Archiv der Kategorie 'Rechtsterrorismus'

Neonazi-Musikszene im Allgäu im Aufwind

Quelle: Störungsmelder

Die RechtsRock-Szene im Allgäu ist weiter im Aufwind, die Zahl der Konzerte steigt. Ein Grund ist der Erwerb eigener Immobilien, die der Szene neuen Freiraum verschaffen.

Bereits in den 1980er-Jahren erkannte der britische Neonazi-Musiker Ian Stuard Donaldson die Bedeutung einer rechten Erlebniswelt und Subkultur für Rekrutierung, Bindung und Ideologisierung der Neonaziszene und gründete Blood&Honour in Großbritannien. Inzwischen ist aus dem in Deutschland zwar seit dem Jahr 2000 verbotenen aber weiter aktiven Zusammenschluss ein international aktives Netzwerk geworden, das mit jahrzehntelanger Erfahrung ein Millionengeschäft mit teils konspirativ organisierten Neonazikonzerten betreibt. Das Netzwerk ist in der Lage auch illegale Tonträger sowie Aufrufe und Anleitungen für eine terroristische Durchsetzung neonazistischer Ideologie zu verbreiten. Der NSU wurde aus Blood&Honour-Strukturen heraus unterstützt und ging aus dieser Szene hervor.

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NSU-Kontext: Kooperierte die rechte Band „Noie Werte“ mit der Polizei?

Quelle: Telepolis

Der Untersuchungsausschuss von Baden-Württemberg stößt in den Reihen von Neonazis auf weitere Merkwürdigkeiten – Kontaktaufnahmen des Verfassungsschutzes

Die Vernetzung von Rechtsextremisten aus Chemnitz und Baden-Württemberg ist beachtlich – und immer beachtlicher wird, dass an den Knotenpunkten Personen von Geheim- und Sicherheitsdiensten saßen. Im NSU-Untersuchungsausschuss in Stuttgart taten sich dazu neue Fragen auf: Kooperierte die rechts-nationale Musikgruppe „Noie Werte“ mit dem Staatsschutz? Und was wollte das Bundesamt für Verfassungsschutz von Andreas Graupner, einer der Verbindungsleute der Szenen in Sachsen und Baden-Württemberg?

Im Landtag in Stuttgart geht es noch immer um die ungeklärten Hintergründe des Polizistenmordes von Heilbronn im April 2007. Nach Überzeugung der Ermittler vor dem Auffliegen des NSU im November 2011 müssen mindestens vier bis sechs Personen an der Tat beteiligt gewesen sein. Darunter möglicherweise die beiden toten mutmaßlichen Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. Wie tief und wie genau sie verwickelt waren, ist unklar. Die Bundesanwaltschaft (BAW) und auch der BaWü-Ausschuss halten sie für die alleinigen Täter, was jedoch nicht haltbar ist. Im Gegensatz zur BAW geht der Ausschuss davon aus, dass die zwei bei der Tat Unterstützer hatten. Die sucht er im Kreis von Rechtsextremisten.

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Siehe auch:
Band im Fokus: NSU-Ausschuss beleuchtet rechtsextreme Musik
Noie Werte“-Musiker zu Rechtsrock-Vergangenheit befragt

Neonazis reanimieren Terrorgruppe „Combat 18″

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Der bewaffnete Arm der verbotenen rechtsradikalen Organisation „Blood and Honour“ ist offenbar wieder aktiv. Anlass für ein Ermittlungsverfahren sieht die Bundesanwaltschaft aber nicht.

Von Reiko Pinkert und Jan Lukas Strozyk
Unter dem Namen „Combat 18″ hatten sich europaweit jahrelang gewaltbereite Neonazis zusammengeschlossen – auch in Deutschland, bis die Gruppe hierzulande zerschlagen wurde. Seit mittlerweile vier Jahren scheint „Combat 18″ in Deutschland jedoch wieder aktiv zu sein. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor.

Nach Recherchen des NDR und der Süddeutschen Zeitung liegen den Ermittlungsbehörden zahlreiche Hinweise zu Aktivitäten der Gruppe vor. „Combat 18″ gilt als der bewaffnete Arm der europaweit tätigen Neonazi-Gruppe „Blood & Honour“. Letztere Gruppierung ist in Deutschland seit dem Jahr 2000 verboten.

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ZU BESUCH BEIM NAZI-KONZERT MIT FAUSTRECHT

Quelle: Allgäu rechtsaußen

Heute vor genau zehn Jahren: Faustrecht reist aus dem Allgäu nach Belgien und spielt ein Konzert bei Blood and Honour Vlaanderen. Wir veröffentlichen exklusive Videomitschnitte und wagen einen Streifzug über das Neonazi-Fest.

»Wir sind Faustrecht aus dem Allgäu«, schreit der Frontmann der Band seinem Publikum in Belgien entgegen, streckt den rechten Arm zum Hitlergruß und setzt nach: »Hail Victory!« Dann beginnt die Rechtsrock-Band ihren ersten Song zu spielen. Es ist der 27. Oktober 2007.

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Das NSU-Unterstützernetzwerk in Sachsen

Quelle: Endstation Rechts

Auch sechs Jahre nach der Enttarnung des NSU sehen Beobachter die bisherigen Ergebnisse kritisch: Nicht weitreichend genug seien die Erkenntnisse und Konsequenzen der Ermittlungen und Untersuchungsausschüsse. Aus diesem Grund wurde nach umfangreicher Recherchearbeit nun die Broschüre „Unter den Teppich gekehrt – Das Unterstützungsnetzwerk des NSU in Sachsen“ des Kulturbüros Sachsen veröffentlicht.

Mindestens zehn Morde, ein Bombenanschlag, unzählige Raubüberfälle, die Tatorte verteilt über ganz Deutschland – das ist die Bilanz des NSU. Bei vielen ungeklärten Gewaltverbrechen steht die rechte Terrorzelle weiterhin unter Verdacht. Die Täter konnten scheinbar jahrelang unerkannt und von den Behörden unbehelligt agieren. Aber wie war dies möglich? Um dieser Frage nachzugehen, produzierte das Kulturbüro Sachsen in aufwendiger Recherche die Broschüre über das Netzwerk und Umfeld des NSU.

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Dos­sier: Bran­den­bur­ger Neo­nazi Sven Sch.

Quelle: NSU-Watch Brandenburg

Sven Sch., Jahr­gang 1978, ist ein bran­den­bur­gi­scher Neo­nazi und war Funk­tio­när des mi­li­tan­ten Blood-&-Honour-Netzwerkes. Er gab In­for­ma­tio­nen un­ter an­de­rem an das bran­den­bur­gi­sche Lan­des­kri­mi­nal­amt wei­ter und un­ter­hielt ein en­ges Ver­hält­nis zur Po­li­zei. In der Neo­na­zi­szene wurde er in der Folge als Ver­rä­ter ge­mie­den. Er war ver­netzt mit Neo­na­zis aus Pots­dam und Um­ge­bung, die im Ver­dacht stan­den, an den An­schlä­gen der Na­tio­na­len Be­we­gung be­tei­ligt ge­we­sen zu sein.

Sven Sch. galt bis zum Ver­bot von Blood & Ho­nour im Jahr 2000 als ein An­füh­rer der Sek­tion Bran­den­burg und zu­dem als „Kas­sen­wart“ der Dach­or­ga­ni­sa­tion Blood & Ho­nour Deutsch­land. Bei ei­ner Durch­su­chung sei­ner Woh­nung in Bork­walde (Pots­dam-Mit­tel­mark) wurde ein Spar­buch mit 73.000 D-Mark si­cher­ge­stellt – die „Kriegs­kasse“ von Blood & Ho­nour Deutsch­land.

Sch. war im Jahr 2000 an der Ver­brei­tung der il­le­gal pro­du­zier­ten und kon­spi­ra­tiv ver­trie­be­nen CD „Ran an den Feind“ der Neo­nazi-Band Land­ser be­tei­ligt. Er hatte 500 CDs zum Wei­ter­ver­trieb be­stellt. Den Druck des Book­lets die­ser CD hatte der Ver­fas­sungs­schutz-V-Mann Toni Stad­ler or­ga­ni­siert. Im glei­chen Jahr war Sch. an der Ar­beit für den „Bran­den­burg-Sam­pler“ von Blood & Ho­nour mit Bran­den­bur­ger und Ber­li­ner Neo­nazi-Bands be­tei­ligt. An­fang 2000 war Sven Sch. zu­sam­men mit Ste­fan Rietz und Dirk H., zwei wei­te­ren Bran­den­bur­ger Blood-&-Honour-Ak­ti­vis­ten auf dem Weg zu ei­nem Neo­nazi-Kon­zert in Schwe­den fest­ge­nom­men wor­den.

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Dos­sier: Neo­nazi-Mu­si­ker Uwe Men­zel

Quelle: NSU-Watch Brandenburg

Uwe Men­zel ist ein 1974 ge­bo­re­ner Pots­da­mer Neo­nazi, der seit den 1990er Jah­ren als Mu­si­ker in di­ver­sen Rechts­rock­bands (u.a. Pro­is­sen­heads, Uwo­caust) tä­tig ist und eine Schlüs­sel­fi­gur in der bran­den­bur­gi­schen Rechts­rock­szene ein­nimmt. Seit An­fang der 1990er Jahre be­wegt er sich in der neo­na­zis­ti­schen Szene.

1993 grün­dete er die Band Pro­is­sen­heads, in der er als Sän­ger fun­gierte und die eine der ers­ten bran­den­bur­gi­schen Rechts­rock­bands war, die im Rah­men der „ak­zep­tie­ren­den So­zi­al­ar­beit“ ei­nen Pro­be­raum in ei­nem städ­ti­schen Ju­gend­club nut­zen konnte. In­ner­halb we­ni­ger Jahre er­spielte sich die Band ei­nen ho­hen Be­kannt­heits­grad in der Bun­des­re­pu­blik, was auch die Ver­net­zung in an­dere Städte för­derte. Gute, teils freund­schaft­li­che Kon­takte be­stan­den seit spä­tes­tens 1997 zu den säch­si­schen Blood-&-Honour-Füh­rungs­fi­gu­ren Jan Wer­ner und Tho­mas Starke, also wich­ti­gen Un­ter­stüt­zern des NSU-Trios. Men­zel soll ein häu­fi­ger Gast bei Blood-&- Ho­nour-Kon­zer­ten in Chem­nitz und Um­land ge­we­sen sein. So war er über diese Ver­bin­dung auch in das fi­nan­zi­ell er­trag­rei­che trans­na­tio­nale Be­zie­hungs­ge­flecht neo­na­zis­ti­scher Mu­sik­netz­werke ein­ge­bun­den. Im April 1997 sollte in Buf­falo (USA) ein Kon­zert mit ver­schie­de­nen Neo­nazi-Bands, un­ter an­de­rem mit der US-Gruppe Blue Eyed De­vils statt­fin­den. Dazu reiste eine Gruppe deut­scher Neo­na­zis an, zu der ne­ben An­dreas Graupner, Jens Schaar­schmidt, Tho­mas Starke und auch Uwe Men­zel ge­hör­ten. Die­sem Be­such folgte ein Ge­gen­be­such. Im Som­mer 1997 spiel­ten die Pro­is­sen­heads und die Blue Eyed De­vils ge­mein­sam in An­klam. Ein Mit­glied der Blue Eyed De­vils, Wade Mi­chael Page, er­schoss 2012 in ei­nem Sikh-Tem­pel sechs Men­schen aus ras­sis­ti­schen Mo­ti­ven.

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Neonazi-Konzert mit 6.000 Besuchern am 15. Juli in Themar, Auswertung: Gelder, Strukturen und der Umgang der Behörden

Quelle: Thüringen rechtsaußen

Am 15. Juli 2017 fand im Süden Thüringens mit rund 6.000 Teilnehmern eines der europaweit größten Neonazi-Konzerte seit langem statt. Nach dem Erfolg mobilisieren Neonazis für den 29. Juli 2017 unter dem Motto „Sturm auf Themar 2.0″ ein weiteres Mal in die Region. In diesem Hintergrundtext gibt es einen Überblick über den Ablauf einer solchen Konzertorganisation, über die Finanzierung und Gewinne, über einen Teil der beteiligten Strukturen und Unterstützer. Im Fokus stehen auch der Polizeieinsatz, die Versammlungsbehörde und die Gerichtsurteile zum Konzert in Themar. Kurz: Das Landratsamt hätte das Neonazi-Konzert verhindern können, in dem es den Versammlungscharakter abspricht und es zur Kommerzveranstaltung deklariert, es war jedoch nicht gut vorbereitet und hatte seine Darstellungen vor Gericht nicht ausreichend begründet. In der Neonazi-Szene wird gestritten, den Organisatoren aus Themar wird Geldgier vorgeworfen, eine regionaler Thüringer Stützpunkt einer Neonazi-Partei bezeichnet diese sogar als „braun lackierte Kapitalisten“. Für Skepsis sorgen Kontakte von Tommy Frenck zu Mitarbeitern im Landratsamt, hier wurden entsprechende Emails zu gespielt. Für die Versammlungsbehörde gibt es noch ein paar Handlungsempfehlungen, was sie besser machen könnte, um vor Gericht das nächste mal zu bestehen.

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Ex-Deutschland-Chef von „Blood and Honour“ war als V-Mann tätig

Quelle: Tagesspiegel

Stephan L. war Anfang 2002 als V-Mann verpflichtet worden. Er soll beobachtet haben, wie das Verbot der deutschen Abteilung des Skinhead-Netzwerks zu unterlaufen versucht wurde.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat nach Informationen des Tagesspiegels über einen V-Mann die Versuche der rechten Szene beobachtet, das Verbot der deutschen Abteilung des international agierenden Skinhead-Netzwerks „Blood & Honour“ zu unterlaufen.

Bei dem Spitzel handelte es sich um den ehemaligen Anführer der „Deutschland-Division“ von Blood & Honour, Stephan L. Im September 2000 hatte der damalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) den deutschen Ableger der rechtsextremen Vereinigung verboten. Blood & Honour hatte zahlreiche Konzerte veranstaltet, bei denen rechtsextreme Skinhead-Bands auftraten.

Stephan L. sei Anfang 2002 als V-Mann verpflichtet worden, hieß es am Dienstag in Sicherheitskreisen. Einen ersten Kontakt habe es im Jahr 2000 gegeben. Stephan L. habe mehrere Jahre „ergiebig“ über Skinhead-Milieus berichtet, die in Deutschland illegal Blood & Honour weiter betreiben wollten. Der Verfassungsschutz behielt das Milieu intensiv im Blick, da eine weitere Radikalisierung bis hin zu terroristischen Aktivitäten befürchtet wurde.

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Neonazi-Netzwerk in Bayern: „Blood and Honour“ aktiv trotz Verbot

„Blood and Honour“ gilt als die weltweit bekannteste Neonazi-Organisation. In Deutschland ist das Netzwerk seit dem Jahr 2000 verboten. Doch zusammen mit der Terrorgruppe „Combat 18″ sind die Rechtsextremen in Bayern wieder aktiv.

Sie wollen den totalen Rassenkrieg. „Combat 18″ – unter diesem Namen schlossen sich europaweit jahrelang gewaltbereite Neonazis zusammen. Die Rechtsextremen waren Teil des Netzwerks „Blood and Honour“, auf deutsch: „Blut und Ehre“. Der bayerische Verfassungsschutz bestätigt auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks, dass die Neonazi-Organisationen im Freistaat wieder Fuss gefasst haben.

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Deutsche und polnische Neonazis verbrüdern sich

Sie verabreden sich zu Gewaltdemos und Neonazi-Konzerten: Deutsche und polnische Rechtsradikale arbeiten immer stärker zusammen. Kenner der Szene berichten über beunruhigende Aktionen.

Kaum ein anderer Ort steht so sehr für die deutsch-polnische Annäherung wie das in Niederschlesien gelegene Kreisau, das auf polnisch Krzyzowa heißt. Im November 1989 feierten hier der damalige Kanzler Helmut Kohl und Tadeusz Mazowiecki, der erste nichtkommunistische Regierungschef Polens nach dem Zweiten Weltkrieg, eine Versöhnungsmesse.

Hier eröffnete 1998 die Internationale Jugendbegegnungsstätte, die nicht nur der deutsch-polnischen, sondern auch der europäischen Verständigung dient. Und dies an einem historisch symbolischen Ort. Das ehemalige Gut der Familie von Moltke war das Zentrum des Kreisauer Kreises, einer bürgerlichen Widerstandsgruppe gegen das Naziregime.

Doch ausgerechnet in der unmittelbaren Nachbarschaft fand kürzlich unter dem Motto „Night of Terror“ ein Konzert statt, das das Bundesamt für Verfassungsschutz veranlasste, Kontakt mit dem polnischen Inlandsgeheimdienst ABW aufzunehmen. Denn der Stargast des Konzerts war die Dortmunder Combo Oidoxie, eine Größe in der internationalen Neonazi-Szene, deren Umfeld auch Verbindungen zum NSU nachgesagt werden. Organisiert wurde das Konzert von der polnischen Sektion von Blood & Honour, einem internationalen rechten Netzwerk, das momentan eine Reorganisierung erlebt. Zu dem in dem Dorf Grodziszcze veranstalteten Konzert kamen rund 300 Neonazis aus Deutschland und Polen.

„In den letzten Jahren fand ein Dutzend solcher Neonazi-Konzerte in Polen statt“, heißt es in einer Erklärung des Bundesamts für Verfassungsschutz gegenüber dem SPIEGEL. Als Indiz für eine verstärkte Annäherung zwischen deutschen und polnischen Rechtsradikalen möchte der Verfassungsschutz das jedoch nicht deuten. „Die politischen und vor allem die historischen Differenzen sind noch zu groß“, so der Verfassungsschutz.

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Siehe auch: Blood & Honour: Neonaziści z południowej Polski – aktywni za przyzwoleniem władz

Die rechtsterroristische „Gruppe Freital“

Anfang November 2015 erließ der Bundesgerichtshof Haftbefehl gegen die sächsischen Neonazis Timo Schulz, Patrick Festing und Philipp Wendlin, die als Mitglieder der terroristischen Gruppierung „Gruppe Freital“ Sprengstoffanschläge durchgeführt haben sollen. Weitere Sprengstoffanschläge waren laut den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft in Planung.

Bombenleger aus der Nachbarschaft

Die „Gruppe Freital“1 entstand im Sommer 2015 im Zuge der rassistischen Mobilisierung gegen Flüchtlinge in Sachsen. Als Rädelsführer der Gruppe gerieten Timo Schulz und Patrick Festing in den Fokus der Ermittler. Diese rechneten der „Gruppe Freital“ außerdem Sebastian Weiß, Justin Schiefner, Mike Seidel, Rico Knobloch und Maria Kleinert zu, die als Beschuldigte in dem Verfahren wegen „Gründung einer terroristischen Vereinigung“ geführt werden und im April 2015 in Untersuchungshaft genommen wurden.

Die Struktur der Gruppierung kann als ein rechter Freundeskreis von der lokalen Tankstelle beschrieben werden, der sich per Kommunikation in eigenen Chatgruppen des Messenger-Dienstes „Kakao Talk“ gegenseitig zu rassistischen und neonazistischen Angriffen motivierte. Über mehrere Chatgruppen waren die Mitglieder miteinander vernetzt. In der Gruppe „Schwarzer Chat“ wurden von 16 Neonazis die militanten Aktionen geplant: „Kein gequatsche nur Pläne. Teilnehmer sind da ausschließlich die Terroristen.“ In die „ausschließlich die Terroristen“-Chat-Gruppe soll laut Erkentnissen der Ermittler auch der NPD-Funktionär Dirk Abraham aufgenommen worden sein.

Die Selbstverortung der „Gruppe Freital“ im „Schwarzen Chat“ war hierbei explizit politisch („Wir sind Nazis bis zum bitteren Ende!“) und militant („Wichtig ist, dass der Naziterror weitergeht“). Die „Gruppe Freital“ bemühte sich Ende September 2015 eigene Räumlichkeiten für ein „Terrorzellenhauptquartier“ anzumieten. Vor allem Seidel und Schulz sollen den Terroristen-Anspruch durchaus ernst gemeint haben. Seit November 2015 interessierten sie sich für den Bau von Rohrbomben. Bei Schulz fanden Ermittler neben der Anleitung zum Rohrbombenbau auch einige der hierfür benötigten wesentlichen Bestandteile.

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Das NSU-UnterstützerInnenumfeld zwischen Chemnitz und Zwickau

Während wir im Antifaschistischen Infoblatt (AIB) Nr. 112 über die westsächsische Neonazi-Szene zwischen 1990 und 2002 berichteten, widmen wir uns nun der Zeit von 2002 bis zur Gegenwart. Wir erinnern uns: Anfang 2002 zog der „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) aus Chemnitz in die Zwickauer Polenzstraße. Das brachte zwar Veränderung in ihren Alltag im Untergrund, das UnterstützerInnen-Netzwerk und dessen Umfeld blieb jedoch ein ähnliches.

Chemnitz strukturiert sich neu

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AIB 111 / 2.2016 | 14.07.2016
Das Netzwerk des NSU zwischen Chemnitz und Zwickau.
Dossier
Blood & Honour Sachsen
AIB 68 / 4.2005 | 13.09.2005
Fight Club Sachsen
Nach dem Verbot von „Blood & Honour Deutschland“ (B&H) und den internen Streitigkeiten innerhalb der B&H-nahen „Skinheads Chemnitz/88er“ mussten deren Protagonisten neue Wege finden, um Chemnitz auch weiterhin als bundesweit relevanten Dreh-und Angelpunkt der Szene halten zu können.

Einer der Leitfiguren der früheren B&H-Struktur und Bekannter des NSU-Trios, Hendrik Lasch, begann Anfang der 2000er Jahre den rechten Streetwear-Laden „Backstreetnoise“ (BSN) aufzubauen, dessen Räume damals das Bundesvermögensamt (!) vermietete. Aufgrund antifaschistischer Proteste musste das Geschäft 2004 umziehen, allerdings nur ein paar Straßen weiter innerhalb des Plattenbau-Gebiets, in dem auch der NSU vor 2002 zwei Wohnungen unterhielt. Lasch, der Uwe Mundlos in dessen Unterschlupf noch Ende der 1990er Jahre besuchte und dabei von Mundlos entworfene Zeichnungen auf T-Shirts druckte und verkaufte, ist bis heute in die Geschäftsleitung des BSN eingebunden.

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Im Inneren von „Blood&Honour“

Eine unlängst bekannt gewordenen Veröffentlichung gewährt Einblicke in das Netz der konspirativ agierenden internationalen „Blood&Honour“-Bewegung.

Für bis dato nicht bekannte Einblicke ins Innenleben der „Blood&Honour“-Bewegung in Großbritannien sorgt eine unliebsame Veröffentlichung aus jüngster Zeit. Unlängst hat es ein unfreiwilliges Outing eines über 130-seitigen Fotoalbums aus B&H-Kreisen gegeben, das nun als Leak über das Internet abzurufen ist. Namentliche Zuordnungen der abgelichteten Personen geben auch regionale Bezüge preis beziehungsweise, mit welchen Aufgabenbereichen bestimmte B&H-Aktivisten betraut sind. So besitzt B&H beispielsweise eine eigens aufgestellte und bei Events einheitlich gekleidete Security-Truppe. Im Mutterland der logistischen Organisation für Rechtsrock-Konzerte auf dem gesamten Globus verfügt B&H über beinahe flächendeckende Strukturen.

Es sind nicht nur Porträtfotos von mehreren Dutzend Aktivisten, die jetzt publik gemacht wurden. Vor allem zeigen diese innerhalb ihrer Gemeinschaft umso offener ihre neonazistische Gesinnung. Gleich reihenweise sind Motive mit Hitlergrüßen zu sehen, die posierend gezeigt werden oder als „Stimmungsbarometer“ während der Konzerte betrachtet werden können – fast ausnahmslos in Begleitung sichtbarer alkoholischer Getränke. Und manch ein Abgelichteter ist mit T-Shirts zu sehen, die er wohl sonst nicht in der Öffentlichkeit anziehen würde. Etliche Aufnahmen sind bei den in der braunen Szene Kult besitzenden „Ian Stuart Donaldson-Memorial“-Festivals 2009 und 2016 entstanden.

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(Nicht)Aufklärung mit vielen Fragen

Der Düsseldorfer Wehrhahn-Anschlag im Jahr 2000

Am 27. Juli 2000 soll Ralf S. auf dem S-Bahnhof Wehrhahn per Fernsteuerung und mit Sicht auf die Opfergruppe einen selbst gebauten TNT-Sprengsatz zur Detonation gebracht haben. Am 1. Februar 2017 wurde er in seinem Wohnort Ratingen verhaftet. Der Hauptvorwurf: Zwölffacher Mordversuch – heimtückisch, gemeingefährlich, aus niederen Beweggründen und „in fremdenfeindlicher Absicht“.
Ziel des Anschlags war eine Gruppe Migrant_innen aus der ehemaligen UdSSR, die meisten von ihnen Jüdinnen und Juden. Zehn von ihnen wurden teilweise lebensgefährlich verletzt, das ungeborene Kind einer Frau wurde getötet. Alle besuchten einen Sprachkurs der Bildungseinrichtung ASG, der unweit des S-Bahnhofs auf der Ackerstraße angeboten wurde. Im Gegensatz zu den späteren NSU-Morden und -Anschlägen wurde in den Medien und von führenden Politiker_innen ein rechter Hintergrund als möglich bis wahrscheinlich eingeschätzt.
Nachdem Polizei und Staatsanwaltschaft Anfang Februar 2017 mit reichlich Lob überschüttet worden waren, legten sich während der 52. und 53. Sitzung des Parlamentarischen NSU-Untersuchungsausschusses (PUA) des NRW-Landtags am 7. und 17. Februar dieses Jahres Schatten über das Geschehen. Offen blieb, woran es gescheitert war, dass der mutmaßliche Täter nicht schon viele Jahre früher dingfest gemacht werden konnte. Und welche Rolle die Inlandsgeheimdienste beim Tatkomplex Wehrhahn gespielt haben.

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Neonazi-Rap-Konzert in Kirchheim soll Kassen füllen – Veranstalter gehört zur Szene um Ballstädt

Wir hatten hier seit November 2015 mehrfach darauf hingewiesen, dass die extrem rechte Hausgemeinschaft Jonastal (HJ) und die Angeklagten im Ballstädt-Prozess mit teils erheblichen Erlösen aus Rechtsrock-Konzerten unterstützt werden. Am 4. Februar 2017 soll nun das nächste Neonazi-Event in Thüringen stattfinden, das als „Das erste pure N-Rap Konzert“ angekündigt wird.

Unter dem Motto „Rap am Kreuz“ sollen in der „Erlebnisscheune“ in der Gemeinde Kirchheim im Ilmkreis die Neonazi-Rapper Makss Damage, Mic Revolt und Villain 051 auftreten. Bei einer begrenzen Zahl von 200 Eintrittskarten à 20 Euro könnten bei einem ausverkauften Konzert insgesamt 4.000 Euro zusammen kommen. Das Geld für die Karten sollen auf das Postbank-Konto des Neonazis Steffen Mäder mit der IBAN DE58100100100880313114 überwiesen werden. Mit der gleichen Kontonummer sammelte er für ein Konzert im Februar 2016 schon bis zu 5.000 Euro ein. Das Motto „Rap am Kreuz“ bezieht sich auf den Neonazi-Treffpunkt „Erlebnisscheune“, der von seinem Besitzer 2014 in „Veranstaltungszentrum Das Erfurter Kreuz“ umbenannt wurde. Das entsprechende Transparent am Gebäude schmücken in gelb auf blauem Grund zwei „Krukenkreuze“, wie sie in derselben Farbgebung von dem Holocaustleugner-Netzwerk „Europäische Aktion“ verwendet werden.

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Braune Musik aus dem Ländle

Der NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags beschäftigt sich mit der rechten Musikszene im Schwäbischen. Auf der Suche nach Spuren von Zschäpe und Co.

Es sind Botschaften voller Hass. „Wir kehren Euch wie den Dreck der Straße aus der Geschichte weg“, grölt Achim Schmid ins Mikrofon. „Die Sau ist tot, wir sind befreit“, heißt es in einem Lied, das den Tod des ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, kommentiert.

Was die schwäbische Band „Celtic Moon“ in den 1990er Jahren auf eine CD presste, ist auch fast 20 Jahre später kaum zu ertragen. Und doch sind es genau diese Abgründe, mit denen sich die Parlamentarier des NSU-Untersuchungsausschusses im Landtag beschäftigen werden.

Netzwerke militanter Neonazis

Am Montag sollen Sachverständige den Abgeordneten einen Überblick über die rechtsextreme Szene und ihre Musik verschaffen. Im Fokus stehen dabei die 1990er Jahre. Jene Zeit, in der sich die Jenaer Rechtsterroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe politisierten und sich über Landesgrenzen hinweg die Netzwerke militanter Neonazis bildeten.

Welche Köpfe dahinter steckten, wird die Ausschussmitglieder besonders interessieren. Erst Anfang November hatte der Vorsitzende Wolfgang Drexler anlässlich des fünften Jahrestages des Auffliegens des NSU betont, wie schwierig sich die Suche nach Unterstützern des „Trios“ gestalte. Gleichzeitig „liege es auf der Hand“, dass Mundlos und Böhnhardt über Hinweisgeber oder Kontakte verfügten, als sie im April 2007 zum Morden auf die Heilbronner Theresienwiese kamen. Dort schossen sie – darin sind sich der Untersuchungsausschuss und die Bundesanwaltschaft einig – auf die Polizeimeisterin Michèle Kiesewetter und ihren Kollegen.

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NSU verherrlicht? Rechter Liedermacher von Vorwürfen freigesprochen

Zwickau. Ein Zwickauer Liedermacher aus der rechten Szene ist Mittwoch vor dem Amtsgericht Zwickau vom Vorwurf der Billigung von Straftaten freigesprochen worden. Der 30-Jährige, der seine Lieder unter dem Pseudonym „Freilich Frei“ veröffentlicht und sich selbst in der Verhandlung als Nationalist bezeichnete, war von der Staatsanwaltschaft angeklagt worden, in einem Songtext die Taten des NSU verherrlicht zu haben. Sein Gegenargument: Das alles sei eine Satire gewesen. „Nationalisten können Terroristen nicht als Vorbild haben“, sagte er. Richter Jürgen Dietel begründete den Freispruch damit, nicht ausschließen zu können, dass es sich tatsächlich um eine Satire handelt, welche von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. Im April 2015 waren bei Razzien in fünf Bundesländern mehr als 400 Tonträger beschlagnahmt worden.

Dabei hatte die mündliche Verhandlung phasenweise groteske Züge. Der Richter ließ dreimal die Sitzung unterbrechen, weil sich kein funktionierender Laptop fand, der die fragliche CD abspielen konnte. Staatsanwalt Jörg Rzehak musste mit einem Gerät aushelfen. Später drehte sich die Diskussion vorrangig um den Buchstaben T im Wort „huldigten“, das im Liedtext vorkommt. Die Staatsanwaltschaft hatte das T in ihrer Anklageschrift verschludert.

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„Combat 18″ reloaded? – Treffen von C18-AktivistInnen in Dortmund -

Als am 4. Juni 2016 Hunderte Neonazis durch Dortmund zogen, waren auch einige wichtige AktivistInnen des internationalen „Combat 18“-Netzwerkes vor Ort. Darunter auch William Browning, genannt „The Beast“- einer der Gründer der britischen Neonazi-Gruppe „Combat 18“ (C18). Der trainierte 46-jährige Engländer galt Mitte der 1990er Jahre als einer der gefährlichsten Neonazis Europas. Offensichtlich hat an dem Wochenende ein Treffen des C18-Netzwerkes stattgefunden.

Dass Combat 18-Treffen zumeist am Rande von Konzerten oder Aufmärschen stattfinden, ist durch die Aussage eines dänisches C18-Aussteigers bestätigt. Welche Themen bei dem mutmaßlichen Combat 18-Treffen auf der Agenda standen, ist nicht bekannt. Wer die Geschichte von C18 kennt, wird vermuten, dass es dabei nicht nur um Musik ging. In einer Zeit, in der in ganz Europa rassistische Bewegungen gegen die angebliche „Invasion“ von Geflüchteten und Muslimen hetzen und vor dem drohenden „Volkstod“ warnen, erhält die Idee eines „bewaffneten Kampfes“ bei dem rechtsterroristisch orientierten Combat 18-Milieu neue Aktualität.

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[HH] Abtrimo: Über das rechte Netzwerk einer Hamburger Band

Eine kurzer Blick auf die rechte Skinheadszene Norddeutschlands – von Blood & Honour über das NSU-Umfeld bis heute
Die Band „Abtrimo“ und das folgend aufgeführte Umfeld stehen hier nur exemplarisch für eine Teilstruktur in einem über Jahre gewachsenen, internationalen Netzwerk bestehend aus vielen Bands, Gruppen und Einzelpersonen der extremen Rechten. Dennoch soll anhand der Bandvorstellung ein Teil des militanten Rechtsrock-Netzwerks Norddeutschlands skizziert werden.

Die Hamburger Band „Abtrimo“ wurde im Dezember 2010 gegründet. Die erste Demo-CD erschien 2012 mit Hilfe des Neonazis Jan Greve über dessen Label und Onlineversand „Skinhead Service“. Ein Jahr zuvor spielten sie bereits das erste Konzert. Es folgten vier weitere Veröffentlichungen und über 20 Konzerte bis heute.

Abtrimo Nienhagen Soltmann, Koschnick, Oest, H&P Mitglied, Tesch, MalinaGemeinsam mit der Hamburger Neonaziband „Likedeelers“ veröffentlichte „Abtrimo“ 2012 ein Album unter dem Titel: „Norddeutscher Untergrund… Der erste Streich!“. Die Anlehnung an die Symbolik und Namensgebung des „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU), die ihre Morde in einem Video mit der Comic Figur Paulchen Panther als „Streiche“ verharmlosten, könnte daher auch als eine Art Sympathiebekundung der Band zu der rechten Terrorgruppe NSU verstanden werden.

Weiter zeigt auch der aktuellste Sampler „4 gewinnt“ der Bands „Abtrimo“, „Ungebetene Gäste“, „Überzeugungstäter Vogtland“ sowie „Alte Schule“ die gemeinsamen, ideologischen Gewaltfantasien. Auf dem Sampler wird dies beispielhaft im Song „F.D.G.K“ der Band „Alte Schule“ deutlich, wobei der szeneintern verwendete Code für „Für Deutschland, gegen Kanaken“ steht. Die von der Band selbst zensierten Text-Stellen werden in der Aufnahme durch Schussgeräusche ersetzt. Auch in der 2014 bei „Oldschool Records“ veröffentlichten, bereits indizierten, EP „Hammonia“ propagiert „Abtrimo“ rassistische Gewaltphantasien.
Gemeinsam mit dem Potsdamer RechtsRock-Musiker Uwe „Uwocaust“ Menzel veröffentlichte die Band das Lied „Gewalt regiert uns alle“ und spielte im Mai 2016 mit ihm, „Faustrecht“ und der japanischen RAC-Band „Aggroknuckle“ ein Konzert in Staupitz in Sachsen.

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