickt. Dort wurde dann der Veranstaltungsort an vermeintliche Besucher_innen der Party von den dort postierten Nazis Manuel H., Geraldine G. sowie Jan R. (alle aus Aachen) und anderen weitergegeben.

Ab 19h fanden sich einige Dutzend Nazis, maßgeblich aus den Kreisen Aachen, Heinsberg, Düren und Euskirchen, im „Bürgerhaus Baal“ ein.

Die „Ballermann Party“ war offiziell durch die „A. Engelhardt GmbH“ lizenziert. Der Markenname ist geschützt. Eine Antwort der Marke auf die Frage warum der Name auch militanten Neonazis zur Verfügung gestellt wird blieb aus. Die Lizenz wurde den Neonazis weiter gewährt, obwohl die GmbH frühzeitig über die Hintergründe der Veranstaltung informiert war.

Dies ist schon die zweite Nazi-Party dieses Jahr in Hückelhoven – Baal. Erst im April feierte der Neonazi Patrick G. aus Linnich im ortsansässigen Clubhaus des „Outlaws MC“ seinen Geburtstag. Der Auftritt der Rechtsrockband „Kategorie C“ auf dieser Veranstaltung wurde durch das Verwaltungsgericht untersagt und konnte nur in Begleitung von massiven Polizeikontrollen stattfinden.

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Neonazi-Konzert mit 6.000 Besuchern am 15. Juli in Themar, Auswertung: Gelder, Strukturen und der Umgang der Behörden

Quelle: Thüringen rechtsaußen

Am 15. Juli 2017 fand im Süden Thüringens mit rund 6.000 Teilnehmern eines der europaweit größten Neonazi-Konzerte seit langem statt. Nach dem Erfolg mobilisieren Neonazis für den 29. Juli 2017 unter dem Motto „Sturm auf Themar 2.0″ ein weiteres Mal in die Region. In diesem Hintergrundtext gibt es einen Überblick über den Ablauf einer solchen Konzertorganisation, über die Finanzierung und Gewinne, über einen Teil der beteiligten Strukturen und Unterstützer. Im Fokus stehen auch der Polizeieinsatz, die Versammlungsbehörde und die Gerichtsurteile zum Konzert in Themar. Kurz: Das Landratsamt hätte das Neonazi-Konzert verhindern können, in dem es den Versammlungscharakter abspricht und es zur Kommerzveranstaltung deklariert, es war jedoch nicht gut vorbereitet und hatte seine Darstellungen vor Gericht nicht ausreichend begründet. In der Neonazi-Szene wird gestritten, den Organisatoren aus Themar wird Geldgier vorgeworfen, eine regionaler Thüringer Stützpunkt einer Neonazi-Partei bezeichnet diese sogar als „braun lackierte Kapitalisten“. Für Skepsis sorgen Kontakte von Tommy Frenck zu Mitarbeitern im Landratsamt, hier wurden entsprechende Emails zu gespielt. Für die Versammlungsbehörde gibt es noch ein paar Handlungsempfehlungen, was sie besser machen könnte, um vor Gericht das nächste mal zu bestehen.

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Deutsche und polnische Neonazis verbrüdern sich

Sie verabreden sich zu Gewaltdemos und Neonazi-Konzerten: Deutsche und polnische Rechtsradikale arbeiten immer stärker zusammen. Kenner der Szene berichten über beunruhigende Aktionen.

Kaum ein anderer Ort steht so sehr für die deutsch-polnische Annäherung wie das in Niederschlesien gelegene Kreisau, das auf polnisch Krzyzowa heißt. Im November 1989 feierten hier der damalige Kanzler Helmut Kohl und Tadeusz Mazowiecki, der erste nichtkommunistische Regierungschef Polens nach dem Zweiten Weltkrieg, eine Versöhnungsmesse.

Hier eröffnete 1998 die Internationale Jugendbegegnungsstätte, die nicht nur der deutsch-polnischen, sondern auch der europäischen Verständigung dient. Und dies an einem historisch symbolischen Ort. Das ehemalige Gut der Familie von Moltke war das Zentrum des Kreisauer Kreises, einer bürgerlichen Widerstandsgruppe gegen das Naziregime.

Doch ausgerechnet in der unmittelbaren Nachbarschaft fand kürzlich unter dem Motto „Night of Terror“ ein Konzert statt, das das Bundesamt für Verfassungsschutz veranlasste, Kontakt mit dem polnischen Inlandsgeheimdienst ABW aufzunehmen. Denn der Stargast des Konzerts war die Dortmunder Combo Oidoxie, eine Größe in der internationalen Neonazi-Szene, deren Umfeld auch Verbindungen zum NSU nachgesagt werden. Organisiert wurde das Konzert von der polnischen Sektion von Blood & Honour, einem internationalen rechten Netzwerk, das momentan eine Reorganisierung erlebt. Zu dem in dem Dorf Grodziszcze veranstalteten Konzert kamen rund 300 Neonazis aus Deutschland und Polen.

„In den letzten Jahren fand ein Dutzend solcher Neonazi-Konzerte in Polen statt“, heißt es in einer Erklärung des Bundesamts für Verfassungsschutz gegenüber dem SPIEGEL. Als Indiz für eine verstärkte Annäherung zwischen deutschen und polnischen Rechtsradikalen möchte der Verfassungsschutz das jedoch nicht deuten. „Die politischen und vor allem die historischen Differenzen sind noch zu groß“, so der Verfassungsschutz.

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Siehe auch: Blood & Honour: Neonaziści z południowej Polski – aktywni za przyzwoleniem władz

Internationaler „Blood and Honour“-Treff im Nazi-Clubhaus

Der kanadische Neonazi David Allan Surette alias „Griffin“ besuchte das neue Clubhaus der Neonazigruppe „Voice of Anger“ bei Memmingen. Bis zu 50 Personen nahmen an dem Treffen vergangenen Samstag teil.

Von Sebastian Lipp

Nach der Veranstaltung am 12.11. meldet die örtliche Polizei lapidar, es hätten sich „40 – 50 Personen von ‚Voice of Anger‘ und deren Umfeld (rechtsgerichtete Szene) in Memmingen – Ortsteil Hart“ in ihrem neuen Clubhaus getroffen. Dabei wird die tatsächliche Dimension des Treffens völlig verkannt. Die Polizei zeigte massiv Präsenz und versperrte sämtliche Zugänge, um die Teilnehmer vor Einlass einer genauen Kontrolle zu unterziehen. Der Einsatz wurde vom Unterstützungskommando (USK) abgesichert. Das USK zählt zu den Spezialkräften mit besonderen Aufgaben der Bayerischen Polizei und wurde zur Bekämpfung von Schweren Ausschreitungen und zur Absicherung von Einsätzen mit besonders hohem Gefährdungspotential aufgestellt.

„Balladenabend“ mit „Vandale“

Unter den Neonazis befand sich David Allan Surette alias „Griffin“, der mit seinem Dudelsack zum „Balladenabend“ anreiste. Surette gründete 1992 in Kanada die Band „Aryan“ (englisch für Arier oder arisch), mit der er einen religiösen Rassismus besang, wie er auch vom „Ku-Klux-Klan“ oder „Aryan Nations“ gepredigt wird. Das erste Album erschien bei „Resistance Records“, dem Label des Frontmannes der Band „Rahowa“. Der Name steht für „Racial Holy War“, also „Heiliger Rassenkrieg“. Nach vielen Konzerten in den USA und Kanada soll er 1996 einer Einladung aus „Blood and Honour“-Kreisen nach Berlin gefolgt und einschlägige Kontakte ins Milieu geknüpft haben. Noch immer tritt „Griffin“ mit seiner inzwischen in „Stonehammer“ umbenannten Band oder Solo mit Dudelsack auf.

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Organisationsübergreifende Szene

Via der „Blick nach Rechts“:

30.06.2016 – Deutlich mehr rechtsextreme Straf- und Gewalttaten in Niedersachsen – das Personenpotenzial setzt sich größtenteils aus Neonazis und subkulturellem Spektrum zusammen, die NPD dümpelt vor sich hin.

Die Zahl der Personen, die dem rechten Spektrum in Niedersachsen zuzuordnen sind, ist rückläufig. Der Verfassungsschutz spricht in seinem Jahresbericht von 1455 nach noch 1560 im vorhergehenden Berichtszeitraum. Das deutliche Anwachsen von Straftaten, die politisch rechts motiviert sind, ist ein Aspekt, der dennoch Anlass zur Sorge gibt. Registriert wurden 1659 Fälle, 1140 waren es ein Jahr zuvor. Den Hauptteil machen 963 Propagandadelikte aus. Alarmierend ist der Anstieg von 53 auf 89 Gewaltdelikte, darunter ein Vorgang der versuchten Tötung. Die intensive Hetze gegen Islam, Flüchtlinge und Fremde generell führte zu 90 Übergriffen im Zusammenhang mit Asylunterkünften, darunter der bundesweit Schlagzeilen machende Brandanschlag auf eine Flüchtlinge beherbergende Immobilie in Salzhemmendorf (Landkreis Hameln-Pyrmont) im vergangenen August. Die drei mutmaßlichen Täter wurden in erster Instanz – die Entscheidung ist aber nicht rechtskräftig.

Laut Verfassungsschutz gibt es immer weniger den klassisch aktiven Rechtsextremisten, der sich einer Partei oder Gruppierung zuordnen lasse. Zu beobachten sei vielmehr, dass sich Mischszenen entwickelt haben, bei denen Angehörige organisations- und parteiübergreifend in mehreren Zusammenhängen agierten. Eine überalterte NPD unter ihrem Landesvorsitzenden Ulrich Eigenfeld hat weiter Mitglieder verloren, bringt es landesweit auf 370 Angehörige. Sie verfügt über elf Unterbezirke und einen Kreisverband. Von diesen Gliederungen scheinen viele aber inaktiv zu sein. 15 Aktivisten werden der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten zugeordnet. Auf dem Papier sind sie Konkurrenz, bei Aktivitäten agieren sie häufig gemeinschaftlich: Der Landesverband „Die Rechte“. Die Neonazi-Partei unter dem Landeschef Holger Niemann bringt es auf 50 Mitglieder, aufgeteilt auf fünf Kreisverbände und sporadisch erwähnte Stützpunkte. Für besondere Anlässe wird zu Aktionen, Kundgebungen und Demonstrationen auch die Ländergrenze nach Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt überschritten.

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Hooligans und Rockerstrukturen

Der „Blick nach Rechts“ berichtet:

24.06.2016 – Der aktuelle Verfassungsschutzbericht für Bremen hebt besonders mehrere auch im Ausland aktive braune Bands und eine rechtsextrem beeinflusste Hooliganszene hervor – die NPD ist nahezu abgetaucht.

Aus Bremen kommen mehrere auch im Ausland aktive rechtsextreme Bands; (Screenshot)
In Bremen hat Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) den Verfassungsschutzbericht vorgestellt. Darin taucht erstmals die Gruppierung „Identitäre Bewegung“ als Beobachtungsobjekt auf, auch wenn diese in der Hansestadt bislang nahezu unauffällig war und sich nur auf Internetaktivitäten reduzieren lässt. Eine Gruppengröße wird nicht genannt.

Die NPD dümpelt bei rund 30 Mitgliedern und ist in der öffentlichen Wahrnehmung nahezu komplett abgetaucht. Bei der Bürgerschaftswahl im Vorjahr erreichte sie 0,2 Prozent, trat allerdings auch nur in Bremerhaven an und nicht im Stadtgebiet Bremen. Bei den zugleich anstehenden Kommunalwahlen holte sich der seit 2003 agierende NPD-Landesvorsitzende Horst Görmann ein Mandat in der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung. Die Neonazi-Partei „Die Rechte“ verfügt seit 2012 über eine Landesgruppe, aber über keinen Landesverband.

Die Zahl organisierter Neonazis ohne Parteibindung liegt weiterhin bei 30, die im subkulturellen, weniger strukturierten Bereich wahr genommenen aktiven Angehörigen der extrem rechten Szene haben sich von 50 leicht auf 60 erhöht. Genannt wird dabei die Bruderschaft „Nordic 12“, eine 2014 gebildete Abspaltung von „Brigade 8“ in Rocker-ähnlichem Outfit, ohne dass es sich um einen Motorclub handelt.

„Kategorie C“ im Bericht aufgeführt

Ausdrücklich hebt der Jahresbericht die überregional und zum Teil auch im Ausland aktive Musikszene mit den Bands „Endstufe“, „Endlöser“, „Strafmass“ und „Hetzjagd“ hervor. Ebenfalls dazu gezählt wird im aktuellen Bericht die extrem rechte Hooligan-Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“. Teilweise in Personalunion identisch mit besagter Hooligan-Band ist ferner die Combo „Nahkampf“. Im Bericht ist von der Existenz mehrerer Online-Vertriebe die Rede, ohne diese genau zu benennen. Dort im Angebot: Szenetypische Bekleidung, Musik und revisionistische Schriften.

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Geburtstagsfeier von Neonazi-Kameradschaft fällt ins Wasser

„Endstation Rechts“ schreibt:

Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats wollte die rechtsextreme Szene in Mecklenburg-Vorpommern ein konspirativ organisiertes Rechtsrock-Konzert durchführen. Doch beide Male bekam die Polizei davon Wind und konnte die Veranstaltungen unterbinden.

Mitglieder der Neonazi-Kameradschaft auf einer Anti-Asyl-Demo in Torgelow
Ursprünglich wollte Robert Wolinski einen Rechtsrock-Event über ein gesamtes Wochenende auf die Beine stellen. Das „Sonnentanz-Festival“ sollte von 17. bis 19. Juni im brandenburgischen Finowfurt stattfinden, auf dem Gehöft eines ehemaligen Funktionärs der Rechten. Bis zu 500 Teilnehmer wurden erwartet, die rund zehn angekündigte Bands sehen wollten, darunter auch „Painful Awakeing“ und „Thrima“. Doch das Konzert fand an dem Ort nicht statt. Stattdessen wurde Wolinski, NPD-Stadtvertreter in Velten, am Abend des 18. Juni in der Greifswalder Chaussee in Stralsund gesichtet.

Konspirativ wurde auf das Gelände eines Rockerclubs mobilisiert, einige der für das Festival geplanten Bands sollten dort auftreten. Die Polizei, die mit 200 Beamten im Einsatz war, erlangte allerdings Kenntnis von der geplanten Aktion und konnte diese unterbinden. Doch der Veranstalter wollte sich auch nach der zweiten Pleite nicht geschlagen geben.

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Das Spektrum der neonazistischen Bruderschaften

Das „Antifa Infoblatt“ schreibt:

Derzeit aktive neonazistische Bruderschaften tragen Namen wie „Brigade 8“, „Blood Brother Nation“, „Midgards Wächter“, „Sons of Asgard“, „Wodan Bruderschaft“, „Bru­derschaft H8“, „Road Crew“ oder „Sturm­gruppe 44“. Manche bestehen aus einem halben Dutzend Personen, andere haben Hunderte Mitglieder und Supporter. Manche werden so schnell von der Bildfläche verschwinden, wie sie erschienen sind, andere gibt es seit über 20 Jahren. Nachfolgend betrachten wir unterschiedliche Facetten des Modells Bruderschaft und stellen Gruppen vor, die dafür exemplarisch stehen.

Die bedeutendste Gruppe in diesem Spektrum sind zweifellos die Hammerskins, die sich als Skinhead-Bruderschaft und Elite der gesamten Neonaziszene verstehen. Das AIB hat in den vergangenen Ausgaben wiederholt ausführlich über Hammerskins berichtet.1

Rechtsrock und Terror seit über 20 Jahren — Die Vandalen

Die älteste rockerähnliche Neonazi-Bruderschaft, die Wert darauf legt, kein MC zu sein, sind die Berliner „Vandalen — Ariogermanische Kampfgemeinschaft“.
Gegründet 1982 in Ostberlin treten sie seit jeher in Kutten auf. Der Kreis aktiver Mitglieder dürfte derzeit nicht mehr als 20 Personen betragen und dennoch sind die Vandalen im neonazistischen Spektrum hochgeachtet und enorm einflussreich. Seit über 20 Jahren betreiben sie das Geschäft mit neonazistischer Musik und die Vermarktung von Bands wie „Landser“, „Tätervolk“, oder „Die Lunikoff Verschwörung“ — Bands, in denen jeweils mindestens ein Vandale mitwirkt.

„Landser“ existierte von 1992 bis 2001 als Untergrund- und Kultband der Szene und gab sich das Image der „Terroristen mit E-Gitarre“. Bandleader war der Vandalen-Gründer Michael „Lunikoff“ Regener, der heute mit der Band „Die Lunikoff Verschwörung“ auftritt. Zusammen mit „Blood & Honour“-Aktiven bildeten die Vandalen bis in die 2000er Jahre eine klandestine und kriminelle Struktur zur Herstellung und Verbreitung illegaler Neonazimusik, die im Rechtsrock-Business einmalig gewesen sein dürfte: Aufnahmen der CDs in Tonstudios in Kanada oder Skandinavien, Verschiffung tausender CDs beispielsweise nach Holland, deren Schmuggel nach Deutschland und die flächendeckende Verbreitung über regionale Gewährsleute. 2001 wurde das System von der Polizei ausgehoben, 2003 wurden die Bandmitglieder von Landser verurteilt, eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben.

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Neonazis im Hamburger Rotlichtmilieu

Via „Antifa Infoblatt“:

Seit jeher berichtet das Antifaschistische Infoblatt (AIB) über Personen aus der Neonaziszene, die im Kontext krimineller Milieus, allen voran dem Rotlichtmilieu auftauchen. Immer wieder wurde auf die diversen Gefahren dieser Mischszene hingewiesen, etwa den Zugang zu Waffen, die Nutzung finanzstarker klandestiner Infrastruktur sowie den Schutz durch und den Zugriff auf ein äußerst gewaltbereites Personenpotential.

Rocker haben ihren Platz in den neonazistischen Lebenswelten gefunden und stehen seit Jahren Pate für nach außen informell wirkende Organisierungsmodelle der Szene. Wie wenig persönliche Brüche ein Wechsel vom Neonazi-Aktivisten zum Mitglied krimineller Organisationen erfordert, haben wir mehrfach skizziert. Trotzdem sollen grundlegende Gemeinsamkeiten dieser scheinbar gegensätzlichen Welten an dieser Stelle genannt werden.

Neonazis fordern Gesetzesverschärfungen und einen starken Staat gegen organisiertes Verbrechen, oft jedoch nur im Zusammenhang mit Tätern nicht-deutscher Herkunft. Dass Delikte wie Drogenhandel, Menschenschmuggel, Schutzgelderpressung, Vergewaltigung und Förderung der Prostitution zum Kerngeschäft deutscher Motorradclubs (MC) zählen, wird ignoriert. Die Wertevorstellungen sind in vielen Punkten nahezu identisch: Patriarchale Rollenbilder, die Gültigkeit des Rechts des Stärkeren, das hierarchische Prinzip von Befehl und blindem Gehorsam — welches zu Loyalität verklärt wird — und eine Gewaltaffinität einen die Milieus mehr, als diese je öffentlich eingestehen würden. Die „Outlaw“-Gebärde krimineller MCs lässt sich in der Praxis unkompliziert mit der Ablehnung des als illegitim angesehenen Staates seitens der Neonazis vereinbaren. Das Verschmelzen geschäftlicher und subkultureller Interessen macht die Welt der MCs zur Mischszene. Dazu kommen Verflechtungen in die Hooligan- und die Kampfsportszene. Szenen, in denen ähnliche Werte und Codes existieren, wodurch Überschneidungen mit Neonazis zwar nicht zwangsläufig hervorgerufen, aber begünstigt werden.

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