Archiv der Kategorie 'Which side are you fighting for?'

Debattenbeitrag: Das Grauen mit der Grauzone – Ein Versuch

Die „Thüringenpunx“ haben einen Beitrag zur „Grauzonen“-Debatte verfasst. Lesenswert!:

Seit einigen Jahren gibt es eine Diskussion um die sogenannte Grauzone, die im Internet, in AZs und in diversen Kneipen wohl recht häufig geführt wurde und immer noch aktuell ist. Es geht dabei oftmals um Bands oder Einzelpersonen, die nun mehr oder weniger mit Neonazis oder menschenverachtenden Einstellungen sympathisieren oder diese zumindest tolerieren. Es gibt diverse Ansätze diese Diskussion zu führen. Die Erstveröffentlichung des Textes fand in der Alerta Südthüringen statt.

Mittlerweile dürfte wohl jeder, der sich mit Punkrock beschäftigt hat, schon mal über den Oireszene-Blog gestolpert sein oder auf einem Konzert bzw. Festival gewesen sein, auf dem mindestens eine Person mit Krawallbrüder-Merch oder ähnlichem Rotz herum gelaufen ist. Während noch in den 80er und 90er Jahren die Diskussion vor allem im Bereich der Skinheadszene eine äußerst positive Entwicklung genommen hat und viele Skinheads sich gegen Neonazis und Rassismus in der SHARP-Bewegung (Skinheads against racial prejudices) oder bei den RASH (Red and Anarchist Skinheads) organisierten, nahm dies mit dem Schwinden der Boneheads ab. Mittlerweile gibt es kaum noch solche Gruppierungen und sie machen nur noch einen kleinen Teil der Skinheadbewegung, zumindest in Deutschland, aus. Mit der Veränderung in den Subkulturen änderte sich auch der Umgang mit Neonazis und menschenverachtenden Einstellungen. Wenn noch, wie vor einigen Jahren auf dem Force Attack, Krawallbrüder auftreten und die johlende Menge „Ein Baum, ein Strick, ein Antifa-Genick“ rufen konnte und auf dem Festival sexuelle Übergriffe auf Frauen keine Seltenheit waren, scheint mächtig was schief gegangen zu sein.

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Ein paar Worte zu den Stage Bottles und der Grauzonendebatte

Wir dokumentieren einen Diskussionsbeitrag von „Indymedia Linksunten“:

Lustig, dass es bei der sogenannten Grauzonen-Diskussion immer wieder die gleichen Argumentationsmuster zu beobachten gibt. Eins der häufigsten ist das, was Du hier schreibst: „ich hab mit denen geredet, die sagen die sind links und ich kenne ihn seit 25 Jahren“. Ich kann so eine Aussage doch nicht wirklich an persönlichen Befindlichkeiten festmachen?! Man muss doch den Gesamtzusammenhang sehen: Wie stellt sich eine Band dar und wie handelt sie? Wie und wo tritt sie auf, was hat sie für Texte und sonstige Aussagen? An welches Publikum wendet sie sich? Erst wenn ich all das berücksichtige, kann ich die Band einordnen. Und hier geht es gar nicht darum, ob eine Band jetzt „Grauzone“ ist oder nicht, sondern einfach um ein grundlegendes linkes Werte- und Normenverständnis, anhanddessen jede*r einordnen sollte, was nun für sie*ihn geht und was nicht.
Was für mich gar nicht geht, sind plumpe Pauschalisierungen. „Veganer“? „Anti-Deutsche“? Was soll dieser Angriff gegen vermeintlich homogene Massen?

In den letzten Jahren habe zumindest ich die Entwicklung der Stage Bottles beobachtet und musste auch hier eine zunehmende Entpolitisierung feststellen. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter – ich denke, dass das die Stage Bottles nahezu die Augen vor diskriminierenden Mechanismen verschließen. Nachfolgend möchte ich einige Vorkommnisse nochmal erläutern.
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“Grauzone” und Denunziantentum

Und der nächste jämmerliche Versuch aus der Hardcore-“AntiD“-Ecke die Grauzonenkritik auseinanderzunehmen. „3Dioptrien“ schaffen das aber auch nicht besser als „Bonjour Tristesse“. Auch hier wird in erster Linie nur auf inhaltliche Fehlgriffe (die wir, wenn es sich z.B. tatsächlich um Antisemitismus von links gehandelt hat, hier auch immer kritisiert bzw. nie supportet haben) einzelner internationaler RASH- oder SHARP-Acts verwiesen und ansonsten jegliche antifaschistische Recherchearbeit als überflüssig bezeichnet. Wir fragen uns an dieser Stelle nochmal nachdrücklich, was dieses versuchte Reinwaschen von Bands aus der rechtsoffenen Grauzone bewirken soll. Möchten die Hardcore-“Antideutschen“ hier nach neuen Bündnisparter_Innen fischen, da Ihnen langsam aber sicher zurecht der Nachwuchs ausgeht? Oder sollen hier die Tore für Freies Fluten von heimatlich bis völkisch ausgerichteten Musikgruppierungen („Frei.Wild“, „Krawallbrüder“, „Perkele“, „Schusterjungs“, …) geöffnet werden, um hinsichtlich der mit den Europawahlen bevorstehenden antimuslimischen Hetze der diversen rechtspopulistischen bis neonazistischen Gruppierungen endlich gemeinsam & effektiv den islamischen Hauptfeind der Hardcore-“AntiDs“ zu bekämpfen…? Wir wissen es nicht. Deshalb stellen wir unseren Sarkasmusmodus jetzt auch wieder aus und hoffen beim nächsten Mal auf fortschrittlichere Diskussionsbeiträge…

Hier findet Ihr den Beitrag von „3Dioptrien“: “Grauzone” und Denunziantentum

„Bonjour Tristesse“ vs. „Rotes Hetzpamphlet“

Wir dokumentieren einen Diskussionsbeitrag des Hardcore-“Antideutschen“-Blogs „Bonjour Tristesse“ aus Halle zur Grauzonendebatte. Wenige Punkte sind hier aus unserer Sicht bedenkenswert. Der Großteil des Inhalts dieses Textes zeigt leider, dass die vermeintliche Lektüre von kritischer Theorie bei manchen Menschen zu allgemeinen Hass auf alles Bewegungslinke führt. Traurig, dass wir uns zu Beginn des Jahres 2014 gleich mit so einem miesen Beitrag zur Grauzonendiskussion auseinandersetzen müssen. Wir haben nach der Lektüre dieses Textes den Eindruck, dass es sich um einen frustrierten Ex-“Linken“ handelt, der auf seinem Weg aus der linken Szene heraus nochmal auf alles vermeintlich Linksradikale verbalradikal eindreschen möchte. Wer unseren Blog in den letzten Jahren aufmerksam verfolgt hat, müsste festgestellt haben, dass wir – soweit es unsere Kapazitäten zugelassen haben – nachhaltig belegt haben, dass sich Teile der Grauzone zunehmend auf dem Weg in die rechte Szene befinden bzw. rechte Inhalt mainstreamkompatibel gemacht haben (letzteres ist aus unserer Sicht sogar wesentlich gefährlicher!). Die Verharmlosung dieser Entwicklungen im Bonjour Tristesse sind mehr als erschreckend! Stattdessen wird auch noch auf die wenigen verbliebenen linksradikalen Aktivist_Innen im Subkulturbereich eingeschlagen (mit Ausnahme der berechtigten Kritik an „RASH Stuttgart“) und sogar Feine Sahne Fischfilet gebasht. Wir fragen uns wirklich, was dieser Beitrag – ausser weiterer innerlinker Zersetzung – bewirken soll. Die Oire Szene Redaktion fühlt sich ideologisch weder dem „Antideutschen“– noch dem „Antiimp“-Lager zugehörig. Und so soll es auch bleiben. Wir haben verschiedene Meinungen und Ansichten und damit sind wir bis hierher zumeist sehr gut gefahren. Für eine inhaltlich konstruktive Debatte zur Grauzonendiskussion sind wir jederzeit gerne zu haben. Das hier fällt aber bis auf wenige Punkte traurigerweise unter das Label „Satire“ bzw. „Spaltertum“. Wer Lust & Zeit hat eigene Diskussionsbeiträge zu diesem Papier zu verfassen, kann uns diese gegebenenfalls gerne zusenden und wir werden diese dann ebenfalls veröffentlichen. Wir würden eine grössere Debatte zu den akuten Problemen in den verschiedenen Jugend(sub)kulturen bzw. zur Grauzone sehr befürworten – und natürlich auch in einer kontroversen Art & Weise! Wir wünschen uns an dieser Stelle ansonsten ein kämpferisch starkes 2014 & hoffen, dass es gelingt stadtpolitische, sozialrevolutionäre, antifaschistische & antirassistische endlich wieder zu einer tatkräftigen linken Bewegung zusammen zu führen. Die große Demonstration Ende Dezember in Hamburg für die „Rote Flora“, gegen die zunehmende soziale Spaltung der Gesellschaft, für eine soziale Stadt, Bleiberecht und gleiche Rechte für alle, hat gezeigt, dass es funktionieren kann gesellschaftspolitisch wieder stärker wahrnehmbar zu werden als radikale Linke! Und natürlich werden wir an dieser Stelle auch unseren Beitrag im Kampf um die kulturelle Hegemonie im so wichtigen vorpolitischen Raum fortführen!

Zum „Bonjour Tristesse“-Beitrag geht es hier: German Abstiegsangst. Die Grauzonendiskussion: Agonie der Subkultur

A Brief Summary Of Real Oi! From An Anti-Fascist Perspective

Ein interessantes Interview bezüglich Interventionen gegen die Grauzone gibt es auf dem enflischen „Street Voice“-Blog zu lesen:

What is Real Oi! you may ask? Well many of us are trying to work that out for ourselves but I guess it’s something bands such as Close Shave, Code 1, Condemned 84, Pressure 28 and the likes of Tattooed Mother Fuckers see themselves. They would say they are just being Anti-PC but lets face facts they’re quick enough to moan about everything else bar fascism and racism? I’d just put the term ‘Real Oi!’ down to a few mentalists.

Why Do You Think They Avoid Discussing Fascism and Racism? Well most of the bands who describe themselves ‘Real Oi!’ have members who were and still are associated with the Far Right. Let’s face it many of their fans are from the Far Right so they’re hardly likely to alienate their audience. That would be lunacy of the highest order!

Is Fascism And Racism A Recent Thing In Oi? No not really! If you go back to the Mid-Eighties bands like Condemned 84, Close Shave and Section 5 were happy to share stages with the likes of Skrewdriver. In fact one of Close Shave had one of their members playing with the Far Right band ‘Razors Edge’. In the 90’s bands like Another Mans Poison, Blank Generation and Pressure 28 were all happy to be linked with the Far Right. In fact Blank Generation were more open than most by painting Celtic Cross symbols on their guitars – Check out their debut single ‘Another Victim’ as proof of this. However there are ties with the Far Right that go back as far as 1979.

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Ein weiterer Artikel zum Thema: A Mistake To Under Estimate Fascism Within The Scene Some

Besonders zutreffend findet die Oire Szene Redaktion folgende Aussage:

Why Does Real Oi! Seem To Come And Go?

I guess this is down to the fact of how the UK Blood And Honour scene operates. In times of plenty of gigs, record deals etc in the B+H scene the so called ‘Apolitical’ bands and crowds all suddenly find their right arms stiffening up again. When times are bad for the likes of Blood And Honour the Nazi’s then become Apolitical again in order to be accepted back into Street Punk circles and get gigs etc. They seem to have more faces than Big Ben.