Archiv der Kategorie 'Was ist eigentlich die Grauzone?'

Underdog-Fanzine mit Themenschwerpunkt Grauzone

Kürzlich ist eine sehr lesenswerte Ausgabe zum Themenschwerpunkt Grauzone des Underdog-Fanzines erschienen:

Themen-Schwerpunkt: Grauzone – rechte Erlebniswelten

Über den Schwerpunkt:
In der sogenannten Grauzone tummeln sich Bands, Personen, Zines, Labels, die sich vornehmlich unpolitisch zeigen und politische Extreme ablehnen. Unpolitische Skins und Punx halten sich eher an traditionelle Werte und verzichten auf die Vereinnahmung von rechts oder links. Jenseits der RechtsRockmusik etablieren sich rechte Lebenswelten, für die die Kategorie “Nazis” genauso wenig zutrifft wie das Label “unpolitisch”. Sie sind irgendwo dazwischen, in der Grauzone. Die Abgrenzung zu politischen Extremen macht die Grauzone zu einer unpolitischen Mitte, die es im Grunde nicht ist. Wir zeigen auf, wie diese mit politisch extremen Denkweisen, Verhaltensmuster besetzt ist, durchleuchten Widersprüche und fordern eine Abschaffung der Grauzone.
Zum Artikel

“Wir finden Kritik legitim und wichtig, ist sie doch auch ein Steuerungselement über das eigene Handeln nachzudenken” stellt Tost von VOLXSTURM fest und debattiert zusammen mit Bandkollege Hinkel über die “Szenetoleranz, definieren Grundkritik und reflektieren eigenen Handlungen.
Zum Interview

Biographische Züge hat das ausführliche Interview mit Olaf (STAGE BOTTLES), der seinen Werdegang in die Skin-Kultur aufzeigt und im Hinblick auf das OI-Milieu soziale Aspekte aufzeigt.
Zum Interview

„Der Sachverhalt, dass Politik in der Oi! Szene für viele angeblich keine Rolle spielt(…)ist für mich(…) auch einer der Kernpunkte der Grauzonen Diskussion“ weiß Micha von FREIBOITER und äußert sich auch über die Inszenierung der Männerwelt und die konservative Wertevorstellungen in der Skin-Kultur.
“Es hat momentan eher den Anschein, dass der Grundgedanke einer Gegenkultur in vielen Bereichen durch den Kommerz und seiner Gleichgültigkeit untergeht” behauptet Smily von PRODUZENTEN DER FROIDE und schildert seine Erfahrungen mit der Grauzone.
Christoph von PAINWORDS war tief im Deutschrock-Sumpf verortet und schildert ebenfalls seine Erlebnisse über die angebliche unpolitische Szene.
Horst und Hagen sind die Veranstalter vom RESIST TO EXIST Festival und geben Auskunft über den Umgang mit Grauzonen-Bands.
Neben weiteren Artikeln zum Thema rundet der Soundtrack “100% Antifascist OI!” die Ausgabe ab.

Quelle

Get Off The Fence – What Are We About?

Die Oire Szene Redaktion verweist an dieser Stelle auf ein Interview mit der englischen Antigrauzonenkampagne „Get off the fence!“ (Anmerkung Oire Szene: Wir wollen Grauzonenbands wie den „East End Badoes“, den „London Diehards“ und „Section 5″ allerdings im Gegfensatz zu der „Gett off the fence!“-Kampagne keine Unbedenklichkeit ausstellen – dafür gab es einfach schon zu viele fragwürdige Konzertauftritte – mehr Infos findet Ihr über die Suchfunktion in unserem Blog):

For far too long there have been many Oi! / Street Punk bands that have sat on the fence regards racism and fascism. In ignoring these problems and allowing far right activists and their bands into the scene problems are now arising where innocent people are being attacked simply for wearing a t-shirt, badge or patch the far right do not like.

In the summer of 2011 a broad-based anti-fascist and anti-racist group called Get Off The Fence came to life. As a group there are almost 400 members from all walks of life who love Oi! / Street Punk that has come together to challenge the lazy attitudes of the fence sitters and the problems Nazi boneheads seem to be causing.

Problems such as attacking people for wearing band patches / t-shirts that they do not agree with. Attacking people because they MIGHT be gay etc. I’m sure you get the picture. This kind of behaviour needs to stop in 2011 as we don’t our scene going back in time to where a lot of people got hurt, venues got shut down etc. Only a fool would want that!

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Oire Szene aus England!

Auch in England gibt es nun erfreulicherweise ein Blogprojekt, dass sich ähnlich wie Oire Szene mit den Schnitstellen zwischen der Rechtsrockszene und der angeblich unpolitischen Oi!-Szene beschäftigen. Auch in England sind die Grenzen zwischen der sogenannten Grauzone und dem Nazispektrum mittlerweile wieder erschreckend fließend, so dass dort mittlerweile eine Menge Bands (erneut) in den rechten Sumpf geraten sind. Fight the fence sitting bands everywhere!

Hier eine kurze Selbstdarstellung des Projektes inklusive eines Artikels zu der Band „Tatooed Mother Fuckers“:

Fence Sitting Bands And Their Links To The Far Right – TATTOOED MOTHER FUCKERS
For far too long there have been many Oi! / Street Punk bands that have sat on the fence regards racism and fascism. In ignoring these problems and allowing far right activists and their bands into the scene problems are now arising where innocent people are being attacked simply for wearing a t-shirt, badge or patch the far right do not like.

In the summer of 2011 a broad-based anti-fascist and anti-racist group called Get Off The Fence came to life. As a group there are 250 members from all walks of life who love Oi! / Street Punk that has come together to challenge the lazy attitudes of the fence sitters and the problems nazi bonheads seem to be causing. We want the fence sitting bands to make a point of where they actually stand regards racism and fascism. Before anyone asks we aren‘t asking them to make political stance – Instead we are asking them to make a moral stance. If they choose to make a positive stance against racism and fascism that can only be a good thing. If they choose to side with the far right we feel that these bands should involve with themselves with the Blood And Honour scene.

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Das Un-Wort: Warum »unpolitisch sein« meist viel mit Politik zu tun hat

Wie einen Schutzschild tragen Akteur_innen der »Grauzone« die Behauptung vor sich her, sie seien »unpolitisch«. Damit sollen Texte, Ästhetik und Kontakte gegen Kritik immunisiert werden. Häufig glauben Bands, Labels und Fans tatsächlich mit Politik nichts zu tun zu haben. »Unpolitisch sein« ist Synonym für ein einfaches, normales Leben. Darin offenbart sich oft ein reaktionäres Verständnis von Politik. Die Motivation, sich »unpolitisch« zu nennen, ist unterschiedlich. Für manche offensichtlich rechte Band ist es ein rhetorischer Kniff, um sich problemloser in den Subkulturen bewegen zu können. Für die breite Masse der Grauzone-Bands ist es Ausdruck von Selbstbestimmung – man möchte sich nicht diktieren lassen, was man zu singen, zu hören und zu tragen hat. Stereotyp verweisen sie darauf, unabhängig zu sein und eine »eigene Meinung« zu haben – was auch heißt, dass alle die, die politisch intervenieren, als fremdbestimmt und nicht authentisch disqualifiziert werden.

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Kult der Beliebigkeit

Wir verweisen auf einen sehr lesenswerten Artikel aus dem aktuellen „Antifaschistischen Infoblatt“ (Nummer 91 – Sommer 2011) mit dem Themenschwerpunkt „Einblicke in die Grauzone – Wo unpolitisch ofmals rechts ist“:

Teil 1: Grauzonen und rechte Lebenswelten in Punk und Oi

Die Grauzone wird im Festivalsommer wieder Thema sein. Vor allem bei denen, die eh nicht hinfahren. Weil sie keine Lust haben, mit jemandem zu feiern, der_die das Wochenende zuvor mit Nazis gefeiert hat und nur gekommen ist, um Hits auf Stammtisch-Niveau im subkulturellen Ambiente zu hören. Die Frage, warum Grauzonen zunehmende Akzeptanz in »alternativen« Räumen erfahren, führt unweigerlich ins alternative Kulturbusiness, zur Kritik an Ästhetik, Männerwelten, Skinhead-Kult und zur Suche nach dem Sinngehalt politischer Labels.

Die Etablierung der Grauzone bedeutet Raumverlust für emanzipatorische Werte. Auf Oi-Festivals wird gegen »Asylanten« und Schwule gehetzt, Hardcore-Konzerte sind häufig geprägt von Mc-Fit-gestählten Männergangs, die sich lauthals zuschreien, welcher Hooligantruppe sie angehören. Das Thema polarisiert. Antifaschistische Online-Portale wie OireSzene sammeln in Fleißarbeit Informationen, stehen jedoch in der Kritik, zu viele Bands und Konzerte im Sack »Grauzone« zu subsummieren. Die von der Kritik Betroffenen fühlen sich zu Unrecht angegriffen und forschen ebenso fleißig nach »Fehlern« in den Veröffentlichungen, um »die Antifa« zu diskreditieren.

Angestoßen wurde die Diskussion um die Grauzone im Oi-Milieu im Oktober 2008 vom »Roten Hetzpamphlet«1, das am Beispiel der Göttinger Band Stomper 98 die Verflechtung einer »antirassistischen« Band mit (extremen) Rechten aufzeigte. Stomper 98 sind Stars des Oi, doch sie stehen nur exemplarisch für Dutzende Bands, die nicht nur strukturell miteinander verbunden sind, sondern auch wesentliche Image-Merkmale teilen. Insbesondere Tattoo-Kult und (Männer-)Brachialästhetik dienen als Schnittstelle der Lebenswelten von rechts, »anti-r echts« und »unpolitisch«. Grund genug, im zweiten Teil, der in der nächsten Ausgabe (#92) des AIB erscheint, diese Ästhetik genauer zu untersuchen.

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Grauzonenbandsliste

Seit kurzer Zeit gibt es einen weiteren Blog, der sich mit dem Thema Grauzone auseinandersetzt. Dort ist u.a. eine ausführliche Liste mit Bands, welche der Grauzone zuzurechnen sind, zu finden. Verwirrend finden wir es allerdings eher, dass sich dort auch eindeutige Nazi-/RAC-Bands wie „Endstufe“, „Headcase“, „Bombecks“ u.a. befinden. Ansonsten auf jeden Fall unterstützenswert, wenn sich Leute mal die Mühe machen etwas mehr Übersichtlichkeit in die ganze Debatte/Auseinandersetzung rund um das Thema Grauzone zu bringen. Die Liste und weitere Infos findet Ihr hier.

RAC – Rock Against Communism … or White Power?

Mal wieder ein lesenswerter Artikel unserer tschechischen Genoss_innen – die Intervention beim verhinderten Konzert der Berliner Nazipunkband „Punkfront“ in Prag im Februar 2011 hat dann doch auch in Tschechien höhere Wellen geschlagen – deshalb nun folgender Artikel:

Our article about the concert Punkfront provoked more response than we expected, especially in the context of the upcoming performances of other bands of a similar nature. We therefore decided to pursue this issue a little more in depth. Punkfront is not the only band that tries to ride the line between apolitical and neo-Nazi scene. Long term, this area is occupied by groups that claim to have played „Rock Against Communism“, or if the RAC. Who but really hides behind this name?

RAC was founded in England eighties as a counterweight to the RAR (Rock Against Racism – Rock Against Racism) . Rock Against Racism was a musical festival held in 1978. It was organized by the Anti-Nazi League as an expression of resistance to the growing wave of racism in the English music scene with the impact of neo-fascist National Front party of the skinhead scene. A procession of more than a hundred thousand people passed the time of Trafalgar Square in London’s East End, where he held an open air festival with the participation of bands like The Clash and The Buzzcocks. It was originally planned for only one concert, but soon the idea of ​​committed performances by musical groups, anti-racism became a campaign in which to involve more and more bands, particularly the traditionally free-punk environment.

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Pogopolitik gegen Nazis: Das Grauzone-Problem

Peter Seyferth – Punkrocker und Politikwissenschaftler aus dem Hause „Pogorausch“ – meldet sich nach unserer Kritik am „Pogorausch“-Festival mit einem ausführlichen Text zu Wort. Einiges was dort geschrieben wird ist aus unserer Sicht durchaus bedenkenswert – einiges hingegen sehen wir inhaltlich wiederum vollkommen anders. Wir stellen den Text an dieser Stelle erstmal zum lesen zur Verfügung und werden unter Umständen demnächst nochmal aus der Sicht der Oire Szene Redaktion dazu Stellung beziehen:

Pogorausch versteht sich als antifaschistische Biermarke. Daher werden wir in einigen Artikeln darstellen, wie wir uns Antifaschismus konkret vorstellen, insbesondere angesichts oft schwer zu erkennender Nazis, die sich auf unsere Konzerte schleichen. Diese Arschlöcher haben da nichts zu suchen – und die, die es versucht haben, haben auch gespürt, dass militanter Antifaschismus Schmerzen erzeugt. Zugleich hat Pogorausch aber mit Brille einen ehemaligen Fascho aufgenommen, damit er die Konzerte organisiert. Das hat zu einiger Verwirrung geführt.
In Zukunft wird es Texte sowohl von Brille als auch von anderen mit Pogorausch verbundenen Personen geben, in denen wir uns gegen Vorwürfe wehren und klar machen, warum wir so handelten, wie wir handelten. Zunächst gibt es einen grundsätzlichen Text von unserem Hauspolitologen Peter Seyferth – etwas lang geraten, aber das ist ja typisch für diese Intellektuellen.

Ansteckungsgefahr und Toleranz in unseren Szenen
Vorüberlegung: Kann man unpolitisch sein?

Politik kotzt viele Leute an. Normale Spießer sind üblicherweise bloß vom politischen Personal (also den Politikern) und von deren konkretem Handeln enttäuscht, stellen aber die staatliche Politik an sich nicht in Frage. Radikalere Leute lehnen das ganze System ab und wollen etwas anderes (wenn auch nicht immer klar ist, was das sein soll oder wie man es erreichen kann). Klar ist, dass nicht nur Politiker schrottig sein können, sondern auch Radikale. Wer einige Zeit mit Radikalen zu tun hat, wird sich auch immer wieder über die ein oder andere Person oder Tat ärgern. Was läge da näher, als ganz unpolitisch zu werden? Endlich kein Streit mehr um unwichtige Dinge wie welche Wörter man benutzen darf oder wen man zusammenschlagen darf, nur noch wichtige Dinge wie Saufen, Style und Musik. Diese vermeintlich unpolitische Haltung ist aber nicht unpolitisch. Sie ist erstens ein politischer Kommentar (»Ich lehne die Verhaltensweisen, die ich bisher als politische kennengelernt habe, ab!«) und zweitens mit einem politischen Ziel verbunden (entweder »Alle sollten so unpolitisch wie ich werden!« oder »Allen sollten politische Einstellungen egal sein, zumindest auf meiner Party!«). Außerdem kann nerviger Streit auch über vermeintlich unpolitische Dinge entstehen.

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Wie führe ich eine objektive Diskussion über die sogenannte „Grauzone“?

Die „Frutti di Mare“-Blogsportmacher versuchen Mal wieder eine Diskussion zum Them Grauzone anzustoßen – wir möchten uns dieser Diskussion natürlich nicht verschliessen und sind dankbar dafür, dass es auch Blogseiten mit Kommentarfunktion für solche Diskussionen gibt (wir können und wollen das auf unserem Blog bekanntlich aus verschiedenen Gründen nicht leisten). Evtl. ergibt sich da ja tatsächlich eine ergiebige Diskussion…:

Vor­ge­wor­fen wer­den ideo­lo­gi­sche Ver­blen­dung, ten­den­ziö­se Ab­sich­ten, po­li­ti­sche In­stru­men­ta­li­sie­rung und Un­wis­sen­heit ei­ner­seits, zu viel fal­sche To­le­ranz, Un­wis­sen­heit oder (un­be­wuss­te) Rechts­of­fen­heit an­de­rer­seits. An­ti­fa­schis­mus, der für die einen selbst­ver­ständ­lich und daher we­ni­ger er­wäh­nens­wert er­scheint, wird von an­de­ren als nicht durch­ge­setzt be­trach­tet und viel kon­se­quen­ter ein­ge­for­dert. Dass es hier­bei nicht um mu­si­ka­li­sche Qua­li­tät geht, ist selbst­re­dend. Sowie es linke Oi-​Bands gibt, gibt es auch rech­ten Punk­rock, über deren ei­gent­li­che Ur­sprün­ge hier nicht dis­ku­tiert wer­den soll. Al­ler­dings flammt diese De­bat­te immer wie­der auf, sei es, weil eine Band dies­be­züg­lich ein State­ment ab­ge­ge­ben hat oder Oire­Sze­ne wie­der am Start ist. Un­term Strich kommt dabei eine Suppe aus ernst ge­mein­ten Bei­trä­gen, Pro­vo­ka­ti­on und ab­len­ken­den Quatsch her­aus, der die ewige De­bat­te nicht enden lässt. Das Ende davon soll auch nicht das Ziel sein, je­doch stellt sich die Frage, wie sie ge­führt wer­den kann, ohne dass die oben ge­nann­ten Vor­wür­fe nach dem zehn­ten Kom­men­tar wie­der er­ho­ben wer­den. Mit an­de­ren Wor­ten: Wie kann die Dis­kus­si­on ge­führt wer­den, um aus der Sicht ei­ni­ger so ob­jek­tiv wie mög­lich zu sein?

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Ein paar wahre Worte zum „Trouble mit der Grauzone“

Wir zitieren aus der Jubiläumsausgabe des Berliner Redskinfanzines „Commi Bastard“ zum Thema Grauzone:

…Fast lächerlich sind dagegen diese ganzen Szene Probleme mit der Grauzone. Doch leider sind die auch nicht so ungefährlich, diese Idioten, die sich selbst für so verteufelt schlau halten. Es ist aüßerst erstaunlich, das all Jene, die stets die großmäulige Behauptung im Munde führen, sich von niemanden benutzen zu lassen, und „selber zu denken“ in diesen beiden Disziplinen so dermaßen erfolglos sind. Denn während beim Commi Bastard völlig klar ist, wo ich politisch stehe, verwenden die Nazis ebend eine ganz andere Strategie. Musste die harte Naziszene in den Untergrund abtauchen, so ergeben sich daraus ja einige Unannehmlichkeiten. Tonträger können nicht beworden, Konzerte nicht offen bekanntgemacht werden, und vor allem Nachwuchs schwerer erreicht werden. Denn zum Nazi wird man nicht über Nacht. Vom normalen Jugendlichen zum fanatisierten rassenreligiösen White Power Kämpfer und Ku Klux Klan Bewunderer ist es durchaus mehr als nur ein Schritt. Dementsprechend braucht man ein Milieu, ein Umfeld, in dem man sich ungezwungen kennenlernen kann, Berührungsängste abbaut, Neugier weckt usw. Das stellt die Grauzone den Nazis zur Verfügung. Ohne sich darüber im Klaren zu sein. Denn für ausgefeilte Verstellungsstrategien hätten die meisten ihrer Protagonisten gar nicht genug Gehirnschmalz. Das die Grauzone dumm ist, bedeutet aber noch nicht, das es auch bei den Nazis niemanden gibt, der zu strategischen Denken in der Lage ist. Die Rechten testen ganz genau aus, mit wem man es machen kann. Wo kann man auf Konzerten offen auftreten? Wo gibt´s Ärger mit der Security? Mit welchen Labels und Mailorder kann man Geschäfte machen? Man tritt liebenswürdig auf, und zieht diese Leute langsam in einen Sumpf. Und viele völlig unpolitische Leute fallen darauf herein. Nicht wenige Bands lassen sich benutzen, als Geldquelle (weil sie für vermeintlich unpolitische, in Wirklichkeit aber rechte Veranstalter auftreten, oder ihre Tonträger über rechte Label veröffentlichen.) Oder als Helfer bei der Nachwuchsrekrutierung. Immerhin verschafft man den Nazis Zugang zu Menschen, die bisher nur wenig mit deren Ideologie in Kontakt gekommen sind, und von sich aus wahrscheinlich nicht auf ein Nazikonzert gegangen wären. Aber auf so einem unpolitischen Oi! Konzert, wo alles ganz „geschmeidig“ abgeht, da lernt man die netten Jungs mit der nationalen Einstellung mal beim Bierchen kennen. Unsere Froinde, die sich angeblich nicht benutzen lassen wollen zeigen sich in der Praxis nur allzu oft als praktische Idioten, für Leute, die alles andere als ihre Froinde sind. Spricht man einen Grauzonentrottel darauf an, ist das Geschrei meist groß. Das lässt sich gar nicht vermeiden. Viele sind sogar aufrecht überrascht, sich plötzlich im Fadenkreuz der Antifaschisten wiederzufinden. Das ist eine Folge der völlig verlogenen und unehrlichen Politik von rechter Seite, die ihre wahren Ziele versteckt, sich tarnt, schwammig gibt, ausweicht oder viele Leute auch offen belügt. Natürlich schimpfen unsere Grauzone-Freunde dann wie die Rohrspatzen auf die „Antifa“. Fühlen sie sich doch zu unrecht beschuldigt. Und begeistert klopfen ihnen ihre falschen Freunde dabei auf die Schulter. So ist das ebend, wenn man sich benutzen lässt. Wenn man nicht merkt, wie man von anderen ausgenutzt wird und sich auch noch für diese Leute in den Ring stellt.

Frei nach Lenin möchte ich aber hier in Richtung Grauzone eins sagen: Ihr habt das Recht uns zu kritisieren! Aber WIR haben auch das Recht EUCH zu kritisieren. Und WIR haben das Recht, eure Hand loszulassen, wenn ihr in den Sumpf marschiert. Denn in diesen Sumpf kommen wir nicht mit. Das ist unsere Entscheidung. Ersauft an eurer Dummheit alleine! Dementsprechend werden derartige Bands in meiner bescheidenen Publikation auch weiter ignoriert werden. Egal wie „Skinhead“ sie angeblich sind.

„What the fuck is Grauzone?“

Die „Frutti di Mare“-Blogbetreiber_Innen versuchen mal wieder eine nicht ganz uninteressante Diskussion zum Thema „Grauzonendefinition“ anzuschieben. Eine disskusionswürdige Angelegenheit:

Nach­dem hier nun schon ei­ni­ge Male dis­ku­tiert wurde, dass al­lein Myspace-​Freun­des­lis­ten nicht aus­rei­chen, um ein Ur­teil über die Ge­sin­nung ei­ni­ger Bands zu fäl­len, ist es durch­aus mal eine Über­le­gung wert, zu schau­en, was denn als aus­rei­chend be­trach­tet wird und – wenn das noch un­ge­nü­gend ist für to­le­ran­te­re Men­schen – was denn noch als ak­zep­ta­bel gilt bzw. was dann er­füllt sein muss, um in den Augen die­ser Leute als rechts­of­fen zu gel­ten.

Denn schein­bar sehen sich ei­ni­ge Men­schen nicht als rechts­of­fen, wo an­de­re schon wie­der­um alle Fak­ten dafür spre­chen sehen. Oder diese Leute sehen die eben be­sag­ten Kri­ti­ker als linke Ex­tre­mis­ten an. Hier­bei soll­te keine Dis­kus­si­on dar­über statt­fin­den, wo wel­cher „Ex­tre­mis­mus“ an­fängt, weil da ja be­kannt­lich schon ei­ni­ge Gren­zen vor­her über­schrit­ten sein müs­sen, son­dern eher eine, die viel­leicht zei­gen könn­te, wo rechts in wel­cher Szene an­fängt, um evtl. den schwam­mi­gen Be­griff der Grau­zo­ne fest­zu­ste­cken.

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